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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Muslime im 7. Jhd. stecken geblieben?

24. Mai 2016 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Geschichte

Die AfD hat gestern das Gespräch mit dem Zentralrat der Muslime abgebrochen. Weil sie, die Muslime, laut AfD, nicht willens seien, die Aussage zurück zu nehmen, es gebe zum ersten Mal seit dem Dritten Reich wieder eine Partei in Deutschland, die eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiere und sie existenziell bedrohe. In ihrem Statement nach dem Abbruch kritisierte die Vorsitzende Frauke Petry, dass es keinen modernen Islam gebe. Seine Grundlagen seien nie neu interpretiert worden und "im siebten Jahrhundert stecken geblieben“.

Das Vertrackte an der AfD ist, dass sie oft Aussagen macht, die einen wahren Kern beinhalten, um dann mit verbalen Attacken überzogen zuzuschlagen.

Zwar ist nicht korrekt, dass der Islam „im 7. Jhdt stecken geblieben“ ist, doch für das späte Mittelalter kann man das so annehmen. Bis dahin war der Islam eine Religion in vielen Teilen ihres Herrschaftsgebietes, die Fortschritte in Gesellschaft und Wissenschaft förderte. Im muslimische Spanien waren alle Religionsgemeinschaften akzeptiert. Juden, Muslime und Christen lebten friedlich nebeneinander. Al-Andalus entwickelte sich zu einem Zentrum muslimischer und jüdischer Gelehrsamkeit. Wissenschaftliche, oft auf antike griechische Werke aufgebaute Errungenschaften von Weltrang aus dieser Zeit auf Gebieten der Astronomie, der Mathematik, der Philosophie, der Chemie und der Medizin sind teilweise heute noch an arabischen Vorsilben (al-) von Fachgebieten und Stoffen erkennbar. Etwa Algebra, Alchemie, Alkalien und Alkohol. Viele islamischen Staaten waren den westlichen Staaten weit voraus.

Alhambra in Granada

Alhambra in Granada

Doch als die „Katholischen Herrscher“ Isabel I von Kastilien mit ihrem Gemahl Ferdinand von Aragon in einem roll back die spanische Halbinsel zurück christianisierten (bis 1492 Granada), vertrieben sie nicht nur die Muslime sondern unterdrückten und vertrieben die Juden und begannen eine gnadenlose Katholisierung. Unter Isabella und Ferdinand gingen die Inquisitoren mit Folter, Kerker und Verbrennungen gegen getaufte Juden, Moslems und eigenen Landsleute vor. Doch das ist eine eigene Geschichte.

Ungefähr ab dieser Vertreibung der Muslime aus Spanien kann man den Stillstand des Islam als fortschrittliche Religion ansetzen. Parallel dazu begann in Europa die Wissenschaft sich von der Religion zu trennen, langsam aber stetig. Die Aufklärung stellte den Menschen und seine Denkfähigkeit in den Mittelpunkt und privatisierte den Glauben. Das führte schlussendlich zum modernen Kapitalismus (der einzelne Unternehmer ist nur sich selbst verantwortlich) und zu großem gesellschaftlichen Reichtum, aber auch zu Kriegen und Konflikten mit gleichermaßen ungeahnten Folgen an menschlichen Opfern (es hat schon immer Kriege und Konflikte gegeben, doch die Explosion technischer Möglichkeiten hat auch die möglichen Opfer explosionsartig vergrößert).

Zurück zur Frage: sind alle Muslime verbohrt rückständig? Man kann auch andersrum fragen: sind alle Christen strenge Christen? In beiden Religionen - zumindest in unseren Bereichen - wird die Zugehörigkeit überwiegend locker gesehen. Die Mehrheit der Menschen auch in Deutschland geht ab und an in die Mosche oder Kirche und lebt ansonsten ihren Traum vom Wohlstand. Der ist wahrscheinlich die dominante Religion.

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