Tuesday, 25. may 2010 2 25 /05 /Mai /2010 13:31

September 1998

Seit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Pastrana am 1. August starben bei Überfällen, Bombenanschlägen und Gefechten zwischen Aufständischen und Regierungssoldaten mehr als 400 Menschen.

Kolumbien - 27FESNach einem Jahr Arbeit mit Praxis, endlosen Treffen, Erklären, Umdefinieren, Konzepte Ändern (neues Kleid im alten Kern) haben wir keine Schulden mehr, alles akzeptiert, über 400 000 $ ausgeglichen. "Vertrauensbildende Maßnahmen" nennt man das auf Hochdeutsch, auf Platt sagt man: off de Kney rim gekroche. Manchmal war es hart. Den Rest kriegen wir auch noch. Es wird ein neues staatliches Gesetz geben, unser Konzept wird da eingehen. Wenn das kein Erfolg ist! Wir feiern. In der Zentrale interessiert das offenbar niemand.


28.9.1998

Gestern hat Schröder mit 41% Kohl vernichtend geschlagen. 35% für die CDU, 6,7% Grüne, 6,1% FDP, 5,1% PDS. Die Weichen sind gestellt,  hoffentlich fährt der Zug in die Zukunft. Ich will eine gerechtere, wärmere Welt, geborgen sein!

Schlecht ist mir, hab Pilze, Salmonellen, kleine Tierchen. Und Husten, Bronchien verschleimt. Kopf auch.

Wahlfeier. M freut sich wie eine Schneekönigin.

Trinke zu viel. Wochenende nur noch saufen. Vergessen, verdrängen.

5.10.1998

Pastrana scheint es ernst zu nehmen mit dem Friedensprozess, bietet der Guerilla Gespräche an. In Bucaramanga gehen die Flüchtlinge zurück in ihre Heimat. 3 Millionen sollen es mittlerweile sein.

9.10.1998

Krank. Nicht gut, nicht schlecht. Nach kürzester Zeit müde. Schlafe.

Hillermann: Tod am heiligen Berg: "Die Navajos hatten bei ihrer Wanderung aus der Mongolei und über die vereiste Behringstraße eine andere, viel ältere asiatische Philosophie mitgebracht. Gedanke und Worte, in denen sie Ausdruck finden, beeinflussen das, was die reale Umwelt des Individuums zu sein scheint. Über den Tod zu reden heißt, ihn herbeizulocken. Sich Sorgen zu machen, bedeutet, neue Sorgen heraufzubeschwören". Unsere Metaphysik behauptet dagegen, Sprache und Gedanken spiegelten die reale Umwelt. Und dass wir diese Umwelt wort- und tatgewaltig verändern können. Das haben wir bewiesen -  und zerstören sie. Vielleicht haben die Navajos recht?

15.10.1998

Gestern wieder mal BB, seit vor dem Urlaub nichts. Rauche wenig, trinke wenig. Bronchitis scheint weg zu gehen, Salmonellen auch.

19.10.1998

Kolumbien - 12Freitag und Samstag auf Freund Franklin aus Rio gewartet, er soll seine Erfahrungen aus dem Gemeindeförderprogramm bei einem großen Seminar vortragen. Kommt nicht. Sonntag den Freitag nachgeholt, mit M gefeiert. Im „Portal Antioquenia“ gabs wieder Fleisch mit Schnaps, kaum nach Hause gekommen. Aber weiter feiern konnten wir schon.

 

Und dann kam der Montag, das wichtige Seminar und meine Blamage hoch 2. Du kannst doch portugiesisch, übersetze Franklins Konzept. In freier Rede. Das Auditorium die Reihen hoch sah gespannt auf mich herab - und verstand Bahnhof. Franklins komplizierte Gedanken brachte ich weder auf den Punkt, noch weniger in Spanisch. Bis einer bat, ich möge aufhören. Beteuerungen später, so schlecht sei es nicht gewesen, machten die Sache schlimmer. Ich schämte mich. 

