Wednesday, 1. february 2012
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10:17
Als wir neulich in der Apotheke waren und ich mir gerade eine Anti- Mückencreme kaufte, stand neben mir ein Mann an der Theke und der
Apotheker zählte ihm zwei Tabletten in ein Tütchen, schrieb die Rechnung und schickte ihn zum Bezahlen an die Kasse. Als er zurück kam, wollte ihm der Apotheker erklären, wie man die Tabletten
einnimmt (viele Leute können nicht lesen und die Beipackzettel sind alle auf Englisch). Er fragte: “Wie alt ist denn das Kind?“ Der Mann antwortete: „Kein Kind, die sind für mich.“ Da sagte der
Apotheker: „Das reicht aber nicht, Erwachsene müssen drei Tabletten einnehmen damit es wirkt!“ Der Mann war ganz unglücklich und verlegen, er suchte in all seinen Taschen nach
Geld, zählte, zählte wieder und ging dann endlich noch mal zur Kasse um noch eine Tablette zu zahlen. Dann bekam er die letzte Tablette und ging.
Und als wir heute vom Strand zurück kamen, war das Haus des Bischofs abgeschlossen, und der Wächter, der immer da ist, hatte keinen
Schlüssel. Also mussten wir mal wieder warten bis der Koch kam, der den Schlüssel besitzt. So guckten wir uns im Garten um, wo viel Mais und Bohnen und ein paar Kürbisse und Erdnüsse gezogen werden. Der Rest ist
Brachland. Es gibt auch Schweineställe und Hühnerställe mit Auslauf – aber alles gammelt vor sich hin. Es könnte soviel gemacht werden......Ich fragte später den Koch, warum sie keine Tomaten im
Garten hätten. „Weil keine gepflanzt worden sind“. „Aber die wachsen doch hier so gut und so schnell?“ Er meinte, dafür reiche die Regenzeit nicht aus und am Schluss müsste man sie dann gießen.
Ich erzählte ihm, dass wir selbstverständlich unsere Tomaten gießen. Da schüttelte er den Kopf: „Gießen, was für ein Aufwand!“
Ich ging noch für eine halbe Stunde auf den Dachgarten und als ich wieder runter wollte, war die Tür zugeschlossen. Keiner hörte mich und so blieb nichts übrig als wieder zu warten. So kriegt man
seine Zeit auch rum!
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Tuesday, 31. january 2012
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10:45
Die Karawane zieht weiter
Heute ein Stück vorangekommen
mit der Arbeit. Es ist wie mit dem Schleppnetz fischen. Lange Zeit sind die Haken über den Boden geschrappt und jetzt haben einige ein wenig Widerstand gefunden. Wir haben für die 3 Bereiche
Schule, Apotheke und Schreinerei unsere Evaluierungen und Empfehlungen vorgestellt, schön aufbereitet in Tabellen und Berichten. M dazu die Vorschläge, wie das Strandgrundstück genutzt werden
kann. Die einfachen Konstruktionen vom Südstrand und der Insel Bongoyo in Tansania haben uns animiert. Wir dürfen den Antrag auf einen Senior-Experten-Schreiner wegschicken. Aber vorsichtig, ganz
vorsichtig. 3 Stunden Palaver. Ihm brumme der Kopf von unseren Vorschlägen, hat er gesagt. Und gefragt, wie es weitergeht, ob wir die Sachen nicht nur entwickeln sondern auch bei der Umsetzung in
die Hand nehmen. Grundsätzlich ja, wir sind ja schon dabei. Aber von ihrer Seite muss auch was passieren. Und ein wenig Abstand brauche ich erst mal.
Malaria
Das hasse ich, wenn die Anopheles-Mücke mir vor der Nase rumtanzt! Mistviecher. Heute hat mich eine erwischt. Seltsam: an Malaria sterben weltweit jährlich über 1 Mio. Menschen und kaum einer
redet darüber. Aids dagegen steht in jedem Bericht an erster Stelle. Natürlich ist Aids ein Riesenproblem besonders, weil Menschen die arbeiten können häufiger sterben. An Malaria sterben
meistens Kinder. Jede 3 Sekunden eins. Aber auch Erwachsene. Gerade liegt wieder ein Bekannter des Bischofs im Krankenhaus im Koma. Malaria.
Unser Priester mit der Malaria ist der Vertreter des Bischofs und schon etwas länger im Dienst. Das merkt man ihm an. Seine Rede erinnert mich an eine Messe. Eintönig, fast ohne Heben und Senken
der Stimme, ähnlich dem Gemurmel wenn sie zelebrieren. Die Anderen verstehen ihn.
Hitze
5 mal geduscht heute. Es wirkt nur kurz. Die Hitze macht mich schlapp. Zur Apotheke laufen wir. Das ist jedes Mal eine Stunde hin und zurück. Heute bin ich kaum noch den Berg hoch gekommen.
