Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Als Senior Experten in Santa Cruz de la Sierra, Bolivien

24. April 2015 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Andere Welten - andere Probleme

M&R vor CECAP
M&R vor CECAP

Donnerstag, den 23.4.2015
Langsam, ganz langsam lichtet sich der Schleier, was wir machen können. Ideen hat es viele, sie müssen auf Machbarkeit abgeklopft werden. Die Web-Page www.cecap.com.bo ist neu und sieht gut aus. Doch Inhalte fehlen. Sie soll attraktiv sein für junge Leute, mehr Schüler müssen her. Und mehr Ideen ihrer wundersamen Vermehrung. Und die Management Strukturen, die können eine Politur vertragen.

Apropos Politur: Da war ich doch der Meinung, an jeder Ecke stehe ein Schuhputzer und hab kein Schuhputzzeug mit gebracht. Pustekuchen. Das war wohl früher mal so. Die Würde eines Caballeros begann am Glanz seiner Schuhe. Sauber gewichste Schuhe bei staubigen Straßen bedeutete, dass dieser Herr ein Pferd oder eine Kutsche hatte. So ließen sich alle die Schuhe auf Hochglanz wienern um optisch der gehobenen Klasse nahe zu sein.

Die Damen hatten ihre Sitzung, alle 14 Tage treffen sie sich. Wohl situiert, ist ihre selbstgestellte Aufgabe, das Kinderheim mit Spendengeldern zu unterstützen. Und gute Ratschläge zu geben. Ihre Präsidentin ist eine der Gründerinnen des Heims. Rührige Damen. Sie organisieren Basare, Essen, Versteigerungen, alles, was Geld einbringt. Einmal pro Monat kommen sie mit Torten für die Kinder, und dann werden alle Geburtstage gefeiert, die im vergangenen Monat waren. Sie meinen es gut. M hat in Afrika gemeinsam mit den Latino-Frauen auch zwei Waisenhäuser betreut. Einmal haben wir für 200 Leute Bohnenpüree gekocht. Hunderte von Knoblauchzehen ließen Augen und Finger wund werden. Private Initiativen sind dort selbstverständlich, wo der Staat wenig sozial unterstützt.

Und nach der Sitzung gab es Kaffe und Kuchen und Plätzchen und Torten und Tamales und gefüllte Süßigkeiten und alle waren froh. Wir wurden dazu geladen.
Eine der Damen verschüttete Zucker, alle jubelten, sprangen auf, klaubten den Zucker vom Tisch, bewarfen sich. Das bringt Glück und viel Geld sagten sie und lachten frohgemut.

Ein scharfer Wind weht durch alle Ritzen, von denen es viele gibt. Dicht schließende Fenster und Türen sind unbekannt. 26 Grad sollen es sein. Mir ist kalt. Der Wind kommt vom Südpol. Ehrlich!

Ich liebe dieses Durcheinander, Ungeordnete, Inkomplette der Strassen, Wege, Gassen, der Häuser, Unterkünfte, Baracken, dieses Aufpassen müssen, dass man nicht stolpert über unerwartete Löcher, Gräben, Absenkungen, Aufschüttungen. Klar, Autos die auf dem eh schon schmalen Bürgersteig parken und Fußgänger auf die Straße zwingen, zwischen hupende, ausweichende, unkonventionell Fahrende die dann doch aufpassen. Ja doch, an den roten Ampeln halten sie, siehe da, ein wenig drängelnd, sie wollen, wie Rennfahrer, in die Pole Position. Und überall die kleinen Lädchen in jede Ecke eingezwängt mit ihrem großen Durcheinander, jede Straße wohl geordnet in Sektionen. Eine Straße lang nur Kopiershops, eine Straße mit Heften und Bleistiften, eine Straße mit Internetshops, gerammelt voll gestopft mit Mensch und Maschinen, an einer Kreuzung rundum nur Farmacias und so fort. Dazwischen die fliegenden Händler mit ihren Karren und umgehängte Kleinigkeiten. Jeder auf dem Weg irgendwohin und doch keine Hetze. Aber freilich, auch das kann einem ab und an auf die Nerven gehen wenn man gerade schlecht gelaunt ist. Dann sehnt man sich nach deutscher Gründlichkeit, Zielstrebigkeit, Effektivität. Aber diese Anwandlung vergeht und macht Lässigkeit Platz.

Strassenszene in Santa Cruz des abends

Strassenszene in Santa Cruz des abends

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post

anais 04/25/2015 08:19

Hallo RE,
dort seid Ihr, wie ich gelesen habe, in freundlicher, aufgeschlossener Gesellschaft. Ich wünsche Euch bestes Vorankommen bei der Verwirklichung Eurer Vorhaben.
Grüße aus dem Norden der Heimat.
Joachim

REinloft 04/25/2015 16:25

Danke Joachim, alle guten Wünsche können wir brauchen. Die Menschen, Du weißt es, sind nett und freundlich und wir fühlen uns wohl zwischen ihnen. Geht es aber um Arbeit, ist die Unsicherheit manchmal groß.
Beste Grüße in den Norden unserer Heimat
RE