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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Santa Cruz 2017 die 7.: Kindererziehung anders, beim Konsul, heiße Tage, arme Kinder

21. Februar 2017 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Lateinamerika, #Meine Welten heute

Fam. Mariaca mit Oma

Fam. Mariaca mit Oma

 

Kindererziehung anders: Die Mutter ist eine hochbeinige, wollüstig geformte Schönheit und Maklerin. Ihr Kind bringt sie morgens um 7:00 Uhr zu dessen Großmutter und holt sich Abends spät wieder ab. Jetzt ist die Großmutter in Peru und Karen springt ein. Die Schöne (Schwägerin von Alfredo und Karen) bringt ihr Kind vorbei ohne Milch Windeln oder sonst was. Hier hast du es - und verschwindet. Der Kleine, ein halbes Jahr alt, schreit, hatte Hunger. Jetzt ham sie alles geregelt und Karen spielt stillvergnügt mit ihm. Neulich, bei Albertos Familie, wurde der Kleine noch um 10:00 Uhr Abends herumgetragen. Manchmal schlief er, manchmal weinte er aber zumeist hat er vergnügt die liebevolle Beschäftigung aller mit ihm genossen. Die Oma ist glücklich, die Mutter ist glücklich, Karen ist glücklich, das Kind ist glücklich, so viel zu erleben auf dieser kleinen Welt.

 

Montag: Termin mit dem deutschen Konsul. Wir haben extra dunkle Hosen angezogen und schwitzen. Drückend heiß. Er hat ein kleines Büro und Aire Klimaanlage). Alfredo stellt FONBEC vor (entlang unser Mindmap-Wandzeitung , wozu haben wir sie denn). Und werden ausführlich unterrichtet über die Lage in Bolivien. Sieht nicht gut aus. Der Indio-Sozialismus nutzt Einkommen aus Exporten (zu 70% Gas) und Neuverschuldung um Reformen zu finanzieren, hält aber nicht nach, um Investitionen zu erhalten,  noch weniger um neue Quellen zu erschließen. Die angestrebte verbesserte Gleichverteilung wird durch Paternalismus und um sich greifende Korruption konterkariert. Evo Morales und seiner Partei geht es nur noch um Machterhalt. Sagt der Konsul. Und Alfredo fühlt sich bestätigt. Das hat er uns die ganze Zeit gesagt.

Wir vereinbaren Kontakte zum DAAD (Goethe) und zur Deutschen Schule, die wollen auch Schüler aus staatlichen Schulen fördern.

 

Heiß heute. Drückend. Abends auf dem Bett liegen, schreiben, lesen, die vielen Eindrücke verdauen, bleibt nicht viel mehr. Und ausdampfen. Na ja, soll noch heißer sein in der Hitzeperiode, sagt Alfredo. Weitergemacht am Projekt, Wandzeitung mit Ideen geordnet und begonnen, Arbeitsschritte aufzuschreiben. Wir wollen ihn dazu bringen, dass er seine Tätigkeit nach Prioritäten ordnet und abgeben kann (kann er nicht, Experiment mit Sekretärin gescheitert). Dazwischen Konsul. 

 

Und Besuch bei einer Schülerin (5. Klasse), die ihre Beziehung zu der Stipendiengeberin selbst regelt. Schock. Sie lebt in einem Zimmer am Ende eines Innenhof-Ganges zusammen mit ihrer Großmutter und zwei jüngeren Schwestern. Keine Küche, Gemeinschaftsklo, kein Platz neben den zwei Betten, Kleider und Sachen in Kartons. Essen müssen sie in der Armenküche. Manchmal, sagt die Oma, sagt die Enkelin, ach schon wieder dieses Essen. Die Mutter liegt im Krankenhaus, hat Krebs. Milady heißt sie, die Schülerin. (Eigenwillige Namen hat man öfters in Lateinamerika. Da waren die zwei Brüder, die so gerne Priester geworden wären. Der Vater hatte sie Marx und Lenin getauft. Oder die sich nach den USA sehnenden Kubaner, die Schiffe der US Navy vorbeiziehen sahen und ihre Kinder Usnavy tauften).

 

 

Mylady zu Hause
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