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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Hinterland ist noch lang nicht abgebrannt (4)

4. September 2014 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Geschichte

Winter im Hinterland
Winter im Hinterland

Fortsetzung:

Dann gibt es den Gesangverein, den Skat-Club „Hinterländer Luschen“ (M ist, als einzige Frau, eifriges Mitglied) und den Ski- und Trimm Club. Die fahren zum Wintersport in die Berge. Wir sind im Winter unsere Hänge herunter gesaust. Schuss und Hinlegen zum Bremsen. Und Schlitten sind wir gefahren. Eine interessant Konstruktion war der Kaffee-Schlitten. Kaffeekisten waren robust und dienten, mit Kufen versehen, als vorderer und hinterer Schlitten, darüber kam ein Brett, hinten fest verbunden, vorne lenkbar. Darauf wir, die Jungens hintereinander und die Mädchen dazwischen auf dem Schoß. Dann ging´s vom Reifersch Berg bis ganz unten ins Dorf. Noch immer höre ich das trockene Tacktacktack der Kufen auf der vereisten Fahrbahn. Das war schön. Doch leider streuen die heute allen Schnee weg und den Rest der Schneematsch Beseitigung besorgen Autos, die doch in größeren Mengen auch bei uns aufgetaucht sind.

Also, das mehr Autos kamen, das war auch ein Segen. Weil die Busse selten fuhren und die Zugverbindungen abgebaut wurden. Und auch die kleinen Geschäfte. Alles abgebaut. Dafür haben sie in Nachbardörfern auf den Wiesen Aldi, Lidl und Penny aufgebaut. Wie in der Stadt. Und wie kommt die Oma zur Post oder zur Gemeinde? War früher im Dorf, haben sie wegrationalisiert und zentralisiert und bürokratisiert. Ohne Auto geht da nix.

An Freizeitvergnügen gab es in meiner Jugend einen aktiven und erfinderischen Verschönerungsverein. Der stellte Bänke überall ins Gelände, damit die müden Spaziergänger Sonntag Nachmittags und werktags die Rentner ausruhen konnten. Heute sitzt mal ein müder Jogger drauf, denn die Rentner sitzen auf ihrem Traktoren und haben Projekte. Doch der wunderschöne Aussichtsturm, der auf einem hohen Berg thronte und weite Ausblicke erlaubte, den haben sie abgerissen wegen Baufälligkeit und mangelndem Kapital. Den Verschönerungsverein gibt es heute noch, die Bänke werden aus Tradition gepflegt und jährlich wird ein Fest gemacht.

Wir haben noch einen Obstzuchtverein. Dem habe ich mich angeschlossen, wegen Kontakt als ich nach knapp einem halben Jahrhundert wieder in mein Dorf zurückkam. (wens interessiert, hier ein Blick: http://www.andere-welten.net/article-23949453.html). Manchmal gehe ich hin, Bäume pflegen, Obst ernten und Weihnachten feiern.

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