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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Als Senior Experten in Santa Cruz de la Sierra, Bolivien

25. April 2015 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Andere Welten - andere Probleme

Einang zum Hogar de los ninos
Einang zum Hogar de los ninos

Freitag, den 24.4.2014
Wenn unser Ziel erreichen, sagen wir mal, 1000 Schritte verlangt, dann habe ich heute einen halben getan. Paciencia, Geduld predigte ich alleweil den EHs in Ecuador wenn es ihnen nicht schnell genug voranging. Ihr seid Berater, habe ich gesagt, und das bedeutet, Beratung muss nachgefragt werden und bestimmend sind die Einheimischen. Es war leicht, das zu predigen.

Beratung ist, wie gegen eine Gummiwand laufen. Manchmal gibt sie ein wenig nach. Dabei, scheint mir, war die Erwartung, der Experte würde alles selber machen.

Auch das Internet ist Latina. Es kommt und geht wann es will. Meist ziert es sich.

6 Ordensbrüder werden im Haus verköstigt plus wir Freiwilligen. Mittagessen gibt es gemeinsam, Frühstück und Abendessen müssen wir uns selbst machen. Immer Samstags wird eingekauft. Heute Abend war der Kühlschrank ziemlich leer. Suppe war vom Mittag über, die haben wir uns gegönnt. Mit altbackenen Brötchen. Wir freuen uns schon auf morgen, wenn es wieder Obst gibt und wir uns Obstsalat machen können.

Jetzt ist es acht Uhr, am Freitag, und wir liegen schon im Bett. TV gibts nicht, Internet auch nicht, Leute sind keine da zum Reden. Und seit einer Woche keinen Alkohol! Also wir konnten feststellen, wir sind keine echten Alkoholiker, wir haben hier gar keine Lust drauf. Morgen werden wir ins Zentrum fahren, mit dem Bus. Das muss sehr schön sein, mit einer alten Kirche und grünen Plätzen.

Am Südpol in der Forschungsstation haben sie mehr Komfort. Dafür ist es hier wärmer. Heute 31 Grad.

Noch immer trauern sie dem Zugang zum Meer nach. Im Salpeter-Krieg gegen Chile vor über 100 Jahren habe Peru und Bolivien den nördlichen Teil der Atacama-Wüste samt Bodenschätzen und Häfen verloren. 1969, bei meinem ersten Trip durch das Land, stand auf Taxis: Antofagasta es iy será de Bolivia (Antofagasta - die große chilenische Hafenstadt - ist und wird bolivianisch bleiben). Sie haben bis heute ein Marineministerium, auch wenn ihre 2 Barken nur auf dem Titicaca See herumschippern. Noch immer träumen sie vom Sieg über Chile. Sehe ich doch auf einem militärischen Briefbogen vorgedruckt: El mar nos pertenece por derecho. Recuperarlo es un deber. Frei übersetzt: Der Zugang zum Meer gehört uns nach Recht und Gesetz. Ihn wieder zu erlangen ist eine Verpflichtung.
Und sie verehren ihre Helden aus dem Salpeterkrieg. Einer der Machos war besonders patriotisch. Er kämpfte allein mit 3 Winchester Gewehren als freiwillige Vorhut gegen eine erdrückende Übermacht. Der chilenische Kommandant, der den Wagemut bewunderte, wartete lange. Doch nachdem der Macho einige seiner Männer verwundet hatte rief er ihm zu: Rindase - ergeben sie sich!. Und der stolze Bolivianer trompetete die denkwürdigen Worte zurück: “¿Rendirme yo ?... ¡Qué se rinda su abuela, carajo! (Ich, mich ergeben? Soll sich doch deine Großmutter ergeben, verdammt). Wenig später war er von 3 Kugel getroffen. Er schoss weiter und starb. Seine selbstmörderischen Worte findet man heute auf Denkmälern.

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