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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Neueste Posts

Danke, Gracias, Obrigado

19. März 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute

Danke, Gracias, Obrigado

Danke an alle für die Glückwünsche zu meinem Geburtstag

Gracias a todos por las felicitaciones para me cumpleaños

Obrigado a todos por los cumprimentos de aniversário

Vă mulțumim tuturor pentru ziua de naștere felicitări

thanks to everyone for the birthday congratulations

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Benicàssim: Mordsfrauen, Wutbürger, Ende

3. März 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog:Europa, #Unsere Welten - unsere Probleme

Benicàssim: Mordsfrauen, Wutbürger, Ende

Mittwoch, den 2. März 2016
Mordsfrauen
Hier sieht man viele Frauen, auf die die Bezeichnung „mords“ zutrifft. Erinnert mich immer an den Kleinwüchsigen, der in der Hochzeitsnacht um sein Bett hupft und vor Freude ruft: alles mein, alles mein….Nun ja, auch viele Männer sind so gebaut, dass sie das nicht mehr könnten, das Rumhupfen - auch wenn sie wollten.

Donnerstag, den 3. März 2016
SPIEGEL Online beschreibt Trumps Wähler als „plump, ungebildet, ordnungsbesessen, nationalistisch, fremdenfeindlich, wutgetrieben, kompromisslos, strafend, zentralistisch.“ Und die Protagonisten des Konzertabbruchs in Köln beschreibt der Pianist so: Es waren wütende alte Männer, Abonnenten, sogenannte Bildungsbürger. Diesmal waren es Akademiker, die vor der Veränderung der Welt – und sie verändert sich jetzt! – so viel Angst haben, dass sie die eigene (Kultur-)Geschichte vergessen (SZ). All diese Kategorisierungen passen auf unsere Wutbürger, die ja nicht nur an den gesellschaftlichen Rändern zu orten sind.
Für mich sind sie Kleingeister, die vor lauter Hass auf sich selbst alle, die anders sind und alles, was anders ist, hassen.

Draußen scheint die Sonne, die Knospen an den Bäumen beginnen zu blühen, gestern war es zum ersten Mal Abends so warm, dass wir draußen saßen, die Menschen grüßen uns freundlich, das Essen ist so gehaltvoll, dass mein Gürtel eingegangen ist - es wird Zeit, zurück zu fahren. Morgen.

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Benicàssim: wo kommt Surm her? Frau Steinabch links (rechts) liegen lassen

1. März 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog:Europa, #Unsere Welten - unsere Probleme

Benicàssim: wo kommt Surm her? Frau Steinabch links (rechts) liegen lassen

Montag, den 29. Februar 2016
Der Sturm reißt am WoMo, hebt es aus dem Federn, ich halte die Luft an, auch wenn ich rational weiß, zum Umstürzen braucht es mehr. Wer aber weiß, ob nicht mehr kommt? Die Bäume biegen sich unterwürfig, die Wäsche auf den Leinen will weg, die Vorzelte werden eilig festgezurrt und eingeschlagen. Den ganze Tag geht das schon so. Der Himmel ist leer gefegt, zeigt ein blasses Blau, kalt ist es nicht dort, wo der Wind nicht hin kommt. Wir liegen im Bett und lesen. Mord mit Aussicht fängt an zu laufen. Bis zur Hälfte. Dann hat das Internet kein Einsehen mehr und macht dicht. Nun gut, lesen wir weiter.

Dienstag, den 1. März 2016
Wo ist der Wind hin? Friedlich wie ein Schäfchen schaut der neue Tag strahlend zu. Woher kommt so ein Sturm? Ich habe mir immer vorgestellt, von Wolken, die pusten. Frei nach dem Bild aus Kindertagen.

Ich reg mich auf. Dass sich alle über Steinbach aufregen. Das Bild mit dem blonden Kind umringt von (ich nehme mal an) indischen Frauen gab es schon länger, hab ich gelesen. Doch erst, als diese schrullige Frau es veröffentlichte, schrieen alle Aufrechten auf - und brachten der Provokateurin den erhofften Erfolg. Was wäre, wenn wir nicht hinschauen? Sie in ihrer eigenen Welt belassen, deren Sicht wir nicht ändern können? Dasselbe meine ich auch bei den geschätzten 10 % der Bevölkerung, die nur noch Hass verbreiten. Über Pegida wird prompt jede Woche berichtet. Es muss ja nicht unbedingt auf der ersten Seite sein, oder?
Wir hatten eine Reihe Seminare mit Fachleuten gegen Rechts. Das ist mir im Kopf geblieben, was die sagten, nämlich: wenn nicht jede noch so kleine Schandtat dieser Nazis landesweites Echo hervorrufen würde, gäbe es weniger Schandtaten. Garantierte Öffentlichkeitswirksamkeit regt öffentlich wirksame Aktionen an.
Lassen wir sie im eigenen Fett schmoren. Und konzentrieren wir uns auf uns und unsere Lebenseinstellung.

