Montag, 8. februar 2010
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14:49
Keine Ahnung, wie das weiter gehen soll. Noch immer hängt der Jetlag nach, macht mich tagsüber fertig und abends müde vom tagsüber fertig sein. Das graue Grauen da
draußen macht auch nicht lustig, nur Max wedelt mit dem Schwanz, wenn er mich sieht und schnüffelt den Weg entlang. Der bringt mich wenigstens raus an die frische Luft.
Gestern gabs Rodelfest beim Schiklub, die hatten doch wahrhambel den ganzen Weg zum Sportplatz hoch mit der Schippe glatt geschlagen, da sind wir jungen Leute dann runter gesaust.
Die Alten standen an der Schneetheke und haben kaltes Bier getrunken. Mich hats schon gefroren nur durch Zusehen. Es gab auch Apfelglühwein und
Schnaps, eher etwas für Schlittenfahrer.
Ich hab Sehnenscheiden-entzündung in der Armbeuge. Seit 14 Tagen schon. Sagt der Arzt heute, ja die Kälte. Ha! Beim Mann, der aus der Sonne kam! Was man sich nicht alles im Ausland ansteckendes
holt.
Eigentlich wollte ich weiter an meinen Geschichten schreiben. Aber jetzt ist die Ahnensuche dazwischen gekommen. Schon spannend, wenn sich die Geschichte des eigenen Namens öffnet und eine geballte
Ladung neuer Verwandter sichtbar macht. Auch noch in Brasilien (und um Enkirch bei Köln). Da muss ich jetzt mal ran und die eigenen Vorgänger und Verwandten in der neuen, tabellarischen Syntax
aufschreiben. Bis zu meines Vaters Ebene hat Onkel Otto das grafisch gemacht. Wenn ich die ergänzen sollte, bräuchte ich eine ganze Wand.
Nun denn, ran an den Speck - aber erst muss ich mal schlafen.
Definition Jetlag (aus Wikipedia):
OK, das kann ich bestätigen
Sonntag, 7. februar 2010
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13:03
Ein Blog ist für vieles gut, auch für die Forschung nach der eigenen Familie.
Gewundert hatte ich mich in einer meiner veröffentlichen Geschichten ob der Tatsache, in Brasilien den Namen Einloft zu finden, meinten wir doch, wir seien eine kleine Gemeinde desselben Namens,
deren Ausbreitung wir wüssten. Weit gefehlt. Auf diese Geschichte im Blog meldet sich Herr Herculano Einloft Neto aus Rio de Janeiro und schickt mir seine komplette Ahnengalerie die bis zu unseren
gemeinsamen Vorfahren geht.
Unser gemeinsamer Stammbaum beginnt 1650 mit Johannes Eloff oder Enloft aus Gönnern. Sein Sohn Henche heiratet 1712 Margarete Gabel und zieht nach Silberg. Margarete ist die Tochter von Peter
Gabel, aus Tirol als Bergman zugezogen und Elisabeth Schmitt (Wwe). Das sind die Urahnen
Von deren 7 Kinder ist Sohn Johannes Einloft, der Schuldiener in Silberg, der gemeinsame Ahne beider Linien. Mit Elisabeth Wege verheiratet kriegen sie 7 Kinder. Und hier trennen sich die beiden
Stammbäume. Unser direkter Ahne (also der "Hommertshäuser-Herzhäuser-Linie") ist Johann Heinrich (geb 1742), verheiratet mit Elisabeth Kirch. Danach geht es munter runter mit eingeklemmter
Namensfantasie: Johann Heinrich (Sohn von Johann Heinrich 1742), Georg (dessen Sohn), Johann (dessen Sohn) Georg (dessen Sohn) und mit diesem Schosch sind wir bei meinem Großvater (Preisfrage: wie
hieß dessen ältester Sohn?).
Die andere Linie, das ist jetzt erst bekannt geworden, hat sich dort oben, nach dem Bergmann seiner Tochter und Elofts Sohn aus Gönnern getrennt. Besser gesagt: bei dem anderen Sohn, von Johann
Georg, verheiratet mit Elisabeth Kreuth. Dessen Sohn ist nach Enkirch abgewandert (bei Köln), warum, wissen wir (noch) nicht. Und schon dessen Sohn Johann Heinrich ist mit Frau und Kind 1857 nach
Brasilien ausgewandert. Später sind noch ein paar nach gekommen. Daraus ist ein seitenlanger Stammbaum von Einlofts in Brasilien und Enkirch geworden.
All das dank dem Blog.
Hier ein Stammbaum der brasilianischen Seite: Stammbaum Herculano
Freitag, 5. februar 2010
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17:23
Wieder zurück. Mit Wehmut im Herzen. Das graue, nebelige, nasskalte Wetter lässt die Sonne besonders stark vermissen. Abgeflogen sind wir am Montag Abend um 8.00 in
Lima. Dienstag um 14.00 waren wir schon in Madrid, kurz vor 4.00 war Weiterflug und um 8.30 Uhr Abends standen Hanne und Jörg strahlend da und holten uns ab. Eine Stunde hat der Flieger über
Frankfurt gekreist, wegen Schnee oder Nebel, was aber sind schon 1 Std. spätere Ankunft bei einer Strecke von 12 000 Km!
Nicht nur gute Erinnerungen haben wir mitgebracht. Atahualpas Rache hat uns zum Schluss noch erwischt, M ganz schlimm. Sei gegrüßt, alter Schluri!
Und einen Sonnenbrand haben wir uns sonntags am Strand geholt, extra. Man weiss nie, wann die nächste Gelegenheit
kommt. Dem Chaos der Überschwemmungen in Machu Picchu und Cusco sind wir gerade so entkommen, alles Andere war traumhaft schön. Besonders das Zusammensein mit unseren Lieben, Frank, Tatiana, Jan
und Ana Paula.
Ich füttere euch an, damit ihr öfters kommt, hatte Frank, der alte Angler, gesagt. Das ist ihm gelungen, der Fisch hat angebissen.