23.10.98

Die neue, "politische" Ausrichtung meines Projektes macht mir zu schaffen. Der Kollege Koordinator ist ein Dynamiker.  Und ich drohe unterzugehen, habe keinen klaren Standpunkt. Politisch arbeiten kann ich nicht ablehnen, auch wenn ich der Praxis den Vorzug gebe. Cepeda Ulloa ist ex. Sowohl Minister als auch Botschafter. Hans kennt ihn aus Washington vom IWF. Mit dem soll ich ein Foro Permanente über Wirtschaftfragen machen. Maria Emma Meja war Kandidatin zur Vice von Serpa, dem Liberalen, der die Präsidentschaftswahl verloren hat. Sie will das Thema Dezentralisierung politisch belegen. Machen wir, sagt Hans, mach du. Und um was geht´s? Nicht dass sich was verändert ist das Anliegen, nein, dass wir präsent sind. Das reicht mir nicht. Ist aber die Methode meiner neuen Kollegen.

27.10.1998

Geht nicht gut, bin müde, fühle mich schwach. Schlafe. Der Husten lässt nicht los.

Die Pflanzen im Vorbau atmen, Scheiben sind beschlagen. Eine will zur Decke hinaus.

Paramilitärs haben wieder ein Dorf überfallen, 12 Leute erschossen, andere verschollen. Sie holen die Leute aus den Häusern und stellen sie gegen die Wand. Guerilla Verdacht.

Pinochet noch immer in London in Haft. Oh, wäre das eine Gerechtigkeit.

Hab keine Geschichten, lebe nicht mehr. Büro-Wohnung-Büro-Wohnung.

29.10.1998

Paras haben den Heimatort von Edris überfallen und zwei Händler erschossen. Auf ihrer Liste stehen weitere 10 Leute, darunter die Mutter von Edris. Schock bei allen, wir beraten, was tun? Wie können wir die Mutter herausholen. Es ist eine Tagesreise, schwer zu erreichen. Welche Kontakte haben wir? Rotes Kreuz? Anti-Terror Hilfsorganisationen? Mit denen arbeiten wir zusammen, rufen an, Edris soll kommen. Nach 1/2 Std. ist sie wieder zurück, nein, sie kann nicht, wenn die Paras das rauskriegen, ist die Mutter verloren.

Erst Tage später kommen die Eltern mit einem Rot Kreuz Fahrzeug raus. Nun sind sie Flüchtlinge. 

30.10.1998

Lange Sitzung mit den politischen gig shots. Neue Seminarreihe kreiert. Show-Veranstaltung ist wichtig.

Mittags im Bett. Erschöpft. Ärztin hat mir noch mehr Tabletten gegeben. Sie hat keine Praxis, kommt ins Haus, hat ein Auto mit Fahrer und voller Geräte und Medikamente.


12.11.1998

Traurigkeit, leichte Verzweiflung überrollt mich. Wo ist der Sinn? Arbeit für wen? Gibt es eine Wirkung? Hans und Emma sind der Meinung, Wirbeln ist wichtig.

Ich brauche eine Alternative, DRINGEND. Will den Kindern Geschichten schreiben.

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Monday, 24. may 2010 1 24 /05 /Mai /2010 12:42

 

Max-in-Hommertshausen---3.jpg  Rapsfelder Hommertshausen - 2  Rapsfelder Hommertshausen - 3  Rapsfelder Hommertshausen - 1 

 

Hommertshausen renoviert - 1  Hommertshausen renoviert - 4  Hommertshausen renoviert - 5

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Friday, 21. may 2010 5 21 /05 /Mai /2010 13:24

Max gehts prima.

Kein Wunder bei so vielen schönen Frauen.