Eine interessante Rede des Chefredakteurs der ZEIT über Journalismus in Deutschland ist hier zu finden: http://www.zeit.de/kultur/2016-02/dresdner-rede-dresden-giovanni-di-lorenzo

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Benicàssim: Wanderung zur Klosterruine hoch oben auf dem Berg

29. Februar 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog:Europa

Benicàssim: Wanderung zur Klosterruine hoch oben auf dem Berg

Sonntag, den 28. Februar 2016:
Rückenlahm, hüftlahm, fußkrank

25 000 Schritte, 20 KM, 61 STOCKWERKE hoch und runter, ich hab sie gezählt! (Blödsinn, sagt mein iPhone). Wir sind eine Tour auf dem alten Pfad zur Klosterruine mitgelaufen. Die Küstenberge, überragt von dem 730 m hohen Pico Bartolo, haben Vorberge, eingebettet in das Massiv, und auf einer dieser mächtigen Absenkung liegen die alten Klosterruinen mit prächtiger Aussicht auf die sie umgebenden Berge und in einem V-Ausschnitt weit unten Meer und Land. Hier, so sagt der Führer, haben sie im unwegsamen Gelände gebaut, direkt mit Blick zur aufgehenden Sonne, um ungestört meditieren und einsam leben zu können. Japanische Mönche, sagt er, haben sich kleine Gärten mit Abbildungen von Natur geschaffen, diese hier haben dasselbe gemacht, nur mit grandioser Natur. Es ging immer um Einsamkeit und Kontemplation.

Doch eines Tages kam eine Sintflut. Vorher hatte ein Feuer die steilen Berghänge abgebrannt, das Wasser schoss ungehindert auf die Klosterplattform, riss Gebäude mit sich, tötete Mönche, machte das Kloster unbewohnbar. Hundert Jahre später haben sie ein neues Kloster gebaut, ein wenig höher, außerhalb möglicherweise reißender Wasser. Heute ist dieses Karmeliterkloster Ausbildungsstätte neuer Mönche, mit riesiger Bibliothek und hochgebildeter Lehrer, ähnlich dem Der Name der Rose.
Den ganzen Aufstieg Reste landwirtschaftlicher Tätigkeit in Terrassen und an Hängen. Famos sei der Weinanbau gewesen, den sie als Süßwein kelterten. Es gehörte alles den Mönchen, bis Mitte des 19 Jhdts der nach den napoleonischen Kriegen pleite gegangene spanische Staat alles Land der Kirche konfiszierte und privat verkaufte. Noch vor Kurzem müssen hier Bauern gelebt haben, große, verlassene Häuser sieht man noch. Der Blick in ausgestattete Küchen und Zisternen voll mit Wasser macht mich traurig. Doch der Tourismus als Einnahmequelle hat die Landwirtschaft verdrängt.

Wir sind geschafft. Lahm, erschöpft und mit Schmerzen zurück gekommen. Die Engländer in der Gruppe (es waren deren alle Engländer mit kaum verständlicher Sprache) haben sich nach dem nächsten Ausflug erkundigt. Wir haben uns in unsere Hütte zurück gezogen und die Wunden geleckt. Noch viel bleibt zu tun bis zur Pilgerreise nach Santiago.

Aber verdammt gute Aussicht haben sie. Die Mönche.

Benicàssim: Wanderung zur Klosterruine hoch oben auf dem Berg
Benicàssim: Wanderung zur Klosterruine hoch oben auf dem Berg
Benicàssim: Wanderung zur Klosterruine hoch oben auf dem Berg
Benicàssim: Wanderung zur Klosterruine hoch oben auf dem Berg
Benicàssim: Wanderung zur Klosterruine hoch oben auf dem Berg
Benicàssim: Wanderung zur Klosterruine hoch oben auf dem Berg
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Valencia gefällt uns II

27. Februar 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog:Europa

Freitag, den 26. Februar 2016
Valencia (wieder)
Diesmal zum Essen, Ruhen, Schauen, Staunen. Na gut, mit dem Tourismus-Bus Zentrum und Norden oben auf dem Deck. Erstaunlich, wie diese Stadt es geschafft hat, geplant und mit Konzepten ihre Erweiterungen zu schaffen. Am Stadtausgang ein Naturpark, der landwirtschaftlich genutzt wird und Afrika. Jawoll, Afrika mit Savannen, Löwen, Baobab, Elefanten. Wir waren nicht drin. Auch wenn sie frei leben und sich vermehren dürfen, zwängt es uns das Herz weil wir Afrika in Natura erlebten.

Zärtlich, vollmundig und wohlschmeckend war dieses Bocadillo mit Schinken wieder. M hat nachgeschaut: Das Kilo kostet 155,-€ ! Wikipedia: Der Jamón Ibérico erzielt hohe Preise und wird als der beste Schinken der Welt bezeichnet. Kann man so sagen.

Faszinierend die zentrale Markthalle in Jugendstil mit Erkern, Türmchen und Papageien als Verzierung. Die sollen daran erinnern, dass hier schon immer viel geplappert wurde. Der Ort wurde schon von den Römern und Mauren als Markplatz genutzt. Und da drin erst! Dumm und dusselig könnte ich mich kaufen. Alleine die Vielzahl frischen Meeresgetieres wohlfeil auf Eis ausgelegt. Und dazwischen Ess- und Trinkstände und die Menschen in Ruhe schöne Sachen verspeisend und guten Wein verköstigend.

