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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Flüchtlinge - so könnte es gehen. Unser Dorf soll schöner werden

24. November 2015 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute

(Marianne schreibt:) Unser Dorf soll schöner werden

2015:
Für jemanden, den es aus der Großstadt in ein kleines Dorf im Hinterland verschlagen hat, ist es ein Kulturschock:
Es gibt keine Geschäfte außer einem Bäcker, der um halb sechs öffnet und um halb elf schließt (morgens!), es gibt keine Ärzte, kein Cafe, kein Restaurant und keine Bar oder Kneipe, wo man sich treffen könnte und ohne einen privaten PKW ist man auf die Busse angewiesen, die im 2-Stunden-Rhythmus in die nächsten Orte fahren. Zur Stadt, die 35 Kilometer entfernt liegt, braucht man mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwei Stunden.
Geht man durchs Dorf, sieht man kaum eine Menschenseele, nur hin und wider führt jemand seinen Hund aus. Die Kinder müssen zur Schule ins Nachbardorf, zum Arbeiten muss man in die größeren Orte, bis nach Gießen oder sogar Frankfurt, in der Umgebung gibt es wenige Arbeitsstellen.
Das Dorf stirbt aus – viele Häuser und Wohnungen stehen leer, die jungen Leute ziehen weg, zurück bleiben die Alten....

2020:
wo herunter gelassenen Fensterläden, bröckelnder Putz und verwilderte Vorgärten davon zeugten, dass hier niemand mehr leben wollte, künden Gardinen und üppiger Blumenschmuck vor den Häusern von neuen Bewohnern. In den Gärten dahinter wachsen Tomaten, Kürbisse und Kohl. Kinder mit schwarzen Haaren und Augen, blonde kleine Mädchen und ihre Freundinnen mit schokoladenbrauner Haut und lustigen Zöpfchen spielen zusammen auf der Wiese, auf dem Fußballplatz trainieren die zukünftigen Alabas, Özils und Müllers gemeinsam. Der Kindergottesdienst hat Zulauf wie lange nicht und die Gottesdienste müssen nicht mehr mit anderen Gemeinden zusammen gelegt werden.
Zweimal pro Woche gibt es einen kleinen privaten Markt, wo Syrer und Iraker frisches Obst und Gemüse verkaufen. Auch ein syrischer Lebensmittelmarkt hat eröffnet, und eine Teestube, in der man sich nachmittags zu Tee, süßem Gebäck und einem Shisha-Pfeifchen treffen kann. Ein kleines Restaurant bietet fremdartige Köstlichkeiten aus Eritrea an. Wer noch zögert, kann den hauseigenen Pizza-Lieferservice nutzen.
Vor den meisten Häusern im Dorf stehen Bänke, auf denen sich an warmen Abenden die Bewohner zu einem Plausch treffen. Einige sitzen, andere gehen spazieren, die Kinder mit Rollern oder Laufrädchen dabei. Die Jugend ist nicht mehr auf die Bushaltestelle als alleinigen Treffpunkt angewiesen, in der Teestube gibt es auch Cola und Eis.
Viele der Neuankömmlinge sind handwerklich sehr geschickt. Sie haben ihre Wohnungen selbst renoviert und helfen auch gerne bei ihren Nachbarn aus. Ein kleiner Friseursalon bietet seine Dienste an, auch Maniküre gibt es dort. Einfache Kfz-Reparaturen, eine Wäscherei und ein Schneider sind im Ort zu finden.
Der Lebensmittelmarkt ist gleichzeitig die Kontaktbörse im Ort: hier findet man junge Leute, die für ihre älteren Mitbürger einkaufen gehen, ihnen im Haus und Garten helfen und ihnen einfach nur Gesellschaft leisten. Sie bieten sich Babysitter an und als Nachhilfelehrer für Englisch und Mathematik.
Der erste praktische Arzt hat sich nieder gelassen und es gibt wieder eine Poststelle.

Das Leben ist bunter, interessanter und lebenswerter , unser Dorf ist schöner geworden!

Unser Dorf muss bunter werden

Unser Dorf muss bunter werden

Kinder der Welt

Kinder der Welt

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