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Tuesday, 18. june 2013 2 18 /06 /Juni /2013 15:27

Sie ist unsere Lieblingsstadt in Deutschland. Weil Toria dort wohnt und wir uns kennen gelernt haben. In Nürnberg. Und lieben. Nürnberg auch. Eine Stadt mit ellenlanger Vergangenheit. Rühmlicher - Nürnberg war schon Reichshauptstadt, da war Berlin noch ein Dorf und unrühmlicher auch - wir waren im Dokumentationszentrum zu Nazi-Untaten von und mit Nürnberg.

 

Nürnberg 1 - 2Heute hat sie einen italienischen Flair in der schönen Innenstadt, die so liebevoll wieder hergerichtet wurde. 

 

 

Nürnberg 1 - 4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Tag ist für uns. Dann gehen wir aus, Nürnberg erleben und uns an uns erfreuen. Toria ist so freundlich und lässt

uns ziehen, ja fährt uns gar bis ins Zentrum. Abends bringt uns ein Taxi zurück, voll des guten fränkischen Weines, der kleinen Würstchen und des Obatzten. Gut mundet das! 

 

Der Weg mit seinen Stationen ist meist derselbe. Beginnend im Bratwurstherzel bei 6 mit Kraut (was zum Essen, ihr Schlauköppe). Dann gings durch Nürnberg 1 - 3die Stadt mit seinen schönen Gassen, den Fluß entlang, über eine stählerne Hängebrücke (die erste in Deutschland) auf der anderen Seite hinan zum Goldenen Posthorn. Nürnberg 1 - 1Seit 1313 werden hier im Schatten der Sebalduskirche Gäste bewirtet. Dann hoch zum Schlenkerla unterhalb der Burg neben dem Dürerhaus. Wir sitzen draußen, beobachten Leute, die den von der Burgmauer und alten Patrizierhäusern umrahmten Platz einnehmen. Im Sommer sitzen sie auf den Steinen lange bis in die Nacht hinein. Und die Burg über ihnen wacht. So lange wollten wir nicht bleiben, es zog uns in die Stadt hinab. Zum Italiener zuerst, doch danach gelüstete es uns nach Caipirinhas und dann waren wir wieder beim Italiener auf dem Hauptmarkt zu Espresso und Grappa als Absacker, denn danach war Schluss. Es war ja auch schon spät geworden und der wohltuenden Worte waren viel gewechselt zwischen uns Liebenden in Nürnberg.

 

Wir blieben noch ein paar Tage.

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Monday, 10. june 2013 1 10 /06 /Juni /2013 22:46

10. Juni 2013 20:28 -. Im Tal Regen, aber die Sonne wird stärker. Ach Sonne, komm schon, wir haben so lange auf dich gewartet.
Rio de Janeiro (8 Uhr morgens) 20 Grad; Dar es Salaam 29 Grad, leicht bewölkt

Da war er wieder, der Paukenschlag unseres Kanzlerkandidaten. Seinen Pressesprecher hat er entlassen. Und wer soll der neue sein? Gerüchte sagen, der Ex.Hauptstadtredakteur der BILD! Trau ich ihm zu. Steinbrück bleibt Steinbrück, da helfen keine Sprecher, selbst Aspirin versagt, schreibt einer in seinem Kommentar. Oder sollte das alles nur Taktik sein, um nicht wirklich an die Macht zu kommen?


Priol hat mich auf die Idee gebracht (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1910204/Neues-aus-der-Anstalt-vom-28.05.2013?bc=svp;sv0&flash=off).