Abends hat es gegossen und die Luft ist klarer
und angenehm kühl. Denke, so 27 Grad. Seit Tagen laufen wir hinter einem Drucker her. Meine Güte, ist das manchmal nervig.
Aber morgen fahren wir an den Strand. Da ist zwar auch kein Drucker aber auch kein Druck.
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Monday, 30. january 2012
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11:30
Hinterland
Es verschlägt und uns alleweil in Hinterländer. Hinterland nennt man die Gegend meiner Heimat (die Zeitung heißt sogar: Hinterländer Anzeiger) und hier nennen sie abgelegene Gegenden sage und
schreibe auf Deutsch auch Hinterland. Hab ich in der Zeitung gelesen. Wo sie das herhaben?
Ein Padre ist krank
Die ganzen Tage schon lief die Nachricht um, ein Padre im Inneren des Landes sei schwer an Malaria erkrankt. Es gibt in der ganzen Provinz nur ein Krankenhaus, das hier um die Ecke vom
Bischofssitz. Es ist völlig unterbemittelt mit Medikamenten, Ausrüstung und Personal, aber immerhin mit Fachbetreuung. Da draußen gibt’s gerade mal Gesundheitsstationen. Heute Morgen dann
Aufregung, der Bischof fuhr los und wir glaubten schon zur letzten Ölung. Heute Abend war der Kranke hier, er hatte ihn geholt. Nun liegt er im Zimmer zwischen M und mir. Hoffentlich stirbt er
nicht.
(Einen Tag später) Nee, scheint nicht so. Er tattert zwar geisterhaft durch die Gegend, immer im Schlafanzug mit kurzen Höschen, aber am Essen nimmt er teil und telefoniert wie ein Weltmeister
dabei. Wer so viel am Handy hängt stirbt noch nicht.
Portu-Spanisch
Noch immer passiert uns das Vermenge aus beiden Sprachen. M schreibt ihren Evaluierungsbericht. Beide meinen wir, "Padres de familia" würde auch im Portugiesischen "Familienväter" heißen. Bis der
Bischof dumm guckt weil wir empfohlen haben, er solle die „Priester der Familie“ treffen.
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Saturday, 28. january 2012
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11:17
Deutschland mit anderen Augen
Don Ernesto, unser Bischof, war mal ein paar Monate in Deutschland zum Sprachen lernen. Immer wieder interessant, wie Menschen anderer Völker unsere Gewohnheiten sehen. Er erzählt gerne davon und
dann bleibt kein Auge trocken.
Wie er zum ersten Mal Eierbecher gesehen hat und dann versucht er seinen Mitbrüdern das Ding an Hand eines Pfefferstreuer zu beschreiben. Als auch noch ein Gerät dazu kommt, mit dem man Eier
köpfen kann anstelle sie zu schälen, wie das normal wäre, gibt er lachend auf. Keiner versteht ihn.
Oder wie es Samstags dicke Suppe gab und er dachte, dass sei die gewohnte Suppe vor dem Hauptgericht. Und hungrig blieb. Den ganzen Tag. Derweilen es abends ja auch kein für ihn gewohnt normales
Essen mit Suppe, Hauptgericht und Nachspeise gibt. Sondern nur Brot, Käse, Wurst. Da musste er hungern (er ist ein großer Mann und braucht schon Einiges).
Oder wie sein Amtsbruder ihn mitten in der Woche zum Spaziergang am Nachmittag aufgefordert hat. Was ist ein Spaziergang? Und dann kam er auch noch einige Minuten zu spät!
Oder dass die Leute sich Sonntags alle so schön anziehen. Es gefällt ihm.
Und wie sie diszipliniert an der Ampel stehen obwohl kein Fahrzeug kommt.
Und wie die Deutschen gehen, er zeigt es und lacht sich halb schubbelig über den eiligen geradeaus marschierenden Gang.
Und dann das Kuchen essen am Nachmittag. „Mit oder ohne Sahne“ sagt er über das ganze Gesicht strahlend auf Deutsch und ahmt mit der Hand die Hausfrau nach. Um danach seinen Kollegen zu erklären,
was Sahne sei, die man hier nicht kennt.
Und dann der Zucker in Würfelform. Der hat es ihm angetan. Von dem man nur ein oder zwei Stück kriegt. Wobei sie doch Kaffee so gerne süß trinken. Den leicht missbilligend, unverständlichen
Blick, der ihm zugeworfen wurde als er 4 Stück nahm, macht er nach und wir liegen über dem Tisch vor Lachen.
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Friday, 27. january 2012
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11:20
Gestern Nacht hat es angefangen, leise zu schneien und heut Morgen war das Tal weiß. Ganz ruhig ist´s im Tal.
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