 Max-gehts-gut---1.jpg Max-gehts-gut---2.jpg

 

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Friday, 21. may 2010 5 21 /05 /Mai /2010 13:03

Schaut mal rein hier, wie einfach das mit dem Monsterwort mit der Monsterwirkung ist. Heike Makatsch und Jan Josef Liefers sind die Stars im Video der deutschen Kampagne "Steuer gegen Armut".

 

 

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Friday, 21. may 2010 5 21 /05 /Mai /2010 12:21

Kolumbien - 21FES Reinhold18.4.1998

Edwardo Umaña Mendoza ist ermordet worden. International bekannt als Jurist und Menschenrechtler war er oft bei uns, hat an Veranstaltungen teilgenommen, sie geleitet. Es ist furchtbar, letztens richtet sich die Welle der Gewalt gegen Menschenrechtler. Sie werden gezielt umgebracht. Einige glauben, die Handschrift des Mordes ist die der Militärs. Amnesty International beschuldigt sie, die Mehrheit der Menschenrechtsverletzungen zu begehen. Ob Narco, Guerilla, Militär, Paras, wenn sie auftauchen, tauch ab - wenn du kannst. Dieselbe Mordsbande.

 

Später

ein Elitesoldat hält Wache vor dem Büro der Präsidentschaftskandidatin gegenüber. Weiße Handschuhe, weiße Paradeuniform, weißen Gamaschen und Schnellfeuergewehr. Ob der wohl einen Überfall verhindern kann? Ich fürchte mich.

 

April 1998

Präsidentenwahl, die Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Die Konservativen werden´s wohl wieder machen, auch wenn die Liberalen den Wechsel reklamieren, sie wollen mal wieder an die Fleischtöpfe. Wenig für das Land, mehr für die eigene Klientel ist das Motto beider Parteien. Es ist eine Demokratie der Eliten. Keine Änderung in Sicht.

 

Schlecht ging mir´s. War passiert was passieren musste nach der Auflösung meiner Abteilung, mein Projekt sollte integriert werden. Überleg mal, wie das gehen kann, war die Order de Mufti. Du wirst 2. Chef, deine Arbeit Teil der politischen. Sollte ich jetzt labern lernen? Die praktischen Ansätze reduzieren? War so wütend, auf dem Weg nach Hause im Auto gebrüllt. Werd mich und meine Überzeugung, wie Entwicklungszusammenarbeit aussehen soll, sauer verkaufen. Kostet Nerven.

 

5.9.-12.9.1998

Regionaltreffen in Mexiko.

War letztens in Mexiko. Am Samstag Abend wohlbehalten und glücklich bei M angekommen nach einer weiteren Odyssee. Abfliegen sollte das Flugzeug um 8:00 von Mexiko Stadt, vor 6:00 am Flughafen, hoffend, ich wäre, wenn ich selbst eher da bin, auch eher bei M. Pustekuchen. Der Mann am Schalter informierte, wegen eines Unwetters in San José sei das Flugzeug erst jetzt in Costa Rica gestartet, mit dem Rückflug nicht vor dem späten Nachmittag zu rechnen. Mein Anschlussflug um 11:00 war weg. Über Miami könnte ich fliegen, Ankunft in Bogotá so gegen 20:00, 1/2 Tag später, aber genau wisse man das nicht. Den Morgen hab ich lesend im Flughafen verbracht, schön dass ich einen Krimi von Wetering dabei hatte. Die „Ölpiraten“ spielen in der Karibik und die Everglades und Key West kommen darin vor. Und im Landeanflug nach Miami genau darüber geflogen, schon Irre das. Dickärschige Amiweiber haben uns durch lange Gänge geführt, erst hin, dann wieder zurück, aber wenigstens mussten wir nicht durch den Zoll. Die Amis kontrollieren jeden Zacken vom Kamm. Warum eigentlich sind die Damen hinten so mächtig und vorne können sie ganz ansprechende junge Gesichter tragen? Big Mac lässt grüßen, glaub ich, oder? Ich kanns nicht fassen. Irgendwann war die Maschine auf dem Weg nach Bogota kam näher und näher und dann war da die M und dann war ich wieder zu Haus.

