Tuesday, 28. october 2008 2 28 /10 /Okt. /2008 10:42
Mutter kann unseren Obst- und Reistag nicht leiden. Es macht sie fuchtig, dass wir freiwillig einmal die Woche nur Obst und Reis essen. Der Mensch hat 3 x am Tag Nahrung zu sich zu nehmen ob er Hunger hat oder nicht. Den Rest vom Abendbrot bietet sie mir mit Strenge an. Es soll nicht verkommen wegen meines Spleens. Eiserne Regel einer ehemals bäuerlichen und armen Gesellschaft. Sie kommen aus der Mode, diese Grundlagen. Mir schiesst durch den Kopf: Butterberge, Überproduktion, Subvention  und Erntevernichtung zur Preisstabilität, Wegwerfgesellschaft; Exzesse unserer modernen Gesellschaft. Ich spüre, dass Mutter die moralische Gewinnerin ist. Denn:

Auf der anderen Seite des Reichtums sterben täglich 100 000 Menschen an Hunger. Täglich!
Hinzu kommt:  "Die Zahl der chronisch Hungernden weltweit steigt nach Jahrzehnten des Rückgangs wieder an. Laut UNO leiden derzeit rund 850 Millionen Menschen an Unterernährung. Morris sagte, etwa 100 Millionen Kinder sowie 15 Millionen Schwangere und stillende Mütter erhielten überhaupt keine Hilfe. Es würde fünf Milliarden US-Dollar pro Jahr kosten, sie zu unterstützen". Wie war das noch mit dem Geld, was nicht zur Verfügung steht? Was hatte der Mann in der Talk Show gesagt? "Vor 14 Tagen dachte ich noch, dass 1 Milliarde viel Geld sei."

Freilich nutzt es nicht, Mutters Restebrot aufzuessen oder selbst zu hungern. Aber mich erinnert es manchmal an Afrika des Hungers. Wir essen montags viel Obst und abends gibt es Reis. Die ganze Woche kann ich gut essen, ohne auf die Wage zu starren. Nur: was tun? Was verdammt noch mal, sollen wir tun, um diese Schieflage zu ändern? Wie kriegen wir meine Welten zusammen?
Kommentar hinzufügen - Kommentare (0)ansehen
Monday, 27. october 2008 1 27 /10 /Okt. /2008 12:08
Ziemlich alle der inneren Familie waren da. Hanne und Jörg, Klaus und Marga, Alex kam von der Frühschicht, Annegret aus der Arbeit im Krankenhaus, Mirjam aus Marburg. Carina und Kathi und Lukas waren entschuldigt und M war krank. Und Mutter kann nur mehr seelisch-moralischen Beistand leisten. Die Apfelernte musste dringend verarbeitet werden. Beim ersten Versuch eine Woche vorher ging die Maschine zwei mal kaputt und gab dann den Geist auf. Die Äpfel begannen, in den Säcken zu faulen. Marga hat eine andere Presse gefunden.