Abends leicht angeschlagen, war zu viel des Guten.

Samstag, den 27. Februar 2016
In der Nacht hat es zu regnen angefangen. Ich mag das, wenn die Tropfen über meinem Kopf aufs Dach trommeln. Die Natur ist nahe. Und doch ausgeschlossen. Die Heizung dampft, der Kühlschrank brummt und auf dem kleinen Herd kann man köstliche Sachen zubereiten. Wenn man will. Gestern wollten wir nicht. Haben Downton Abbey geschaut, alte Bekannte, mittlerweile kennt man sich.

Valencia gefällt uns II
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Valencia gefällt uns II
Valencia gefällt uns II
Valencia gefällt uns II
Valencia gefällt uns II
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Benicàssim: Zeit rennt, Weiße Rose, spanisch Essen

24. Februar 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog:Europa

Benicàssim: Zeit rennt, Weiße Rose, spanisch Essen

Mittwoch, den 24. Februar 2016
Es rennt die Zeit
Vor 2 Monaten war Weihnachten! Die Zeit rennt. Bald sind wir wieder in H. Gestern prächtiges Wetter, Camper haben ihre Stühle auf die Straße gestellt, singen, spielen, trinken, freuen sich. Jörg hat ein Bild geschickt aus Dietzenbach „Schnee wie noch nie!. Manchmal sinkt auch hier die Temperatur auf saukalte 10 Grad.

Die Weiße Rose
Am 22 Februar 1943 wurden Christoph Probst sowie die Geschwister Hans & Sophie Scholl im Gefängnis München-Stadlheim ermordet. Weil sie Flugblätter gegen das Naziregime verteilten. Der Hausmeister der Uni hatte sie angezeigt. Sofie Scholl hat am Tage ihrer Hinrichtung geschrieben: „So ein herrlicher Tag und ich soll gehen. Aber was liegt an unserem Leben, wenn wir es schaffen, tausende von Menschen aufzurütteln und wachzurütteln.“ Umsonst sind sie gestorben, nichts und niemanden konnten sie wachrütteln. Brave Bürger, auch die aus der Mitte wollten nichts hören und sehen und gliederten sich in das Naziregime ein. Die Ideologie kam den meisten Menschen zugute. Bis es zu spät war. Vielen Menschen passt diese Ideologie auch heute noch. Zumindest Versatzstücke davon. Auch wir können sie nicht wach rütteln. Nur stur weiter machen und unser anderes Leben leben.

Wir gehen spanisch essen!
Gute spanische Restaurants gibt`s am Hafen im Nachbarort. Endlich! Hier gibt es nur Touristenfood mit spanischem Einschlag.

Benicàssim: Zeit rennt, Weiße Rose, spanisch Essen
Benicàssim: Zeit rennt, Weiße Rose, spanisch Essen
Benicàssim: Zeit rennt, Weiße Rose, spanisch Essen
Benicàssim: Zeit rennt, Weiße Rose, spanisch Essen
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Benicàssim: Sahnesoßen-Gauck; Fernsehen anders; Fremdarbeiter

23. Februar 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog:Europa

Dienstag, den 23. Februar 2016
Ich bin nicht alleine
Der oberste Lektor des Suhrkamp Verlages Raimund Fellinger in der SZ auf die Frage, ob er versuche, mäßigenden auf Schriftsteller einzuwirken:
Nein. Wer das macht, will Autoren, die im Sinne Herbert Wehners gern lau baden und auch so reden und schreiben. Das wären dann Figuren wie dieser widerliche Gauck, der Pfarrer und Pfaffe, der alles mit seiner Sahnesoße übergießt.

Fernsehorgien
Seit das Fernsehgerät kaputt ist, versuchen wir, über das Internet zu Programmen zu kommen. Manchmal klappts. Oft nicht. Gestern wollten wir im WDR Mord mit Aussicht sehen. Das Regionalprogramm wurde gut übertragen, die Tagesschau ebenfalls. Doch dann kam sie wieder, die Meldung: Diese Sendung übertragen wir nicht. Danke!
Zunehmend stellen wir unser eigenes Programm zusammen und bezahlen, wenn es nicht anders geht. Wozu haben wir iTunes? Mord mit Aussicht ist unser Liebling. Und Downton Abbey. Die ersten Staffeln haben wir bald. Eine neue, sehr befriedigende Art, fern zu sehen.

Fremdarbeiter
Einer der Barmänner, korrekt in s/w-Uniform, gerader Rücken, exakt in seinen Bewegungen, elegant beim Servieren, der verstand mich schlecht, wenn ich mehr fragte als bestellen. Gleich hatte ich ein schlechtes Gewissen. War mein Spanisch unverständlich? Oder war mein Gegenüber vielleicht Katalane, der erst spät spanisch gelernt hatte? Ich frage ihn, wo er her komme. Und wir sind freudig überrascht, er ist Rumäne! Noch einer in Benicàssim. Von wegen noch einer. Er erzählt, dass fast das gesamte Reinigungspersonal des Platzes aus Rumänien komme. Kein Wunder, dass sie ein eigenes Lokal haben mit rumänischem Fernsehen, rumänischem Essen und Getränken. Sogar das Tafelwasser kommt aus Rumänien. Schön, dass es die EU gibt!

