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Monday, 19. january 2009 1 19 /01 /Jan. /2009 19:48
"Doo beschwien the sich als" sagt Mutter "on winnse Änneronge on wiehn the nit"
Für des Hommertshäuser Platt nicht mächtige, hier die Übersetzung:
"Da beschweren sie sich dauernd" sagt Mutter "und wollen Änderungen und wählen sie nicht"

Mutter erstaunt mich immer mehr mit ihrem Durchblick
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Monday, 19. january 2009 1 19 /01 /Jan. /2009 13:21
Hotel Ibis. Gewimmel von Leuten als wir gestern Abend ankommen. Heute ist die Möbelmesse.  Ein Strom von Taxis transportiert die Besucher, an der Bar stehen sie in 3er Reihe. Ich lerne ein Mann und eine Frau kennen, sie Österreicherin, er Schweizer. Teure Gartenmöbel importieren sie aus Mexiko die Sandgussverfahren hergestellt werden. Jedes Stück ein Unikat, sehr teuer und für Leute wie Walter Scheel gedacht. Beinahe hätte ich noch eine wunderschöne schwarze Frau kennen gelernt. Sie fuhr mit mir im Aufzug, hat sich nach meinem Befinden erkundigt (How are you tonight, Mr?), war aber verschwunden, nachdem ich an der Bar bestellt hatte. Vielleicht musste sie arbeiten. M war nicht dabei. Ich habe, als wir nach Hause kamen, noch 3 Züge aus der Pfeife genommen vor dem Haus und kam nicht mehr in unser Zimmer. Alles Klopfen, an die Tür Donnern, Rufen war vergeblich. Gut, sie war im Bad. 1 Std danach das selbe. Im Gang öffneten sich Türen, M´s Tür blieb zu. Ihr Handy war aus, ich musste von unten anrufen. Da war ich sauer und M hat mich lieb in den Arm genommen und getröstet, mich ausgeschlossenen.

Das Lokal war ausgestattet mit einer langen Theke aus edlem, lackiertem Holz, einfachen Tischen mit schweren, weißen Decken, einem Eingang mit Rosetten und Scheiben aus bemaltem Fensterglas und Accessoires aus Portugal. Fado Musik macht mich traurig. Leider alles besetzt, sagt die Frau mit portugiesischem Akzent. M wechselt in ihre Sprache und Kommunikationform, wie schade, ob denn nichts zu machen sei, wir könnten an der Bar warten. Natürlich, freilich und wir waren zu Hause, blieben an der Bar, redeten mit der Besitzerin, der erste Portugiesin, die ich gut verstehe. Der schwere Wein kam aus dem Norden ihres Landes, die Gerichte waren mit Madeira Soße verfeinert, die Bolinhos de Bacalhau erinnerten an Rio und der Salat hatte dicke, schwarze Bohnen. Wir wollten spanischen Cognac und erhielten portugiesischen im großen Schwenker, halbvoll. Beim Essen spielte ein Gruppe Latinos, M bestellte Commandante Che Guevara und wir hatten neue Freunde. Aus Chile diesmal. Es ist schön, Freunde zu treffen und über freundliche Länder zu reden. Spanisch bleibt meine Sprache. Und Chile das Land, mit dem ich eingestiegen bin in die neuen Welten. Oh, sagt der Große aus Patagonien, das war ja noch vor Allende, ja, unter Frey, dem Vater. Bevor sie geboren wurden. Voll von Genüssen sind wir zurück zum Hotel.

Früher am Abend haben wir Hanna besucht und Dirk und den neuen Erdenbürger David Jo. Meine Freundin aus alten Tagen ist schon lange tot, ihre Tochter gibt ihr ein neues Leben in einem Enkel mit dem Namen Jo. Mich freut das ungemein. Hanna ist lebhaft, freundlich, fröhlich, sonnig und Dirk ein besonnener Vater, der seinen neuen Status ernst nimmt. Zuletzt haben wir uns in Tansania getroffen. Und der Kleine sieht aus wie ein Astronaut mit seiner runden Kappe. Und der Hund tobt rum, stupst uns an und will mit seiner Puppe in der Schnauze herum geschleudert werden.

Über die "Gewaltfreie Kommunikation" am Wochenende schreibe ich gesondert, das ist recht interessant und wichtig für mich. Ich denke auch für unsere Beziehung gut zu gebrauchen.

