Thursday, 19. january 2012 4 19 /01 /Jan. /2012 10:15

M 12.02.: Drucken kann zum Problem werden
Gestern ist uns wieder so eine Geschichte passiert, die, wenn man sie erzählt, urkomisch scheint, aber wenn man sie selber erlebt eher nervig ist: der Drucker im Büro des Projekts, wo wir meistens arbeiten, benötigt so teure Farbkartuschen, dass sie bis zum letzten Tropfen ausgenutzt werden, und dann mit dem Kauf neuer so lange gewartet wird, bis es wirklich nicht mehr anders geht. Zur Zeit kann nur noch mit blauer Farbe gedruckt werden, was eigentlich ganz okay ist, nur für die offiziellen Briefe an die Botschaften und den farbigen Briefkopf des Bischofs mit einem schwarz-blau-grünen Phantasiewappen geht es nicht. Also haben wir uns den privaten Drucker von Dom Ernesto geliehen. Rs MacBook fand ihn erst lange nicht aber dann hatten wir eine CD mit dem Druckertreiber und ein Handbuch. Nach anderthalbstündigem schweißtreibendem Nachdenken und Gefummel (was ist hier nicht schweißtreibend?)  gab’s die erste Reaktion: er ruckte. Nach einer weiteren halben Stunde Einstellen und Rumprobieren wurde tatsächlich das erste Schreiben ausgedruckt – das  Wappen in rosa! Also nach dem Abendessen neue Suche im Handbuch, neue Einstellungen, Reinigung der Düsen und neues Einsetzen der Kartuschen, ein neuer Probeausdruck – wieder rosa. R. gibt nicht auf, probierte es ein weiteres Mal, und als der Briefkopf wieder in pink aus dem Drucker ruckelte, entschlossen wir uns, das Drucken auf morgen zu verschieben, einen anderen Drucker zu suchen. Es war mittlerweile nach neun. Spinne-im-Drucker.jpgIn diesem Moment krabbelte ein haariges Monster aus dem Drucker, torkelte ein paar Mal hin und her und fiel dann auf den Rücken. Erst sah es aus wie ein kleiner Krebs, die Figur, die Größe, aber es war eine Spinne! R hat sie gekonnt vor dem Haus entsorgt. Danach funktionierte der Drucker einwandfrei.

Allerdings hat sich heute der Bischof die fertigen 12 Briefe zum ersten Mal richtig gründlich durchgelesen und einige Änderungen verlangt. Er hatte zwar seit Tagen unsere Vorlage, aber die hatte er nicht gelesen. Deshalb muss heute alles noch mal geschrieben und ausgedruckt werden. Das geht aber nicht, denn es  gibt wieder mal keinen Strom.

Der neue Priester aus Sri Lanka ist ein Gewinn. Er mag genau wie wir und die mexikanischen Nonnen kein fades Essen. Wir haben jetzt scharfes Piri Piri auf dem Tisch stehen und er hat Pfeffer gekauft  und hat  gekocht: die Suppe und die Kartoffeln mit Cocos und den Reis mit Nelken. Hmmm!

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Wednesday, 18. january 2012 3 18 /01 /Jan. /2012 11:29

Kamillentee
Ich hab ihn gefunden! Der Inder oder Pakistani mit dem voll gepackten Ramschladen, der hat offenbar alles. Jetzt kann ich die restlich Entzündung am Zahn und Montezumas Rache behandeln. Sollte Kamille gegen den Durchfall nicht wirken, muss ich mal auf das alte Buschläuferrezept zurückgreifen. Eine halbe Flasche Rum. Entweder es wirkt oder es ist dir egal.

Südtour 1 nach Tunduru - 48Knie durchgedrückt
Heute hab ich einen Mann in der Hocke sitzend arbeiten sehen. Das ist selten. Afrikanische Frauen und Männer arbeiten zumeist stehend vornüber gebeugt mit gespreizten, durchgedrückten Knien. Die Frauen sitzen auch so. Beine als V auseinander, lang gestreckt und flach auf der Matte. Kann ich nicht.