 

Seine Argumentation hat was. Denn was hat sie nicht alles auf die Beine gebracht seit ihrer Gründung vor 150 Jahren, die SPD. Den 8-Std. Tag erkämpft zusammen mit den Gewerkschaften. Untertanen zu Bürgern gemacht nach dem Ende des WK I und des Kaiserreiches (gegen den Willen so mancher Untertanen); Das Frauenwahlrecht eingeführt (und die modernen Frauen wählen heute mehrheitlich Angela); in der Weimarer Republik die Fahne der Demokratie hoch gehalten von der das Bürgerlich-Katholische Zentrum in entscheidenden Momenten abfiel. Nur die SPD hat gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz gestimmt mit der mutigen Rede von Otto Wels (Gauck: es war die mutigste Rede, die je in einem deutschen Parlament gehalten wurde). Und schon wieder kuschte das Zentrum vor den Nazi-Schlägern. Dann war der 2. WK vorbei. Das opportunistische Zentrum kam aus seinem Kellerloch, nannte sich nunmehr CDU, holte noch ein paar Altnazis ins Boot und taten so, als gehöre das Land ihnen. Hat geklappt. Mehr Demokratie wollte er wagen, unser Willy, gegen den geschlossenen Widerstand der CDU-Stahlhelmer haben sie die Ostverträge durchgesetzt und die spätere Einheit erst möglich gemacht. Keine Beteiligung am Irak-Krieg; danach die Agenda 2010 auf der sich die Union heute ausruht und alle Erfolge am Arbeitsmarkt für sich verbucht. Und jedes Mal, wenn der Karren im Dreck stak, durfte sie (die SPD) ran und alles ausbaden. Nach Adenauer ebenso wie nach Kohl war es die SPD, die unserem Land die notwendigen Modernisierungsschübe verordnete. Und jetzt, nach gefühlten ewigen Zeiten Angela Merkel und ihre Stolpertruppe, die alle wichtigen Entscheidungen von Karlsruhe diktiert kriegt, verwässert, auf die lange Bank schiebt, aussitzt und doch eine strahlende Kanzlerkandidatin vorweist, jetzt soll die SPD all die liegen gebliebenen, halben oder falschen Reformen wieder in Ordnung bringen, jetzt wäre es verständlich, wenn die SPD mal sagt, löffelt eure Suppe selbst mal aus. Nicht mehr mit uns.


Wie gesagt, die Idee ist dem kabarettistischen Vortrag von Priol entnommen. Ich hab sie nur in eigene Worte gekleidet. Verständlich wär es, wenn unsere Obergenossen so denken würden. Denn die sind ja auch nicht dumm. Steinbrück wird es schon richten.      

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Sunday, 9. june 2013 7 09 /06 /Juni /2013 17:19

Seit 2 Tagen regnet es. Macht nichts.

Auf keinem der Bahnhöfe der S-Bahn habe ich eine Uhr gesehen. Auch keinen Fahrplan mit Abfahrtzeiten. Römer nehmen den nächsten Zug, der kommt. So viel Zeit muss sein.

(So was, kaum hab ich das geschrieben, tauchen auf den Bahnhöfen Fahrpläne auf. Aber noch keine Uhren)Mit H&J in Rom 2013 - 006
Mittwoch, den 8.Mai 2013: 
Einen Vater beobachtet, der seinem Sohn beibringt, wie man bei Rot über die Straße geht. Kommen keine Autos, tun das viele Römer. Ein deutscher Junge hinter mir schreit verzweifelt, es ist doch rot! Aber auch wenn sich die Autoschlange nicht zu schnell bewegt, schlängeln sie sich gekonnt durch. An Zebrastreifen rasen sie heran und bremsen jedes Mal ab, setzt man seinen Fuß auf die Straße. Dort, wo man nicht geht, machen sie einen Schlenker und fahren weiter. Alles ohne sichtbaren Stress.

Heute ist der letzte Tag. Den Abend werden wir in Trastevere verbringen. Morgen fahren wir zurück gen Norden. Freitag wollen wir in den Alpen sein, mit Frederik Konfirmation feiern und durch den Regen laufen.

Hier scheint wieder die Sonne.