Petra und Martin, nett, lieb und freundschaftlich wie immer, haben uns Freitags und Samstags beherbergt. Von Heneff aus sind wir nach Köln gefahren. Schulwelten dominieren unsere Diskussion, die beiden sind Lehrer. Martin erzählt, dass in seinen Klassen nur noch 1/3 der Schüler Vater und Mutter gemeinsam zu Hause haben. Leistungswillig und -fähig sind besonders asiatische Kinder, er generalisiert und sagt, überwiegend Ausländer. Weil die Familien dahinter stehen. Sie treiben an, wollen, dass die Kinder lernen, stellen sich hinter die Lehrer und puschen ihre Kinder zu Erfolgen. Die Deutschen Kinder, sagt Martin, haben vorrangig Handy, Playstation und Fernsehen im Kopf während die Eltern von den Lehrern verlangen, zu korrigieren was sie in der Erziehung nicht schaffen. Ist Deutschland auf dem absteigenden Ast wie es Hochkulturen bisher immer erging? Nimmt man die Egozentrik der Kultusbürokratien hinzu, die beratungsresistent an ihrer Macht festhalten und allen bekannten, erfolgreichen Schulmodellen zum Trotz an ihrem eigenen, traditionell gegliederten Systemen festhalten, nimmt man diese für mich unverständliche Haltung hinzu, obwohl Deutschland auf Bildung als wichtigen Produktionsfaktor fusst, dann befürchte ich, dass wir absteigen werden. Aber die Zukunft ist noch lange hin und wir dann tot.

Soweit für jetzt
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Friday, 16. january 2009 5 16 /01 /Jan. /2009 12:34
Heute fahren wir nach Bonn, Freundin Petra und Freund Martin besuchen. Morgen und Sonntag haben wir ein Seminar in Köln gebucht. "Gewaltfreie Kommunikation" ist das, wo man nicht mehr "Du bist aber..." , Du hast mir..." sagt sondern mit sich, seinen Beobachtungen und Gefühlen argumentiert. Mit Büchern haben wir schon länger experimentiert, aber im Alltag fällt die Sprache zurück in altbekannte Muster. Es ist einfacher, dem Anderen die Schuld zu geben, als sich selbst an die Nase zu fassen.

Sonntag Abend und Montag sehen wir Hanna mit David, dem Neugeborenen, Elsa und Luisa. Biene ist leider nicht da. Viele, liebe Freunde da oben!

Gestern war die 2. Geburtstagsfeier von Mirjam. Die war etwas lahm, wir waren noch geschädigt vom Tag zuvor. Heute gibts die nächste mit Freunden. Das Haus wird gerammelt voll werden. Wir sind nicht da. Es wäre mir auch zu viel.

DAS Buch über Bossa Nova gelesen. Ruy Castro hat es wie ein Roman geschrieben, spannend, von innen, informativ. Jetzt kapiere ich die Musik. Vorher war mein Eindruck eher, Traurigkeit dominiere. Traurige, verhaltene Sequenzen hat die Bossa Nova, vielleicht weil die Musik vor allem leise ist.  Wann Jazz anfängt weiß man nie. Und dann ist die ganze Sache in Rio passiert! Da ist die Musik als neue Richtung entstanden. Ich war wieder zu Hause. Jetzt fühle ich mich wohl, wenn ich Bossa Nova höre. Die Avenida Atlantica erscheint, Copacabana, Leme, Ipanem, Apardor, Postos, Strand und Bars. Saudade.



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Thursday, 15. january 2009 4 15 /01 /Jan. /2009 13:41
"Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird"
(C. Morgenstern)
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Tuesday, 13. january 2009 2 13 /01 /Jan. /2009 17:22
Es gibt einen Zusammenhang. Landwirtschaft und Lebensart hier wie dort, im N und im S bedingen sich gegenseitig. Luxus braucht Armut.
Der Chef der Deutschen Zukunftsstiftung hat den Plan der Landwirtschafts- und Chemielobby, immer mehr Produkte ins Ausland, insbesondere in Entwicklungsländer verkaufen zu wollen, scharf kritisiert. Ist das die Lösung für die 963 Millionen Hungernden der Welt? Nein! Ich folge seiner Einschätzung und ergänze sie.

