Monday, 22. december 2008
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17:41
Fährt man von Brückenau nach Westenam Flüsschen Sinn entlang durch das Tal hört die Stadt auf. Plötzlich beginnt sie wieder. Erst kommt eine bayrische Kirche, dann kastenförmige Zweck- und Wohnbauten um unvermittelt den Blick frei zu geben auf ein Karree hochherrschaftlicher Gebäude quer im Tal. Die Alleen in der Mitte enden am Schloss, das an Sanssouci erinnern soll und ist eingerahmt von wuchtigen Gebäuden aus der klassizistischen und barocken Zeit. Das Grand Hotel gibt es dort ebenso wie einen griechischen Tempel, Kurhallen, Rundbauten, Pavillons, Lokale, alles aus dem vorletzten Jahrhundert und noch früher gebaut. Ich seh sie, die Herren in Frack und Melone, die Damen in Krinoline und blumengeschmückten Hüten wie sie flanieren und sich den Mund fusselig reden über Ludwig und Lola. In der Tat haben sich beide hier kennen und lieben gelernt was nicht schwer war, denn Bad Brückenau war das Staatsbad von König LudwigII. Heute stören moderne Autos und Telefonzellen das Bild und im Pavillon ist ein Friseur untergebracht.
Kurz bevor man zum Staatsbad kommt steht rechter Hand am Berg ein hoher Plattenbau-Komplex. Es ist das Regena, ein Privatsanatorium für begüterte Leute. So hässlich von außen, so gediegen wirkt es innen. Ruhige, braun-gelbe, rote und graue Töne dominieren und schaffen eine entspannt Atmosphäre. Die Möbel sind bequem, die Dekoration zurückhaltend. Auffallend nett ist das Personal. Viele Gäste sind öfters hier. Weihnachten ist kein Platz mehr in dieser Herberge. Gesundheit als Ersatzreligion? Oder fehlt die Familie? Das Haus wird bei einem Test an dritter Stelle in Deutschland geführt.
M hat mich gefahren
und ist mit Max weiter zu Toria nach Nürnberg. 7 Tage Power-Woche zum Sonderpreis. Enthalten sind: Essen, Hotel, Fittnesscheck und Cardioprogramm. Bewegung, Sport war schon bei meinen Behandlungen im "Hotel zur lockeren Schraube" das Zentrum der Therapie (schau mal hier: Hotel zur lockeren Schraube 1. Aufenthalt ). Abgeschlossen leben in einer Atmosphäre der Ruhe fördert bei mir die Regeneration. In der letzten Zeit waren die Nachwirkungen des Burn Outs wieder spürbar, hatten die Depressionen wieder zugenommen.
Viel Sport machen, ausruhen, entschlacken war mein Ziel. Gestrichen sind Alc, Tabak, Sex, Feste, auch der PC und der ganze Unsinn der mich aufregt.
Hinzu buchen
könnte ich aus einem Katalog von Therapieangeboten (Auszug): Entspannen und Regeneration, Abnehmen & gesunde Ernährung, Schmerz & Energietherapie, Entgiftung, Entsäuerung, Good Age (die meinen wohl, gut in die Age kommen) auch gegen Überlastung, Stress & Schlafprobleme gibt es Programme. Und Kneipp / Alternativmedizin wird angeboten, sogar chinesische Ärzte praktizieren traditionelle chinesische Medizin. Und dann freilich auch "Beauty Sinnesfreuden" für Damen & Herren. Jedes Päckchen, jede Therapie kostet extra. Sogar Frischzellentherapie soll es geben.
Ich buche zusätzlich: Kraft Training, Massage, Ayurveda Gesichts- und Halsmassage und später verordnet mir der Arzt eine Phyto-Therapie gegen den Reizhusten.
Die Nutzung von Schwimmbad und Saunen ist frei für die Gäste.
Das Schwimmbad ist ein Traum in blau, sogar das Wasser ist wie das Meer in der Karibik. Und es rauscht wie im Wasserfall. Taucht man an einem Ende ein, strahlen 3 Sonnen am anderen Ende. Daneben und draußen ist ein Sole-Warmbad, das ist nichts für mich. Riecht nach faulen Eiern.
