Thursday, 9. february 2012
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10:30
24.3. Zur Nachfeier von Rs Geburtstag und unseren Hochzeitstag
haben wir Sekt gekauft, dem Koch Geld für 5 Pfund Krabben gegeben und Pater Aristides hat eine Torte bei seinen Nonnen bestellt. Es fing schon mittags an: R. erzählte dem Bischof, dass seine
Schwester Geburtstag und letzten Woche gemeinsam mit uns Hochzeitstag gehabt hätte, da ließ Dom Ernesto eine Flasche Sekt kommen (eine Flasche Wein stand schon auf dem Tisch, wo wir doch
normalerweise nur Wasser trinken). Wir sollten auch ein
Foto machen, das beweist, dass man im tiefen Afrika auf Hanneli angestoßen habe.
Den ganzen Nachmittags waren zwei tansanische Schwester draußen in der Küche (sie ist wirklich draußen) und es herrschte rege Betriebsamkeit. Ich hatte mich vorher im Garten mit Dom Ernesto eine
Stunde über Erich Fromm und seine „Kunst des Liebens“ unterhalten. Zum Abendessen kamen unsere drei Latina-Nonnen mit umwerfend guter Laune, wie immer, aber diesmal steckten sie alle an. Die
Verständnis- und Verhaltensprobleme in anderen Kulturen waren wieder ein Quell der Heiterkeit: der Bischof erzählte, wie übertrieben und fremd ihm anfangs die Begrüßungsriten in Italien
vorgekommen seien (er hat dort studiert), das Umarmen, Schulterklopfen, Küssen. Als er sich damit angefreundet hatte, musste er nach England, wo man ihm schnell und sehr von oben herab bedeutet
habe, doch bitte mit diesen exaltierten Überschwänglichkeiten aufzuhören. Er kann das dann auch immer so schön
vormachen, dass man sich vor Lachen biegt.
Beim Essen fehlten die Tansanierinnen. Dom Ernesto holte sie mit sanfter Gewalt aus der Küche. Sie wollten lieber draußen essen und kicherten vor Verlegenheit. Dabei sind sie schon ältere,
gestandene Matronen. Eine Speisefolge vom
allerfeinsten hatten sie hingezaubert: nach der Suppe kam Gemüsereis, Kartoffelgemüse, Spaghetti mit Krabbensoße, Bohnengemüse, Spinat, Fritten, frittierte Krabben und Kaninchenbraten – ich weiß
nicht, vielleicht habe ich auch noch was vergessen. Alles schmeckte einfach wundervoll. Dazu gab es Wein, Säfte, Sodas und zum Nachtisch brachte man neben dem Obstsalat unsere Torte und den Sekt.
Aber zuerst bekamen wir Geschenke. Von Pater Joao eine sehr schöne Makonde-Schnitzerei einer Cocospalme (wie sollen wir die bloß nach Deutschland kriegen) und eine Batik, und von den
lateinamerikanischen Schwestern ein mexikanisches Holzkästchen. Wir konnten gar nichts mehr sagen vor lauter Rührung (hier kriegt sonst nie jemand Geschenke zum Geburtstag). Alle waren so lieb.
Und R ist einfach umwerfend: der Bischof macht sich manchmal gerne über die Tansanierinnen lustig, weil sie immer noch kaum Portugiesisch sprechen. Er forderte die eine auf, eine kurze
Geburtstagsrede zu halten und sie war so verlegen und stammelte „Parabens“ (Herzlichen Glückwunsch), und alle sahen sie an und warteten, ob noch was käme. Da ging R schnell zu ihr und nahm sie in
den Arm und dankte ihr für die schöne Rede.
Mit wem wir auch sprachen, wem wir auch in die Augen blickten, wir sahen nur Liebe und Güte. Sie mögen uns wirklich! Was für ein Abend! Ich muss dauernd daran denken, dass wir jetzt schon wieder
einen Ort auf der Welt haben, wo wir liebe Freunde zurück lassen müssen
Jetzt steht die Ebenholz- Cocospalme auf meinem Schreibtisch und das Nashorn, das ich R zum Hochzeitstag geschenkt
hatte, steht darunter im Schatten – wie im richtigen Leben!
