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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Camino Portugues Vi

11. September 2017 , Geschrieben von REinloft

Camino Portugues Vi
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Montag, den 11.9.2017 Ancora Playa - Caminha
Ich liebe es, abends gut zu essen, wir lieben es. Und das behalte ich bei. Tagsüber träume ich von Abends essen gehen. Gestern gab es eine Suppe (Möhren, ging so, die von M ist besser), als Vorspeise Gambas al ajillo und als Hauptgericht gegrillte Lula. Die Arme des Tintenfisches waren fade, aber die Gambas waren Spitze. VinO do Porto zur Suppe und spritzigen Weißwein danach.

Sonntag: ein Fest zu Ehren einer Heiligen, die den Fischern gut getan hat. Wie sie das gemacht hat weiß ich nicht, aber jetzt knallen sie ganz schön. Und heute Nachmittag gab es einen Umzug mit Goldenen Statuen, schwankend auf den Rücken gebeugter Träger und ein Priester hat salbungsvoll geredet. Die ganze Straße ist voller Stände (all der weltweit bekannte billig-Kram aus Asien) und die halbe Stadt mit Kind und Kegel flaniert am Kai herum. Ich bin in einer Albergeria gelandet aber das ist ein Hotel und preislich höher. Jetzt habe ich einen großen Fernseher und höre Liszt von einer schönen Dame gespielt

Genügsamkeit: am Flughafen hatten Sie mir die Dose Rasierschaum abgenommen (hätte ich eigentlich wissen müssen). Wäre sowieso zu schwer geworden. Jetzt rasiere ich mich mit der Seife im Hotel und siehe da es geht. Und die kleine Flasche mit Spezial-Shampoo gegen Schuppen ist ausgelaufen (Sauerei in der Plastiktüte) und auch die Haare vertragen Seife prima.

Empfindlichkeit: die Füße brauchen besondere Aufmerksamkeit. Abends werden sie kalt und warm geduscht, nach Druckstellen abgesucht, eingecremt und morgens müssen die Stellen die wund sind, mit Tape abgedeckt und die Füße mit Hirschbalsam sorgsam eingeschmiert werden. Und überall, wo’s zwickt und zwackt, kommt Diclo drauf. Soll gegen Verspannung und schmerzende Muskeln helfen. Ich brauch viel.

Heute beim Aufstehen regnerisch und trüb, das Meer voller Nebel.
Die alten Männer schleppen sich ins Café, werden laut begrüßt von ihren Kumpels und bekommen zum Frühstück ein Gläschen Portwein und süße Kugeln.
Dahinten über dem Meer wird es blau. Es riecht nach Fisch, Tango (dummes Programm: Tang!), Und Meer. Wenn nach der Stadt die gelben Pfeile mit dem Muschelzeichen wieder auftauchen, hüpft das Herz vor Freude. Vor mir eine Gruppe Wanderer mit wenig Gepäck. Sind die nun auf dem Camino oder machen die Sport?. Heute will ich erst mal nach Caminha. Und dann entscheiden, mit der Fähre nach Spanien über zu setzen oder in Portugal weiter hoch zu laufen Richtung nach Tui.
Im Frühtau zu Berge wir gehen fallera … – Naja es ist ein bisschen später geworden. Aber jetzt kommt die Sonne raus und vertreibt den Nebel. Herrlich. Wir wandern ohne Sorgen singend in den Morgen – ich singst zwar nicht, aber es geht mir nicht aus dem Kopf. Drüben auf der anderen Seite des Flusses liegt Spanien. Komisch
Portugal, wie Spanien, waren einst führende Weltmächte. Von hier aus segelten die großen Entdecker los. Vasco da Gama, Americo Vespuchi - der dem neuen Kontinent seinen Namen gab - und auch Columbus hat zuerst bei den portugiesischen König sein Glück versucht. Dessen Wissenschaftler aber trauten den Berechnungen des Abenteurers nicht. Sie hatten Recht - und Columbus entdeckt einen neuen Kontinent. Unglaubliche Reichtümer flossen in die Entdeckerländer, die sich den halben Globus teilten. Man kann die Pracht heute noch in den Kirchen und Palästen von Porto und Lissabon (und in Spanien) bewundern. In beiden Ländern gab die herrschende Schicht endlos scheinende Vermögen für Luxusgüter aus. Gold, Silber, geraubte Dukaten flossen zumeist nach England und finanzierten dort (etwas später auch in Deutschland) die beginnende Industrialisierung.

Offenbar schmieren sich meine Gelenke ein. Der Nerv klemmt ab und an, so als wollte er sagen: ich bin auch noch da. Keine Sorge, ich vergesse dich nicht.

Eine halbe Stunde später: Ich hätte es ihm nicht sagen sollen, dem Nerv. Jetzt rächt er sich.
Laufe durch eine Wohngegend, Herr liche essen Stifte (die Diktatversion raubt mir den Nerv. „Herrliche Essensdüfte“ hatte ich diktiert). Hab Hunger.

Die Ferry nach Spanien fährt Montags nicht. Bin auf einmal schrecklich müde. Nach 10 Km! Egal, bleibe im Galo de Ouro. Liegt schön am zentralen Platz.

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