Herzlichst sind wir empfangen worden. Erst in Dietzenbach, dann hier zu Hause. Schön, so warm gebettet zu sein. Klaus hat auf das Haus aufgepasst, wenn er nicht wäre, hätten wir jetzt eine
Baustelle. Die Heizungsautomatik des Frostschutzes ist ausgefallen, die Fußbodenheizung unten war am einfrieren.
Jetzt müssen wir unsere innere Uhr wieder zurückstellen. Morgens um 8.00 sagt sie noch es sei Nachts um 2.00. Max ist wieder da. Er zwingt mich raus.
Dann schleichen 2 alte Männer durch den Tiefschnee.
Sonntag, 31. januar 2010
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02:40
Seit 1 Wo zurück aus Cusco. Um 6.00 Uhr am Flugplatz Regen. Der Indio-Fahrer sieht anscheinend auch mit beschlagener Scheibe, nicht 1x wischt er, Heizung und Gebläse
sind aus, mit dem Gesicht über dem Steuerrad umfährt er tatsächlich jedes Schlagloch. Lächelnd setzt er uns ab, kommen Sie bald wieder. Bei der Personenkontrolle nehmen sie M das letzte Stückchen
Metall ab, eine kleine Pinzette, die hatte nun genug Flugjahre auf dem Buckel und kann jetzt im Hochlandrosten. Das Wetter klärt nicht auf, dicke Wolken hängen über dem Tal, der Flughafen bleibt
geschlossen, wird voller, übervoll, wir warten, spielen Skat mit Tati & Jan auf dem Boden. Nach 6 Std. ein Loch in der Wolkendecke, die Maschinen aus Lima und anderswo dürfen landen und wir
einsteigen. Los, los vor der nächsten Regenwand. Gestern hören wir in den Nachrichte: Erdrutsch auf der Bahnstrecke nach Matchu Picchu und auf dem Weg in die Wolkenstadt. 2000 Touristen sind dort
oben eingeschlossen. Es gibt einen Fußweg. Wir hatten Glück, sind nur pitschnass geworden, mehrmals. Es hat gegossen wie aus Kübeln, die abschüssigen Gassen von Cusco verwandelten sich in reißende
Bäche. Trocknen bei der Kälte dort oben ohne Heizung in den Zimmern ist nicht einfach, aber geht.
Frank hat uns ein wunderschönes 2 Zi-Appartement mit Blick aufs Meer gemietet. Im Fernseher 800 Programme, wir schauen
Live-Bundesliga am Sonntag mit Frank und den Kindern vom Bett aus. Um 11:00 morgens.
Jan hat für seine Mutter und sich ein Inca-Kreuz gekauft, 4 Arme, 1 Scheibe mit Loch in der Mitte. jetzt lese ich, es symbolisiert die 4 Verwaltungsbezirke des Inca-Reiches: den Norden bis
Kolumbien, den Westen bis an den Pazifik, den Osten mit den Anden und den Süden mit Chile und Argentinien.
Samstag Abend führt uns Frank ins beste Lokal Limas. Gegrilltes Lama-Herz am Spieß die Empfehlung. Am Nachbartisch Argentinier, sie pflegen ihr Image als auffallendes Volk. Che, sauf nicht so viel,
da lacht sich der Che kaputt.
Sonntag bei Ana Paula Feijoada, das brasilianische Nationalgericht, Caipirinha vorher, kaum Besseres vorstellbar. Abends Skat mit
den Kindern, die spielen schon wie die Alten mit all den dummen Sprüchen. Hosen runter, ein jeder hat ein Herz, Pikus der Waldfee.
Die Reflexe sind noch OK. Ich muss nachts aufs Klo, da springt M auf der anderen Seite auf, rennt ums Bett herum Richtung Türstock, sieht mich, stutzt, geht zurück und murmelt: dachte, es wär ein
Erdbeben, das Bett hat so gewackelt. Überall in den Gebäuden sieht man die Schilder mit dem S für sichere Orte. Nun ja, die sichersten halt.
Montags im Kino mit den Kindern, Hamburger essen (1x hatte ich versprochen mit zu gehen). Natürlich Skat. Dienstag Deutscher
Klub, schwimmen, abends koch ich Spaghetti für die Kinder, neben den Knoblauch- und Erdnusshähnchen von M ihr Lieblingsessen.
Und so geht die Woche weiter, neigt sich dem Ende zu, wir tanzen in den Sonntag, gehn noch mal ans Meer,
genießen den Verkehr in Lima und Montag schlägt die Stunde der Wahrheit. Zurück in die Kälte. Schnee ist auch schön, zeigen Peters Bilder.
Freitag, 29. januar 2010
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17:01
Ich bin baff. Dachte immer, die Incas hätten eine lange Zeit die Geschichte Lateinamerikas geprägt. Pustekuchen. Das ganze, große Incareich hat gerade mal so 60 Jahre
gewährt.
Alles zerstören, was zu zerstören ist, alles verbrennen, was zu verbrennen ist und alle umbringen, die dem Inca-Glauben anhängen, hatte der spanische Vice-König in Lima angeordnet. Nichts sollte
bleiben von der fremden Kultur, alles spanisch werden. Doch so sehr sie sich anstrengten, sie schafften es nicht, alle Paläste, Tempel und heilige Anlagen mit den tonnenschweren Steinen zu
schleifen, passgenau und erdbebensicher von der Inca-Architektur geschaffen.
Bis heute bewundern wir die Mauern, auf denen die spanischen Eroberer ihre Kirchen und Herrschaftshäuser errichtet hatten, schon mehrfach
von Erdbeben zerstört und neu erbaut. Nur die Mauern der Incas blieben ungerührt stehen. Sie schafften es nicht, die Spanier, Cusco, den "Nabel der Welt" (so die Übersetzung) aus der Tradition der
Indios zu verbannen, sie schafften es nicht, ihre Sprache Quetchua zu eliminieren, bis heute mündlich weiter gegeben, erst letztes Jahr als Schulsprache anerkannt, sie schafften es nicht, den
Sonnenkult aus dem Glauben zu verbannen, sogar die Katholische Kirche musste klein beigeben, ihn integrieren in ihre christlichen Zeremonien.
Einzigartig dieses kleine Völkchen. Manco Capac, so die Sage, hat der Sonnengott Inti als seinen Vertreter, den Inca, auf die Erde geschickt um Kultur und Erleuchtung unter die Menschen zu bringen.
