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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(100)TANSANIA Jan 2007: Müllers Mountain Lodge Teil I

28. Oktober 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Dienstag, den 16.1.207: Seit Sonntag sind wir hier in Lushoto - 9Müllers Mountain Lodge, oben in den Usambara Bergen. Und wandern. Ich auch! 3 ½ Std. heute 

 

 

Müllers Mountain Lodge - 4

zum Wasserfall. Vorbei an Siedlungen und arbeitenden Menschen in den Feldern am Hang. Es ist Mittag. Einer fragt, ob wir gesund seien. Eine Frau sagt voller Mitleid Pole – Beileid. Wer geht schon wandern und dann noch bei der am höchsten stehenden Sonne? Es ist nicht so warm wie zu Hause. Auf dem Rückweg bewölkt es sich, dann platschender Regen. Patschnass. Warmer Regen. Weiße Hose mit roter Erde eingefärbt. Meine Sonnenbrille fällt in den Bach. Weg ist sie mit der Strömung zwischen den Felsen. M´s Turnschuh verliert die Sohle. Wir gehen zurück ins Dorf zur Fahrradreparatur. Erst versuchen es die Jungens mit Sekundenkleber und lachen sich kaputt über ihre verklebten Finger. Dann verschwinden sie und kommen wieder mit vernähter Gummisohle. Dicke, schwarze Stiche zieren nun die weißen Tennis. Bis jetzt hats gehalten.
Wer hat Angst vorm weißen Mann? Kinder stieben vor uns davon und aus der Ferne werden sie mutig und rufen frech: Jambo, Jambo, Jambo. Lange hallts im Walde nach: Hallo, Hallo, Hallo. Wazungu. Mädchenräuber. Und das mir.



Reinhold in Lushoto - 4Meine Beine streiken, die Luft wird knapp, Hüftgelenke würden quietschen wenn sie könnten - und noch immer hab ich Ausreden. Zu wenig trainiert (ja, ja), Höhe (gut, 1800 m), nicht gut gegessen, zu viel geraucht und getrunken (soll ich denn wie ein Mönch leben?). Nur nicht das Alter. Du wirst älter, Alter!



Zwei Tage vorher, Sonntag, den 14.1.2007 Früh um 9.00 sind wir losgefahren aus Dar es Salaam. Stundenlang nach Norden. Nach Lushoto in die Usambara Berge. Lushoto hieß mal Wilhelmstadt und wäre beinahe die Hauptstadt Deutsch Südost Afrika geworden. Das Klima in den Usambara Bergen tat den Weißen gut und die Erde war für die Landwirtschaft hervorragend geeignet.



Eine andere Welt erscheint nach dem Abbiegen in Mombo. Von der Küste hebt sich ein Plateau 200 bis 250 m hoch bis tief ins Innere des Landes, hügelig, mir Vulkankegeln, üppig grün nach dem vielen Regen. Dann die Usambara Berge wie eine Barriere vor einem, die Straße gen Nord-Westen Richtung Serengeti führt an ihnen vorbei. Dann die Abzweigung und die Straße schraubt sich in die Berge höher und höher. Lushoto - 33Die Gegend erinnert an Ecuador und vielleicht Italien in den Alpen, dort, wo die Touristen nicht hinkommen. Überall Siedlungen, Menschen, Felder bis auf die Berggipfel hinauf. Mais, Bananen, Orangen bauen sie an, hier sind auch die großen Kaffeepflanzungen, ohne dessen Ertrag kein deutscher Kaffee gemixt werden kann. Und Tee wächst ergiebig, Kartoffeln, Gemüse, Pflaumen und Pfirsiche sehen wir. Frauen in langen Kolonnen am Wegrand tragen hohe Körbe und Plastikeimer auf dem Kopf zum Markt. Steil geht es hoch. Sie schwitzen und lachen. Groß sind die Menschen. Muskulös die Männer und königlich die Frauen.



Müllers Mountanin Lodge liegt 16 km hinter Lushoto am Ende eines Hochtales. Müllers haben einen deutschen Stammbaum. Sie gehörten, so stell ich mir das vor, zu den Siedlern, die weiter in die Wildnis mit Pferd und Esel vordrangen. Echte Pioniere halt. Im Tal verstreut Häuser, die sichtbar europäischen Standard haben. Waren es weitere Siedler, die sich zusammen getan haben? An den Bergen drum herum die Siedlungen der Afrikaner und die Felder mit der roten Erde und den vielen Früchten. Im Tal, neben dem Fluss ist die Erde schwarz und trägt volle Stauden mit Tomaten oder dicke Kohlköpfe. Lushoto - 16Terrassenanbau haben sie. Ihre Häuser sind aus roten, sonnengebrannten Ziegeln und manche afrikanischen Wohnungen sind verputzt und die Rahmen sind weiß gestrichen.

Abends. Wir sitzen vor dem freistehenden offen Kamin und hören Fontane. Stechlin. Eine Geschichte über Adlige in der Mark Brandenburg wie sie leibten und lebten. Verwunderlich ist mir dieses knochenharte Selbstvertrauen. Wer hatte denen gesagt, dass sie von Gott auserlesen und zu Herren geboren seien? Spannend ist die Geschichte, weil es in einer Zeit handelt, in der links und rechts die Sozialdemokraten und die Kapitalisten an dem adligen Herrschaftsgebäude empor und vorbei rankten und es wirklich 20 Jahre später zum Einsturz brachten. Dubslav, die Hauptperson, ist nett, ein Mensch, liberal für seine Schicht, lässt leben was und wie es will. Und doch bleibt er immer ein alter Adeliger mit einem immensen Abstand zu seinen Untertanen. Irre. Besonders, die Geschichte hier in Afrika zu hören.



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Katharina vom Tanneneck 10/29/2011 01:56



Sehr schöne Bilder! Ich bin ja auch schon mal gewandert aber das würde ich mir jetzt nicht mehr antun. Spaziergänge sind in Ordnung aber 3 1/2 Stunden wandern? Ihr mußtet doch auch noch mal den
ganzen Weg zurück. Oder habe ich da etwas falsch verstanden? 


Die Aussicht war es auf jeden Fall wert!


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 10/31/2011 09:35



Lach! Nee, das waren dann nicht mehr als 3 1/2 Std insgesamt. Hat gereicht. Ja, die Aussicht war manchmal umwerfend. Und die Luft und die Menschen und alles war schön - war ja auch eine unserer
Abschiedsfahrten.
Eine schöne Woche wünsche ich dir


Liebe Grüße RE