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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Die Konfirmation wurde unweit des Hinterlands ersonnen

11. September 2014 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Geschichte

1517 hatte Luther seine Thesen veröffentlicht und die Abspaltung vom Katholizismus vollzogen (er war der „Vollstrecker“, die Ursachen und Vorläufer reichen weit zurück). Umgehend artete die Reformbewegung in Zwistigkeiten und Rechthabereien aus und spaltete sich in verschiedene protestantische Kirchen auf. Die wichtigsten Konfessionen, die aus der Reformation hervorgingen, sind die Lutheraner und die (schweizer und holländischen) Reformierten (darunter Calvinisten, Zwinglianer und Presbyterianer). Hinzu kommen die radikal-reformatorischen Täufer. Später entstand in England der Anglikanismus.

Philipp I, Landgraf von Hessen und damit auch unseres heutigen Hinterlandes, war einer der ersten Fürsten, die die neue Lehre in ihrem Herrschaftsbereich einführten. Um Einigkeit der neuen Bewegung bemüht, hat unser „großmütiger Herr“ (so wurde er wirklich benannt) die wichtigsten Streithähne eingeladen. Sie haben sie sich 1529 im Schloss zu Marburg getroffen, Luther, Zwingli, Melanchthon und einige andere der neuen evangelischen Religionsauffassung. Zentraler Streitpunkte war das Abendmahl (Jesus ist persönlich anwesend: Luther; symbolische Handlung: Zwingli u.a.). Die Uneinigkeit blieb (Luther soll das Tischtuch zerschnitten haben).

Die von Luther aus der katholischen Tradition beibehaltenen Kindertaufe spaltete die junge Kirche weiter. Die reformatorische Täuferbewegung lehrte, nur Erwachsene könnten nach eigener Entscheidung sich taufen lassen und zur Gemeinde gehören. Landgraf Philipp, nach wie vor um Konsens der neuen Kirchen bemüht, beauftrage den Straßburger Reformator Bucer, einen Kompromiss zu finden. Heraus kam 1539 die „Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung“. „Die Kindertaufe wurde zwar beibehalten. Die Heranwachsenden aber sollten zu einem Katechismusunterricht geschickt werden, der in einer symbolischen Handlung vor der Gemeinde gipfelte. Dadurch könnten sie nachträglich ein ‚Ja‘ zu ihrer Taufe sagen, so der Gedanke. Somit entsprach Bucer dem Anliegen der Täufer, ohne die Säuglingstaufe aufzugeben: Die Konfirmation war geboren.“ - Prüfer: Konfirmation: erst Kompromiss, heute Familienfeier (in: Evangelische Zeitung vom 6. April 2014 - aus Wikipedia).
So waren unsere Vorfahren die Ersten, die in den Genuss der Konfirmation kamen. (Na gut, wir dann wieder nicht, weil meine Vorfahren einer weiteren evangelikalen Spaltung angehörten, die Kindertaufe ablehnte und die Erwachsenentaufe propagierte. War alles schon mal da, siehe die radikal-reformatorische Täuferbewegung bei Luther).

Altstadt und Schloss zu Marburg

Altstadt und Schloss zu Marburg

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