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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Santa Cruz 2017, 6. Teil: von Ringstrassen, Jaqueline und einem Künstlerpaar

20. Februar 2017 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Lateinamerika, #Meine Welten heute

Santa Cruz 2017, 6. Teil: von Ringstrassen, Jaqueline und einem Künstlerpaar

Santa Cruz ist in Ringstrassen angelegt. 1969 war ich, im ersten Urlaub von Antofagasta kommend, hier. Es gab- soweit ich erinnere - nur die Plaza Central und um den spanisch geprägten Kern ein Strassenring, ansonsten staubige Wege, an denen einfache Häuschen standen. Um jede Stadterweiterung wurde eine neue Ringstrasse gebaut. Heute ist Santa Cruz eine Millionenstadt mit modernen Hochhäusern, mittelständischen Wohngegenden, Einkaufszentren, Glaspalästen mit Luxusautos und dazwischen, daneben, überall die schmutzigen Geschäfte, Behausungen, Werkstätten der armen Bevölkerung. Die äußeren Ringe sind den unteren Schichten vorbehalten. Da wird es immer grauer und trostloser, je weiter vom Kern entfernt. Die Provinz Santa Cruz ist reich, die reichste in Bolivien..Subtropisches Klima lässt die Pflanzen wuchern, weit ausladende Bäume tragen wohlgefällig Früchte und enorme Gasfunde bereichern das Land.

(Wir wohnen dort, wo der grüne Marker auf dem Foto mit dem Plan ist)

 

Samstag: Im Kaffee Treffen mit Jaqueline. Sie war im letzten Projekt mit SECAP die Koordinatorin, wir haben viel zusammen gearbeitet. Und seither per Facebook Kontakt gehalten. Kaum war unser Bild aus der Abflughalle hochgeladen, hat sie schon gefragt, wo wir hin reisen. Noch am Abend unserer Ankunft wollte sie uns sehen. Ging natürlich nicht. Dann ist sie da, sexy wie immer. Plateauschuhe, knappste Shorts, Bauchfleisch Bluse bedeck locker die Schulter, hohe Wangenknochen,  blond-grau gefärbte Haare, rote Lippen. Man sieht ihr an, dass sie regelmäßig mit Gewichten trainiert. Sie freut sich, ich weiß nicht, wo ich hinschauen soll. Und bietet an, freiwillig in FONBEC mit zu arbeiten. So was! Das muss M regeln. 

 

Im Kaffee Männer, Frauen nur vereinzelt alleine. Einzig Liebespaare zusammen am Tisch. Die Fraternidades, die Männergruppen, von denen wir schrieben, funktionieren nicht nur Donnerstags. Was ein rechter Macho ist - und das sind sie hier im Tiefland, heute einen gesehen, der hatte zwei Stierhoden an seiner rückwärtigen Stossstange gebunden - was ein rechter Macho ist, der geht fünf mal die Woche aus und Samstags spielt er Fußball oder geht dahin. Und am Sonntag ruht er aus, wie Gott es befahl. Alfredo sagt, er ist eine absolute Ausnahme, und hilft in der Küche und macht Frühstück. Nur  Kochen kann er nicht. Soweit geht's dann doch nicht mit der Liberalität.

 

Sonntag: Hinter der Stadt fängt der Campo an. 50 km ging es südwestlich durch eine  unglaublich grüne Landschaft, die vor Fruchtbarkeit zu platzen droht. Ab und an kleine Ortschaften mit Kirchen, sozialen Zentren, Märkten, auch am Sonntag geöffnet. Die Straße zumeist geradeaus und geteert, unterbrochen durch tiefe Schlaglöcher und liegende Polizisten in den Ortschaften die den Wagen durchschütteln, fährt man zu schnell. Irgendwo gings von der Straße ab in den Busch, Schlammweg, durch eine Furt (vor der Rückfahrt war ein Tropenregen niedergegangen, Alberto kam trotzdem durch den stark angestiegenen Fluss), den Berg hinan und oben stand ein prächtiges Landhaus mexikanischen Stils. Freunde von Alberto und Karen hatten eingeladen. Er, Italiener, redet mit starkem Körpereinsatz spanisch-italienisch. Luigi und seine bolivianische Frau sind Künstler, das Haus ein Ausstellungsort. 

Oben das Atelier mit Ausblick auf den Regenwald und die Berge. Es dampft, ein Gewitter zieht auf und dann klatscht der Regenguss hernieder, dass man kaum noch den Pool sehen kann, in dem wir gerade noch gebadet haben. Wir müssen ins Haus umziehen, der kurze Gang genügt und ich bin nass. Ein schönes, warmes Nass strömt an mir runter. 

(M) Er hat ein Kulturzentrum gegründet, in dem er den Kindern des Dorfes Mal- Musik- und Theateraktivitäten anbietet. Das Projekt wird finanziell von Freunden in Italien unterstützt. 

Wir werden herzlich willkommen geheißen von den anderen Gästen aus aller Herren Länder, Italien, USA, Kanada, Argentinien, Chile, Kroatien und Deutschland. Das Buffet ist reichhaltig und die Gespräche neugierig-freundlich. Sie tun nicht nur so, sie interessieren sich wirklich für uns. Und wir spüren, wie unser flüssiges Spanisch wieder zurück kommt. Sie dachten alle, wir leben hier.

 

Auf der Rückfahrt köstliche Früchte gekauft. Die bei REWE & Co so aussehen, sind nur schlechte Kopien.

Santa Cruz 2017, 6. Teil: von Ringstrassen, Jaqueline und einem Künstlerpaar
Santa Cruz 2017, 6. Teil: von Ringstrassen, Jaqueline und einem Künstlerpaar
Santa Cruz 2017, 6. Teil: von Ringstrassen, Jaqueline und einem Künstlerpaar
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