Und der habe sein Volk im 12. Jhdt. vom Titicacasee kommend im fruchtbaren Hochtal um Cusco angesiedelt, erzählt die Sage. Nur 14 Incas als Vertreter des Sonnengottes gab es. Bis zum 8. weiß man
einzig, dass das Völkchen klein und ziemlich friedlich im Hochtal neben anderen vor-incaischen Völkern siedelte. Erst ab dem 9. Inca Patchacutec Yupanqui gibt es Überlieferungen, den der begann zu
expandieren. Das war 1439. Sein Sohn, Túpac Yupanqui übernahm die Herrschaft als 10. Inca 1471 und unter seiner Führung errang das Reich die größte Ausdehnung, wurden Völker unterworfen und
integriert bis hinauf in den Norden Ecuadors und hinunter unterhalb von Santiago in Chile und hinüber nach Argentinien. Das machte er sehr geschickt, hohe Würdenträger der unterlegenen Stämme
wurden nach Cusco zum Mitregieren berufen, Künstler und Wissenschaftler bevorzugt behandelt. Einzig Alexander der Große fällt mir ein, der ähnlich in einer Generation solch eine Expansion
bewerkstelligte in Kriegszügen mit einem schlagkräftigen Heer. Die Römer brauchten dazu Generationen von Kaisern.
Huayna Capac, der 11. Inca, war der letzte Herrscher über das ungeteilte Reich. Kurz vor seinem Tod 1525 teilte er sein Herrschaftsgebiet zwischen seinen Söhnen Atahualpa und Huascar auf. Atahualpa
erhielt die nördliche Region, Huáscar als legitimer 12. Inca den südlichen Teil mit Cuzco als Regierungssitz. Die beiden Brüder hatten nichts anderes zu tun als sich nach dem Tod des Vaters
umgehend zu bekriegen um der Alleinherrschaft willen. Atahualpa gewann, ließ seinen Halbbruder hinrichten und dessen Oberschicht töten, hatte aber nicht mehr viel davon.
Genau in dieser Zeit der Schwäche erschien Pizarro auf dem Plan, als wenn er´s gerochen hätte. Das war 1532. Was hätte seine kleine Streitmacht von knapp 200 Mann trotz Pferden, Rüstung und
moderner Waffen ausrichten können gegen ein Inca-Heer von 200 000 Mann in Zeiten der Stärke? Hinzu kam, Atahualpa unterschätzte Pizarro völlig, empfing ihn freundschaftlich, wurde in eine Falle
gelockt, gefangen genommen und noch immer gab er keinen Befehl an sein großes, vor dem Tor lagernde Heer, die Absolutheitsherrschaft rächte sich, seine Generäle wagten nicht einzugreifen, ohne
Befehl durfte kein Krieger handeln, das hätte stande pede zu seiner Hinrichtung geführt. Atahualpa versuchte stattdessen sich
frei zu kaufen mit einem Raum voller Gold (so hoch mein Arm reicht) und 2 weiteren Räumen voller Silber. Alle Tempel, bis dahin außen und
innen mit Gold behangen, wurden ihres Schmuckes beraubt, die Artefakte eingeschmolzen (es soll Wochen gedauert haben), Atahualpa lieferte und wurde trotzdem hingerichtet. Die Spanier übernahmen die
Macht. Zwei Incas noch, der 13. und 14. haben gegen die Spanier gekämpft, beide hätten um ein Haar gewonnen, Pizarro mit seiner Chuzpe hat jedes Mal im letzten Moment mit irgend einem ausgefallenen
Trick gesiegt, beide wurden hingerichtet auf dem großen Platz in Cusco, der heute Plaza de Armas, Platz der Waffen heißt. Pizarro hatte genug von den lästigen Incas, verlegte seinen Regierungssitz
nach Lima und alle spanischen Vice-Könige versuchten von dort, die Incas vom Erdboden verschwinden zu lassen. Es gelang ihnen nicht, siehe oben.
Erst die Erhebung der neuen Oberschicht in den Kolonien hat die Spanier vertrieben, in Peru war das 1823. Das große Inca-Reich war in neue Länder aufgeteilt, sie hießen nun Ecuador, Kolumbien,
Peru, Chile, Argentinien. In den Städten, bei der Oberschicht war es modern geworden, die spanische und europäische Kultur nachzuahmen, nur die Quetchua blieben was sie waren dort oben im Hochland:
die wahren Nachfolger eines einst großen Völkchens.
Gold hatten sie gesucht, die spanischen Abenteurer, in wilder Verblendung unmenschliche Massaker verursacht, ganze Völker ausgerottet, es gefunden als sakrales Metall bei den Incas, Azteken, Mayas
in Süd- und Mittelamerika. Die kriegten gar nicht mit, warum die Spanier so scharf drauf waren, konnten deren Gier nicht adäquat abwehren. Viel genutzt hat es den Spaniern auf die Dauer nicht, das
verfluchte Gold. Sie klauten was sie konnten und gaben es aus für Luxusgüter, vorrangig in England, das mit dem Edelmetall seine industrielle Revolution finanzierte, vermehrt Güter herstellte. Als
alles Gold und Silber nach England gewandert war, die Kolonien sich selbständig machten, versank das Zentrum der Weltmacht in Armut. Sie hatten vergessen, dass selber herstellen letztendlich satter
macht. Erst im 20. Jhdt. lernten sie es, die Spanier, nicht von Raub und Plünderung, von Macht und Dominanz zu leben. Nur die Katholische Kirche der Spanier hat in Lateinamerika die Kolonialzeit
überlebt, sie, die es verstanden hat, durch Anpassung und Integration zu herrschen. Der Inca-Glaube lebt in und mit ihr weiter.