Diese alten Anlagen haben einen Schredder, der die Äpfeln zerkleinert und zu Maische verarbeitet. Das ist der erste Arbeitsgang. Die Äpfel werden in einem Bottich gewaschen und mit einem Korb in den Schredd er gefüllt. Mit einem ohrenbetäubenden Lärm läuft die Maschine an, schmeisst Maische durch die Gegend wenn man vergisst, dass Schutzblech einzufügen und füllt den Bottich unter ihr. Das Problem waren die faulen Äpfel, die mit der Hand ausgelesen werden. Kaltes Wasser und Apfelmatsch zwischen den Fingern sind unangenehm. Im Schredder-Team waten Klaus, Hanne und ich in Wasser und Matsch. Meine Erinnerung an eine vermanschte Kartoffelernte kamen hoch. Ungeachtet der Kälte und der faulen Äppel ist die Stimmung prima. Alex schleppt die Säcke, leert sie aus und passt auf, dass ja kein fauler Apfel in den Saft kommt. Ein kleiner Hund hilft, er will unbedingt mit den kleinen Kugeln spielen. Wenn der Bottich mit Maische voll ist, wird er vor die Presse gezogen und das Einfüllen beginnt. Das ist der zweite Areitsgang. Jörg schöpft mit einer riesen Kelle den Apfelmatsch in einen Rahmen, der mit einem Tuch ausgelegt ist. Der Haufen wird platt gedrückt, die Enden des Tuches werden von den beiden Bedienern - Marga und der Chef- darüber geschlagen, fein ordentlich, darauf kommt ein Blech von Mirjam korrekt angereicht - sonst gibts was auf die Finger wenn es falsch rum ankommt - und der nächste Rahmen wird befüllt bis die Presse voll ist. Und dann beginnt die Maschine zu würgen und zu drücken und köstlicher frischer Saft läuft über die Rahmen in die Auffangrinne und von da in Eimer die in Kanister von Marga und Annegret abgeseiht werden. Immer wieder werden Hölzer zwischen Presse und dem Maischestabel nachgelegt, aller Saft muss raus. Im dritten Arbeitsgang werden die Tücher mit dem nun fast trockenen Trester mit gekonntem Schwung von den beiden Pressebedienern in eine Schubkarre ausgeleert, die Bleche von Mirjam korrekt zurückgestellt - nun schau dir das mal an wie die da stehen, was hab ich dir gesagt, so rum. Und mit einem Schwung stehen sie richtig. Alles hat seine genaue Ordnung bei unserem Chef, die Tücher fliegen mit einem Schwung auf ein hohes Gerüst und alles steht handnahe für den nächsten Arbeitsgang bereit. Die Maische verkommt nicht, sie gibt Futter für Wildschweine und die faulen Äpfel landen auf dem Misthaufen hinterm Haus, bevölkert von einer Hühnerfamilie die an Petterson und Findus erinnert. Umgehend wird der Schredder wieder angeworfen und der ganze Arbeitsablauf beginnt von neuem bis alle Säcke leer sind.
Der Besitzer der Anlage leitet die frühindustrielle Teamarbeit mit lustigen Sprüchen und Geschichten. Alle kennen sich auf den Dörfern. Der Chef ist Lehrer in der Mittelpunktschule und erinnert sich an unbotmäßigen Schülern. Alex schaut bedröppelt, Mirjam hält sich bedeckt und Carina wird gelobt. Sie ist ja nun selbst Lehrerin.

400 Liter Saft hatten wir nun in großen Behältern. 100 Liter sollen Apfelwein werden, der große Rest muss sterilisiert und in Flaschen abgefüllt werden, die Monate vorher gesammelt und nun gut gereinigt sind. Das ist der vierte Arbeitsgang. Das Sterilisieren wurde immer in der Küche gemacht und geht so: Apfelsaft wird in allen zur Verfügung stehenden Töpfen auf 80 Grad erhitzen und vorsichtig mit einem Trichter in Flaschen abgefüllt und verschlossen. Die Küchen mussten danach komplett gereinigt werden und der Prozess dauerte bis in den Abend hinein. Nun hatten wir in einem anderen Dorf einen Verein gefunden, der das über eine halbautomatische Anlage machen konnte. Weiter zog die Saft-Karawane. Nicht alles kann gut gehen an solch einem schönen Tag. Hanne hatte 3 Kanister ungesichert hinten im Auto und prompt fiel einer um. Sie hört es gluckern und als sie den Kofferraum öffnet, kommen ihr 15 Ltr unverpackt entgegen geschwappt. Traurig. Das Auto riecht wie eine Kelterei.

