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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Die Dino-Spuren von Sucre

7. Juni 2015 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Andere Welten - andere Probleme

Truck von Klaus Pedro
Truck von Klaus Pedro

10 000 Dino-Spuren hat man mittlerweile in der Wand von Cal Orcko, dem Kalkberg gezählt, 3000 m hoch vor Sucre gelegen! Eine Sensation für Paläontologen, waren es doch bislang gerade mal ein paar hundert gewesen. Und genau das wurde zum Problem von Freund Klaus Pedro. Bei einem Klassentreffen hatten sie die gewaltige Zementanlage besucht und die von Baggern abgeschabte Wand gesehen. Das sind doch Dino Spuren, erkannte Klaus Pedro, gebildet durch die seiner Tochter mitgebrachten Dino Bücher. Als ehemaliger Tourismus Director von Sucre sah er umgehend das Potential an Besuchern. Doch das Unglaubliche musste wissenschaftlich anerkannt werden. Er telefonierte in Bolivien mit allen infrage kommenden Instituten, schrieb an internationale Fachleute, machte einen Film (von Haus aus ist er Regisseur), verschickte ihn. Und immer wieder kam die Frage: wieviel Spuren, sagten Sie? Ja danke, wir rufen zurück. Und damals hatte er „nur“ 1000 geschätzt. Bis durch Zufall der Schweizer Paläontologe Meyer eine seiner Filmkopien zu sehen bekam. Eine Woche später war der vor Ort und kommt mit seinem Team immer wieder. Sie klettern durch die Wand, nehmen Abdrücke, vermessen, katalogisieren. Das ist wichtig, denn Teile der Wand rutschten schon ab. Zum Glück kamen darunter weitere Spuren zu Tage. Die Wand müsste gesichert werden, das kostet 80 Mio.$ und das können die Bolivianer nicht stemmen, müsste international aufgebracht werden.

Inzwischen gibt es einige (auch Fach-)Berichte (wen´s interessiert, hier ist einer: http://www.wissenschaft.de/archiv/-/journal_content/56/12054/1549219/Die-Saurier-von-Sucre/). Und Touristen kommen. Und die Stadt hat einen Park dazu gebaut mit gut gemachten Dino-Repliken. Doch die Stiftung gründen, die notwendig ist um an internationale Gelder zu kommen, das haben sie noch nicht geschafft.

Die Dino-Spuren von Sucre

Zuerst scheint es eigenartig, warum Spuren an einer Wand entlang laufen. Hoch, quer, parallel, einzeln. Die längste je gemessene Dino-Spur von mehr als 500 m Länge ist dabei und welche mit 70 cm Schuhgröße. Aber warum die Wand hoch? Eine Gruppe fundamentaler Christen deutete es ihrer biblischen Überzeugung entsprechend, dass die Dinos bei der großen Sintflut nach oben geflohen seien. Spuren großer Wassermassen hat man wohl gefunden. Doch die überzeugende Mehrheit der Wissenschaftler deuten sie als Meer-Reste, die in die einstmals brettflache lateinamerikanische Landmasse vom Pazifik als auch vom Atlantik eindrangen und große Seen bildeten. Einer ging von Ecuador bis Bolivien. Und hier in Sucre war ein flacher Rest geblieben, an dessen Rand die Dinosaurier Futter fanden. Den Spuren zufolge grasten die Pflanzenfressenden bis in den See hinein, die fleischfressenden warteten am Rand auf ihre Beute. Sediment um Sediment lagerte sich übereinander durch ab, begruben die Spuren unter sich. Und dann begann sich, ab 70 Mio vor unserer Zeitrechnung, die Nasca Platte unter die südamerikanische Landmasse zu schieben, sie zu heben, aufzufalten wie einen Ziehharmonikabalg höher und höher. Die Dinos starben aus vor 65 Mio. Jahren. Doch ihre Spuren blieben, wurden senkrecht gestellt und verschwanden unter Erde. Bis die Schaufelbagger des Zementwerkes kamen, die Erde wegkratzten und die Spuren frei legten.

Wenn nichts getan wird, werden sie wieder verschwinden. Wind, Regen und die steile Lage zersetzen den brüchigen Kalkstein. Klaus Pedros Pläne zur Rettung liegen vor, sind gangbare Alternativen. Doch die Stadt Sucre braucht Zeit. Mehr als 20 Jahre bisher. Und die Wand bröckelt weiter.

Die Dino-Spuren von Sucre

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