M sagt, so hoch war die Kultur nicht, in der Zeit, als die Incas Steine aufeinander stapelten entstanden in Europa gotische Kathedralen. Da ist was dran. Zugegeben, es waren große Steine bei den
Incas. Auch hatten die ein ausgefeiltes System mit Läufern, brachten Nachrichten in kürzester Zeit in alle Ecken und Enden (heute braucht man auf dem Inca-Trail 4 Tage bis Machu Picchu, die
Läuferstaffeln brauchten dafür 5 Std.). Sie kannten die Sterne, berechneten exakt Jahreszeiten, operierten am offenen Schädel, ausgefeilt war ihre Landwirtschaft mit terrassiertem Anbau, Mais,
Tomaten und Kartoffeln, Quinua und anderes haben wir von ihnen. Sie opferten aber auch Kinder und Frauen bei Katastrophen, waren abhängig von strengen Göttern, lebten in einem hierarchischen,
Gehorsam fordernden Kastensystem, wer nicht parierte, kam in die Schlangengrube. Ja doch, sie hatten schon nachhaltige Waldnutzung, wer einen Baum fällte musste 3 neue pflanzen, erst die Spanier
und nach ihnen die neuen nationalen Herrscher haben das von Wald bedeckte Hochland radikal gerodet. Doch letztendlich verloren die Incas alles an eine Handvoll Haudegen. Denen hab ich es nie
gegönnt.
Donnerstag, 28. januar 2010
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17:26
Im Konvent Sto. Domingo hat man
1950 nach einem Erdbeben festgestellt, dass ein Großteil der Mauern aus der Incazeit stammt und nur mit Putz und Wandmalereien verfremdet und dem Katholizismus einverleibt wurde. Die Incas bauten
keine geraden senkrechten Mauern und Fenster sondern leicht trapezförmig, nach oben enger werdend, was den Gebäuden mehr Stabilität bei den häufigen Erdbeben verlieh. Die Kathedrale, mit deren
Konstruktion 1560 begonnen wurde, ist ein Prachtbau kolonialen Barocks mit Holzschnitzereien, goldüberzogenen Altären und Ölgemälden von zweifelhaftem Geschmack.
In und um die Stadt stößt man überall auf die Spuren der Incas. Sie hatten die Gabe, besondere Naturgegebenheiten wie große Freiflächen, Felsformationen, Quellen und Höhlensysteme für ihre
religiösen Kulte zu nutzen und anzupassen, indem sie die Granitblöcke zu Mauern, Altären, Labyrinthen zusammen fügten und umgestalteten.
An jedem touristischen Punkt, an
dem sich die Busse und Menschen versammelten, waren die Kunsthandwerk-Verkäufer, die Anbieter von Süßigkeiten, Maiskolben und Käse und die Cholitas (Landfrauen) in ihren Trachten mit Lamas und
kleinen Schäfchen im Tragetuch zum Fotografieren aufgereiht und die Tour endete folgerichtig in einem riesigen Verkaufsladen von Alpaca-Kleidung und Silberschmuck. Man akzeptierte Visa und American
Express.
Auf dem Rückweg zum Hotel wurden wir trotz unserer Müllsack-Ponchos so nass, dass uns das Wasser in Rinnsalen aus den Hosen lief.
Wir hatten Ersatz, sodass wir einigermaßen trocken zum Essen gehen konnten, Tati in Jans Hosen und meinen Schuhen. Wir bestellten uns ein Öfchen in unser Zimmer und trockneten über Nacht die Hosen,
Socken und Schuhe. Die Kinder machen alles mit, sind immer gut gelaunt und witzig. Beim Abendessen kommt das Gespräch auf Erbkrankheiten, ein unschönes Thema. Das merkt auch Tati und fragt: Opi,
welches ist eigentlich dein Lieblingsschmetterling? Und Jan erzählt uns von einem dreijährigen Mädchen, das ihm erzählt hat: als ich klein war..... Wir haben immer was zu lachen.
Mittwoch, 27. januar 2010
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Ist die Sonne weg, wird es
empfindlich kalt, ist sie da, knallt sie. Kein Wunder, wir sind auf 3400 m Höhe, in Cusco, der alten Inca Stadt. Schön rausgeputzt erinnert sie uns von ferne an Cuenca in Ecuador. Beeindruckend,
vor den riesigen Blöcken der von den Incas gebauten Grundmauern zu stehen, auf denen die Spanier ihre Gebäude errichteten. Wie haben die Incas solch tonnenschweren Monolithen bewegt (der größte
wiegt 70 Tonnen)
und wie bearbeitet, dass
kein Blatt Papier dazwischen passt? Wüssten wir gerne, gelle? Geschliffen mit Sand, erfahre ich später. Mag sein, dann aber müssen viele Leute himmelsviele Stunden mit Schleifen verbracht haben.
Und noch immer ist nicht ganz klar, wie sie die exakte Passform der verwinkelten Oberflächen zustande brachten. Auf Rampen, mit Wasser und Rollen hätten sie die Steine bewegt, Kilometer weit von
den Steinbrüchen bis zur Stadt. 10 Männer, so ein Wissenschaftler, wären nötig gewesen um 1 Tonne auf diese Art vorwärts zu bringen. Das sollen sie erst mal nachmachen. Wenigstens sind sie da, die
Blöcke, haben die Spanier überlebt, alle Erdbeben, die die Stadt zerstörten, das letzte 1950 bei dem 90% der Gebäude zerstört wurde, und noch immer stehen die Mauern und lassen es zu, neuen
Gebäuden als Grundlage zu dienen.
Quechua heißen die Urbevölkerung
samt ihrer Sprache bis heute, Hochlandindianer, klein, gebückt, bunt angezogen, huschen sie durch die Straßen, immer in Eile, fast immer beladen. Räder kannten die Incas nicht, bis heute wird das
Tragen der Lasten von seinen Nachfolgern bevorzugt. Cusco, Magnet für Touristen, Zwischenstation, um nach Machu Picchu, der erst im letzten Jahrhundert entdeckten Inca-Stadt in den Wolken zu
gelangen, ist eine einzige Verkaufsfläche. Unsere kleinen Quechuas sind handelstüchtig, erinnern mich an Zigeuner in ihrem nicht nachlassenden, auch handgreiflichen Eifer, jedweden Ramsch zu
verkaufen.