Mit H&J in Rom 2013 - 223

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Thursday, 6. june 2013 4 06 /06 /Juni /2013 12:00

 

Mit H&J in Rom 2013 - 008

Ach ja, Rom. Urbs wird sie genannt, DIE Stadt. Wir kennen den Segen. Urbi et Orbi, der Stadt  und dem Erdkreis. Und Rom ist gemeint.

Mit H&J in Rom 2013 - 067Ihr historische Kern schmiegt sich in die Ausbuchtung des Tibers und drüben, auf der anderen Seite, zieht sich das malerische Trastevere den Hügel hinauf, der ehemalige Wohnort von Handwerkern, Dienstleistern und Villenbesitzern. Die „ewige Stadt“ wurde sie schon vor Christus genannt, 1 Million Einwohner soll sie zu Neros Zeiten gehabt haben. Doch dann ging es abwärts mit dem Römischen Reich und seinem Zentrum. In der Renaissance, im 16. Jhd. berichten die Chronisten von Schutthaufen, verfallenen, abgerissenen, ausgeplünderten Resten der Römerzeit, die als Steinbruch für das neue Rom dienten. Bramante, der berühmteste Baumeister der beginnenden Renaissance war der Meinung, weg mit dem Alten. Die meisten herrlichen Gebäude, Plätze, Straßen die wir so bewundern, sind ab dem 15. Jhdt. entstanden. Das alte Rom war untergegangen. Es ist noch nicht lange her, 200 Jahre etwa, dass man auf die Idee kam, auch das Alte hätte seinen Wert (das stimmt nicht ganz. Schon Raffael, der Nachfolger Bramantes beim Bau des Petersdom, versuchte die historischen Schätze zu retten, mit mäßigem Erfolg). Fleißigen Archäologen verdanken wir die Ausgrabung vergangener Schätze, zerbrochen, zerzaust, unvollständig. Mit H&J in Rom 2013 - 070Und doch lassen sie eine Ahnung zu, wie es einmal ausgesehen hat in dieser historischen Stadt mit ihren anmutigen Tempeln, Villen, mächtigen Basiliken, erhabenen Statuen, Prachtstraßen und Triumphbögen, mit ihren von allen Römern benutzbaren Thermen und den Aquädukten, die fließend Wasser in die Häuser brachten, mit ihren Amphitheatern und Pferderennbahnen. Noch heute vermeine ich die Stimmen von 350 000 Menschen am Circus Maximus zu hören, dort, wo einst Ben Hur um die Kurve gesaust sein soll.

Klar, Rom ist ein Gesamtskunstwerk, wie Jörg sagt.. Und doch dazwischen immer wieder Mit-H-J-in-Rom-2013---198.jpgZerfall, sei es, weil das Geld fehlt um zu erneuern, sei es, weil die Genehmigung fehlt, sei es Schludrigkeit. Und wie die Vandalen und Kelten und Karthager und Westgoten und Ostgoten und Franken und Alemannen und alle ihre Nachfolger in Rom einfielen und die Stadt einnahmen, sind es heute die Touristen, die Gott sei Dank die Stadt stehen lassen. Ansonsten aber die gleiche vereinnahmende Funktion haben. Ach wie gut, dass ich nicht dazu gehöre, zu den Touristen, gelle.
Sie stören mich wenig, diese Unschönheiten, die zeigen, dass hier gelebt wurde, denn sie bringen die erhabene Grazie und den Charme dieser einmaligen Stadt noch besser zur Geltung. Wie bei einer schönen Frau mit einem Pflästerchen im Gesicht. Absolute Perfektion ist nicht schön.


