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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Trau keinem über Spiegel

3. Februar 2015 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Unsere Welten - unsere Probleme

„Der Geisterfahrer“ titelt der Spiegel in seiner neuen Ausgabe und meint den griechischen Ministerpräsidenten, der es wagt, gegen das Spardiktat von Merkel und Co. á la Schwäbische Hausfrau vorzugehen. Eine Volkswirtschaft in Nöten reagiert anders auf rigide Sparkurse als ein schwäbischer Haushalt. Noch NIE hat es in der modernen Wirtschaftsgeschichte funktioniert, ein Land in der Krise allein durch Sparen aus dieser herauszuziehen. Das berühmt- berüchtigste Beispiel ist Brüning nach der Weltwirtschaftskrise 1929. Der hat das Land reif für Hitler gespart. Wenn die Menschen nicht mehr ein noch aus wissen, neigen sie zu extremen Ansichten. Das tun die Menschen in den Krisenländern Spanien, Portugal, Italien und Griechenland auch. Hoffentlich nicht nach Rechts.
Geht es wirtschaftlich bergab, lehrt Keynes, muss der Staat mit sinnvollen Investitionen zur Steigerung der Gesamtnachfrage gegensteuern. Das hat Hitler ohne Keynes und Roosevelt mit Keynes begriffen. Der eine hat u.a. Autobahnen bauen lassen mit Hand uns Spanndienst, der andere mit Maßnehmen des „New Deal“. Das hat auch Karl Schiller gemacht. Durch gezielte Erhöhung der Staatsausgaben steuerte er die deutsche Wirtschaft, die in der Endphase der Erhard-Regentschaft in die erste bedrohliche Nachkriegsrezession abgeglitten war, in einen "Aufschwung nach Maß" Das hat es sogar bei Merkel mit der Abwrackprämie gegeben nach der großen Krise 2009. Gebündelte Maßnahmen zur Steigerung der Nachfrage haben damals geholfen aus der Krise zu kommen. Das brauchen Griechenland und die Anderen auch. (Keynes lehrte aber auch, dass nach der Überwindung der Krise Sparen angesagt sei. Das haben alle vergessen.) Doch der Geisterfahrer und Europas Alptraum sei Tsipras, schreibt der Spiegel.

Es gibt noch einen Aspekt, der gerne vergessen wird. Das sind die Leistungsbilanzen der einzelnen europäischen Länder, die sich in den vergangenen 15 Jahren extrem auseinander entwickelt haben. Deutschland hat in dieser Zeit 2 Billionen Euro an Leistungsbilanzüberschüssen angesammelt. Die sind durch den überbordenden Export entstanden. Das scheint erst mal gut für uns, so hohe Forderungen zu haben. Doch auf der anderen Seite, der Seite der Abnehmer, sind das Schulden. Gerade auch Griechenland ist ein Abnehmer Deutscher Wirtschaftsgüter ersten Ranges. Unsere Wirtschaft verdient an den armen Ländern. Und da wir in einem gemeinsamen Wirtschaftsraum wirtschaften, ist diese Ungleichheit auf lange Sicht tödlich. Wir sind die Geisterfahrer. Gabriel lacht darüber. Er scheint es nicht besser zu verstehen. Wahrscheinlich glaubt er dem Spiegel. Was hatte der - und die SPD - mal für wirtschaftlichen und kritischen Sachverstand. Wo ist er hin?

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