Sarmale und Mici in Benicàssim
Sarmale und Mici in Benicàssim

Sarmale und Mici in Benicàssim

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Bayern und Heine

22. Februar 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute

Bayern - auf den Hund gekommen?

Bei Heine gefunden - und siehe da, es hat sich nichts geändert.

In seiner „Reise von München nach Genua“ beschreibt er seinen Auf- und Ausbruch aus einem Philisterland. München, so eine seiner bösen Reflexionen, sei zwar nicht auf den Hund gekommen, was eine vorherige Blüte vorausgesetzt hätte. Es war, so Heine, vielmehr über den Hund erst gar nicht hinaus gekommen.

Aus dieser für ihn maßstabslos selbstgefälligen Welt machte er sich von dannen nach Italien.

In seinem Gedicht muss man Ludwig nur durch Horstl ersetzen:

„Das ist Herr Ludwig von Bayerland.
Desgleichen gibt es wenig;
Das Volk der Bavaren verehrt in ihm
Den angestammelten K
önig.“

HeineHeinrich.jpg
Von James561 - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7631458

Das ursprünglich für Hamburg vorgesehene aber auf Korfu errichtete Heine-Denkmal, das nach vielen Umwegen seinen heutigen Standplatz in Toulon fand
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Heinrich Heine: Ein Stern erster Größe

21. Februar 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Buecher-Geschichten-Geschichte

Denk ich an Deutschland in der Nacht
so bin ich um den Schlaf gebrac
ht

Wer kennt sie nicht, diese immer noch gültigen (oder schon wieder gültigen) Zeilen? Heinrich Heine ist noch immer up to date. Ich komme drauf, weil ich gerade eine Biografie über ihn beendet habe. (Rudolf Hoßfeld: Heinrich Heine. Die Erfindung des europäischen Intellektuellen). Der Zusatz im Buchtitel verweist auf eine Dimension seiner Arbeit, die ich bisher nicht sah. Er hat nur im vereinten Europa die Bedingung für Frieden, Freiheit und Wohlstand gesehen. Und der Überwindung des altdeutschen (und altfranzösischem und altenglischen) Nationalismus. Republikanischer Nationalismus, ja, den kann man haben, hat er gesagt. Sollten wir uns mal überlegen. Republikanisch in dem Sinn, dass demokratischer Wille Grundlage der politischen Handlungen ist. Noch viel zu tun in Europa, nicht?

Europäer war er, gebildet durch Reisen und seine Übersiedelung 1831 nach Paris - gut, er musste, der preußische Staat konnte ihn nicht leiden und war hinter ihm her (später hat er sogar seine Druckerzeugnisse gänzlich verboten.)

Was war Heine nicht alles. Heinrich Mann hielt ihn für das vorweggenommene Beispiel des modernen Menschen, sachlich bei aller Phantasie, scharf und zärtlich, ein tapferer Zweifler.

Und was hat er nicht alles bewirkt:
Er machte die Alltagssprache lyrikfähig, erhob das Feuilleton und den Reisebericht zur Kunstform und verlieh der deutschen Literatur eine zuvor nicht gekannte elegante Leichtigkeit. Die Werke kaum eines anderen Dichters deutscher Sprache wurden bis heute so häufig übersetzt und vertont. Als kritischer, politisch engagierter Journalist, Essayist, Satiriker und Polemiker war Heine ebenso bewundert wie gefürchtet. Und er war Philosoph (hat bei Hegel studiert und war Freund von Marx und Engels, deren Ideen er aber nicht gänzlich akzeptierte) und Geschichtswissenschaftler. Seine „Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland“ hat Aufsehen erregt. Und er, mosaisch geboren und konvertiert, war ein Kämpfer für jüdische Aufklärung als Teil Deutschlands.

Mit einzigartigem Spürsinn hat er die Strömungen seiner Zeit erfasst und sie in Prosa und Poesie umgesetzt. Seine politischen Analysen, anschaulich geschrieben und in wichtigen Zeitungen veröffentlicht, haben die Gattung Feuilleton begründet und sollten dazu beitragen, die Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich zu überwinden. Es kam anders, wie man weiß. Er, Heine, der Frühachtundvierziger, Bewunderer des Code Civil des großen Napoleon, Kämpfer für Demokratie und Freiheit, ist lange gescheitert wie die Revolution der 48er selbst. Nicht mehr, weniger Demokratie kam, nicht weniger, mehr Feindschaft zwischen den Völkern und besonders Frankreich war die Folge. Bismarck kam und mit ihm die Politik des Eisens und der Erbfeindschaft, er, der eiserne, der die Nachbarn unterjochte und all die kleinen Pflänzchen der Demokratie niederwalzte einzig um das unseligen Preusen zum Herrscher aller Reusen zu machen, in dessen Pfuhle sich der elendige Großhansel Kaiser Wilhelm der II mit seinen Weltmachtansprüchen suhlte; der WK I kam folgerichtig, die Faschisten kamen, WK II kam. Und immer noch waren Demokratie, Freiheit und Freundschaft Fremdwörter eines infantilen Nationalismus. Erst unsere Zeit hat sie überwunden, die Feindschaft. Wir müssen die Freundschaft zwischen den Völkern wahren wie ein Juwel. Das hätte Heine gefallen.