Ps: Man kann Rom auch anders sehen. Bei Brinkmann gelesen: „Dieses Arkadien (er meint dem Goethe seine Rom Verherrlichung; RE) ist die reinste Lumpenschau“

Mit H&J in Rom 2013 - 222

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Tuesday, 4. june 2013 2 04 /06 /Juni /2013 12:27

Mit H&J in Rom 2013 - 186Vor der Sintflut an Informationen waren wir in eine der Bars im Vatikanischen Museum ausgewichen. Ich war müde. Ein starker Kaffee sollte helfen. Ein Mann an einem Stock humpelnd kommt herein, abgerissen, Clochard-ähnlich, ein Beutel schlenkert ihm um die Beine. Seine laute, dröhnender Stimme füllt den Raum. Er verzieht sich an die Kasse, lehnt sich an die Wand, erhält ein Wasser und vergnügt die Bedienung mit Geschichten in donnernd vorgetragenem Italienisch. Wir gehen, er hinkt hinter uns her, where are you coming from schallt es uns nach. Ich will nicht antworten, M sagt, Germany. Deutschland, oh Deutschland kenne ich, donnert es im Gang, den wir erreicht haben, vor uns die Menge an Leuten, die sich Leib an Leib die Treppe hoch dem Eingang der Sixtinischen Kapelle entgegen winden. Der Mann spricht fließend Deutsch mit einem leichten Akzent. Woher in Deutschland? Einer Kleinstadt? Oh, ich kenne deutsche Kleinstädte, Nürnberg, Koblenz, Bonn, auch München, Frankfurt. Ich liebe dieses Land und studiere deutsche Philosophie, Kant, Hegel, Bloch, Heidegger. Seine laute Stimme ist mir peinlich, die Menge vor uns wird aufmerksam. Aber ich muss keine Angst haben, er redet mit den Wächtern, die machen den Aufgang für das Personal frei und da hinkt er nun hoch und verschwindet aus meinem Blick.  

Dienstag, den 7. Mai 2013. 
Rom, hat Goethe behauptet, habe ihn glücklich gemacht. Und danach sei er nie wieder in seinem Leben glücklich gewesen. Was der Meister meint müssen seine Adepten ebenso fühlen. Auch seine Nachfolger beschreiben, welch reines Glück sie in dieser Stadt erfasste. Bei Ortheil (Die Erfindung des Lebens) hört sich das nach seiner ersten Ankunft so an: „Ist das Freude? Reine Freude? Ist das, was ich gerade empfinde, nicht die reinste, unbeschwerteste Freude?“. Dabei ist er auf dem Hauptbahnhof in Termini angekommen! P1050028Ja, sie hat Plätze und Ecken und Winkel, diese Stadt, die Ruhe und Frieden ausstrahlen und Römer scheinen gut zu leben. Aber ich bin so, wie ich bin, auch hier. Glück ist ein seltenes Gut.

 


Halt! Halt! Wie nur konnte ich zweifeln, dass Rom glücklich machen kann? M gehört doch dazu, wie konnte ich das vergessen. Das erste Mal da sie mich nach Rom brachte, mit den Fahrrädern kamen wir vom Norden und da war die Tiberbrücke und da war das Tor zur Piazza di Popolo und dann standen wir auf diesem herrlichen Platz, auf dem M vor meiner Zeit glücklich war, und da musste sie ein wenig weinen. Vor Glück. Und seither erlebe ich sie immer besonders glücklich in ihrer Stadt, sie, die begnadete, die so gerne glücklich ist. Die ich verschleppt habe in das kleine Dorf.

 

Ps: Man kann es auch anders sehen. Bei Brinkmann gelesen: „Dieses Arkadien (er meint dem Goethe seine Rom Verherrlichung; RE) ist die reinste Lumpenschau“

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Sunday, 2. june 2013 7 02 /06 /Juni /2013 16:33

Montag, den 6. Mai 2013; noch immer Vatikanisches Museum, diesmal der Höhepunkt: die Sixtinische Kapelle

 