Mista, Mista,
Foto rufen die Cholitas in den kunterbunten Trachten, Kinder im Tragetuch, Lama am Seil hinter sich her ziehend, als Modell für pittoreske andine Fotos sich zur Verfügung stellend, immer die Hand
für kräftige Trinkgelder aufhaltend. Die können ganz schön ausfallend werden, wagt man zu fotografieren ohne Zahlung. Dazwischen der nicht abreißende Strom fliegender Händler, ihren allbekannten
Ramsch mit Motiven der Hochlandindios dem Spaziergänger unter die Nase haltend, jedes zweite Haus eine Herberge, ein Lokal, ein Geschäft, ein Reisebüro, in jedem Zwischenraum ein Markt mit
ebendiesen Wollsachen, wie kriegen die nur solche Mengen los? Junge Mädchen an jeder Ecke mit Handzetteln für Inca-Massage, was ist denn nun das schon wieder? Trampelt da ein Lama auf dir rum? Es
könnte auch ein Thai-Massage sein oder was sie wollen, Mista. Ist das etwa ein versteckt eindeutiges Angebot? Ich habs nicht ausprobiert, die kleinen Cholas haben mich noch nie angemacht. Aus jedem
Furz wird hier Geld gemacht. Warum auch nicht, die Stadt hat sehenswerte Sehenswürdigkeiten, eine lange Geschichte aus Vor- und Incazeit, sie erinnert an Pizarro, den zum reich Werden
wildentschlossenen Abenteurer, sie zeigt den Einfluss der spanischen Besetzung und die neue Zeit.
Mitten auf der Plaza de Armas, dem Waffenplatz, Zentrum der Stadt, Treffpunkt der Menschen, steht ein Brunnen aus Stahl,
gebaut von Eiffel, dem Erbauer des nach ihm benannten Turms in Paris. Ganz früher war es der zentrale Platz des Inca-Reichs, Zentrum ihrer Welt, 2 1/2 mal größer und mit Sand aus allen eroberten
Provinzen bedeckt. Hier hat Pizarro sie hinrichten lassen, die Incas und ihre Edlen. Hier haben sie ihre Kirchen und Paläste auf die Mauern der Inca-Heiligtümer gesetzt, hier hat die neue Elite die
Unabhängigkeit ausgerufen (1823). Alte prächtige Schatten und Schutz spendende Bäume standen hier, genutzt von der Bevölkerung für Treffen und abendliches passeo, dem traditionellen Spaziergang
kurz vor Sonnenuntergang und Markt für Eheanbahnung und nachbarschaftlichen Beziehungen. Ein neuer Bürgermeister, besessen von seinem Auftrag einer sauberen Stadt, hat in einer Nacht- und
Nebelaktion all die schönen Bäume fällen lassen. Wütend haben die Bürger seinen Regierugssitz besetzt und all die Bäume in seinem privaten Anwesen ebenfalls gefällt. Das war vor 10 Jahren. Spärlich
wachsen neue Bäume.
Dienstag, 26. januar 2010
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19:02
(Bild aus Wikipedia weils so schön ist)
(M) In der Hast des Aufbruchs haben wir in Cusco das Ladegerät für die Kamera vergessen, also wird es keine Fotos mit uns vor den Inca-Ruinen geben. Ich glaube, es gibt auf der Welt genug Fotos von
Machu Picchu und wahrscheinlich bessere, als wir machen können.
Am Morgen gießt es wie aus Kübeln, wir schleichen in unseren Plastik-Ponchos Marke Müllsack unter den vorstehenden Dächern zur Bushaltestelle und werden durch dichten triefenden Nebelwald
über steile Serpentinen die Granitfelsen hinauf transportiert. Am Eingangsbereich zum Nationalpark Machu Picchu geht es zu wie am Eröffnungstag des Christkindlesmarkts - ein Chaos, bis Hunderte
ihre Führer gefunden haben.
Irgendwann haben wir genügend Platz in diesem weitläufigen Gelände um uns im Halbkreis um Jose zu versammeln und seine Erläuterungen zu hören. Es gab dort oben drei Bereiche: den der Wohnhäuser,
den, der für die religiösen Kulte vorgesehen war mit dem Observatorium zur Berechnung der Jahreszeiten und den der Landwirtschaft. Aufgrund von Berechnungen schätzt man heute, dass die Stadt bis zu
1000 Menschen beherbergen konnte. Sehr gut erhaltene Terrassen verhinderten, dass das viele Wasser sofort abfloss und der Boden erodierte, kleine feste Steinhäusern dienten als Kornspeicher. Die
Dächer der Häuser waren wegen des vielen Regens sehr steil. Im Zentrum ein Platz, der dem heiligen Kondor geweiht war. Zwei große Granitblöcke schräg aufragend, die aussehen wie Flügel, einen Kopf
mit Schnabel haben sie dazu gefügt und an den Flügeln waren Nischen, in denen die Toten in Embryohaltung bestattet wurden. Der Kondor, so der Glaube, trug die Toten ins Jenseits.
Das gesamte Gelände ist harmonisch in die Natur eingefügt, perfekt gestaltet, die Übergänge zwischen natürlichen Granitfelsen und von Menschen errichteten Häusern kaum sichtbar und die Vegetation
grün und urwüchsig, dazu der Zauber der herben Landschaft - für mich ein magischer Ort. Alles ist im Gedächtnis eingegraben, wir hatten Zeit dazu, denn wir mussten keine Fotos machen.
Ich habe immer gedacht, dieses Machu Picchu sei zu touristisch, ich könnte eigentlich darauf verzichten, es zu sehen, aber es ist gewaltig, es haut dich um. Ein Glück, dass es den Spaniern nicht
gelungen ist, dieses einzigartige Kulturdenkmal der Menschheit zu zerstören.
Gegen 14 Uhr fuhren wir mit dem Luxuszug durch die steilen grünen Schluchten bis zur Station oben auf 3200 m Höhe, wo uns unser Fahrer durch zauberhafte fruchtbare Hochebenen nach Cusco brachte. Es
war ein wunderbarer Tag und jetzt habe ich Kopfschmerzen und mir ist kalt, alles ist feucht.