Ja, trauriger Romantiker war er - zeitweise, er, der gerne liebte und oft scheiterte, der Liebesabenteuer suchte und sich verbrannte, der die Höhen und Tiefen des Lebens in vollen Zügen auslotete.

Ich hab im Traum geweinet
mir träumte, du wärest mir gut
ich wachte auf und noch immer
floss meiner Trän
enflut

Um dann der verträumt-sentimentalen Romantik ihren Tritt zu versetzen

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang.
Es rührte sie so sehre
der Sonnenunte
rgang.

Mein Fräulein! Sein sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten z
urück.

Und genauso unverblümt-sarkastisch entlarvt er den ach so gepflegten Tiefsinn der Deutschen, setzt der „Teutomanie“ (Heine) die Leichtigkeit des Ernsten entgegen und erntet Feindschaft. Bis heute. Nach einem jener „Deutschen Feste“ des aufstrebenden studentischen Nationalismus auf dem Drachenfels dichtet er:

Sieh nun, mein Freund, so eine Nacht durchwacht ich
Auf hohem Drachenfels doch leider bracht ich
Den Schnupfen und den Husten mit nach H
aus.

Ach, wie ich ihn liebe, ihn, der oft ganz schön sozial daher kam:

Ein neues Lied, ein besseres Lied
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich erri
chten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch
Was fleißige Hände erw
arben.

Sein Poem über die Not der Schlesischen Weber, deren Forderung nach etwas mehr als Hungerlohn auf Befehl des Kaisers brutal niederkartätscht, wurde zuerst im Vorwärts von Marx veröffentlicht und ging, als Flugblätter verteilt, wie ein Flächenbrand über Deutschland hinweg. Und die Obrigkeit war entsetzt ob dieses sprachgewaltigen Dissidenten, der ihre Ungerechtigkeit denunzierte. Und verhängte Einreiseverbot.

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen läßt –
Wir weben, wi
r weben!

Marx hat seine Formulierung, Religion sei Opium für das Volk von Heine! Lasalle, den Erfinder der Sozialdemokratie, hat er auch beeinflusst. Nein, er war kein radikaler Sozialist oder Kommunist. Vielmehr hat er glasklar gesehen, dass, wenn die unteren Klassen ans Ruder kommen, viele Errungenschaften der alten und bürgerlichen Gesellschaft den Bach runter gehen. Und doch, sagt er, und doch, wenn man zustimmt, dass alle Menschen das Recht auf Essen haben, muss die soziale Revolution folgerichtig gedacht werden.

Er hielt den schon damals von Zeit zu Zeit wie eine Schlange aus der Grube kommenden Populismus für eine große Gefahr (in seiner Zeit war es der „aufgeklärte“ Antisemitismus, heute ist es der unaufgeklärte Rassismus.)

Aber wir verstehen uns bass,
Wir Germanen auf den Hass.
Aus Gemütes Tiefen quillt er,
Deutscher Hass! Doch riesig schwillt er,
Und mit seinem Gifte füllt er
Schier das Heidelb
erger Faß.

Was für eine zukunftsweisende Beschreibung noch heute manifester Hass-Orgien im Internet und anderen Medien. Deutscher Hass, er quillt wieder und wieder.

Wegen seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Haltung wurde er von Antisemiten und Nationalisten über seinen Tod hinaus angefeindet. Er sah schon Mitte des 19. Jhdts. einen fürchterlichen Zusammenhang.
…………………………………. dort wo man Bücher verbrennt,
verbrennt man auch am Ende Mensche
n.

Zum Sterben brauchte er 10 Jahre in seiner „Matratzengruft“ (Heine), fast erblindet, gelähmt und von Krämpfen geschüttelt (es war, sagen heutige Forschungen, wahrscheinlich nicht die Syphilis, wie Heine, der Lebemann, selbst annahm.) Trotz dieses großen Handicaps hat er fleißig weiter Bücher geschrieben, an seinen Schriften gefeilt, gedichtet, veröffentlich. Mathilde, seine Frau, muss ihm eine große Stütze gewesen sein. Nachmittags empfängt er. Sie besuchen ihn, alle, die Rang und Namen haben. Alexandre Dumas, Hector Berlioz, Fürst Pückler, Friedrich Engels, Alfred Meißner, Gautier, Eignet, Staatsrat Michael Chevalier und und und. In Frankreich hat man ihn geliebt. Die endlose Periode seines Sterbens hat er mit beispielloser Grandezza, Heiterkeit und Arbeitswut bewältigt. Und doch war er traurig, schon scheiden zu müssen. O Gott! dichtete er

O Gott! wie hässlich bitter ist das Sterben!
O Gott, wie süß und traulich lässt sich leben
In diesem traulich süßen Erdenn
este

Er hat uns gezeigt, wie man den Tod zwar nicht überwinden, dafür aber zivilisieren kann. Er starb langsam, doch bis ans Ende lebensbejahend. Kurz vor seinem Tod dichtete er:

Der Vorhang fällt, das Stück ist aus,
Und gähnend wandelt jetzt nach Haus
Mein liebes deutsches Publikum,
Die guten Leutchen sind nicht dumm,
Das speist jetzt ganz vergnügt zu Nacht,
Und trinkt sein Schöppchen, singt und lacht –
Er hatte recht, der edle Heros,
Der weiland sprach im Buch Homeros':
Der kleinste lebendige Philister
Zu Stukkert am Neckar, viel glücklicher ist er
Als ich, der Pelide, der tote Held,
Der Schattenf
ürst in der Unterwelt.

