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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Als Senior Experten in Santa Cruz de la Sierra, Bolivien

29. Mai 2015 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Andere Welten - andere Probleme

Als Senior Experten in Santa Cruz de la Sierra, Bolivien

Letzte Woche in CECAP, Santa Cruz, Ende Mai 2015

Straßen und Bürgersteige hier sind gewöhnungsbedürftig. Nur für Abenteurer gedacht. Jeder Hausbesitzer baut seinen Ausgang oder seine Ausfahrt nach eigenem Gutdünken mal höher, mal tiefer, mit Bordsteinen parallel zum Gehweg verziert oder gar nur aus Erde. Hinzu kommt des Lebens schlimmer Gang und bricht Zacken aus den Gebilden, sprich: es verrottet, bröckelt, fällt zu Staub. Da muss Mann und Frau drüber und manchmal durch. Eine der Unis in der Nähe hat nach irgendwelchen Bauvorschriften eine Auffahrt für Rollstühle geschaffen. Wie die Rollstuhlfahrer dahin kommen sollen, ist nicht klar.

Die Brüder hatten Besuch. Hatte ich angenommen, die kirchlichen Würdenträger wären anders, vielleicht humaner im Umgang mit ihren Untergebenen, stell ich gerade das Gegenteil fest. Zumindest bei dem hier, der die Frays (Ordensbrüder) supervisiert. Genau so wie seine weltlichen Vorgesetztenkollegen trägt er die Attribute des Bestimmenden vor sich her und zelebriert sie. Laptop und Handy dürfen nicht fehlen, es wird rege auf ihnen herumgehackt. Mit tiefer Stimme sammelt er seine Schäfchen um sich, redet lang und ausdauernd und ist ganz der Chef. Warum lieben Männer es so sehr so zu sein?

Maienregen macht groß, Tropenregen klein. Er haut einen ungespitzt in den Boden wenn er richtig los legt. Momentan legt er ab und an wieder los. Morgen soll die Kälte zurück kommen.

Seit Wochen weiß ich nicht, was Angela Merkel nicht macht. Das ist ein Gewinn an Lebensqualität. Weltpolitik dringt nur selten in die Presse hier. Doch Platter und sein Skandal haben es auf die Titelseite gebracht. Auch das interessiert mich nicht besonders. Sollen sich andere aufregen.

M: Ich bin noch nie so zufrieden und fröhlich aus meinem Unterricht gekommen wie hier. Morgen ist Muttertag, da brauche ich nicht zu arbeiten und am Samstag auch nicht, aber ich mache es freiwillig. Weil sie sich so freuen! Und da freu ich mich auch!

Trotzdem zähle ich die Tage, bis wir abreisen. Das ganze Ambiente, diese Bruderschaft, das Betriebsklima, sehr lustfeindlich. Obwohl sie heute zur Feier des Muttertages (Mittwoch) eine Mariachikapelle zum Mittagessen haben spielen lassen.
Gut, dass wir zusammen sind!

R: M hat einen hervorragenden Unterricht gemacht. Alle beteiligten Schüler sind begeistert. Und wollen weiter machen. Es gibt aber nur einen Fachlehrer für Automechanik, der einige Zeit in den USA gelebt hat und ein wenig Englisch kann. Alle anderer Kollegen und Kolleginnen können kaum bis 10 zählen. (Pädagogen sind sie alle nicht). Unser Obermeister hat das auf seine Art gelöst und zwar per Order de Mufti: Es gibt jetzt einen Aushang, auf dem ab sofort jeder ein Mal wöchentlich dazu verdonnert ist, eine Englischstunde zu geben.

Freitag
Unsere Wahrnehmung ist geschädigt, wir nehmen nur das Negativste an. M hat sich den Aushang mit der Ankündigung der Englischstunden nochmals genauer angeschaut (wir müssen interpretieren, besprochen wird hier nichts). Es sieht so aus, dass der Fachlehrer mit USA-Erfahrung neuer Englischlehrer wird und auf dem Plan seine Stunden in den Klassen der aufgeführten Fachlehrer angegeben sind. Diego weiß noch nichts von seinem Glück.

Morgen fahren wir mit nach Cotoca. Da haben die Brüder eine Granja. Plötzlich sind alle freundlich. Kommt mit, sagt Edgar, der zuständige Bruder, kommt mit. Wir kommen.
Und Sonntag Nachmittag um 14:45 Uhr geht der Flug nach Sucre. Aber klar fahr ich Euch, sagt Edgar, aber klar, natürlich. Und den Sonntag drauf brin in euch selbstverständlich zu eurem Flug nach Lima.

Im Schaufenster ein weißer Anzug Größe 92 für 3-jährige kleine Machos, wie sie Mutti liebt. Jungens werden in LA früh zum King - mi pequeño REY, mein kleiner König, der ganz Stolz der weiblichen Familie.

Für den kleinen Macho

Für den kleinen Macho

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anais 06/01/2015 09:44

So gut geschrieben. Sollte ein Buch werden.
Gruß Joachim

REinloft 06/01/2015 23:42

:) Dazu reichts nicht. Aber danke für die Blumen. Seit gestern sind wir in Sucre. Kennst Du die Stadt? Eine der schönsten, wenn nicht die schönste koloniale Innenstadt. Besser, weitaus besser als Santa Cruz
Grüße RE