Die Therme nutze ich fast jeden Tag. 4000 qm Saunalandschaft im griechischen Stil, zurückhaltend und vornehm. Die finnische Sauna ist mit dorischen Säulen dekoriert, auf blau-weiß bemaltem (griechischen) Himmel schimmern ovale Richtreflexe des Saunaofens. Flötenmusik tröpfelt von der Decke. In der Dampfsauna sind die gemauerten, tiefen und bequemen Bänke mit blauen Mosaiksteinchen ausgelegt, aus einer Amphore quillt Dampf und am künstlichen Himmel leuchten elektrische Sterne in wechselnden Farben. Im achteckigen Geruchstempel sind vier Nischen eingelassen und blau weiß verkachelt. In der Mitte steht eine Amphore auf einer Säule, darüber hängt an Perlenschnüren eine Schale, gefüllt mit Blüten. In Abständen geht ein magisches Licht darüber an, aus der Amphore strömt heißer Rauch nach oben durch die Schale und füllt den Raum mit duftigem Dampf.
Es gibt noch eine Sauna, mit 60 Grad fast kalt. An der Decke verschiedenfarbige Neonröhren die wechselweise klickend angehen. Ich weiß nicht, wozu das Ganze dient. In einem Schrank liegen Handtücher für jede Gelegenheit. Unter einem Stapel steht: für den Körper, darunter: für die Sauna, darunter: Bettlaken für die Liegen. Unter einem Stapel mit kleinen Handtüchern steht: Sitztücher. Für was die sind hab ich nicht rausgekriegt.
In einer Schale mit Eis werden verschiedene Sorten Wasser und Apfelschorle angeboten. Eine Dusche ist mit unterschiedlichen Gusstechniken ausgestattet, daneben gibt es eine mit Tropenregen und Duftdusche. Der Eingang wird von einem Becken eingenommen, in den ein gekippter (natürlich griechischer) Krug Eisstückchen ausspuckt. Damit soll man sich den Kopf kühlen. Das Dauerklicken wirkt beruhigend. Neben dem Schwimmbad ist ein Raum mit körperwarmen Steinliegen, einem Brunnen, der plätschert und Rauch erzeugt, ruhigem, indirektem Licht auf braun gemaserten Wänden und einer griechischen Büste. Da soll ich nach der Massage hingehen. Ich entspanne wohlig. Nur Brunnen und leichtes Rauschen der Klimaanlage sind zu hören.
Einzig der Kamin im Ruheraum stört mir die Eleganz. Er brennt elektrisch. Trotzdem steht Feuerholz davor.
Der Body-Check
ist ernüchternd. In Ruhestellung Spitzenklasse mit einem Puls von 56 und Blutdruck 130/80. Da merkt man das jahrzehntelange Training, denke ich stolz. Aber dann, unter Belastung steigt der Blutdruck auf 210/80!!! Besorgniserregend. Der Body-Mass-Index liegt bei 23 und das Körperfett bei 22. Der Computer wirft aus: Mittelmass, Befriedigend. OK, ich liege weit über dem Mittelwert aller gemessenen gleichaltrigen Patienten. Aber ich will immer exzellent sein. Immer. M kommentiert trocken: was meinst du eigentlich, was da rauskommen soll bei deinem Saufen, Rauchen und anderen Lastern? Immer die Laster.
Ich erhalte ein Programm für Fahrradergometer, verschiedene Geräte und Laufband. Das ersetze ich und laufe durch Wald, Stadtbad und Park zurück.
Wunderbar der erste Morgen. Die Sonne glitzert auf dem Schnee, ich trabe durch die Landschaft. Ein alter Mann ruft mir freundlich zu: schöner Tag. Da grüßt der andere ältere Mann zurück: wunderschön der Tag. Ich schaue in die Sonne und bin glücklich. Ach ja, wir alten Männer.
Meine Schultern und Rückenpartien sind hart wie ein Waschbrett und wenn die Masseurin knetend hindurchwalkt rattert es bis in meinen Bauch. Und ich hatte geglaubt, nur mein Hals sei etwas steif.
Ich liebe und kenne diese abgeschlossene Stimmung.
Im "Hotel zur lockeren Schraube" war es auch so (Geschichten stehen unter Tansania). Mein Ich kriecht in mich hinein. Soziale Kontakte werden minimiert, konzentriere mich auf Sport, lesen, lernen, Musik hören, schreiben. Liege zumeist im Bett. Das Seelchen ist stabil bei 6 auf einer Skala von 1 (fast Selbstmord) bis 10 (glückselig). Kaum Schwankungen, Höhen, Tiefen. Ich existiere. Keine Zeitung, keine Nachrichten, kein Rauch, kein Alkohol. Der Zustand ist gut für eine bestimmte Zeit. Dann will ich wieder Höhen und Tiefen. All das Zeug, das ungesunde.
