Sunday, 15. january 2012 7 15 /01 /Jan. /2012 10:11

Zwischen den Welten

Ist das nun afrikanisches Verhalten oder Schludern, ist es mangelndes Zeitmanagement oder Palaver? Ist das Faulheit oder hat er Malaria? Oder was? Pallaver.jpgVerschiedene Welten treffen aufeinander dort wo wir sind. Denn die vom Norden finanzierten Entwicklungsprojekte machen zur Bedingung, sich der  buchhalterischen Ordnung zu unterwerfen, Berichtswesen, Aktenordnung  und Planung nach rationalen Vorgaben auszurichten. Da ist nicht nach der Denkweise von Afrika zu fragen sondern nach der Logik der Geber. Sonst gibt es kein Geld. Das können wir verstehen, das können wir vermitteln. Und stellen oft fest, dass es nicht umgehend akzeptiert wird. Dann geraten wir ins Schwimmen. Denn die afrikanische Weise zu denken und zu handeln ist anders.

Wir kommen aus einer rationalen Welt, haben sie verinnerlicht. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass ich diese Welt nicht als non plus ultra, einzig selig machende Form des Denkens und Handelns verkaufen darf. Die Rationalität und Logik der Aufklärung hat uns Nordländer zu dem Reichtum gebracht, den wir heute genießen. Hat uns befreit vom dumpfem Verhangensein in vorgegebene Strukturen und Obrigkeiten, hat Technik und Wissenschaft in ungeahnte Höhen geführt, hat den einzelnen Menschen verantwortlich vor sich selbst und der Gesellschaft gemacht.

(Blitzlicht: Noch Giordano Bruno hatte die Kirche auf den Scheiterhaufen geschickt als er wagte, selbständig zu denken und der Kirche das Recht auf allseitiges Wissen abzusprechen. Und Galilei, der die Erde als Mittelpunkt des Weltalls entthronte, musste widerrufen und wurde zu Hause lebenslang eingesperrt. Luther schaffte es, den Menschen als eigenverantwortlich vor Gott zu auszurufen. Und die Aufklärung definierte den Menschen als Mittelpunkt des Seins, verantwortlich nur seinem Gewissen und der Gesellschaft gegenüber. Seither wird gedacht, geforscht, gehandelt nach eigenem Gutdünken. Im Kapitalismus hat das System der Eigenverantwortung seine wirtschaftliche Hoch-Zeit entwickelt. Jeder Unternehmer gegen jeden heißt die Devise, die Konkurrenz zu besiegen ist der Schlüssel des Erfolges. Warenberge, Wohlstand, demokratische Systeme, Gesundheit, längere Alterszeit, Bildung, Entwicklungshilfe und die UNO – um nur einiges zu nennen - sind Ausflüsse der modernen Denkweise).

Aber systemimmanent, eingebettet in dieser Logik und Rationalität steckt auch viel Negatives. Destruktive Kräfte können gleichsam auf ungeahnte Höhen schießen. WK I & WK II, der Holocaust, Vietnam- und Irakkrieg hätte ohne moderne Technik und Logistik (Logik! siehe da) in dem Ausmaß nicht stattfinden, die Atombombe nicht gebaut, das ungeheure Arsenal modernster Waffen nicht angehäuft werden können. Und ob die Globalisierung mit der Verschiebung von ungeheuren Geld- und Warenmengen ein Segen ist, muss sich erst noch zeigen. Beide Seiten von Logik und Rationalität sind mir bewusst. Es ist nicht möglich, nur die Segnungen unserer Kultur anzubieten.

Dagegen steht die afrikanische Denk- und Handlungsart, wenig kompatibel mit unserem rationalen, kopfgesteuerten Handeln. Die afrikanische Art demokratische Entscheidungen zu finden, ist noch immer das Palaver. Es muss so lange diskutiert werden, bis ein gemeinsamer Kompromiss gefunden ist.

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Friday, 13. january 2012 5 13 /01 /Jan. /2012 10:26

China II

Das abgehackte singende Schnattern kam bekannt vor. Das konnten nur Chinesen sein. Sie kommen um die Ecke, überqueren die Plattform, die abends Bar und Restaurant ist, reden laut miteinander und flegeln sich auf die Plastikstühle an einen Tisch. Es sind nur zwei. Sie scheinen angesäuselt, ziehen die Schuhe aus und hängen die Beine über die Lehne und verlangen gestikulierend und rufend nach dem Kellner. Die Bestellung in chinesisch mit eingestreuten, portugiesisch klingenden Lauten erbringt Bier. Dann sitzen sie mit untergeschlagenen Beinen auf ihren Sitzen, trinken, starren Frauen an, reden und gestikulieren. Mir wird es peinlich. Wir gehen an die Bar.

China III

1 Bleistift gekauft. Sehr billig. Sieht aus wie Faber Kastell, rot-schwarze Längsstreifen, Stärke HB mit Radiergummi. Nach 3 Tagen war er nur noch die Hälfte da. Er schreibt mal weich, mal knochenhart wie ein Griffel und der Radiergummi machte einen schwarzen Streifen und war weg gebrochen. Wang steht drauf. Und ist auch drin.