(R: jetzt kommt mein Senf dazu)
In all den Jahren in Lateinamerika, bei all den Besuchen von Peru dachte ich immer, auf Machu Picchu kannst du verzichten, zu den 2500 - 3000 Personen die täglich da durchgezwängt werden, musst du
nicht gehören, die Ruinen sind verkommen zur meist besuchten Sehenswürdigkeit in Südamerika, zur fabulösen Einnahmequelle Perus, die so 2 Mio € im Monat bringen kann. Die Kinder mitnehmen war ein
Argument, auch reizte es mich trotzdem, die Stadt über den Wolken zu sehen. Und dann zogen sich Menschenschlangen die engen Steige der Stadt hoch und dann waren wir mitten drin im Pulk, folgten der
gelben Fahne des Führers und dann standen wir auf der Anhöhe über der Stadt und dann waren wir sprachlos. Es ist etwas Besonderes an diesem Ort.
Zweistöckige Häuser, Sonnenobservatorium, Terrassen in schwindelnder Höhe, tief unten der Fluss, ein Steinbruch mit tonnenschweren Blöcken, Kanäle mit fließendem Wasser, das heilige Viertel, der
Wohnort - all das eingebettet in ein grandioses Bergpanorama, bewachsen mit Regenwald, Formen wie Zuckerhüte, von Nebel umwabert, Teil der Natur, aus ihr gewachsen, in sie eingebettet.
Nach letzten Erkenntnissen, so der Führer, war Machu Picchu nur eine Stadt der Incas, bewohnt zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert, verlassen, kann sein, wegen des letzten Aufstandes des letzten
Incas gegen die Spanier. Es gibt mehrere Definitionen zum Zweck dieser Siedlung hoch oben auf dem Berg. Ich neige der zu die sagt, sie sei eine heilige Städte gewesen.
Die Batterie der Kamera war leer, das Ladegerät in Cusco, wir mussten all die vielfältigen Eindrücke nach traditioneller Art im Gedächtnis speichern. Mehr Zeit als die Fotografierer hatten wir.
Montag, 25. januar 2010
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Was für ein Tag! Vor 4.00 Uhr
morgens aufgestanden, um 5.00 am Flughafen, 6.00 ab, 7.00 an Cusco, herrlicher Flug über schneebedeckte Andengipfel, schockschwere Atemnot erwartet uns, wir sind auf 3400 m Höhe gelandet, leicht im
Gehirn, Pudding in den Beinen. Die Kinder halten sich vorzüglich trotz früher Zeit und Flugangst bei Jan. Ich fliege nur mit, hat er gesagt, wenn ich neben Opi sitzen darf. Meine Gelegenheit,
versuche, mit Erklärungen zum Fliegen ihn abzubringen vom Denken. Ein Taxi holt uns ab, die Herberge hoch am Hang der Stadt hat Frank vorbereitet und bezahlt wie auch Flug und Fahrten (und unseren
Aufenthalt; Dank unserem Großen an dieser Stelle). Trotz Dusselkopp bemerkt, das Rückflugticket ist weg, beim Check In abhanden gekommen. Also los, runter in die Stadt,
gepflasterte Gassen voll mit
Taxis, Cusco liegt an steilen Hängen, das Zentrum im Tal, schön sauber alles
und da sind sie dann, die alten
Inca-Mauern mit den riesigen Steinen, darauf die Gebäude der spanischen Eroberer im Kolonialstil. Die Fluggesellschaft ist freundlich, regelt den Rückflug, wir keuchen zurück, Coca wo wir stehn und
gehn, hilft gegen Höhenkrankheit, Coca-Blätter bleiben ein altes Heilmittel der Indios hier oben, werden überall verkauft. Ich wusste es, Coca war schon immer gut. Zurück zum Hostal, wir haben kein
Zimmer, müssen am selben Tag weiter, der Manager organisiert unsere Reise nach Machu Picchu, die Kinder schlafen auf Liegen im Innenhof, ich dämmere weg im Sessel, die Tickets kommen, wir gehen
essen, traditionell mit viel Fett am Fleisch. 13.30 kommt der Fahrer, 2 Std dauert die Fahrt zum Bahnhof (früher begann die Eisenbahn in der Stadt, das sei eingestellt worden, warum? Die Bahn macht
zu viel Krach. In der Tat, sie hupt am laufenden Band). Es geht über einen Pass von 3900 m, durch fruchtbare Höhentäler, Kartoffeln, Kartoffeln so weit das Auge reicht.
Der Bahnhof in einer Schlucht,
drum herum Buden mit teurem Essen und Trinken. Um 16.30 fährt der Zug, 18.30 an in Aguas Calientes, wild gewachsen, hässlich, voll, Tourismus pur, in 1/2 Std. Takt transportieren Züge die Besucher.
Warten auf den Führer, um 19.00 sollte er kommen, um 21.00 ist er da. Schon wieder aufstehen vor Sonnenaufgang am nächsten Tag und nach der Besichtigung der alten Bergsiedlung der Incas, der
heiligen Stadt hoch oben in den Wolken ist am Nachmittag die Rückfahrt vorgesehen nach Cusco. Es hat keinen Zweck, in dem überlaufenen Touristenort zu bleiben mit seinen Unmengen von Pizzerias und
Indiogruppen, die wir aus den Fußgängerzonen der europäischen Großstädte kennen, und die "El condor pasa" spielen, das hat Frank gesagt, der Ort ist zu hässlich. Da hat er Recht. Was bin ich
kaputt.
Eine Meisterleistung der Ingenieure, die Bahn nach Aguas Calientes. Auf schmalen Schienen rumpelt und rattert der Zug eine grandiose Schlucht hinab, Mensch und Tier von den Schienen hupend. Unser
Pullman-Triebwagen mit Ledersesseln und Bordservice wie im Flugzeug schwankt durch die Biegungen, dem wilden, braunen Fluss und seinen Windungen folgend, links und rechts steigen fast senkrechte
üppig bewachsene vor Nässe tropfende Felswände 1000 m und mehr hoch, schneebedeckte Andengipfel dahinter. Kaum vorstellbar, dieser schäumende, brodelnde Fluss, wuchtig und wild, wird die Anden
durchqueren, nach Norden abbiegen, sich mit dem Amazonas vereinen. Erdgeschichte pur, könnte ich nur mehr darin lesen. Natürlich gibt es auch einfache Züge, sie kommen uns endlos pfeifend entgegen,
bringen Touristen zurück. Dann muss einer der Begleiter raus und die Weiche von Hand umstellen. Ich wäre lieber Holzklasse gefahren, vielleicht transportieren die Indios damit ihre Lamas und
Meerschweinchen.
