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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Wie das Hinterland entstanden ist

13. Oktober 2014 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Geschichte

Landgraf Philipp der Großmütige lebte von 1518–1567. Ihm gelang die Einigung Hessens. Und er führte 1526 auch in unserem heutigen Hinterland die Reformation ein. Außerdem gründete er die erste protestantische Universität, die berühmte Uni Marburg. Und iniziierte die Religionsgespräche zwischen Luther und Zwingli im Schloss mit dem Ziel, die zerstrittenen Brüder der neuen Religion wieder zu vereinen. (Ich habe darüber berichtet: http://www.andere-welten.net/2014/09/die-konfirmation-wurde-unweit-des-hinterlands-ersonnen.html)

Und dieser Landgraf Philipp der Großmütigen, teilte 1567 die Landgrafschaft unter seinen Söhnen auf. Es entstand - nach einigen Zusammenlegungen zwischen den Brüdern - die Landgrafschaft Hessen-Kassel und die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Die Pfründe Marburg war wohlfeil, ihr wechselnder Besitz war von Kriegen begleitet. Schon die Thüringer hatten ihren Erbfolgestreit mit Waffengewalt ausgetragen. Nach dem Tod des letzten gesamthessischen Landgrafen Philipp I. im Jahre 1567 begann der Hessenkrieg um die Erbschaft, ein Konflikt, der sich insgesamt über fast 80 Jahre und drei Generationen hinzog.

Kassel und Darmstadt führten über Jahrzehnte hinweg um das Marburger Erbe Krieg, teilweise im größeren Zusammenhang des Dreißigjährigen Kriegs, in dem Kassel mit Schweden (Evangelen), Darmstadt dagegen an der Seite des Kaisers (Katholen) kämpfte (trotz der lutherischen Landesreligion! Nur um Macht und Ländereien willen). Auch der „Hauptakkord“ von 1627, ein Vergleichsvertrag, der das Erbe Marburg Darmstadt zusprach, konnte den Streit nicht dauerhaft beenden. Die Kasseler Landgräfin Amalie Elisabeth begann 1645 mit der Belagerung Marburgs den Hessenkrieg, den sie drei Jahre später siegreich beenden konnte. Oberhessen wurde dauerhaft geteilt, Marburg fiel an Kassel, Gießen und Biedenkopf an Darmstadt. So entstand eine Enklave, die sich wie ein schmales Handtuch entlang der Grenze zur Landgrafenschaft Hessen-Kassel nach Norden über Biedenkopf und Battenberg hinaus erstreckte. Und damit waren wir für die Darmstädter ganz weit weg, eben im „Hinterland“.


Verwaltungsstruktur und Zugehörigkeit haben sich in den vergangenen mehr als 400 Jahren mehrmals geändert (wir waren sogar mal preußisch), doch immer noch sind wir das „Hinterland“ und sogar ein wenig stolz auf den Dauertitel.

Das wars mit dem Hinterland. Wie sagte mein Opa so schön: Ende, Ende, Ende, im Kuhstall sind Verbände, eine ist schon ausgeflogen, hat der Kuh am Schwanz gezogen.


Quellen: http://de.wikipedia.org/wiki/Letzte_Kaltzeit;
http://de.wikipedia.org/wiki/Hessenkrieg; http://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_von_Thüringen; http://de.wikipedia.org/wiki/Marburger_Schloss; u. v.a.m.
Karl Huth: Der Landkreis Marburg-Biedenkopf. Verwaltungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Kreisausschuss des Landkreises, Wetzlar 1
979.

Am oberen Rand in der Mitte der braune Fleck, das ist das Hinterland jwd von Darmstadt entfernt

Am oberen Rand in der Mitte der braune Fleck, das ist das Hinterland jwd von Darmstadt entfernt

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