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Tuesday, 24. august 2010 2 24 /08 /Aug. /2010 08:05

Vati und Sohn gehen spazieren.

Da grüßt der Sohn einen wildfremden Mann.

Fragt Vati: "Wer war den das?"

Sagt der Sohn: "Iner vom Umweltschutz.

Er fragt Mutti immer, ob die Luft rein ist!

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Monday, 23. august 2010 1 23 /08 /Aug. /2010 08:34

Wichtige und wichtigtuerische Persönlichkeiten luden wir ein, lernte ich kennen. Thierse erinnerte sich nicht an Rio und den langen Tag, den er uns aufzwang, die Stadt kennen zu lernen, nun ja, wir waren Handlanger für Politikreisende; Karsten Schneider, der junge Bundestagsabgeordnete war Dauergast, waren wir doch eine seiner heimatlichen Plattformen; Thilo Sarrazin, noch Bundesbahnvorsitzender, sollte den Wirtschaftspolitischen Dialog als Serie leiten, sagte - heute wissen wir Gott sei Dank - ab, Literaten kamen und gingen, Landes- und Bundesabgeordnete, Ministerpräsidenten, Wissenschaftler. Sie alle wurden kleiner, handhabbarer vor ihrem Auftritt, manche waren stur, manche umgänglich. Meine liebste Bekanntschaft: ReghildebrandtRegine Hildebrandt. Großartig diese Frau, schon vom Krebs befallen, immerzu kämpferisch für Recht und Gerechtigkeit, sich trauend, in der DDR-Vergangenheit auch positive Elemente zu sehen. Den größten Saal musste ich mieten, 800 Leute kamen, sie war beliebt, nicht nostalgisch, vertrat Grundsätze ihrer Partei, der SPD. Wir haben noch lange zusammen gesessen, ich war fasziniert von ihrem Leben, ihrer Aufrichtigkeit, ihren christlich-humanen Grundsätzen. Gerne komme ich wieder, Reinhold, sagte sie. Ihr Tod traf mich wie ein Schlag. "Kinder" hatte sie gesagt, „das Sterben gehört zum Leben. Jammern nutzt da nüscht".   

Kritik traf mich immer doppelt. War schon mein Qualitätsanspruch an Inhalt und Ablauf hoch, war der von der Büroleiterin unermesslich. Nichts durfte schief gehen. Einmal jedoch war die Ironie der Geschichte zu eindeutig. Eppelmann Rainer, seines Zeichens Groß-Dissident der DDR, später CDU-Minister der letzten DDR-Regierung, beschwerte sich wütend. In einem Zeitungsartikel über die Ausstellung "SPD-Gründung DDR" wurde er zusammen mit Schnur als Stasi-Informant genannt. Nicht das verärgerte ihn. Böhme, empörte er sich, der IR und SPD-Mann, der fehlt. Wir konnten nichts für den falschen Artikel. In der Ausstellung wurde nicht er, sondern Böhme und Schnur korrekterweise als Stasi-Informanten benannt.

Am meisten hab wohl ich gelernt von den vielfältigen Veranstaltungen. Alle Themen, die uns auf den Nägeln brannten brachten wir in die Planung, arbeiteten uns inhaltlich ein, suchten Referenten und Fachleuten, promovierten Literaten und Künstler mit gesellschaftlichen Themen, hatten Politiker von Land und Bund, auch Wissenschaftler im engeren Kreis, leiteten Nachwuchs an, trafen uns mit Kollegen zur Weiterbildung. Ich lernte Probleme und Hintergründe der Verbraucherinsolvenz kennen, organisierte Schulungen in Verwaltungsmodernisierung, arbeitet mit der Handwerkskammer zusammen (Ubernell, mein Freund und Projektleiter aus Kolumbien war in Frankfurt, ich lud ihn ein zu einer Podiumsdiskussion über "regionale und lokale Förderung der Klein- und Mittelindustrie in Lateinamerika" - schön wars, ihm Erfurt zu zeigen). Schlussendlich optimierte ich dann doch die Arbeitsabläufe im Büro, wir hatten uns besser kennen und akzeptieren gelernt, Therapie und Übungen halfen. Oft. Noch viel gibt es von interessanten Inhalten zu erzählen. Vom Theater der Unterdrückten mit Jugendlichen, von alternativer Wirtschaftspolitik, die keinen interessierte, von Managerkreisen, russischen und baltischen Besuchergruppen, die unsere Wirtschaftsordnung kennen lernen wollten, von indischen und afrikanischen Besuchern und von einer Gruppe rüstiger Rentner aus dem Ruhrgebiet, die als alte SPD-Mitglieder unbedingt berühmte Wirkungsstätten aus der Geschichte ihrer Partei kennen lernen wollten. Daraus wurde sogar ein Angebot eines Reiseveranstalters, denn Thüringen hatte viel zu bieten. 1869 gründete sich in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands (SDAP) unter Führung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht. Sechs Jahre später verbündete sich die SDAP mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein im Tivoli in Gotha. 1890 änderte die Partei ihren Namen in „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“. Ein Jahr später verabschiedet sie auf ihrem Parteitag im Kaisersaal in Erfurt das gleichnamige Programm und so weiter und so fort. Geschichtsträchtig, diese Gegend. Niemand hatte bis dato offiziell daran gedacht. Bis die alten Sozialdemokraten kamen. Das machte mir Spaß und brachte Glücksgefühle. 