Am 17. Februar 1856 um 5.00 Uhr morgens ist er gestorben. Gautier hatte recht in seinem Nachruf:. Ein Stern erster Größe ist am Himmel erloschen.

(Quellen: Wikipedia; Rolf Hostel: Heinrich Heine; eigenes Gedächtnis)

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Benicassim: Spülmittelcocktail

20. Februar 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute, #Von einem der auszog:Europa

Benicassim: Spülmittelcocktail

Samstag, den 20. Februar 2016

Gambrinus ist eine Bar mit kleiner Speisekarte und spanischem Essen. Wir hatten als Vorspeise einen Teller eingelegter Sardinen und eine Portion gegrillter Peperoni. Und als Hauptgericht Bratkartoffel mit Blutwurst und Spiegelei. Der Cognac zum Kaffee war seifig. Zu Hause zum Ausgleich gab es Veterano, unsere Hausmarke in kleinen, handgeformten farbigen Gläschen aus Ton, die wir auch als Eierbecher nutzen. Er schmeckte weiterhin seifig. Seltsam. Liegt das an meinen Geschmacksnerven? Nach dem 3. Schluck wurde es eklig, ich aber trinke prinzipiell aus, nichts wird vergeudet. Doch es ging nicht mehr und dann sah ich den konsistenten, cremeartigen Schmodder am Boden und mir wurde schlecht. Ich hatte Spülmittel getrunken. Beim Hochtragen des Geschirrs von der Spülküche hatte die Flasche getropft und just in mein kleines Gläschen.

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Integration von Migranten ist überall auf der Welt gelungen, warum soll das bei uns nicht gelingen?

18. Februar 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Unsere Welten - unsere Probleme

Integration kann schön sein
Integration kann schön sein

Donnerstag, den 18. Februar 2016
Freund B hat ein Rundbrief der Besorgnis geschrieben mit 2 Anlagen. Eine ist ein Interview aus der „Welt“ in dem eine Muslima behauptet, muslimische Männer könnten ihre dominantes Gebaren gegenüber Männern nie ablegen, in einem anderen Artikel äußert ein kirchlicher Beauftragter für Nachbarschaftshilfe seine Besorgnis vor muslimischen Parallelgesellschaften mit Scharia Gerichten und einer Koran-Auslegung über dem Grundgesetz.

Meine Antwort:
Sei gegrüßt, lieber B!

Freilich sind diese Themen besorgniserregend, wenn sie per se als dominante in der muslimischen Gesellschaft angesehen werden. Ich mag das auch nicht, wenn sich diese „arrogante Typen“ (so denke ich dann) weigern, Marianne die Hand zu geben. Das kennen wir schon aus Afrika.

Eine Parallelgesellschaft ist bei Einwanderung erst mal nicht zu verhindern. Das sagen uns alle Erfahrungen der Migration. Als die Deutschen nach Amerika auswanderten, haben sie über Generationen Parallelgesellschaften gebildet. Deutsche in Brasilien glucken noch immer zusammen. Doch beide genannte Gruppen sind heute in diese Gesellschaften integriert, haben höchstens einige Traditionen erhalten. So ist es überall. Es dauert. Und funktioniert, wenn die Einwanderer eine Chance kriegen.

Von der Behandlung ultrareligiösen Gruppen in den USA wie Mennoniten, Hutterer, Amischen können wir lernen. Es sind tolerierte Minderheiten. Und so ist es bei den Muslimen auch, exakt wie bei den Christen, Juden und anderen Religionen: nur ein kleiner Teil ist sehr religiös. Der größere Teil läuft mit. Wir haben doch bereits zwischen 2 und 4,5 Millionen Muslime in Deutschland! Fällt die Mehrheit auf?

Ich plädiere somit für Toleranz und langem Atem. Und lernen aus anderen Erfahrungen. Und natürlich (wieso muss ich das betonen?) ist unser Grundgesetz oberste Instanz! Und wenn jemand gegen Gesetze verstößt, haben wir genügend Mittel, unser Grundgesetz durchzusetzen.

So, lieber Bernd, das ist meine Meinung. Und noch eins dazu, was mir beim Artikel Deines Kollegen durchschimmert: Nein, ich habe kein Verständnis für die Ängste der „besorgten" Mitbürger.