Fehler im System
Der erste Fehler ist der Vorschlag, wieder Exportsubventionen einzuführen, damit die Armen mehr Lebensmittel kriegen. Was aber passiert dann? Die subventionierten Produkte aus dem Norden zerstören die Landwirtschaft in den Abnehmerländern im Süden. Verstärkt wird der Effekt durch die  direkten und indirekten Subventionen an unsere Bauern in der EU. Denn: Kaum ein einheimischer Bauer in den Entwicklungsländern kann trotz seines geringeren Einkommens mit subventionierten Preisen konkurrieren. 2,5 Euro Subvention pro Tag für jedes Rind in der EU sind mehr als das Mindesteinkommen vieler Menschen in der 3. Welt, die von 2 Dollar und weniger am Tag existieren müssen. Natürlich würden die billigeren subventionierten Produkte gekauft. Und nicht mehr die nationalen. In unserer Zeit in Tansania haben billige Export-Hähnchen den Markt in Tansania überschwemmt. Da konnte mein Fahrer mit seiner kleinen Produktion nicht mit. Er war pleite. Dasselbe passierte im Kongo. Da waren es die Belgier mit EU-subventionierten Hähnchen (die, so munkelt man, auch noch mit Rohöl gemästet wurden). Billige, subventionierte Produkte zerstören die Landwirtschaft in den Ländern der 3. Welt.

Der zweite Fehler ist der Fokus auf Produktionssteigerungen. "Rein vom Kalorienbedarf her hatten wir im vergangenen Jahr eine Überproduktion", sagte der Berliner Vertreter der Zukunftsstiftung. Nach einer UN-Prognose werden in diesem Jahr weltweit sogar 5,3 Prozent mehr Lebensmittel erzeugt, aber nur 0,1 Prozent mehr pro Einwohner zur Verfügung stehen. Der Grund: Gleichzeitig werden 11,8 Prozent mehr Agrarprodukte nicht als Essen, sondern vor allem als Agrarsprit benutzt.

Der dritte Fehler ist, dass die industrialisierte Landwirtschaft mit Monokulturen das Klima verschlechtert. Denn diese Wirtschaftsweise braucht besonders viel Kunstdünger und Maschinen, die bei Herstellung und Gebrauch Treibhausgase freisetzten. Insgesamt, so wird geschätzt, verursacht die Herstellung von Ernährung 30 bis 40 Prozent aller klimaschädlichen Emissionen.

Wir brauchen eine "radikale Wende".
I. Die Zukunft unserer Welt-Ernährung hängt von den Kleinbauern ab. 85 Prozent aller Landwirte bewirtschaften weniger als zwei Hektar. Dabei geht es in erster Linie um Selbstversorgung. Kleinbauern müssen gefördert und vor dem Druck der Agrokonzernen geschützt werden.

II. Europäer müssen ihren Fleischverbrauch von derzeit jährlich 80 Kilogramm pro Person senken. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 30 Kilo. Die Massentierhaltung muss reduziert werden! Denn um zum Beispiel für ein Rind genügend Futter zu produzieren, wird kostbare Ackerfläche belegt, auf der Lebensmittel erzeugt werden können. Auch hier steckt wieder eine Subventionen für diese Art der Getreideverwertung dahinter. Futtergetreide wird in Afrika angebaut und in Europa verbraucht. "Fleisch muss teurer werden." Essen muss wieder wertvoller werden. Dann werden auch nicht mehr ein Drittel der in Europa produzierten Lebensmittel weggeworfen.

III: Zielvorgabe sollte sein, den Berg des Luxus, auf dem wir thronen, zu reduzieren. Aus zwei Gründen. Da ist die Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen (das ist moralisch) und da ist (viel konkreter) die Notwendigkeit, ein kritisches Konfliktpotential zu entschärfen. Oder wir riskieren, überrannt zu werden. Die Anfänge sind da. Die Schere zwischen arm und reich ist auf der Welt immer größer geworden. Am Wohlleben teil zu haben ist der Traum vieler Menschen. Sehr vieler. Eine Chance ist die momentane Wirtschaftskrise. Nicht immer größeres Wachstum darf das Ziel sein, sinnvolles Wirtschaften muss es werden. Aus Eigennutz.
(Da steht auch noch was dazu: Im Neuen Jahr gilt es, die Krise zu nutzen )
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