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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Osterspaziergang und Eier werfen - eine alte Tradition in meiner Heimat

18. April 2017 , Geschrieben von REinloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute

18. April 2017 11:45 -. Im Tal trübe, gestern Schnee, Rio 27 Grad, Dar es Salaam 31 Grad

 

Jeden Ostern Morgen um 7:30 (früher 6:00 UHR) versammeln sich die gehfähigen Mitglieder der Freien ev. Gemeinde von Hommertshausen vor dem Burgberg über dem Dorf, angereichert durch Freude, Verwandte, Bekannte aus Nah und Fern (sogar Friedemann samt Margrit und Kinder aus Penzberg hinter München kommen, doch dieses Jahr waren sie in Spanien und nur Jonas kam). Der Osterspaziergang ist eine wichtige und allseits geliebte Tradition, beginnend mit einem hell über dem noch dunklen Dorf leuchtenden Osterfeuer. Später geht die Sonne im Westen hinter den Bergen auf. Obligatorisch die Gesänge, Predigt, Gebete, die Osterbotschaft soll gehört werden. Dann geht es los, den Berg hinan. Alte Männer, junge Frauen, Kinder, Hunde, Bauern, Angestellte, Ingenieure, Wissenschaftler quälen sich den steilen Berg hinan. Die sportlichen elegant und leicht zusammen mit den jungen vorneweg, die anderen träge hinterher.

 

Wenn es, nach langem Aufstieg, steil abwärts geht, hat der Berg verloren. Unten den langen Acker umrunden (früher standen hier Hirsche im Gehege), am kleinen See vorbei, auf einem Pfad durch den Wald, dann das Ziel, die groß Wiese.

 

Und dann geht das Eier werfen los! Wer wirft die Ostereier am weitesten, am höchsten, am schärfsten, wessen Ei hält das meiste aus? Geht am ersten kaputt, platzt in alle Richtungen auseinander? Wer kann die Eier, die angeflogen kommen, auffangen mit Handschuh oder Mütze? Kleine Wettkämpfe. Die nicht werfen können oder wollen „knopsen“ die Eier gegeneinander und die ganz Vorsichtigen rollen sie über die Wiese. Wo kommt das her in einer Gegend und Religion, die es verurteilt, Lebensmittel zu vergeuden? (Na ja, heute nicht mehr so sehr, aber früher stark, sie waren arm hier). Wie kommen sie dazu, Eier weg zu werfen (sagt M)? Ich weiß es nicht (und habe das unten stehende gefunden).

 

Nach Hause gehts einen anderen Weg, einfacher, unten rum. Es gibt Frühstück im Gemeindehaus, Frauen, die zu Hause geblieben waren, haben fürstlich aufgedeckt. Und noch lange erzählt man sich, wie schön es dieses Jahr wieder war. Osterspaziergang und Eier werfen.  

 

Wikipedia: Das „Handbuch des Deutschen Aberglaubens“ führt die Volkssitten um das Ei zu Ostern auf die seit dem 12. Jahrhundert von der Kirche eingeführte „benedictio ovorum“ zurück, die diesen so gesegneten Eiern im Volksglauben vielerlei Kräfte zuwachsen ließ. Erste Erwähnungen von gefärbten Ostereiern in Deutschland stammen aus dem 16. Jahrhundert. Eine erste Erwähnung des Brauches, die Eier für Kinder zu verstecken, stammt aus dem Tagebuch des Abtes Jakob vom Kloster Schuttern  (Ortenaukreis) für das Jahr 1691.

Kindern wurde – je nach Gegend – erzählt, dass diese Eier vom Hahn, dem Kuckuck, dem Fuchs, dem Storch oder dem Hasen stammen. Auch den Glocken auf ihrer Rückkehr vom Flug nach Rom in der Osternacht wurden die Eier zugeschrieben. In neuerer Zeit hat sich der Osterhase als Eierbringer überregional durchgesetzt.

Weitere Bräuche mit Ostereiern sind zum Beispiel Münzenwerfen (bleibt die Münze im Ei stecken gehört das Ei dem Werfer), Ostereiertitschen, (auch Ostereierschieben oder Eierpecken genannt RE). 

Das Eierwerfen findet auf einer Wiese oder Weide statt. (In Ostfriesland Eierschießen oder Eierboseln) Wiesen mit dichtem Gras sind am besten geeignet. Für das Werfen selbst gibt es verschiedene oder auch keine Regeln. Wichtig ist, dass die Eier, die man werfen möchte, hart gekocht sind, damit das Ei nicht so zu schnell zu Bruch geht. Oft werfen sich zwei oder mehr Personen die Eier zu, bis die Schale völlig zerbrochen ist. Es wird versucht, das Ei im Netz möglichst hoch zu schleudern. Geht das Ei dabei kaputt, scheidet man aus. Das geht solange, bis nur noch ein Kind mit heilem Ei übrig bleibt, das dann gewonnen hat oder als König gefeiert wird. In manchen Gegenden ist auch Ostereierweitwurf verbreitet. Die Eier werden an Ort und Stelle verspeist. Um seinem Haus Glück zu bringen, besteht in Südtirol der Brauch, ein Ei über das Haus zu werfen und danach einzugraben.

 

 

Osterspaziergang und Eier werfen - eine alte Tradition in meiner Heimat
Osterspaziergang und Eier werfen - eine alte Tradition in meiner Heimat

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