War interessant die Woche. Es ging um die sogenannte 2. Staatsreform, nachdem die erste die wirtschaftliche Öffnung geschafft, die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer gemacht hat - kann man eigentlich ärmer werden als arm? Kaum, aber bei dem Spiel wurden noch mehr Leute ärmer. Deshalb, so die Theoretiker, muss jetzt die 2. Welle her. Wir brauchen, sagen sie, einen schlanken, leistungsfähigen Staat. So, so, in Kolumbien brauchen sie die Posten für ihren Anhang und um zu schmieren. Die Weltbank war da und Wissenschaftler aus Deutschland und Lateinamerika.. Auch der Bremer SPD-Vorsitzende Alberts, seines Zeichens Mitglied der SPD-Grundwertekommission und ehemaliger Stamokap-Theoretiker. Jetzt verteidigt er den Rheinischen Kapitalismus. Das ist der vom dicken Erhard. Ich hab ihm gesagt, der hätte auch negative Ergebnisse gezeugt. Da war er beleidigt. Wo sie doch so viel tun und nichts als dynamisch sind. Besonders die SPD regierten Länder.

Für mich ist es schlimm, von M wegzumüssen und wie immer hätte ich lieber die Veranstaltung abgesagt, wäre in Bogota geblieben. Interessant war es schon, all diese big shots zu hören. Ich scheine einer der wenigen Skeptiker zu sein. Forderungen nach Liberalismus, schlankem Staat rütteln in Lateinamerika an den realen Machtverhältnisse. Klientelismus, braucht Posten und Pfründe zum Verteilen.

Verwunderlich in dieser SPD-nahen Stiftungsrunde die vielen Neoliberalen. Da sehe ich mich manchmal gezwungen, gegen zu halten. Oben und unten, Machtanspruch und Herrschaft einer dünnen Eliteschicht gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung gerät aus dem Blickwinkel, wenn die Lösung im schlanken, effizienten Staat gesehen wird. Und das halte ich für falsch. Einige haben mir gesagt, dass sie es gut finden, was ich vorbringe, sie selbst würden es nicht mehr wagen. Es tut gut, obwohl, ich kann nicht gut argumentieren. Die meisten können reden wie ein Buch.

Ich gehöre nicht zur Mehrheit dieses Haufens, sehe die Einflussmöglichkeit der Stiftung geringer an. Mit oder ohne uns läuft die Geschichte exakt gleich weiter. Bei einigen Wenigen können wir was verändern - manchmal. Mein Denken ist asiatisch beeinflusst, auf Veränderung in langen Zeiträumen gepolt. Was strampeln sich die westlich orientierten Macher ab, um an ein Zipfelchen Macht zu kommen - und dann kriegen sie einen Herzinfarkt oder fahren gegen einen Baum oder können das schöne Essen beim Geschäftsfressen nicht genießen. Das kann es nicht gewesen sein. Sicher, manche bleiben auch an der Macht und sonnen sich in ihr. Da muss man wohl so wie Kohl gebaut sein. Die meisten, die ich beobachte, wissen gar nicht mehr, was Leben ist. Sie verwechseln Streben mit Lebensqualität.

MexicoCity-christian-von-wissel.JPG.jpegMexico ist eine faszinierende Stadt. Erst mal ist sie groß. Man fliegt und fliegt über sie weg und sieht kein Ende des Häusermeers. Wir waren in der Innenstadt. Kolonialstil vermixt mit modernen Konstruktionen, die durchweg ansprechend sind. Und dann die breiten Strassen! Alleen mit Bäumen, an jeder Ecke Denkmäler und es sieht manchmal so aus, als wenn der Kaiser Maximilian gleich mit der Kutsche um die Ecke böge. Viel haben wir nicht gesehen. Wir mussten ja diskutieren um die Welt zu retten.

 

 

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