9.00 Uhr Frühstück, danach 1 Std. Fitnessraum, zurück ins Bett, lese, schreibe, gehe zur Massage. 12.30 Mittagessen. Kaum zurück, liege ich wieder im Bett, lese weiter (die erste Hälfte des Tages in der Regel Studium, danach Belletristik). Schlafe. Laufe 1/2 Std durch Wald und Park. Zurück bin ich wieder im Bett. Gehirnjogging. Dann Autogenes Training. Abendessen. 8.00 Uhr Sauna und dann lese ich weiter, im Fernsehen kommt nichts. Mein Gehirn arbeitet dual. Parallel zum Lesen fallen mir Ansätze ein die unbedingt aufgeschrieben werden wollen.
Wohlig, das Gefühl des in sich Lebens, konzentriert um Kernaufgaben, die mir gut tun. Zu Hause dominieren die zu erledigenden Aufgaben, Zeit erscheint vergeudet und ist es nicht. Da ist das Einkaufen, das hier was Machen, da was Tun, hierhin Fahren, dahin Gehen. Druck überall. Notwendig scheint alles, sinnvoll manches. Eine Wand baut sich manchmal auf, die Vereinnahmung heißt. Anforderungen werden zu Belastungen. Das gehört zum Krankheitsbild.
Messias auf dem iPod. Händels wohltuende Musik strahlt direkt in mein Gehirn. Ich darf den Text nicht beachten: "Ein Mann der Schmerzen und umgeben von Qual". Wo bleibt der Mann der Liebe? Ach Jesus, was haben sie mit dir gemacht.
Die Speisekarte vom Dienstag den 16. Dezember 2008
Mittagsbuffet: Gemüseeintopf mit Safran "Vegetarisch" oder Gebratenes Lammnüsschen in Zitronensoße "Mediterran" oder Geschmorte Schweineroulade in Specksoße "Regional" oder Wockgeröstetes Fünffarbengemüse "Nach den 5 Elementen". Abends Kalt-warmes Buffet mit Meeresspezialitäten oder Bauernrösti mit Meeresfrüchteragout oder Ravioloni mit Pilzfüllung. Danach Käseauswahl und Dessertvariationen. Eine Frau vor mir schaut sich die Mousse ou Chocolat an, flüstert sich zu, eigentlich darf ich nicht und grapscht mit einem sicherstellenden Griff das Glas, weg ist sie. Richtig so! Diesen Köstlichkeiten sollte man nicht widerstehen.
Lese
Einen Krimi von Ake Edwardson, Richard Kapuscinski: Afrikanisches Fieber und über die Erfindung und den Erfinder von Apple, Steve Wozniak. Manchmal noch mache ich mit Buddhismus weiter.
Edwardson regt mich auf. Sein Kommissar Winter ist ein Männertyp, der es mir bis heute schwer macht, der zu sein der ich bin. Immer schon waren da die Vorbilder in den Büchern. Starke, verschlossene Männer. Tatkräftig. Auch mal zweifelnd. Aber irgendwann gingen sie ihren Weg geradeaus. Winter ist ein Frauenheld. Er will joggen, seinen Frust los werden. Es klingelt, eine seiner Frauen steht vor der Tür. Sofort schaltet er um, nimmt sie stürmisch in die Arme, drängt sie ins Schlafzimmer, vögelt sie schnell, heftig. Während er noch ihre wohlproportionierten Schenkel bestaunt klingelt das Telefon. Sie nimmt ab, übergibt, es ist sein Kollege aus London. Sie geht ins Bad, kommt angezogen zurück, winkt ihm freudig zu und verschwindet. Im Klappentext steht, es sei ein kritischer Roman über den Niedergang der schwedischen Sozialmodells, an Sjöwall-Walhö anknüpfend. Klingt eher nach Männerfantasien.