Lightmatter Sistine Chapel ceilingLange, wunderbare Gänge wurden wir entlang geleitet im Strom der Beschauer. Die von Michelangelo ausgemalte Decke samt Chorwand ist ganz am Ende der verwinkelten Vatikansgebäude zu finden, nahe am Petersdom. Ursprünglich war sie gedacht als Trutz- und Schutzkirche für den Papst bei Angriffen und Überfällen, dann wurde dazu die Engelsburg auserkoren. Verbaut wie sie war - oben drauf waren ursprünglich Zinnen und Unterkünfte für Soldaten - sollte die Sixtinische, bschloss Papst Julius II, innen zumindest hübsch aussehen und ihre Asymetrie vergessen lassen. Michelangelo, der Bildhauer, erhielt gegen seinen Willen den Auftrag. Und getreu seiner Arbeitsethik verbiss er sich in ihn, lehnte die sonst üblichen Hilfen von Malerfreunden ab und erschuf die Genesis neu an die Decke der Kirche. Getreu dem Vorbild des Schöpfers in der Bibel kraftvoll und ohne Kleider. 


War schon das ganze Museum voll, übervoll, so wurde es im Gang vor der Kapelle gerammelt voll. Und der Stau schleppte sich bis in den Innenraum der Kirche, dicht an dicht standen die Besucher, schoben sich nach hinten durch, starrten nach oben, leise murmelnd, staunend. Wächter, Herolden gleich, thronen am Eingang neben dem Altar über der Menge und dröhnen mit ihren tiefen, weit tragenden Stimmen immer wieder „Silencio“ und „No Photos“. Doch unablässig wurde geredet und einige unbelehrbare schickten umbekümmert die Blitze ihrer Smartphones zum Himmel.


Chapelle_sixtine2.jpgIch hatte mich mit der Menge in den Raum hinein spülen lassen, auf meine Füße geschaut, wollte die Herrlichkeit über mir mit einem Blick erfassen. Um dann in der Enge, im Gedränge unter zu gehen. Platzangst erfasste mich, wollte mich an M festhalten, da war auch sie verschwunden, weggespült, außer Reichweite. Gott sei Dank habe ich sie gefunden und in einer ruhigen Ecke hinter der Abgrenzung, wo früher das einfache Volk stand, da haben wir Zeit und Muße zum Staunen gefunden. Gesehen hatte ich sie alle, die Bilder die die Schöpfung ein zweites Mal erschaffen (nichts geringeres hatte Michelangelo im Sinn). Es gibt in der Malerei keinen Vergleich zur Wirklichkeit da oben, zu den Figuren....(mal wieder fehlen mir doe Worte. Bei diesem unglaublichen Werk nicht verwunderlich. Man muss es gesehen haben).


Nur noch eine Geschichte, die zu diesem Überkünstlers passt. Zehn Minuten nach oben starren hatten gereicht, um Hals, Kopf und Schultern müde werden zu lassen. Jeden Tag hat Michelangelo von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang unter der Decke gemalt, den Kopf nach hinten gebogen, die Arme wurden ihm schwer, der Körper steif, Farbe tropfte ihm ins Gesicht und in die Augen, auch wenn er sie zu Schlitzen zusammen kniff. Als es nicht mehr ging in dieser Position zu malen, ließ er das Gerüst höher hinauf bauen. Da saß er nun, näher der Decke auf seinen Fersen, die Augen eng an der Wand. Doch sein ausgemergelt Körper hielt auch diese Position nicht lange durch. Nochmals ließ er das Gerüst höher stellen. Jetzt lag er auf dem Rücken, die Beine angezogen wie ein Fötus, in dieser Haltung seine Arme abstützend und erleichternd, die oft kaum den Pinsel halten konnten. Nur einen Helfer hatte er, gestattete er sich, der rührte den Speis für den Freskenuntergrund an, trug die Säcke die Leiter hoch und stützte den Meister, wenn er taumelnd auf die Beine kam. Vier Jahre hat Michelangelo diese Tortur an der Decke ausgehalten. Dann war das Meisterwerk fertig.