Beste Grüße

Nachtrag: Ich stimme diesen 10 Thesen zur Flüchtlingsfrage voll zu!
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Valencia gefällt mir: Spanische Lebensweise und Alpräume

17. Februar 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute, #Von einem der auszog:Europa

Valencia gefällt mir: Spanische Lebensweise und Alpräume

Mittwoch, den 17. Februar 2016

Lebensweise
Eines jener Restaurants im Zentrum von Valencia, die Serrano und Iberico Schinken in allen Qualitätsstufen auf ihren Tresen in Ständern aufstellen und Wein die Wände hoch auslegen. In der Auslage lagen lange Bocadillos dick belegt mit schimmerndem Schinken. Davon wollten wir eins. Es war Freitag, so gegen 14:00 Uhr. Neben uns nahmen ein Paar und ein junger Mann platz. Der Ober kam, sie berieten lange, bekamen jeder ein volles Glas Rotwein, nein, den wollten sie nicht, weiterer kam zum probieren, sie bestellten eine Flasche nach allem probieren. Und einen Teller Käse. Und nach einer Weile, nachdem sie vom Käse gegessen und vom Wein getrunken, noch einen Teller voll mit Schinken. Und dann aßen sie Schinken und Käse, natürlich ohne Brot und tranken ihre Flasche Wein und redeten und aßen und tranken. Und ich trank mein Wasser aus und wusste, dass da, das war volles Leben. Meins war nur halb. Denn der Schinken schmeckte herrlich.

Alptraum:
Mir träumte, ich lag nackt auf einem Untersuchungstisch der eine Präzisionswaage war. Die Ärztin zeigte mir das Ergebnis, 99,7 Kilo. Und riet mir, 3 Kilo abzunehmen. Dann sei ich im grünen Bereich. Später wog ich mich mit Kleider nach. 100 Kilo. Ob die von meiner Lust auf Schinken kamen?

Lebensweise II

An der Markthalle bietet eines der Restaurants an, dass du im Markt Fleisch, Fisch, Schalentiere kaufen kannst und sie bereiten es nach deinen Wünschen zu. Ich wäre zu gerne geblieben. Wir aber mussten weiter, Valencia besichtigen

Valencia gefällt mir: Spanische Lebensweise und Alpräume
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Benicàssim: Sturm, Fernseher kaputt, Arztroman, Dürer

16. Februar 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute, #Von einem der auszog:Europa

Vom Winde verweht
Vom Winde verweht

Dienstag, den 16 Februar 2016

Wenn der Wind durchs Felde braust
und der Regen niedersaust
bleiben Mädchen oder Buben
still daheim in ihren Stuben
Machen wir.

Unser Wind belebt sich gegen 16 Uhr, stürzt sich die Küstenberge herab, fährt rauschend in die Bäume, durch sie hindurch, hebt das WoMo aus den Federn, lässt die Wäsche und lose herumliegenden Sachen fliegen und macht sich zur Küste davon. Und das in Wellen wie ein Meer, das ans Ufer schlägt. Die ganze Nacht hindurch. Auch den Himmel hat er leergefegt, wunderbar klar kann man die Sterne sehen. Nicht lang, dann treibt es einen wieder hinein.

Das Fernsehgerät hat sich mitten im Programm verabschiedet. Jetzt versuchen wir es mit Fernsehen am Laptop. Das hat so seine Tücken. Manchmal gehts. Doch ab und an friert das Bild ein wie ein modernes, mit dicken Pinselstrichen unterschiedlichster Farben gezeichnetes Gemälde, das sich ruckartig bewegt. Manchmal kommt das Programm zurück, manchmal nicht. Und dann mussten wir lernen, dass bestimmte Sendungen wie die Sportschau für das Ausland gesperrt sind. Die einzige Plattform „Schöner Fernsehen“, die es trotzdem macht, ist offenbar rechtlich umstritten. Und Zattoo, rechtlich OK, sendet in Spanien nur spanische Kanäle. Und OnlineTV hat gestern Abend „Mord mit Aussicht“ mitten in der Sendung abgeschaltet. Downton Abbey schauen wir jetzt nachdem wir House of Cards, die englische, hassen und lieben gelernt haben. M hat beide als DVDs zu Weihnachten gekriegt.
Nur die Antenne auf dem Dach hat noch nicht gemerkt, dass sie nicht mehr gebraucht wird. Sie steht aufrecht SüdSüdOst und wartet auf Signale aus der Heimat.

M: Es gibt eine prima Campingplatz-Bibliothek, da bringe ich die gelesenen Bücher hin und hole mir andere. Die Nachbarin hatte mir ihre Arztroman-Heftchen angeboten, und anstatt gleich die Nase zu rümpfen und sie mir zur Feindin zu machen, habe ich mich zusammen gerissen und gesagt, sie könne mir ja mal einen richtig guten empfehlen. Okay, ich hatte ihn in einer Stunde durch und es hat fast gar nicht weh getan. Aber noch einen muss ich nicht.

Von Albrecht Dürer - Christie's, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27435062
Von Albrecht Dürer - Christie's, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27435062

R: Ich staune. Über Dürer. Schwester Hanne hat die Ausstellung in FFM besucht und ein Bild dessen Holzschnitt „Rhinocerus" geschickt, eines der verbreitetsten Werke von Dürer. Und, so schreibt sie, er hat nie ein Nashorn gesehen! Ich habe nachgelesen. Wahrlich, er hat es gemalt nach Berichten und einer Skizze. Und den Charakter des Tieres erfasst. Gut, Nashörner sehen nicht ganz so aus wie auf dem Bild, aber fast.