Wir werden erwartet. Die Leute sind nett und hilfsbereit. Der Erlös der Arbeit kommt in die Vereinskasse. Unser Saft wird hoch gepumpt in Behälter, läuft runter in einen Sterilisator durch Schlangen, die auf 80 Grad mit Wasser erhitzt sind. Und danach in ein Gerät, mit dem per Hand abgefüllt wird. Damit sie nicht platzten wenn sie mit dem 80 Grad heissen Saft in Kontakt kommen darf ich die Flaschenböden in heissem Wasser erhitzen - weil ich aus Afrika komme und Wärme brauche meinen meine Freunde. Der Saft wird vom Vorsitzenden eingefüllt, weitergereicht an Marga die heisse Flaschen mit der ungeschützten Hand anfassen kann, verschlossen, einmal umgedreht und von Klaus und Hanne in Schütten und Kartons vorsichtig raus gestellt zum auskühlen. Es knackste als wollten die Flaschen zerspringen. In 2 Std waren wir glücklich und fertig. Nun haben wir 250 Ltr. Apfelsaft aus eigener Ernte und Herstellung in unseren Kellern, anteilig nach Arbeitsverteilung aufgeteilt. Ein gutes Gefühl. Ein harmonischer, schöner Familientag.
Abgeschlossen mit der köstlichen dicken Suppe von M am langen gemeinsamen Tisch. Prima!
Kommentar hinzufügen - Kommentare (2)ansehen
Sunday, 26. october 2008 7 26 /10 /Okt. /2008 12:00
Anleitung zum Männlich-sein (gefunden beim gleichnamigen Buch von A. Lebert, S. Lebert)
- Männliches Schweigen zum richtigen Zeitpunkt ist eine hohe Kunst
- Frauen zuhören - ein Gewinn! Aber wehe zwengs Applaus heischen
- Anteilnahme ja, aber kein larmoyantes wir-Gefühl. Grenzen setzen statt verwischen.
- Es gibt Probleme, die nur in eigener Verantwortung zu lösen sind
- Vater und Sohn brauchen ein eigenes Terrain. Hier darf nicht jeder rein
- ganz wichtig ist dass der Vater und was der Vater an seinen Sohn weiter gibt. Einmalige Erlebnisse schaffen
- Natürlich muss 1 Mann Ängste aussprechen können, Zweifel, Unsicherheiten. Es gibt Situationen, in denen er Dinge mit sich selbst regelt.
  Weil seine Stärke gefragt.
- 1 Mann verharrt nicht in einer ihm unerträglichen Situation. Manchmal wichtig, Bedenken (nach Sicherheit, Zukunft etc) auszublenden.
- Es gibt nur ein Gesetz: Die eigene Lust
- Abenteuerreisen antreten (die Autoren meinen hier: nach innen; ich meine: generell)
- 1 Mann kann sich auch der Lächerlichkeit preis geben. Hauptsache er ist einmalig.
- Gefühle aus der Jugendzeit zu Vater und Mutter können eine Überforderung sein und müssen mal aufhören! Verletzungen nicht
  mit in Rente nehmen. Sich Herr seiner Geschichte machen. Das heißt auch, Fehler, Spannungen, Verletzungen einfach mal aushalten.
- Lernen, wie man sich vollständig auf eine Sache konzentriert (Schalter umlegen - wie die Sportler)
- NICHT: Mann muss weiblicher werden! Das Beste abschauen. Eigene Wege und Lösungen suchen und gehen
- ERNST, WÜRDE, DURCHHALTEVERMÖGEN sind gute männliche Eigenschaften. Versuche, Dinge mit Würde zu erledigen
- Zu dem Mann gehört das Gefühl: Da draußen wartet ein Leben: Mein Leben
Kommentar hinzufügen - Kommentare (2)ansehen
Saturday, 25. october 2008 6 25 /10 /Okt. /2008 13:31
Rio war die schönste Zeit. Die Ausschläge im Spannungsfeld Leben extrem hoch und tief. Von Orgien bis Überfall. Von Caipirinha bis anderes Christentum. Von hoher Politik bis Favela-Elend. Von Liebe & Leidenschaft bis Todesnähe. Und über allem der Corcovado mit seinem Cristo (Redentor), diese wundervolle Stadt bewachend mit ihren Hügeln und Tälern, den Stränden und Menschen. Ich glaube, er passt an und ab nicht auf, der Christo. Weil er den Tangas nachschaut, nehme ich an. 5 Jahre hatten wir pralles brasilianisches Leben.

