Monday, 19. january 2009
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13:21
Hotel Ibis. Gewimmel von Leuten als wir gestern Abend ankommen. Heute ist die Möbelmesse. Ein Strom von Taxis transportiert die Besucher, an der Bar stehen sie in 3er Reihe. Ich lerne ein
Mann und eine Frau kennen, sie Österreicherin, er Schweizer. Teure Gartenmöbel importieren sie aus Mexiko die Sandgussverfahren hergestellt werden. Jedes Stück ein Unikat, sehr teuer und für Leute
wie Walter Scheel gedacht. Beinahe hätte ich noch eine wunderschöne schwarze Frau kennen gelernt. Sie fuhr mit mir im Aufzug, hat sich nach meinem Befinden erkundigt (How are you tonight, Mr?), war
aber verschwunden, nachdem ich an der Bar bestellt hatte. Vielleicht musste sie arbeiten. M war nicht dabei. Ich habe, als wir nach Hause kamen, noch 3 Züge aus der Pfeife genommen vor dem Haus und
kam nicht mehr in unser Zimmer. Alles Klopfen, an die Tür Donnern, Rufen war vergeblich. Gut, sie war im Bad. 1 Std danach das selbe. Im Gang öffneten sich Türen, M´s Tür blieb zu. Ihr Handy war
aus, ich musste von unten anrufen. Da war ich sauer und M hat mich lieb in den Arm genommen und getröstet, mich ausgeschlossenen.
Das Lokal war ausgestattet mit einer langen Theke aus edlem, lackiertem Holz, einfachen Tischen mit schweren, weißen Decken, einem Eingang mit Rosetten und Scheiben aus bemaltem Fensterglas und
Accessoires aus Portugal. Fado Musik macht mich traurig. Leider alles besetzt, sagt die Frau mit portugiesischem Akzent. M wechselt in ihre Sprache und Kommunikationform, wie schade, ob denn nichts
zu machen sei, wir könnten an der Bar warten. Natürlich, freilich und wir waren zu Hause, blieben an der Bar, redeten mit der Besitzerin, der erste Portugiesin, die ich gut verstehe. Der schwere
Wein kam aus dem Norden ihres Landes, die Gerichte waren mit Madeira Soße verfeinert, die Bolinhos de Bacalhau erinnerten an Rio und der Salat hatte dicke, schwarze Bohnen. Wir wollten spanischen
Cognac und erhielten portugiesischen im großen Schwenker, halbvoll. Beim Essen spielte ein Gruppe Latinos, M bestellte Commandante Che Guevara und wir hatten neue Freunde. Aus Chile diesmal. Es ist
schön, Freunde zu treffen und über freundliche Länder zu reden. Spanisch bleibt meine Sprache. Und Chile das Land, mit dem ich eingestiegen bin in die neuen Welten. Oh, sagt der Große aus
Patagonien, das war ja noch vor Allende, ja, unter Frey, dem Vater. Bevor sie geboren wurden. Voll von Genüssen sind wir zurück zum Hotel.
Früher am Abend haben wir Hanna besucht und Dirk und den neuen Erdenbürger David Jo. Meine Freundin aus alten Tagen ist schon lange tot, ihre Tochter gibt ihr ein neues Leben in einem Enkel mit dem
Namen Jo. Mich freut das ungemein. Hanna ist lebhaft, freundlich, fröhlich, sonnig und Dirk ein besonnener Vater, der seinen neuen Status ernst nimmt. Zuletzt haben wir uns in Tansania getroffen.
Und der Kleine sieht aus wie ein Astronaut mit seiner runden Kappe. Und der Hund tobt rum, stupst uns an und will mit seiner Puppe in der Schnauze herum geschleudert werden.
Über die "Gewaltfreie Kommunikation" am Wochenende schreibe ich gesondert, das ist recht interessant und wichtig für mich. Ich denke auch für unsere Beziehung gut zu gebrauchen.
Petra und Martin, nett, lieb und freundschaftlich wie immer, haben uns Freitags und Samstags beherbergt. Von Heneff aus sind wir nach Köln gefahren. Schulwelten dominieren unsere Diskussion, die
beiden sind Lehrer. Martin erzählt, dass in seinen Klassen nur noch 1/3 der Schüler Vater und Mutter gemeinsam zu Hause haben. Leistungswillig und -fähig sind besonders asiatische Kinder, er
generalisiert und sagt, überwiegend Ausländer. Weil die Familien dahinter stehen. Sie treiben an, wollen, dass die Kinder lernen, stellen sich hinter die Lehrer und puschen ihre Kinder zu Erfolgen.
Die Deutschen Kinder, sagt Martin, haben vorrangig Handy, Playstation und Fernsehen im Kopf während die Eltern von den Lehrern verlangen, zu korrigieren was sie in der Erziehung nicht schaffen. Ist
Deutschland auf dem absteigenden Ast wie es Hochkulturen bisher immer erging? Nimmt man die Egozentrik der Kultusbürokratien hinzu, die beratungsresistent an ihrer Macht festhalten und allen
bekannten, erfolgreichen Schulmodellen zum Trotz an ihrem eigenen, traditionell gegliederten Systemen festhalten, nimmt man diese für mich unverständliche Haltung hinzu, obwohl Deutschland auf
Bildung als wichtigen Produktionsfaktor fusst, dann befürchte ich, dass wir absteigen werden. Aber die Zukunft ist noch lange hin und wir dann tot.
Soweit für jetzt