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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Auf dem Camping

28. Januar 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute, #Andere Welten - andere Probleme

Auf dem Camping

Mittwoch, den 27. Januar 2016
Über 300 WoMo und Wohnwagen stehen hier. Mit den 50 Chalets leben hier mehr Menschen als in Hommertshausen. Die meisten sind Engländer und fahren ganz komisch Auto. Der Fahrer sitzt auf dem Beifahrersitz. Auch gibt es hier ein eigenes Restaurant mit Bar und natürlich englisches Frühstück und manchmal Mittagessen. Die Engländer essen eigenartige Sachen. Typisch zum Frühstück und auch hier angeboten sind gebratener Speck, kleine Würstchen, Bohnen, Spiegeleier, gegrillte Tomaten, oder gebratene Champions und fettig getoastetes Weißbrot. Und dazu trinken sie Tee mit Milch. Ihre Hauptmahlzeiten sind ähnlich kurios.

Kinder gibt es auf diesem Platz der Überwinterer nicht. Dafür Hunde. Viele Hunde aller möglichen Rassen. Manche haben gleich zwei. Die müssen ausgeführt werden. Hinter uns - wir stehen in der letzten Straße - ist ein Tor in der Mauern, zu dem kriegen Hundebesitzer den Schlüssel. Und können ihre Köter auf die Scheißwiese führen. Mit einem langstieligen Plastiklöffel wird die Kacke entsorgt. Wohin auch immer. Am Waschhaus sind Hundewaschbecken, da werden sie geschrubbt. Die Hunde. Ihre WoMO und Autos schrubben sie auch in kürzeren Abständen. Sie glänzen immer. Die Fahrzeuge. Nicht die Männer. Sie sind zumeist grau von Kopf bis Fuss.
Abends um 7:00 endet das soziale Leben auf dem Platz. Vereinzelte huschen noch schnell ins Badehaus um sich und den Abwasch zu pflegen, dann herrscht Ruhe und Dunkelheit. Die Homes sind dicht, nur in die der Holländer kann man hineinblicken und sehen, dass nicht passiert. Wie machen die das, wenn mal was passieren soll?

Er stand schon vor dem Spiegel im Badehaus als ich rein kam und putzte sich mit einer elektrischen Bürste die Zähne. Langsam und geduldig. Ich duschte, wusch meine Haare - OK, für die dünnen Strähnen braucht es nicht viel Zeit - und zog mich wieder an. Da stand der Mann immer noch und putzte seine Zähne, jetzt von hinten. Ich putzte meine Zähne ebenso, na ja, kurz halt, meine müssen froh sein, wenn sie überhaupt geputzt werden. Dann rasierte ich mich. Er putzte. Ich dachte schon, ihm ist was passiert. Zahnbürste fest gefahren oder so. Doch dann, als ich einpackte, hörte er auf! Ich war erleichtert. Unter dem Warmluft-Händetrockner hat er seine Bürste noch lange getrocknet. Da ward es mir zu viel und ich ging.

Unsere Tage sind ruhig und gemütlich. Morgens duschen im Badehaus, Abwasch vom Abendessen (den stellen wir unter das WoMo, damit es etwas Ruhe hat). Auch dazu muss ich zum Badehaus hinunter, an der Seite sind Abwaschgelegenheiten. Auf der anderen Seite Becken mit Rubbelrillen zum Wäschewaschen. M wäscht dort manchmal. WoMo auskehren, Klo samt Abwasser ent- und frisches Wasser besorgen gehört auch zu meinen kurzweiligen Pflichten. Danach habe ich frei und guck in die Luft.

Gut. Normal. Jetzt muss ich alleine einkaufen, einen trinken gehen, kochen und so, M hat Mittelohrentzündung und liegt im Bett. Es geht ihr schon besser, die Medikamente wirken. Ich hab auch was, aber das sage ich nicht.

Auf dem Camping

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