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Thursday, 12. january 2012 4 12 /01 /Jan. /2012 11:03

Vasco da Gama kam vom Regen in die Traufe
Da war er um halb Afrika herumgesegelt mit seiner Armada, kam auf die Ostseite in vermutete Wildnis und was fand er? Blühende Handelsstädte, kleine muselmanische Königreiche vom heutigen Mosambik bis Kenia. Schon seit dem 7. Jhdt. nach Christi, 800 Jahre bevor die Europäer auftauchten, waren Araber aus Persien, Oman, aus dem Gebiet um das Rote Meer aufgebrochen und hatten Handelsposten an der Ostküste gegründet. Die afrikanischen Könige im Inneren des Kontinents hatten wenig Interesse an den Küstenstreifen, sie überließen sie den Muselmanen. Und die trieben kräftig Handel, tauschten Gold, Elfenbein und Eisen gegen Gewürze, Baumwolle, Glasperlen und Keramik aus fernen Ländern wie Indien, Persien und China. Sansibar MeerGesegelt wurde mit Dhaus*, deren Dreiecksegel noch heute am Horizont des Indischen Ozeans vorbeiziehen. Damals waren es große, hochseetaugliche Schiffe, die ein halbes Jahr lang mit dem Monsun kamen und das nächste halbe Jahr mit dem gedrehten Wind zurücksegelten. Drei große Goldmärkte entstanden in Mombasa und Melinda, dem heutigen Kenia und in Kilwa im Süden von Tansania, dessen Handelsgebiet bis nach Mosambik reichte. Und dann kam der Portugiese, dachte die Welt zu entdecken und erhielt von den Arabern einen Piloten, der ihn sachkundig nach Kalkutta und zurück lotste. In Melinda wurden seine Schiffe überholt. Die Freundschaft hielt nicht lange, dann waren die Portugiesen wieder besiegt und setzten sich ab nach Mosambik, ihrer späteren Kolonie. Und die Araber handelten weiter. Der Sklavenhandel kam hinzu und warf extreme Gewinne ab. Um 1840 verlegte der Sultan von Oman seinen Herrschaftssitz nach Sansibar. Erst die europäischen Kolonialmächte, vorneweg dem Deutschen Kaiserreich und den englischen Herrschaften gelang es, die Vorherrschaft der Araber in Ostafrika zu brechen. Von den 1.200 Jahren Handel und Wandel sind die Händlersprache Kisuaheli, Ruinen und ein heruntergekommene Perle des Indischen Ozeans, Stonetown in Sansibar geblieben.

*(Wikipedia: Die Bezeichnung Dau steht nicht für einen einzelnen Schiffstyp wie Kogge oder Brigg, sondern für eine ganze Familie unterschiedlicher Gattungen mit zum Teil gravierenden Unterschieden. Unter dem Sammelbegriff „Dau“ werden zur Zeit etwa 60 verschiedene Schiffstypen, von kleinen einmastigen Booten mit 10 Tonnen Verdrängung für die Fischerei bis hin zu 200 Tonnen tragenden Transportschiffen beschrieben.)

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Wednesday, 11. january 2012 3 11 /01 /Jan. /2012 10:46

China kommt

„Überall zwischen Daressalam und Dakar denken die politischen und wirtschaftlichen Eliten um. Sie fühlen sich von den Chinesen als gleichwertige Partner behandelt, nicht mehr als bloße Almosenempfänger“ schreibt  Bartolomäus Grill (Der lesenswerte Artikel ist zu finden unter: http://www.zeit.de/2008/03/China-Afrika?page=all Danke Adda). Er beschreibt, wie die Wirtschaftsoffensive Chinas in Afrika um die Jahrtausendwende begonnen hat. Grund ist, die Chinesen brauchen den Zugriff auf die reichen Rohstoffvorkommen des Erdteils. Es geht um Öl, Erdgas, Eisenerz, Kupfer, Bauxit, Uran und andere Bodenschätze. Den staatlichen chinesischen Rohstoffkonzernen, die in Afrika investieren, folgen immer schneller chinesische Privatunternehmen aus unterschiedlichsten Industriebranchen. Gleichzeitig geht es um langfristige Handelsabkommen, Aufbauhilfe und gewaltige Infrastrukturprojekte.

Rund 750.000 Chinesen sind in Afrika schon im Einsatz (2008). Manager, Ärzte, Agronomen, fliegende Händler, Importeure, Kleinstunternehmer und ein Heer von Kontraktarbeitern auf zahllosen Großbaustellen. Überall in Afrika findet man sie. In Dar es Salaam wird das Fußballstadion von Chinesen gebaut, auch ein Teil der Fernstraße nach Moçambique. In Maputo konnte ich das neue Wirtschaftsministerium bewundern. Sie hinterlassen Militärkasernen, Textilienmärkte, Präsidentenpaläste. Ihre Methode, die Preise zu drücken und die Aufträge zu bekommen, ist konkurrenzlos. Sie bringen ihre eigenen Arbeitsbrigaden mit, halten sie bei Reis und Soße in Containern und einfachen Wohnungen abgeschlossen vor der einheimischen Bevölkerung und lassen billigst und mit Präzision und Schnelligkeit arbeiten. Für hohe Qualität sind sie auch nicht gerade bekannt und so schauen die anderen internationalen Anbieter oft in die Röhre. Wenn das so weitergeht – und alles sieht danach aus – werden die Chinesen die USA als ersten Handelspartner überholen.