Der Sturm hat sich gelegt, die Sonne strahlt, doch eisig kalt ist der Wind. So 12 Grad.

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Benicàssim: von Langschläfern, Frühaufstehern, Ausländern

15. Februar 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute, #Von einem der auszog:Europa

Benicàssim: von Langschläfern, Frühaufstehern, Ausländern

Montag, den 15. Februar 2016
Nach dem Aufwachen koche ich einen großen Espresso mit geschäumter Milch. M trinkt ihn gerne im Bett, ich in der Tür des WoMo sitzend, den Umtrieben der Nachbarn zuschauend. Meist ist es nach 9:00 Uhr. Das stört den Nachbarn gegenüber, der, wie er uns stolz mitteilte, immer (IMMER) um 1/2 8:00 Uhr aufsteht, frühstückt und die notwendigen Arbeiten außen erledigt (drinnen waltet die schüchterne Hausfrau). Er hat oft ein nettes Wort für uns Spätaufstehende. Abends um 1/2 7:00 Uhr ist Schluss bei ihm, dann hat er aufgeräumt und die Türen zu.

Der Nachbar neben uns erinnert mich an Freund Wolfgang. Intellektuell aussehend, ein wenig sensitiv wirkend, freundlich und mit ausgewählter Diktion redend. Gar nicht wie ein typischer Camper (jetzt mach mal´n Punkt, E, wie sieht denn ein typischer Camper aus?) Er, der Nachbar, spielt gerne Boccia und nennt es völkerverbindend. Das stimmt, von dem Platz, auf dem sie mit unterschiedlichster Nationalität und sprachlicher Vielfalt täglich spielen und sich verstehen, hört man nur Lachen und sieht Fröhlichkeit. Die Tage, erzählt der Nachbar, sei eine Gruppe Deutscher abgefahren, weil sie sich zu sehr unter Fremden gefühlt habe.

Gestern hat sich das Wetter innerhalb 1 Std. von Sonnenschein zu Wolkenwänden mit Regen und Wind geändert. Jetzt kommt die Sonne wieder, aber kalt ist es noch. Die Tauben haben uns die Plane vor dem Auto beschissen.

Benicàssim: von Langschläfern, Frühaufstehern, Ausländern
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Benicàssim: Kindergeschrei und Toilettenrollen

14. Februar 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute, #Von einem der auszog:Europa

Sonntag, den 14. Februar 2016
Ich pflege zu sagen, dass in südlichen Ländern meiner Erfahrung nach Kinder weniger schreien als in D. Das läge wahrscheinlich daran, pflege ich zu sagen, dass Kinder weniger reglementiert würden, besonders Abends dürften sie zumeist umher rennen bis sie unterm Tisch oder auf dem Schoß der Oma einschlafen würden. Danach gebe ich taktisch weise zu, dass ich es letztendlich nicht weiß und dass man das mal untersuchen solle.

Hinter uns stehen Spanier mit einem Kleinkind. Tagsüber spielen die jungen Eltern viel mit ihm. Gestern Abend sollte es nach 8:00 Uhr ins Bett. Und wollte nicht. Und fing an zu schreien, schrill und grell, no, no, no, no quiero, ich esse meine Suppe nicht, nein, meine Suppe esse ich nicht oder so. Auf Spanisch natürlich Die Kreissäge hörte nicht auf, kam auf die Idee, dass sie Hunger habe und blieb doch bei dem NOOOO, NOOO, NOOO.

Wohnmobilwände sind dünn und schalltransparent. Nach einer halben Stunde habe ich überlegt, rüber zu gehen und ein heftiges Wörtchen an den kleinen Schreihals zu verschwenden. Mich nicht getraut. Und an der alten Geschichte gelabt, die wir auch auf einem Campingplatz erlebten.

Wir standen neben Engländern. Der kleine Schreihals fing des Abends an und wollte nicht aufhören. Seine Mutter umschmeichelte ihn, my little Baby, my sweetheart. Der dachte nicht daran, ruhig zu werden, eher das Gegenteil. Bis sich eine tiefe Stimme einmischte: QUIET! Bähhhh. Platsch, platsch, zwei Klapse. Bähhhhh in höherer Lage. Die tiefe Stimme wieder: Another one? Und Ruhe ward.
Aber, sagt M, man darf nicht mehr klapsen. Schade. Unser Schreihals hat sich irgendwann zur Erschöpfung geschrieen.

M hat mich umgepolt. Sie sagt, schon früh mussten sie zu Hause lernen, dass Klopapier mit den losen Enden an der Wand runter hängt. Den Kulturkampf, bei dem ich immer und immer wieder die Rolle mit den Enden nach vorne umhängte, habe ich verloren. Und jetzt habe ich mich daran gewohnt. Und spüre in mir die Tendenz, Klorollen von vorne nach hinten um zu hängen.

Sonne heute und gute Laune. Den abgebrochenen Zahn wollen wir mal schnell vergessen. Es gibt gute Suppen hier.

Valencia Bahnhof innen

Valencia Bahnhof innen

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