 

Fotos aus Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Sixtinische_Kapelle,
Autor: By Aaron Logan, from http://www.lightmatter.net/gallery/albums.php {{cc-by}}

See page for author [CC-BY-2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)], via Wikimedia Commons

Lightmatter Sistine Chapel ceiling

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Thursday, 30. may 2013 4 30 /05 /Mai /2013 19:41

Ein Mordsgewitter zieht des Nachts über uns hinweg. Im WoMo ist die Naturgewalt viel näher und unmittelbarer. Auch angstvoller.

Hunderte, ja vielleicht tausende dieser zumeist dunkelhäutigen Menschen aus Afrika und Asien belagern Straßenränder und Plätze mit ihren billigen Artikeln auf leicht zusammenlegbaren Gestellen und Tüchern. Oft kommt die Polizei, haben sie einen Warner? Blitzschnell verstauen sie ihre Waren und flüchten. Um nach einer gewissen Zeit wieder genau da zu stehen, wo sie waren. Oder anderswo. Wie viel verdienen sie mit ihren Sonnenbrillen, nachgemachten Designerhandtaschen, Tüchern, Spielsachen, Krimskram, der nur kurz hält? Gelesen habe ich, dass sie in erbärmlichen Behausungen zusammen leben, wenig ausgeben, alle Einkünfte teilen und das übrige Geld nach Hause schicken. Insgesamt, das muss man sich mal vorstellen, überweisen alle Emigranten mehr Geld nach Afrika als die Entwicklungshilfe der Industrieländer ausmacht.
Sie tun mir leid, diese Menschen. Es ist ein unwürdiges Leben zwischen Luxus, Armut und Abschiebedrohungen. Und doch zieht unser Reichtum immer weitere Menschen aus den ärmeren Ländern an. Wer kann es ihnen verdenken?
 
Mit H&J in Rom 2013 - 183Montag, den 6. Mai 2013 
Noch immer Rom. Und wie! Wir haben es geschafft. Waren im Vatikanischen Museum. Mit geschätzten 100 000 Menschen gleichzeitig. Wie solch eine Menschenmasse sich täglich (außer Sonntag) in ewig lange Schlangen vor und sich durch solch ein riesiges Gebäude im Gänsemarsch walzen kann ist nur positiv zu akzeptieren: Jung und alt, klein, groß, dünn, dick, reich, arm, hoch oder niedrig, egal, alle dürstet es nach vollendeter Kultur. Raffael_Stanza_della_Segnatura.jpgDürstet es nach Raffael und seiner Malereien in den ehemaligen Papstgemächern, den Stanzen. Vorneweg die „Athener Schule“ mit all ihren Philosophen. Hier ist die Renaissance der Malerei entstanden, ihre Rückbesinnung und Integration alter (griechischer) Werte, ihrer Lust am Körper (zumeist männlich, wenn weiblich dann oft mit Brüsten wie Implantate), ihr Abwenden von zu glaubendem kirchlichem Dogma und die Hinwendung zu Denken und Logik. Dürstet es nach Michelangelo Buonarotti und seiner Kunst. Die Decke der Sixtinischen Kapelle ist die höchste Vollendung der Malerei für mich (ach, sicherlich nicht nur für mich).

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Tuesday, 28. may 2013 2 28 /05 /Mai /2013 16:10

Mit H&J in Rom 2013 - 152Später steigen wir eine steile Gasse in Trastevere hoch, an den vielen Denkmälern vorbei auf den Gipfel, auf dem Garibaldi zu Pferd von der Vergangenheit erzählt und tagtäglich die Aussicht auf die Stadt genießt. Hier oben war die Schlacht um Rom gegen die Franzosen, die 1849 die junge Republik vertrieben, die erste Vereinigung Italiens nach Jahrhundertelanger Zersplitterung in Besitztümer europäischer Großmächte und päpstlicher Gewalt. Erst 20 Jahre später, 1870, schafften es die republiktreuen Patrioten das Land zu vereinen. Um es einem König zu übergeben! Na so was. Sie wollten doch eine Volksregierung. Garibaldi, der Held des Volksaufstandes, der alle Siege errang, zog sich auf eine Insel zurück. Dafür hatte er nicht gekämpft. Die wendigen Wechselpolitiker hatten ihn besiegt.