Andreas_Bausewein.jpgMein größter Erfolg? Ich habe dazu beigetragen, dass Erfurt einen jungen SPD-Oberbürgermeister hat. Nun ja, ein wenig. Die Idee, eine Nachwuchsakademie für zukünftige Partei- und Gewerkschaftskader aufzubauen, den jungen Leuten Wissen über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Führung zu vermitteln, kam von den Genossen. Das dürfen wir nicht, sagte Kollegin Büroleitung, wir durften wirklich nicht, alle vom Bundeshaushalt alimentierten politischen Stiftungen (jede der im Bundestag vertretenen Parteien hat ein Anrecht auf eigene Stiftungsförderung) müssen offen sein für alle Menschen, doch das ließ sich per Verfahren regeln. Noch nie hatte ich ein solch enormes Potential mit unseren Bildungsangeboten so gezielt  qualifiziert. Bewundernswert, wie die zukünftige Elite in ihrer Freizeit paukte, lernen wollte, wir hatten den Nürnberger Trichter gefunden. Aus einigen ist was geworden. Schon tätig in Dar es Salaam, ein paar Jahre später, kam die Nachricht, Andreas hat die Wahl gegen den langjährigen CDU-Oberbürgermeister gewonnen. Das hatte ich nicht erwartet. Er und sein neuer Assistent waren die eifrigsten in der Nachwuchsakademie.  

 

 

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Saturday, 21. august 2010 6 21 /08 /Aug. /2010 08:28

Daraus machen wir ein Buch, sagte Wolf. Wir waren auf dem Rückweg von einer Veranstaltung über Demokratie, hatten weiter diskutiert mit Teilnehmern, fuhren durch eine verzauberte, mondbeschienene Landschaft Nordthüringens, mal sich weit öffnend, mal in Täler sich absenkend, durch Orte, an urigen, baumbestandenen Flussufern entlang, alles menschenleer, wir waren allein auf der Welt. Und hatten immer bessere Ideen, zu humanen Gemeinwesen. Unsere Demokratie, war Wolfs Kredo, ist zwar nicht die best denkbare Organisationsform, theoretisch gibt es viel bessere, aber sie hat in den 50 Jahren ihrer Existenz in Deutschland ihre Funktionalität bewiesen. Da war was dran, er war der Wissenschaftler, der sich damit beschäftigte, öffnete mir neue Sichtweisen. Und meine Fragen als Praktiker mit dem Problem "wie sag ich´s meiner Zielgruppe" endete im Beschluss, daraus ein Buch zu machen. "Wie funktioniert Politik" ist in einer Sprache geschrieben, die auch Jugendliche verstehen, in Schulen einsetzbar und eingesetzt und jedem zu empfehlen, der dieser Frage schon immer mal nachgehen wollte (Wolf Wagner, "Wie funktioniert Politik?"; Landeszentrale für Politische Bildung Thüringen 2002).