Esstisch-Bischofshaus.jpgSonntagessen

Mittags gekochte Kartoffeln mit Soße und Hähnchenteilen, davor Suppe, als Nachtisch Obstsalat. Abend Reis, Fisch, gekochte Bohnenblätter. Suppe davor und 1 kl. Banane danach. Frühstück: Waschlappen – Weißbrot, Marmelade, Mar­garine, Instant- Kaffee, Instant- Milch, Zucker, heißes Wasser.

Der Bischof lernt Deutsch
M: 11.02.: Um halb zehn war die 1.Deutschstunde für meinen Schüler Dom Ernesto angesetzt. Jetzt ist es halb zwölf, und er konferiert immer noch mit Schwester  Pilar, der Generalsekretärin von Caritas. Die beiden sind sich nicht besonders grün, habe ich den Eindruck, sie ist eine energische Spanierin und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Da es bei uns nicht weiter geht (keine Druckerfarbe für die Briefe, die wir ausdrucken wollen, der Bischof hat keine Zeit), sucht sich R. was zu tun. Jetzt stellt er die Emails der Mitarbeiter um, damit sie einen POP Account für Outlook haben und nicht immer übers Internet ihre Mails lesen und schicken müssen.

Gringos
M: Seit gestern sind zwei „Neue“ da, ein Priester aus Sri Lanka, der aber in den USA lebt und dieses grauenhafte asiatische Englisch spricht. Gott-sei-Dank kann er auch etwas Spanisch, sodass eine Verständigung mit dem Bischof und den Schwestern möglich ist. Der Andere spricht kein Wort von irgendwas, nur Englisch. Als ich ihn fragte, warum er hier sei, meinte er, er habe das Maul zu weit aufgerissen und hinterher nicht mehr nein sagen können. Sie bleiben einen Monat und wollen in der Zeit in drei oder vier Dörfern Brunnen bohren, außerdem eine Schule und ein Hospital bauen und der Priester will neue Früchte und Anbaumethoden einführen. Wir haben sehr gestaunt wie sie das in der kurzen Zeit hinkriegen wollen, aber wir lassen uns gerne überraschen.

R: Der Nichtpriester-Gringo ist aus New York und spricht auch so. Er war 20 Jahre bei den Marines in aller Welt und ist sehr katholisch. Vor und nach dem Essen stehen wir hinter den Stühlen, Kreuze werden geschlagen und Ave Marias gebetet. Der Ex-Mariner sticht heraus mit seinen nach Dürer gefalteten Händen und langem Kreuzschlagen. Die Padres, wenn sie alleine sind, machen das schnell, schnell. Beide Amis halten Bush Jr. nicht für christlich. Seine Bekehrungsdarstellung sei Schaulaufen um Stimmen und Geld anzuziehen, sagen sie. Die katholische Konkurrenz ist gnadenlos, wenn es um „Sekten“ geht. Aber in dem Fall rührt sich in mir Zustimmung.

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Tuesday, 17. january 2012 2 17 /01 /Jan. /2012 10:55

Der erste Teil ist hier zu finden: Afrika & Logik

  (Blitzlicht: Viele afrikanische Kritiker glauben nicht, dass unsere demokratischen Modelle in Afrika funktionieren. Sie wollen den Geist der afrikanischen Ubuntu - Philosophie wieder institutionalisieren. Danach ist jedes Mitglied einer Gemeinschaft für das Wohl dieser Gemeinschaft mit verantwortlich. Palaver ist die althergebrachte Methode. Damit ausnahmslos alle Mitglieder der Gemeinschaft – ohne Ansehen von Rang und Namen – ihre Sicht der Dinge in einer Entscheidung am Ende berücksichtigt sehen, muss das Oberhaupt zunächst alle anderen sprechen lassen. Solange, bis ein Kompromiss sichtbar ist. Um dann im Sinne aller zu entscheiden).