Sonntag, 24. januar 2010
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Donnerstag, 21. januar 2010
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Mittwoch, 20. januar 2010
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Fallende Blätter schweben an unserem Fenster vorbei in den kleinen Park hinterm Haus. Es wird Herbst. Eigentlich ist es noch Hochsommer, sagt Frank.
Gestern von Pucusana zurück. Wir wohnen in seinem Haus unterm Dach juchhe, überm Bett eine Klingel, die Herrschaften können uns jederzeit erreichen.
Aus der Wand kommt Wasser, sogar warmes! Ich geb es zu, ist komfortabel.
Es scheint mir eine ehrbare, zukunftsgerichtete Übung, den Wasserverbrauch reduzieren zu können. Nicht lange mehr wird es dauern, dann wird Wasser ein rares, Kriege provozierendes Element. Schon
heute teilt sich die Menschheit in Arme ohne Wasser und Reiche, die es vergeuden. Nicht nur vergeuden, sie achten es nicht, was da aus dem Hahn kommt in Trinkqualität.
Samstag Abend gab es die Geburtstagsüberraschung für M: ein Jazz-Konzert in der Jazzone. Erinnerte an die Keller in Ffm, nur ohne Rauch. Die Musik eine Klangmischung aus Latino-Africano-Freejaz.
Abstrakte Malerei begreife ich auch wenig. Oft Kakophonie aufgesetzt auf bekannte Rhythmen. Überraschend die
Saxofonistin (und Klarinette), sie spielte mit absoluter Präzision ihre Solos und Begleitungen. Als sie auf die Bühne kam, glaubten wir, sie sei Ansagerin, vielleicht Sängerin.
Vorurteil! Die neueste CD heißt Pucusana nach dem Ort, aus dem wir gerade kommen. Ein Stück besingt die Jugenderinnerungen des Bandleaders auf dem Weg zum Fischerdorf. Muss ganz schön laut gewesen
sein.
Gerd und Nadia hatten wir seit Rio nicht mehr gesehen, umgehend war der
warme Kontakt wieder da. Seit Ecuador und DED-Zeiten kennen wir uns nun, Gerd war Koordinator für Technikprojekte, Nadia Sprachtutorin mit einem Deutsch besser als viele Entwicklungshelfer. Sie
sächselt nicht obwohl sie in Leipzig studiert hat. Zwischen den beiden hats damals gleich gefunkt, zu 4 gemeinsamen Kindern geführt (Gerd hat noch 2 mehr von vorher) und bis heute gehalten. Wir
seien ihre Vorbilder, sagen sie. Nun sind die Kinder groß, bald sind sie allein. Gute Aussichten!?
Jede geputzte Fläche verdreckt über Nacht, eine leichte Staubschicht ist immer in der Luft, ausgestoßen von den himmelvielen kleinen und großen Bussen, die die Straßen verstopfen, wild hupend quer
über alle Fahrbahnen schießen und bei jedem anhalten, der irgendwo den Finger hebt. Und dann gehts wieder mit Vollgas davon dass die schwarzen Rauchwolken aus dem Auspuff stieben.
Dinger gibts, die gibts nicht. Meinen Blog hat ein Einloft aus Brasilien gelesen, da steht bei den Geschichten aus Rio, dass wir nicht wissen, wie und welche Einlofts nach Brasilien ausgewandert
sind. Schreibt mir ein Herculano L. Einloft Neto aus Rio, er hätte das gelesen und schickt mir den Stammbaum seiner Einloft-Linie. Von Silberg ist einer nach Euskirchen und einer dessen Söhne ist
mitsamt 2 Neffen so 1860 in den Süden Brasiliens ausgewandert. Für was ein Blog nicht alles gut ist!
Dienstag früh um 5.00 geht der Flug nach Cusco, mit den Kindern wollen wir die alten Inca-Städte besuchen.
Montag, 18. januar 2010
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18:31
Das Wasser aus der Leitung ist zurück. Bin ein wenig traurig, war stolz auf unsere Genügsamkeit. Ist natürlich schön, wenn der beißende Uringeruch nachlässt. Die 3
Klos kräftig gespült, sagt M, es ist ein eigenartig auffallendes Geräusch, die Spülung zu hören. Wir werden uns schnell daran gewöhnen, Komfort ist einfach. Später: So ganz ausgereift scheint die
Herrlichkeit noch nicht. Die Pumpe liebt es, ihren Geist aufzugeben, muss mit Vorsicht behandelt werden. Noch später: die Herrlichkeit ist vorbei, wir holen wieder Wasser aus dem Pool.
Heut war es das 1. Mal sehr heiß, die Sonne hat gebrannt, daran erinnernd, dass wir nicht weit vom Äquator sind. Schön, in der Abendbriese nackt auf dem
Bett zu liegen, vom angenehmen, sich abkühlenden Windhauch umspielt.
Frank sagt, ich hab eine Überraschung und führt uns ins Dorf. Er hatte ein Lokal ausfindig gemacht mit Pay-TV Sportsender und der Direktübertragung Bayern München gegen Hoffenheim, das erste
Freitagsspiel nach der Winterpause. Leider haben die Bayern gewonnen. Modernste Technologie findet man hier in einfachsten Hütten.
Der Apparat hängt schräg an der Wand, Kabelsalat um sich rum, das Lokal ist ein Bude mit Sperrholztischen und Plastikstühlen, die Bilder an den Wänden hängen schief, aber ein
amerikanischer Sportkanal sendet Deutsche Bundesliga. Besonders krass die Internetbruchbude. Ein dunkles Loch in der Wand der Eingang, dahinter eng gedrängt PCs, Bildschirme auf wackeligen
Gestellen, Tastaturen, Wände, Boden, alles schwarz-grau schmuddelig, doch zumeist funktionieren die Apparate mit hoher Geschwindigkeit. Nichts hier ist perfekt, strahlend sauber, wie neu
restauriert. Eher das Gegenteil. Alles ein wenig schmuddelig, vom Zerfall bedroht, für nicht wichtig erachtet, daran zu arbeiten. Funktioniert es einigermaßen, ist es gut. Dafür gewinnt man Zeit
für andere Dinge.