Es wundert mich nicht, dass die Chinesen hofiert werden. Der Westen hat sich in Afrika nicht gut benommen. Erst haben sie den Kontinent mit dem Lineal unter sich aufgeteilt und als Kolonien ausgebeutet, dann wurden die Befreiungsbewegungen als Kommunisten bekämpft und dubiose Diktatoren unterstützt, dann kamen die Besserwisser mit neuen Entwicklungsideen die die Afrikaner bitteschön morgen umsetzen sollten und nun setzen sie Demokratieformen, Wirtschaftsliberalismus und Antikorruptionskampagnen als Bedingung für Entwicklungshilfe. Der Kommando-Ton der Kolonialherren ist zwar abgelöst worden von einer mehr  diplomatischen Diktion, aber Besserwisser werden auch in Afrika nicht geschätzt. Vor allem, wenn dahinter Geschäftemacherei steht. Entwicklungshilfe ist humane Hilfe, das möchte ich betonen. Aber gleichzeitig soll sie auch den Boden für Investitionen bereiten. Das ist nicht falsch, nur wird darüber nicht geredet. Chinesen tun das. Sie akzeptieren Afrika wie es ist und sagen offen, dass sie Rohstoffe brauchen und Geschäfte machen wollen. Das gefällt zumindest den afrikanischen Eliten.

Im einfachen Volk sieht man nur die Händler und Baubrigaden. Sie sind nicht beliebt,  gelten als Wühler und Ausbeuter. Überall bis ins innerste Afrika dringen sie vor, diese Billigstprodukte, dieser schillernde, kurzlebige Schrott und Tand, der auch noch Batterien braucht. „Ramschwaren, die keiner braucht und jeder will“ bezeichnet Grill sie sehr schön. Gerüchte laufen um. Ein Priester erzählt mir, dass auf den Baustellen chinesische Verbrecher eingesetzt werden. China drückt die Löhne einheimischer Arbeiter, verkauft den Diktatoren Waffen, erhält Kriege am Leben, hat im Volk keine Freunde. Kann diese Art Afrika helfen? Das ist offen. An der westlichen Art ist der Kontinent nicht genesen. Im Gegenteil. Grill schließt mit einem schönen afrikanischen Sprichwort: „Wer ertrinkt, klammert sich auch an ein Krokodil“. Hoffen wir, dass das chinesische Krokodil ziemlich satt ist.
PS: Wer sich weiter informieren will, hier noch ein detaillierter Artikel aus 2009: http://www.wsws.org/de/2009/nov2009/chin-n18.shtml
und der Zeit 2011: http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-08/china-afrika-entwicklungshilfe

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Monday, 9. january 2012 1 09 /01 /Jan. /2012 11:46

Der Muezzin um ½ 5:00 ist gnädig
und ruft nur kurz zum Gebet. Ein Hund heult zum Steine erweichen. Es ist kühl geworden, der heftige Regen hat die Hitze vorerst erstickt. Möchte wissen, wie viel Grad es sind. Hätte gerne ein Thermometer wie Humboldt eines hatte um die Minimal- und Maximaltemperatur zu bestimmen.

Humboldt hatte seine Präzisionsinstrumente. 5 Jahre hat er unter den unmöglichsten Bedingungen alles vermessen was zu messen war und aufgeschrieben. Viele seiner Daten konnten erst später interpretiert werden. Es gab zu seiner Zeit noch keine Matrix um seine Daten insgesamt einordnen zu können. Er war einfach scharf auf Messergebnisse. Ich bewundere ihn.

Gibt es für Afrika einen Forscher mit der Bedeutung, wie Humboldt sie für Lateinamerika hatte? Ich kenne keinen. Humanisten wie Livingstone waren gute Menschen die versuchten, Afrikaner zu verstehen. Nach ihm kamen Ausbeuter. Stanley, der Stanley-Livingston& Jan, Jonas & FredericLivingstone in Ujiji fand, repräsentierte diese Nachfolgegeneration. Sie waren an Geld und Ruhm orientiert. Stanley hatte seine Geschichte, wie er Livingston fand, verkauft bevor er loszog. Später stellte er seine Kenntnisse der Afrikadurchquerung in den Dienst des belgischen Königs als Sklavenausbeuter im heutigen Kongo und ließ Hände abhacken, wenn nicht genug produziert wurde. Die Kolonialgenossen, die damaligen Herrscher in Europa, sahen sich gezwungen, ihm die Kongokolonie wieder abzunehmen (das Parlament erhielt die Rechte). Er beschädigte ihren eh nicht guten Ruf zu sehr. Den angehäuften irren Reichtum hat dem belgischen Königshaus niemand wieder abgenommen. Bis heute leidet der Kongo unter den Nachwehen aus dieser Zeit.

Ujiji-Reinhold---8.jpg

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