Pemba GroßfamilieAfrikanisch ist auch die endlose Familienverbundenheit. Ein Afrikaner, der Einkommen hat, muss für alle in seiner Großfamilie sorgen. Sonst verliert er den Kontakt und damit sein ursprüngliches Leben. Land bedarf keines Titels, es gehört den Ahnen. Altes afrikanisches Denken ist, dass das Individuums eingebettet ist in einen ewige Kreislauf des Lebens. Und dieser Kreislauf muss  in einem harmonischen Gleichgewicht bleiben. Diese Harmonie muss bei Störungen, zum Beispiel bei Konflikten oder nach einem Verbrechen, im Palaver wieder hergestellt werden. Zeit ist dabei kein Maß sondern Grundlage der Gespräche. Endlose Zeit. Traditionelle afrikanische Herrscher waren und sind eingebettet in die Erfüllung dieser Maxime.

(Blitzlicht: Dass in Afrika grausame Herrscher die eigenen Landsleute umbringen (lassen) ist bis heute auch wahr. Viele herrschenden Eliten und ihre Anführer sind für Stagnation oder Staatsverfall in vielen afrikanischen Ländern verantwortlich. Afrikanische Kritiker geben dem Kolonialismus die Schuld. Der Aufteilung der Länder mit dem Lineal und nach europäischen Interessen. Der grausamen Behandlung durch Kolonialherren und der Ausbeutung durch die modernen Wirtschaftsmethoden. Und viele afrikanische Eliten sind in Europa und Amerika aufgewachsen und dort gebildet worden. Denkansätze vermischen sich, Egoismus und Warenberge sind anziehend. Da ist was dran. Aber es ist nicht alles. Auch vorher schon haben afrikanische Herrscher die eigenen Landsleute an Sklavenhändler verkauft und Kriege geführt. Trotzdem bleibt eine der Grundlagen afrikanischer Kulturen die Suche nach Harmonie und Ausgleich. Mehr und mehr setzt sich in Afrika wieder eine Rückbesinnung auf die alten Werte durch.)

Das und noch viel mehr haben unsere afrikanischen Gesprächspartner als eigenen Hintergrund, der eine mehr, der andere weniger. Ich finde es falsch, diese Denk- und Handlungsstrukturen als rückständig abzulehnen. Es nutzt ja auch nichts. Bisher sind alle Versuche fehlgeschlagen, „modernes“ Denken aufzupfropfen. Und das genau ist der Widerspruch, in dem wir hier in Mosambik wieder mal stecken. Wir sollen zwar was machen, damit die Projekte und die Verwaltung besser funktionieren, sind aber nur begrenzt in der Lage, überhaupt zu erkennen, wo und wie das möglich ist.

Oder sollen wir ihnen sagen, nach rationalem Muster müssten mindestens 4 Leute der Apotheke entlassen werden, damit der Gewinn steigt? Wo sie doch eingestellt wurden, damit sie ein Einkommen haben? Gelle, siehste. Wenn wir das unserem Bischof vorschlagen sieht er uns an und sagt: Ihr müsst euch noch ein wenig eingewöhnen.

Tschüss

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Tuesday, 17. january 2012 2 17 /01 /Jan. /2012 10:28

Minus 7 Grad heute Morgen, Rauhreif verzaubert das Tal wenn die Sonne darauf scheint

Wintermorgen.jpg

Und so sieht das Tal abends aus wenn die Sonne blutrot untergeht

Winterabend.jpg

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Monday, 16. january 2012 1 16 /01 /Jan. /2012 09:55

Herrliches Wochenende. Biene, Markus, Carlotta und Jakob waren da. Die Enkel sind meine speziellen Freunde. Sagen sie. Und überhäufen mich mit Superlativen. Du bist der größte, schönste, beste, liebste, witzigste, freundlichste Reinhold den es gibt. Ach wie schön. Mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke. Danke Biene und Markus. Und danke M.

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