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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Als das Hinterland noch nicht Hinterland war: Die Franken

7. Oktober 2014 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Geschichte

Reich der Franken von 481-814 n.Chr.
Reich der Franken von 481-814 n.Chr.

An der Trennung in Herrscher mit viel und Beherrschte mit wenig ab dem Mittelalter hatten die Franken einen wesentlichen Anteil. Nein, weder die Ober- noch die Unterfranken. Es waren die Stämme des beginnenden Frankenreichs. Sie expandierten ab dem 4. Jhdt. n. Chr. auch in unser Gebiet.

(Exkurs: Schon in Römerzeiten hatten die Salischen Franken, (sie siedelten auf der südlichen Seite des Ijselmeers) von Nordosten kommend, den Limes penetriert, besetzten das heutige Belgien, stellten sich in römischen Sold, bauten ihre Machtbefugnisse wie die Made im Apfel aus, siegten über Römer und eroberten im 5. und 6. Jahrhundert alle anderen fränkischen Teilstämme und andere benachbarte Gebiete und begründeten so das Frankenreich. Schon um 500 n. Chr. dehnte sich ihr Gebiet von der Kanalküste bei Calais bis Thüringen aus.)

Gegen die feindlichen Sachsen im Norden bauten die Franken unsere Gegend zum militärischen Aufmarschgebiet aus. Mächtige Festungsanlagen entstanden. Im Großraum Marburg gibt es eindrucksvolle Beispiele solcher fränkischen Großburgen (Christenberg, Amöneburg, Wehrhöfe bei Dreihausen (Fußnote 1)). Diese Stützpunkte der Franken erhielten zugleich politisch-administrative und kirchliche Mittelpunktfunktionen.

Auf die fränkische Reichsgewalt geht die Aufteilung der Gebiete in Gau- und Grafschaften zurück. Und damit ging die großflächige Herrschaft von Geschlechtern los. Die ersten in unserer Gegend waren die Konradiner (9. - 10. Jhdt.), die sich zu Grafen aufschwangen (oder aufgeschwungen wurden - wie auch immer, das interessiert mich sehr, wie aus Gefolgsleuten plötzlich Herrscher wurden, doch darüber lese ich wenig). Der bedeutendste Konradiner war Konrad I. der Jüngere. Er wurde 911 zum ostfränkischen König gewählt. Der belehnte den aus Schwaben stammenden Grafen Werner mit der im 10. Jahrhundert entstandenen Grafschaft Maden im Raum Kassel-Fritzlar-Homberg-Melsungen, aus der im Laufe der folgenden zwei Jahrhunderte die Grafschaft Hessen wurde. Dann kamen im 11. Jhdt. die Gisonen und als denen die Fortpflanzung bei den männlichen Nachkommen abhanden kam, rückten die Verwandten aus Thüringen nach. Das kennen wir ja: Heilige Elisabeth, wurde als Witwe nach Marburg abgeschoben, gründete1228 ein Hospital, über ihrem Grab entstand die Elisabethkirche und Marburg wurde Nebenresidenz der Thüringer Landgrafen. Auf Elisabeth folgte eine ihrer Töchter (Sophie von Brabant). Die recht machtbewusste Frau machte Marburg zur Hauptresidenz der nunmehrigen Landgrafenschaft Hessen und sicherte für ihren Sohn (Heinrich dem Kind) die Herrschaft gegen de erbitterten Widerstand der Mainzer Erzbischöfe.

Was tun jetzt die Mainzer Erzbischöfe in unserer Gegend?
Es gab nicht nur die große Landaufteilung unter den Franken mit Gau- und Grafschaften. Kleine Herrschaftsinseln hatten sich schon im traditionellen Gefüge nach Germanen, Kelten und Römer gebildet. Die wurden jetzt vergrößert. Durch Landschenkungen und Lehen bildeten sich mehr und mehr lokale freie und adligen Grundherren (Fußnote 2).

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(1)Später zogen die Franke über die Frank(en)furt nach Süden und um 800 n. Chr. hatte Karl der Große nicht nur die Sachsen besiegt sonder  ein Herrschaftsgebiet von Spanien bis Dänemark, von Frankreich bis Böhmen und Kroatien erobert.

(2)  Die Herren von Breidenbach und Breidenstein hatten sich im ausgehenden Mittelalter die Lehe der beiden kleinen Nachbarorten gesichert ähnlich wie eine Reihe von mit-Adeligen. Da durften sie von ihren Untertanen leben wenn sie den großräumigen Machtinteressen nicht im Wege standen. Manche haben das bis heute geschafft. Der letzte Nachfahre der von Breidenbach und Breidenstein sitzt noch heute in seinem verfallenden Schloss und lebt mehr schlecht als recht obwohl er noch immer einen großen Waldreichtum hat. Macht über und Einkommen durch „seine“ kleinen Dörfer wie seine Vorfahren hat er nicht mehr.   
 

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