Richard Kapuscinski ist der fundierteste Afrika-Kenner, den ich bisher gelesen habe. Er war polnischer Journalist und hat vier Jahrzehnte den schwarzen Kontinent bereist. Seine Zeitung war arm, er lebte und reiste mit Afrikanern. Und übergibt tiefste Einblicke in die Kulturen, Konflikte und Ängste der Menschen, einfach und verständnisvoll beschrieben. Als Journalist jagte er Meldungen hinterher. Normalität ist keine Meldung. Hunger, Kriege, Völkermord, Revolution, Stammeskonflikte, Zauberei, Glaube sind seine Themen. Recht so! Deckt die Machenschaften des Unmenschlichen auf! Zu vielseitig sind sie, völkerübergreifend. Ihre Protagonisten agieren liebend gerne im Verborgenen. Deckt sie auf! Kapuscinski tut es. Die Seele Afrikas ist in dem Buch. Ehrenwert sein Versuch, afrikanische Denkart einsichtig zu machen als eine andere Welt und unterschiedlich zu unserer kalt-logischen aber ökonomisch erfolgreichen. Was mich stört weil zu selten durchschimmernd: das andere Afrika. Den Kontinent der lieben, strahlenden, menschlichen, ruhigen Menschen. Das Afrika, das ich so liebe. Einige Zeit später notiere ich: K macht mir Angst. Zu viel des Bösen. Immer nur Grauen und Leid. Und seine Ursachen, die von anderem Grauen und Leid zeugen.
Fertig mit iWaz. Steve Wozniak war der Erfinder der Apple I und II, der ersten wirklichen Personal Computer mit Einsatzmöglichkeiten (es hat schon vor ihm Kleincomputer gegeben aber entweder waren sie klotzig teuer für Spezialeinsätze oder sie waren Spielereien für Computer Freaks. Ein Genie, dieser Wozniak. Und Auslöser der wahrscheinlich größten industriellen Revolution. Die ganze Geschichte steht da drin.
Buddha lehrt, dass es im Leben nur eine einzige Gewissheit gibt, nämlich dass es enden wird. Der Gdanke gefällt uns nicht: wir geben uns Mühe, ihn zu vergessen indem wir uns nur auf das Leben vorbereiten. Eltern ihre Kinder, Institutionen sind für die Lebenden da, nicht für die Toten. Und die Religionen bieten tröstliches: vielleicht sterben wir doch nicht so richtig. Die Vorbereitung auf den Tod muss zu unserem Leben gehören. Wie wahr! Mir kommt es das Altern vor, als wenn ich in einen Trichter geraten sei dessen glatten Wände abwärts führen. Vergebens strecke ich mich nach einem Halt und kann doch höchstens manchmal bremsen.
Die Klientel
Sehr gesundheitsbewusst und überdurchschnittlich schlank. Einige davon sehr alt. Gedeckte Farben beherrschen die Mode, braun in braun und grau in grau, Männlein und Weiblein. Die Frauen sind mit praktischen Haarfrisuren ausgestattet, zwei ältere Damen haben sogar Stoppelhaar. Nichts für mein Auge.
Eine alte Frau erzählt. Sie kommt mit ihrem Mann schon lange Zeit regelmäßig. Im Sommer 4 Wochen, im Winter 3 Wochen. Ihr Mann ist im Frühjahr gestorben. Sie fühl sich hier zu Hause und bleibt in der Tradition. So was ähnliches wünsche im mir auch. Allemal besser als Mallorca. Mit einem Klick, sagt Frau W., habe der Therapeut ihre Allergien ausgeschaltet. Jetzt kann sie wieder ganze Tafeln Schokolade essen. Sie wird ihn fragen, ob er die Schoko-Antipathie nicht wieder zurück klicken kann. Heute hat der Arzt ihren Körper befragt nach der Reaktion des ausgestreckten Arms. Er behandelt mit Laser. Kostet 82,- Euro. Es hilft ihr. Mindestens 50% aller Heilkunst beruht auf Glauben. Weltweit. Ich glaube ihr.
Tischsitten
Frau W schafft es, mit Messer und Gabel Butter auf ihr Brötchen aufzubringen. Danach werden Messer und Gabel verwendet, um säuberlich und akkurat das Brötchen mit Käsestückchen zu belegen. Gekrönt wird das Ganze mit einem Viertelchen Obst, ebenso gekonnt mit Besteck entschalt, entkernt und aufgelegt. Das soll mal ein Chinese nachmachen! Übertrieben finde ich die Kunst der Besteck-Handhabung, wenn auch Spaghetti mit Messer und Gabel zugeführt werden. Ich falle auf. Habe keine Scheu, die Nahrung mit den Händen zu berühren, liebe es, mich auch am Geruch zu laben, esse wenn es geht mit der Gabel in der einen und Brot in der anderen Hand. Das habe ich von den Italienern und den Afrikanern und den Südamerikanern. Unsere Tischsitten sind nicht allgemein gültig.