Morgens schwimme ich an den Booten entlang, darauf eng gedrängt kackernde, kreischende, ruhende Vögel. Die schönsten sind grau-schwarze Möwen mit dunkerotem Schnabel, gelben Mundwinkeln aus denen
an jeder Seite eine einzelne, weiße Feder sprießt, die im eleganten Schwung bis zum Hals reicht und sich beim Windstoß leicht bläht. Das Wasser ist angenehm kalt, der Humboldtstrom bringt Wasser
aus der Antarktis, ist Lebensraum für einen großen Fischreichtum. Es ist Wochenende, langsam füllt sich der Strand mit Leuten, ein alter Mann geht auf und ab, hebt ab und an seine Arme, ein
Kindermädchen führt ihren Knaben aus, Hausmädchen kehren, der erste Eisverkäufer mit seiner Kiste über der Schulter stapft durch den Sand, Kinder schauen halb verschlafen auf das Wasser, die Vögel
verziehen sich langsam, von drüben weht Cumbia-Musik herüber, irgendwann beginnt der Tanz. Weil Wochenende ist.
Sonntag, 17. januar 2010
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Sonntag, 17. januar 2010
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12.1. (M erzählt) Ich sitze im Bett und sehe auf den Hafen unter mir und die
Hunderte Seevögel. Pelikane fliegen in Formation, Luftlinie etwa 10 m am Fenster vorbei, Unmengen von kleinen und großen Möwen, weiß, grau, schwarz sitzen oder kreisen oder stürzen sich ins Wasser,
schreien, keckern, zetern. Ganz nah auf der Rückseite unserer Insel sind Vogelfelsen, auf denen sie sich alle sammeln und brüten.
Jetzt steigt mir kräftiger Kaffeeduft in die Nase - wie schön! R war schon im Meer schwimmen und bringt mir jetzt gleich meinen Cappuccino.
Tati und Jan sind gut gelaunt, machen alles mit, helfen und essen mit Begeisterung was wir kochen.
13.1. Gestern war ein Seelöwe im Hafen. Da freuen sich alle. Unsere Insel mit den schönen Häusern ist so ganz anders, als wir es von LA gewöhnt sind - man lässt unbesorgt die Haustür aufstehen, man
lässt die Kinder bis tief in die Nacht draußen ohne sich Sorgen zu machen und es liegt kein Abfall rum. Klar, die Zugänge sind kontrolliert durch den Fährdienst, es gibt überall Personal, das für
Ordnung sorgt und die Bewohner passen auch auf, es ist schließlich ihr Ambiente, das sie sich geschaffen haben.
Wasser gibts noch immer keins. (OK, im Meer ist genug, aber wenig verwendbar). Es ist eine Menge Geschirr, was sich über den Tag hinweg ansammelt, besonders, wenn man zusätzlich die Bohnen
anbrennen lässt, aber R kümmert sich darum und die Kinder helfen bereitwillig.
Jan kennt sich im Haushalt aus, weiß, wie ein Reiskocher funktioniert und hatte eine Idee, wie wir Pisco sour ohne Mixer zubereiten können, Und Tati macht sauber, legt eine
schöne Tischdecke auf und redet...die beiden sind so lieb und unkompliziert. Wir können uns richtig intensiv mit ihnen unterhalten. Und sie spielen schon gut und gerne Skat. (Bis 10.00 Uhr Abends,
dann sind wir müde und sie gehen zu ihren Freunden).
(R) Angeln ist ihr neuer Sport. Gestern haben sie ein halbes Dutzend Fische gefangen in 1/2 Std.
M
sagt, sie haben zu viele Gräten und so wurden die armen, dem Tode geweihten Tierchen wieder in die Freiheit entlassen. Dafür haben wir Steaks gegrillt.
Heute haben wir es geschafft, einen Internetzugang zu ergattern. Da sitzen Tisch um Tisch Indio-Fischerjungen, Rucksack auf dem Rücken, Schultasche neben sich und spielen versunken Counterstrike.
Ich würde das verbieten. Da wird geschossen was das Zeug hält, Blut spritzt, der Held wandert ohne Gefühlsregung über zerschossene, überfahrene, zermalmte Leichen. Morden macht Spaß, zeitigt keine
Konsequenzen, ist nur ein Spiel. Die Hemmschwelle, den Abzug einer Waffe durchzudrücken, wird herabgesetzt, der Aggressionsabbau hat keine reale Folgen.
Nicht zu glauben, dass wir in einem Entwicklungsland und in der Wüste sind, das Internet ist schnell wie der Blitz. Neid kommt auf, wenn ich an das unterentwickelte Hommertshausen denke.
Frank überlegt, hierher zu ziehen. Als zu, dann kommen wir öfters.
Nachrichten kommen nur noch rudimentär an. In Haiti ein schlimmes Erdbeben. Tati erzählt, wie sie Jan vom PC wegziehen muss, wenn es wackelt. Sie kennen das. Ein unheimliches Gefühl, genau über
einer Bruchkante zweier Platten, die sich ineinander verkeilen, zu leben. Da unten tut sich dauernd was und wir wissen nicht, was.
Heute Abend hab ich die Ameisen im Zucker mit einer neuen Ladung zugeschüttet. Es hat nicht lange gedauert, da waren sie wieder an der Oberfläche und haben süße Körnchen gesammelt für ihre
Gemeinschaft. Sie sind hier ganz klein, meine Lieblinge, können nicht viel aufräumen, wimmeln aber aufgeregt herum und freuen sich über Reste vom Essen.
Ich liebe Ceviche, dieses Gericht aus rohen, sauer eingelegten Fischstückchen mit Zwiebeln. In Ecuador kam Baumtomate zur Marinade, öfters waren
es auch eingelegte Krabben, von M favorisiert. Ceviche gibt es an der ganzen Westküste von Chile bis Kolumbien. Der Versuch, damit zu angeln ging schief. Die Fische standen nicht auf ihren sauren
Artgenossen.
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