Letzte Nacht mit H&J vor dem WoMo gesessen bis nach Mitternacht. Wie schön, diese laue Luft, die zum Reden, Essen und Trinken animiert. Heute Morgen hatte ich den Salat und Kopfschmerzen. War es wert.

Sonntag, den 5. Mai 2013: 
Seit Monaten beschäftigt mich Michelangelo. Durch Zufall auf Irving Stone gestoßen, der ihn und seine Zeit wohl umfassend einfängt in seinem monumentalen Werk. Deshalb versuche ich, ihm, dem über-Künstler zu folgen in dieser Stadt. Seinen Statuen, Plätzen, Gemälden, Gebäuden. Und das Größte von allen? Keine Ahnung. Ist es die Peterskirche und seine Kuppel, der Platz auf dem Campidoglio, die Sixtinische Kapelle, der Moses? Hier überall hat er gehaust und geschuftet wie ein Berserker und seine unvergleichlichen Spuren hinterlassen.
Mit H&J in Rom 2013 - 169Moses gefällt mir. In der Kirche San Petro in Vincoli steht das Grabmal mit dieser eindrucksvollen Gestalt. Gelassen, kraftvoll, in sich ruhend, so lebendig, als könne er gleich aufstehen, bewacht er den Kopfteil des Mausoleums, das für den Rovere-Papst bestimmt war. Sein halbes Leben hat er an dem Projekt gearbeitet, über 40 Figuren sollten es werden. Ein Mammutwerk ohne Chance auf Verwirklichung. Hat er ihn, den Papst, deshalb oberhalb auf der Balustrade quer gelegt, süffisant lächelnd unter seiner Krone, den Kopf auf den Arm gestützt, das Bein angewinkelt? Würdevoll nenn ich was anderes. Stell ich mir vor, wie er ihn, den Papst, den Quälgeist, mit jedem Schlag aus dem Marmor haute und sich dabei vorstellte, es sei der Rovere wirklich. Bald hätte ihn diese Familie in den Karzer gebracht. Nur für sie sollte er arbeiten. Das Universalgenie.

Mit H&J in Rom 2013 - 168

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Friday, 24. may 2013 5 24 /05 /Mai /2013 12:27

Um uns herum auf dem Campingplatz Vogelgezwitscher, dass es eine wahre Pracht hat. Neben uns im Gebüsch manchmal das Schlagen einer Nachtigall. Und M hat Papageien entdeckt. Des Nachts kräht ein Hahn und Hunde heulen.

Mit H&J in Rom 2013 - 104Um den Petersdom zu beschreiben fehlen mir die Worte. Jedes Mal (na ja, nur 2 Mal bis jetzt) nimmt die ausgewogene Schönheit dieser Kirche mich gefangen. Sie ist, da haben die Katholen recht, die schönste Kirche der Welt-soweit ich das beurteilen kann. Bei Ortheil gelesen (Die Erfindung des Lebens): Mit H&J in Rom 2013 - 099„Ich sehe die ausatmende, mächtige ruhende Kuppel und das schwache letzte Licht in ihrer schmalen Laterne oben. Das Bild, das ich sehe, erscheint unglaublich entrückt denn das, was ich nun sehe ist keine Kirche mehr, sondern wirkt wie ein unbetretbares Jenseits. Wer hat das gebaut? Hat das überhaupt jemand gebaut? All das. was ich sehe, wirkt so makellos schön und so stimmig, als handelte es sich um eine Verkörperung der Schönheit selbst, um eine Verkörperung ihrer Idee, wie das Maß aller Dinge.“ Worte, wem Worte gebühren.