Ein richtig Freudscher Versprecher war das. Harprecht stellte seine Erinnerungen als Redeschreiber von Brandt vor, Buch Habel voller Leute, ich aufgeregt wie immer begrüße ihn nicht in Erfurt sondern in "Erfurcht". Alles lacht. Mit rotem Kopf erzähle ich meine Geschichte weiter aus der Brandt-Zeit, wie wir 1972 bei Barzels Misstrauensantrag im Bundestag in Rowenta Gewehr bei Fuß standen, aufgewühlt und kampfbereit wie nie vor und nachher, bereit, nach Bonn zu fahren. Doch die Abstimmung ging gut aus. Für Brandt hätten wir viel getan. Die Leute lachen nicht mehr, nicken zustimmend. Brandt war noch immer groß.

WW2-Holocaust-Europe_DE_2.pngErschütternd jedes mal die Veranstaltungen über Konzentrationslager, in Thüringen hatte es einige gegeben. 22 Außenlager waren 1944 dem KZ Buchenwald unterstellt, Arbeitslager durchweg, wie Buchenwald einer bestimmten Fabrikation zugeordnet, die Gefangenen bis zum Tode ausbeutend. Berühmt berüchtigt Dora-Mittelbau, nach der Zerstörung der Heeresversuchsanstalt Peenemünde umgebaut zur größten unterirdischen Rüstungsfabrik des Zweiten Weltkrieges, vor allem zur Produktion der „Vergeltungswaffe“ (V2) genutzt. Klamm und kalt ist es in den Schächten, unverständlich, wie Menschen da drin arbeiten und existieren konnten (sie konnten nicht, starben massenweise). Wir haben Veranstaltungen innerhalb gemacht, erschüttert alleine durch die Vorstellung. Wer weiß schon, dass Werner von Braun mit verantwortlich war für diese Anlage, mehrmals vor Ort war, den massenweisen Tod ausgebluteter Gefangenen billigend in Kauf nahm? Wer erinnert sich noch an den Ettersberg bei Weimar, dort wo Goethe und Schiller herumspazierten, der zum unsäglichen Ort des Leides wurde? Mit dem Lager sollten politische Gegner bekämpft, Juden, Sinti und Roma verfolgt und „Gemeinschaftsfremde“, unter ihnen Homosexuelle, Wohnungslose, Zeugen Jehovas und Vorbestrafte, dauerhaft aus dem deutschen „Volkskörper“ ausgeschlossen werden. Wer erinnert sich noch, dass in Buchenwald 80% der Gefangenen unterernährt waren, wie die Fliegen an Entkräftung, Hunger, Krankheit, Überarbeitung starben (mehr als 50 000)? Wer erinnert sich noch, dass Buchenwald danach zum Sowjetischen Speziallager wurde, nochmals tausende umkamen? Wo wir konnten haben wir die Gedenkstätten unterstützt, wollten beitragen, Erinnerungen wach zu halten. Wenn ich an die Bilder, Berichte von noch lebenden Gefangenen, Erläuterungen der Wissenschaftler, Darstellung der Zeitzeugen denke, läuft es mir immer noch kalt den Rücken hinunter. Dort auf dem Platz zu stehen, die Folterzellen, Massenverbrennungsöfen, Erschießungsvorrichtung zu sehen ist anders als davon zu lesen.  Ich wünschte, alle jungen Leute müssten diese Orte des größten Grauens Deutscher Geschichte besichtigen. So wie die Weimarer, die von den Amerikanern gezwungen wurden, die Leichenberge anzuschauen. Sie hätten, sagten die meisten, von nichts gewusst. Nie wieder!  

 

 

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Friday, 20. august 2010 5 20 /08 /Aug. /2010 14:34

Wer mehr Argumete braucht, dass die SPD richtig handelt, bei der Rentenreform mit 67 zurück zu rudern, der schaue sich diesen Artikel an. Er steht in der Zeit. Der Spiegel passt sich mal wieder der Regierung an und schimpft auf die SPD.