Immer, wenn es um die Kunst geht, mit Messer und Gabel zu essen, fällt mir eine Geschichte ein. Es war auf einem Flug von Rio nach Lima. Der Flug ging weiter über San Franzisko nach Tokyo. Die Mehrheit der Passagiere waren Japaner. Es gab Fleisch, die erste Etappe war ein Inner-Kontinentalflug. Auf dem Tisch waren Besteck und Stäbchen ausgelegt. Einige nahmen das Fleisch mit den Stäbchen auf und knabberten an den Rändern herum. Ein paar Japaner trauten sich, Messer und Gabel zu benutzen. Es sah nach Selbstverstümmelung aus. Mir wurde klar, dass es eine hohe Kulturleistung ist, die langer Trainingszeit bedarf, um elegant und wirkungsvoll Messer und Gabel zu benutzen.
Ayurveda
Mittwoch, den 17.12.08. Bin völlig k.o. Habe mir Hals und Kopf indisch massieren lassen. Irre, wenn warmes Öl auf die Haare fließt und verteilt wird. Im Gesicht werden sanft aber bestimmt Nervenenden gedrückt. Das soll ruhig stellen. Ich will nur noch schlafen. Und stehe neben mir. Ayurveda, erfahre ich, ist eine ganzheitliche Heilkunde, in die essen, leben, Meditation genauso eingeschlossen sind wie Massage. Die Abendländer-Menschen haben sich das Angenehme rausgepickt.
Ich werde krank
Kriege einen Reizhusten und fiebere Nachts das Bett nass. Der Arzt ist schon zu Hause als ich mich melde. Er verschreibt telefonisch und eine halbe Stunde später habe ich Hustentropfen. Am nächsten Morgen soll ich mich bei ihm melden. Da werde ich eingereiht in die Alternativ-Medizin und kriege selbst gemixte Elixiere zur Stärkung der Abwehrkräfte. Ob sie geholfen haben weiß ich nicht. Denn die Arznei aus der Apotheke nehme ich weiter.
Dann ist die Woche rum und M kommt zur Tür rein.
Mein Herz geht auf und die Sonne strahlt. Was für ein wunderschöner, farbiger und freundlicher Anblick, diese Frau! Nach all den grauen Mäusen.

, 6 Uhr früh.
Links und rechts in einiger Entfernung gleiten die Wände des Urwalds
vorbei. M. sagt, schrecklich der Gedanke, hier zu kentern. Es stimmt, man käme gar nicht rein in den Wald, der wie eine Wand hoch aufragt. Alles zu. Am Horizont Rauchschwaden. Sie brennen den Wald
ab für Weiden oder Ackerland. Aber das geht nicht, nein, so kann man diesen Wald nicht behandeln! Er geht dabei gründlich zugrunde, und zwar für immer. Der Regenwald, so hat man mich gelehrt, hat
nur eine kleine fruchtbare Humusschicht auf seinem Boden. Der grüne Dschungel lebt von seinem Blätterdach. Und wenn man die Bäume fällt und den Wald abräumt, dann kann man auf dem bisschen an
fruchtbarer Krume nur etwa 5 bis 7 Jahre lang etwas anbauen. Dann ist der Boden ausgelaugt und steinig, und nie wieder wächst etwas. Dann muss neuer Urwald gerodet werden. Und dann wieder neuer.
Alle zwei Sekunden wird weltweit so viel wie ein Fußballfeld an Urwald platt gemacht. Und das ist schlimm. Nicht schade, nein, schlimm. Warum? Weil dieser Wald die für uns notwendige Luft zum Atmen
produziert. Wenn der Urwald nicht mehr da ist, dann müssen wir uns die Luft beim “Aldi” in Dosen holen.
Nachdem der Schnee getaut war bis auf kleine Reste hat es
heute Nacht stark zu schneien begonnen. Tief verschneit Tal und Dorf. Die Kinder hatten Schulfrei, die Busse kamen nicht durch. Sie fahren Schlitten. Seltsam verzaubert. Weihnachtlich. Wir sollten
jetzt Weihnachten feiern und nicht dann, wenn es regnet.
war da (Goran mit Anhang kam Sonntag und Jörg hatte sich Die Rache
Montezumas zugezogen). Wir haben uns prächtig amüsiert. Ich wohl ein bisschen zu viel. Viel gelacht und geredet und gelacht und disputiert und lieb gehabt. Die Lieblingsnichten haben mich nach
Hause begleitet. Wär doch nicht nötig gewesen!