Mit-H-J-in-Rom-2013---145.jpgTrastevere liegt „tripp de Bach“ sagen die Römer (ja, ja, auf Italienisch) Es ist der Stadtteil auf der anderen Tiberseite, in dem wir wohnen möchten. M sucht sich öfters Fenster aus, die auf einen der vielen kleinen Plätze hinaus gehen und sagt: da oben. Klein, eng, verwinkelt, mit Kneipen, Lokalen, Musikkeller, engen Geschäften, quirligem Gedränge und freundlicher Atmosphäre. Es war einmal das Arbeiterviertel. Noch immer feiern sie ihre Feste, stellen Tische und Stühle hinaus und feiern bis spät in die Nacht.  Wir sitzen auf der Straße vor einem Kaffee mit kubanischer Musik.

Mit-H-J-in-Rom-2013---128.jpgH hat sie entdeckt, die Villa Farnesina. Der reichste Mann Roms hat sie im 16. Jhdt. für seine Geliebte bauen und von berühmten Künstlern ausschmücken lassen. Auch Raffael hat an der Decke gehangen und Götter geschaffen, die mit ihresgleichen spielen und die nach oben starrenden Menschen im Saal unter ihnen mitnichten beachten. Das ist man von Göttern gewohnt. Mit-H-J-in-Rom-2013---137-Kopie-1.jpgIm Festsaal im 1. Stock öffnen sich die Stirnwände zu Säulen auf eine Loggia hinaus mit einem herrlichen Blick auf das Meer. Alles gemalt. Sogar der Fußboden mit den verschiedenfarbenen Marmorplatten ging perspektivisch exakt weiter in den dreidimensionalen Bilderraum.

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Wednesday, 22. may 2013 3 22 /05 /Mai /2013 10:40

Mit H&J in Rom 2013 - 077Freitag, den 3. Mai 2013: 
Mich erstaunt immer wieder, wie unbefangen Italiener mit ihren Altertümern umgehen. Dass für die Innenausstattung von Kirchen und Palästen alte Säulen aus Römer- und Griechenzeit verwendet wurden war bekannt. Dass unbekümmert Kirchen auf heidnische Tempel aufsetzten, noch heute deren Struktur außerhalb sichtbar ist, finde ich frech. Und oben auf dem Colosseum ähnlichen alten Teatro Marcello thronen moderne Wohnungen. Genial unbekümmert. 

P1050028.JPGEr sei der schönste Platz Roms sagen manche, der von Michelangelo entworfene Campidoglio mit seinen rautenförmig angeordneten Palästen, dem zur Mitte hin gewölbten Platz, dem Reiterstandbild aus Bronze (lange Zeit haben die Christen angenommen, es wäre Konstantin, ihr Einführer in die Staatsreligion, sonst hätten sie den ollen Cesar Mark Aurel längst eingeschmolzen).

Mit H&J in Rom 2013 - 098Samstag, den 4. Mai 2013. 
Die Schlange wartender Menschen vor dem Museum windet sich mindestens 500 Meter um mehrere Ecken der gewaltigen Außenmauer des Vatikans. Mit drei Stunden Wartezeit sei zu rechnen, hören wir. In der prallen Sonne! Extra früh waren wir los und doch nicht früh genug. Nachmittags komme ich wieder vorbei und staune. Weg ist die Warteschlange. Werden wir das nächste Mal berücksichtigen.


Wir begegnen häufig Japanerinnen mit Mundschutz, alle der Sonne  ausgesetzte  Haut mit Stoff bedeckend, Sonnenschirm und Kameras. Doch jetzt habe ich eine gesehen, noch jung und lustig, die hatte neben besagten Kleidern und Handschuhen eine Art Helm auf dem Kopf wie sie Waldarbeiter tragen und den Plastik-Schutzschirm vor ihr Gesicht geklappt.

 

(Das Foto vom Campidoglio ist von Hanne)

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