Hier auch der Schlüssel zur Rückkehr in mein Dorf. Wir wurden überfallen. In der Wohnung. M. arg verletzt. Pistolen am Kopp, ausgeraubt. Wenn wir nicht 10000 $ kriegen, erschiessen wir euch. Gefesselt. Hilflos. Verwundet. An Leib und Seele. 1 arger Schock, die Sicherheit seiner Wohnung zu verlieren und sich selbst. Behandlung. Beide. Die Sehnsucht, Sicherheit zurück zu gewinnen. Der Psychologe lässt mich einen Traum zeichnen. Adler über H. Und ein Holzhaus. Das haben wir uns dann gebaut. Und 2007 sind wir zurückgekommen aus Afrika. Zum ersten Mal all unsere Erinnerungen zusammen an einem Platz. Die Wohnung ist schön.
Das Haus und die Lage vor dem Tal, das Grün und im Herbst Bunte auf den Hügeln ringsum. Mutter und Bruder nebenan. Die Familie ist groß und hält. Aber alle Freunde weit zerstreut, in Deutschland und überall. Da beginnt es schon, mein Problem.  







Kommentar hinzufügen - Kommentare (0)ansehen
Friday, 24. october 2008 5 24 /10 /Okt. /2008 12:45
Rio war die schönste Zeit. Die Ausschläge im Spannungsfeld Leben extrem hoch und tief. Von Orgien bis Überfall. Von Caipirinha bis anderes Christentum. Von hoher Politik bis Favela-Elend. Von Liebe & Leidenschaft bis Todesnähe. Und über allem der Corcovado mit seinem Cristo (Redentor), diese wundervolle Stadt bewachend mit ihren Hügeln und Tälern, den Stränden und Menschen. Ich glaube, er passt an und ab nicht auf, der Christo. Weil er den Tangas nachschaut, nehme ich an. 5 Jahre hatten wir pralles brasilianisches Leben.

Hier auch der Schlüssel zur Rückkehr in mein Dorf. Wir wurden überfallen. In der Wohnung. M. arg verletzt. Pistolen am Kopp, ausgeraubt. Wenn wir nicht 10 000 $ kriegen, erschiessen wir euch. Gefesselt. Hilflos. Verwundet. An Leib und Seele. 1 arger Schock, die Sicherheit seiner Wohnung zu verlieren und sich selbst. Behandlung. Beide. Die Sehnsucht, Sicherheit zurück zu gewinnen. Der Psychologe lässt mich einen Traum zeichnen. Adler über H. Und ein Holzhaus. Das haben wir uns dann gebaut. Und letztes Jahr sind wir zurückgekommen aus Afrika. Zum ersten Mal all unsere Erinnerungen zusammen an einem Platz. Die Wohnung ist schön.
Das Haus und die Lage vor dem Tal, das Grün und im Herbst Bunte auf den Hügeln ringsum. Mutter und Bruder nebenan. Die Familie ist groß und hält. Aber alle Freunde weit zerstreut, in Deutschland und überall. Da beginnt es schon, mein Problem.  







Kommentar hinzufügen - Kommentare (1)ansehen

Willkommen

Erfurt-Juli-2009-III---3.jpg

Zufallsbilder (Fotoalben im Menü oben)

  • Frauen mit Feuerholz

RSS-Feed

  • RSS-Feed der Artikel

Besucher Online

Erstellen Sie einen Blog auf OverBlog - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Werbung - Missbrauch melden - Impressum - Artikel mit den meisten Kommentaren