 

Hier der Link:


http://www.zeit.de/2010/34/Standpunkt-Rente   

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Thursday, 19. august 2010 4 19 /08 /Aug. /2010 14:01

So ganz gegen meine Erwartungen verlief die Veranstaltung zum Schulsystem. Auf dem Podium saßen sie, Vertreter der Kultusbürokratie, Lehrer, Gewerkschaft, Schüler. Letzterer gänzlich angepasst an die neue Welt, dunkel im Managerstiel gekleidet, ausgestattet mit allen Attributen der zukünftigen Führungskraft. Er verteidigte das 3-stufige System am vehementesten. Eigentlich alle, auch die aus der alten, 10klassigen polytechnischen DDR-Schule kommenden. Darüber hatte ich meine Diplomarbeit geschrieben, wusste aus Erfahrung mit Lübkescher Dorfschule um die Vorteile eines Einheitssystems, das unabhängig vom Bildungsstand der Eltern alle Fähigen zum hochrangigen Abschluss bringt. Auch gegen die Kritik, die DDR hätte Arbeiterkinder eher gefördert, hatte ich nichts, war ich doch eines. Natürlich war die ideologische Beeinflussung ständig und perfide, doch die Finnen hatten es vor gemacht, wie es gehen konnte. Schon in den 70er Jahren hatten sie das DDR-System studiert, aller Ideologie entkleidet und es zum führend Schulsystem der Welt ausgebaut. Es gab nicht nur Nachteile dieser Schulform, es gab Vorteile. Das 3-geteilte, noch immer der wilhelminischen Klassenteilung vor über 100 Jahren folgenden dagegen bot einzig der Elite Vorteile. Ich war verblüfft, waren das jetzt alle Elitehungrige da vorne, bot an, Kontakte zu und Informationen über die Finnen zu organisieren, warum schaut ihr euch das nicht mal an, nein, sie wussten schon, das wollten sie nicht, im Westen alles bestens. Einzig der Gewerkschafter wagte kleine Zweifel hie und da einzustreuen.

Daraus machen wir ein Buch, entschied die Kollegin Büroleitung, das ist hochinteressant. Fand ich auch. Besonders gut gelungen war mir dieses Seminar in der Fachhochschule mit drei hochrangigen Experten. Stirbt der Osten aus? Nein sagten die, und Prof. Schwarz, ehemaliger Leiter des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung setzte dem noch eins provokativ drauf: eher stirbt Deutschland aus. Na glaubste denn! Ihre Zahlen und Analysen zeigten es. Der Geburtenrückgang seit Anfang der 70er Jahre führt dazu, dass der Bevölkerungsstand der vorigen Generation nur noch zu 2/3 reproduziert wird. Die deutsche Bevölkerung schrumpft und altert. Wenn die Geburtenrate von 1,3% weiter gehalten wird, werden wir im Jahr 2040 nur noch 68 Mio. Deutsche sein. Und die Erwerbstätigen, also die Menschen im arbeitsfähigen Alter, werden von 37 Mio. (1997) auf 24 Mio. 2040 gesunken sein, die Mehrzahl davon über 45 Jahre. Und wer bezahlt dann die Renten? 1995 waren es noch 4 Erwerbstätige, die einen Rentner finanzierten, 2040 werden es nur noch knapp 2 sein, die das Geld für eine Rente abführen müssten. Denen bliebe nicht mehr viel zum eigenen Überleben. (Das lernte ich ebenfalls, unser Rentensystem ist nicht ein Fond, in dem die Abgaben eingezahlt werden und im Alter zurückfließen, es ist ein Rotationssystem, in dem die gerade Tätigen mit ihren Abgaben die Rentner finanzieren. Bisher war es krisenfest, bleibt es aber nur, wenn genügend Menschen Arbeit haben). Wie können Lösungen aussehen? Wollten wir den Rückgang der Bevölkerung ausgleichen, auf dem Stand von 1994 halten, brauchten wir jährlich 1 Mio. Einwanderer und bis bis 2040 insgesamt 25 Mio. Wir müssten also ein Einwanderungsland werden. Als unterstützende Strategie schlugen die Experten vor, die Frauenerwerbstätigkeit zu erhöhen, Beruf und Familie zu vereinbaren.  Und für den Osten gilt: ab 2006 wird Thüringen qualifizierte Arbeiter suchen (Wagner), im Osten wird das Arbeitskräftepotential knapp werden (Schwarz). (Heute Morgen - 2010 - höre ich im Radio, im Osten werden händeringend Lehrlinge gesucht. Siehe da, es hat gestimmt). Die Broschüre "Stirbt der Osten aus?"  ist bei der FES, Landesbüro Thüringen erschienen

 

 

 

 

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