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Wednesday, 8. february 2012
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10:21
20.3. Ich habe wirklich rein gar nichts mehr zum Lesen. Habe den
Hirtenbrief des Bischofs (66 Seiten) durchstudiert und was sonst noch so rum liegt (alles fromme Sachen) und jetzt zeichne ich meinen Sudoku-Block ab und mache die Aufgaben, die ich beim ersten
Mal falsch hatte noch mal. Aber auch das ist ausgelutscht. Der Radiosender, der einzige, der reinkommt, spielt nur „Radio sem fronteiras“ eine Sendung der Diözese, wann wieder Gottesdienst ist
und wie die katholische Kirche über Aids denkt.
Die Ostermesse war überaus kurzweilig und
sportlich: aufstehen, beten, singen, klatschen, hinsetzen, singen, knien, beten, aufstehen, klatschen, singen, hinsetzen.....
24.3. Wir haben jetzt Formulare für Projektanträge in Englisch und Portugiesisch entworfen und gedruckt. Da kann sich jeder bedienen und
sein Kleinprojekt so darstellen, wie es am besten ankommt und die größten Chancen hat, irgendwo Gnade zu finden und finanziert zu werden. Besonders die Schwestern von allen möglichen
Kongregationen denken sich ständig irgendwas aus (Kleintierhaltung, Gemüseanbau, Schneiderinnenkooperative, Gesundheitsposten...). Da ist es gut, wenn wir das nicht immer wieder neu formulieren
müssen. Und es bleibt was, wenn wir weg sind.
Ab heute kommt eine der Schwestern zu mir zum Computerkurs. Damit sie die Anträge selbst bearbeiten kann. Ich bin gespannt auf meine neue Schülerin. Sie ist aus Tansania, spricht kein
Portugiesisch und wenig Englisch, dafür aber Kiswahili, Makua und Makonde!
Später: Schwester Calista Mallinza war nicht da, aber ihre Kollegin rief mir fröhlich entgegen: „Atakuja kesho!“ (Sie kommt morgen!)
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Tuesday, 7. february 2012
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10:26
Wie der Bischof seine Kirchengemeinde auf der Insel Ibo besuchte.
Die anderen hatten ihm gesagt, sein Vorgänger sei immer geflogen, aber Dom Ernesto gedachte, die 250 Dollar zu sparen und fuhr mit dem Boot (ca. 2 Std.) Er überlegte noch, ob er gleich seine
Soutane anziehen sollte, denn er wollte bei seinem ersten Besuch würdevoll auftreten. Aber schließlich packte er sie ein und fuhr in der schwarzen Hose. Auf der Insel gibt es keinen Anlegesteg
für Boote. Sie ankern weiter draußen, da wo sie können, ohne den Motor zu beschädigen. Dann zieht man Schuhe und Strümpfe aus, krempelt die Hosenbeine hoch und watet, das Gepäck auf der Schulter
durchs Wasser. Manchmal reichen die Wellen auch bis zur Taille. Die Schäfchen seiner Gemeinde standen alle zum Empfang des heiligen Mannes am Strand. Er winkte seinem Priester zu, sie mit in die
Kirche zu nehmen und dort auf ihn zu warten, aber die wollten nicht. Sie sangen und klatschten, als das Kirchenoberhaupt angstvoll durch die Wellen schwankte, denn er kann nicht schwimmen. So kam
er an mit hochgekrempelten nassen Hosen, zog Strümpfe und Schuhe über die nassen sandigen Füße und warf sich am Strand seine Soutane über. Die Hose trocknete am Körper, ziemlich schnell, hatte
aber weiße Salzränder. Es machte nicht viel aus, da es auch noch zu regnen anfing. Zur selben Zeit fand ein anderes wichtigeres Fest auf der Insel statt, an dem er teilnehmen wollte. Als er im
strömenden Regen am Festplatz ankam, war niemand da. Erst lange Zeit später erschienen etwa 20 Gläubige in der Kirche. Seitdem war er nicht mehr auf der Insel.
(Bild: Bischof Maguenge mit seinen Schäfchen in der Kathedrale)
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Monday, 6. february 2012
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10:17
Wir wollen am 15.3. für eine ganze Woche an den Strand, Reinholds Geburtstag und unseren Hochzeitstag feiern, wir haben uns Urlaub
genommen bis Ostersonntag.
Ich habe noch nie in meinem Leben so geschwitzt wie hier, kaltes Duschen hilft auch nicht richtig, ich trockne mich nicht ab und nach
kurzer Zeit weiß ich nicht, ist die Nässe auf mir jetzt noch Wasser oder schon wieder Schweiß. Anbei ein Fotos von mir beim Schwitzen und Backgammon Spielen auf Rs. Bett von gestern Abend.
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Monday, 6. february 2012
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10:07
Morgens sind es -18 Grad. Endlich Winter
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