Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Als Senior Experten in Santa Cruz de la Sierra, Bolivien

26. April 2015 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Andere Welten - andere Probleme

Plaza Central Santa Cruz
Plaza Central Santa Cruz

Samstag, den 25.4.2015
Das Putzmittel ist ziemlich scharf, brennt in den Augen und auf der Haut. Es soll, steht auf dem Kanister, reinigen, desinfizieren und deodorieren. Wir machen sauber. Im Zimmer Staub von 100 Jahren, der klebt unter den Fußsohlen und wirbelt bei Windzug.

Auf meinem Neujahrs-Wunschzettel steht: öfters mal morgens die Sonne aufgehen sehen. Das schaffe ich hier lässig. Ganz interessant. Wenn nur nicht das Gedankenkarussell im Kopf wäre. Ich steh unter Strom.

Den Samstag Morgen nach dem Putzen im Büro verbracht weil 1. alle hier anscheinend immer arbeiten; 2. mich das zu Erledigende drückt und 3. was soll ich sonst machen? Siehe da, ich werde gebraucht. Gerasimo (er ist für alles zuständig) ruft, ich soll bei der Veranstaltung der angehenden Kindergärtner-Helferinnen Fotos machen. Aber gerne doch. Sie haben eine Show eingeübt. Die Erwachsenen klatschen mit, die Kinder nicht. Scheinen etwas befremdet ob der sich kindisch gebenden Erzieherinnen. Doch dann dürfen sie auch mitmischen und alles wird gut. Am Ende kriegen sie einen Lutscher.

M bringt mich dazu, die Stadt zu erkunden. Wir fahren mit dem Micro. Das sind klapprige Kleinbusse die eine feste Route haben und überall halten, wo Leute zu- oder aussteigen wollen. Auch mitten auf der Kreuzung. Sie fahren wie die Weltmeister um dem Konkurrenten die Kunden weg zu nehmen. Denn sie leben von ihren Einkünften. 2 BOL (30 €-Cent) kostet eine Fahrt. Der Fahrer schneidet das nächste Fahrzeug, kassiert, winkt seinem Freund, gibt Gas, bremst abrupt, öffnet mit einem Hebel die Tür, beim Anfahren schlägt die Tür alleine zu, er schaltet hoch, bremst, öffnet, kassiert, überholt etc, etc.

Im Zentrum eine große Plaza, der Platz, an dem die Stadt gegründet und die Kirche errichtet wurde, die heute eine Kathedrale ist, gegenüber der Sitz der Provinzregierung, alles schön weiß und grün und drumherum in Vierecken die ursprüngliche Stadt die immer weiter nach außen drängte, dann hat man die erste Straße als Ring angelegt, weiter mit Vierecken, dann den 2. Ring, den 3. Ring und irgendwann ab den 70er Jahren als der Ölboom begann, ergoss sich die Stadt in die Ebene. Früher, sagt man, konnte man von der Plaza an den Vierecken entlang bis zum Ende der Stadt schauen. Heute ist es ein wüstes Durcheinander je weiter man vom Zentrum sich entfernt.

M: Auf der Plaza sitzen junge Familien und alte Leute im Schatten der blühenden Bäume und Palmen, Halbwüchsige beiderlei Geschlechts schleichen in Gruppen umeinander herum und tuscheln, kichern und beobachten sich gegenseitig. Neben der Kirche an der Casa de la Cultura gibt es ein Open-Air Konzert und wir setzen uns eine Weile dazu. Es wird dunkel - wie schön, nicht frieren zu müssen - ich liebe die tropischen Abende. Die Restaurants und Bars machen bald auf, der Kubaner bittet uns, noch eine Stunde zu warten, bis er um acht Uhr öffnet. Dann gibts Mojitos, Daiquiris, Zigarren und Sandwiches. Ein andermal vielleicht.
Es ist schön, sich ohne Probleme in einem fremden Land verständigen zu können.

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post