Artikel teilen! (100)TANSANIA Jan 2007: Müllers Mountain Lodge Teil II: Müllers Haus auf den Hügel aus roten Backsteinen ist umgeben von Blumen. Türen, F ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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Müllers Haus auf den Hügel aus roten
Backsteinen ist umgeben von Blumen. Türen, Fenster, Fußböden sind aus Holz und von bester handwerklicher Qualität. Sie müssen gute Zimmerleute und Schreiner gehabt haben, denke ich. Eß- und
Kaminzimmer getäfelt und mit Blick auf den Garten und das Tal. Der Garten ist groß und in Terrassen in den Hang angelegt. Hier wächst alles was das Herz begehrt wild, üppig, manchmal
durcheinander. Rotkraut, Weißkraut, rote Beete, Möhren, Wirsing, Rosenkohl, Blumenkohl, Salat, Tomaten, Bananen, Pfirsiche, Äpfel, Zwetschgen, Bohnen, Ocra (auch old Ladys Finger genannt), Büsche
Petersilie, Dill, Porree, Brokkoli, Blattsalate, Kürbisse und mehr.. Es sprießt und gedeiht wie im Urwald. Kühe haben sie, Rinder und Hühner. Der ganze Betrieb versorgt sich weitestgehend
selbst.
Ein Tag später: Meine Phantasie vom alten Siedler, der sich mit schwieligen Händen sein Anwesen erbaute, ist geplatzt. Gestern Abend steht ein kräftiger, großer Kerl neben unserem Tisch, beileibe nicht deutsch aussehend, eher eine Mischung zwischen Afrika und Europa, und fragt, wie es uns geht. Es war Mr. Müller. Sein Ur- Urgroßvater hat Anfang 1900 hier zu siedeln begonnen, hat aber im Dorf gelebt. Erst Mitte der 40er Jahre ist das Haus von seiner Familie gekauft worden. Von einem Engländer. Der hatte es sich im englischen Landhausstiel bauen lassen. Und wahrscheinlich alles Gute und Schöne und funktionale importiert. M hat es gleich gesagt. Wie sollte auch in ein deutsches Siedlerhaus ein Kaminzimmer mit Bibliothek passen? Und nicht die Hausfrau pusselt in ihren Garten herum sondern angestellte Frauen aus dem Dorf. Dann will ich auch so einen Garten!
Was machen die Araukarien hier? Bin ich in
Chile, da ist sie landestypisch, im Süden hab ich sie überall gesehen. Rund um das Haus streben sie kerzengerade mit ihren Kandelaber Ästen, obendrauf auf der Spitze einen Weihnachtsstern
tragend, gen Himmel. Ganz blau ist der, zumeist bevölkert mit kleinen, niedlichen Schäferwölkchen. Die Ruhe ist so groß das mein Ohrensausen laut wird. Auch der Wind macht ein schönes Geräusch.
Manchmal regnet es. Dann trommeln die großen Tropfen auf dem Blechdach herum.
Donnerstag, den 18. Januar.
Gestern Abend ist Hanna angekommen mit ihrem Freund Dirk. Aus Mombassa mit dem Bus. Hanna ist die Tochter meiner alten Freunde Jo und
Jürgen. Wir waren mit Tansania früh verbunden durch die Unterstützung der Befreiungsbewegungen. Die hatten hier im Land ihren Rückhalt gefunden. Jo und Jürgen sind 1972 mit dem VW Bus durch
Afrika gefahren. Ein Jahr lang. Natürlich auch nach Tansania um Nyerere und seinen afrikanischen Sozialismus zu bewundern. Und Hanna wandert auf den Spuren ihrer Vergangenheit. Die Beiden sind
überaus lieb, nett und wissbegierig. Haben wir ein Glück, sie hier oben am Ende Tansanias zu treffen!
Die Wanderwege sind die alten Pfade der Einheimischen. Wir begegnen ihnen. Gestern ist eine Frau schlimm erschrocken als ich aus dem Unterholz auftauchte. Sie hat
gelacht und nach ihren Freundinnen gerufen und sich erst beruhigt, als sie Marianne hinter mir sah
. Freundlich sind sie, die Menschen. Immerzu Jambo und Habari und wie geht’s Ihnen und Hallo zusammen. Manche versuchen mit uns zu
reden. Gut dass M sich auf Kisuaheli verständigen kann. Hier sehen wir überall Männer wie Frauen zusammen auf den Feldern oder beim Haus arbeiten, eine Rarität in Afrika.
5 ½ Std. wandern.
Beine wie Gummi, Körper als wäre eine Dampfwalze drüber gefahren. Ziel war der höchste Berg der Umgebung, ein Felsgestein 2300 m hoch auf einem langen Bergrücken aufges
etzt. Den letzten steilen Anstieg nicht
mehr geschafft. Hanne und Dirk sind hoch, M ist aus Solidarität bei mir geblieben. Auf dem Rückweg in einem Farndickicht, der schmale Fußpfad macht eine Biegung und plötzlich stehen 2 Frauen vor
mir mit Holz und Sack auf dem Kopf. Die hintere, die mit dem Sack, schreit auf, es klingt wie Herr vergib mir meine Sünden, da sagt die vordere beruhigenden, ist doch nur ein alter Mann. Recht
so. Aber wart nur, nächstes Mal blas ich die Backen auf und mach eine Fratze. Dann haste was zu lachen. Heute ist eine Gruppe deutscher Touristen angekommen. Wenn die 20 Leute hoch durch die
Felder stieben, da gibt’s was zu erschrecken!
Hurra! Heute eine Ausrede um nicht zu laufen: Durchfall. Man weiß, das der Körper davon geschwächt wird
Einen Tag später: Ein verwunschener Wald. Alles wuchert, wuselt, kraucht und flaucht. Urwald. Jede Pflanze versucht ans Licht zu kommen, stützt sich auf andere, schlängelt sich vorbei, nutzt ihre Vorteile und neben und über und unter ihr andere Pflanzen die drängeln, einkeilen, abschneiden, in immer engeren Umarmung tot machen, abnabeln, aussaugen. Vernichten ist das Motto zum Preis des selber höher Kommens oder eine Niesche finden. Nur die Fittesten schaffen es, werfen ihre Früchte aus, geben sie Tieren mit und haben eine Chance, sich zu reproduzieren. Und das ganze Gewusele ist dumpfer Moloch Existenz. Und riecht wie fettige, moosige Erde. (Man merkt, ich lese Darwin. Eine Biografie, geschrieben von seinem Ur- Ur- Urenkel mit einer Menge Familiengeschichte als Hintergrund.)
In den Wäldern immer mal wieder Axtschläge und fallende Bäume zu hören. Seit gestern weiß ich, dass die Stämme einzig für Feuerholz genutzt werden, denn Abtransport aus dieser Gegend ist nicht denkbar. Die Frauen schälen lange, armdicke Späne aus dem Stamm und tragen die Bündel Holz über weite Strecken nach Hause.
Sonntag, 21. Januar 2007. Wieder zu Hause in Dar es Salaam. Schade. Wie schön war es da.
Gestern mit Hanna
und Dirk zurückgefahren und sie an der Hauptstrasse in einen Bus nach Arusha entlassen. Sie wollen in die Parks da oben und auf den Mount Meru steigen. Gerne hätten wir sie mitgenommen. Zum
Abschied hat uns Hanna die Fahne der Befreiunsgbewegung geschenkt, die ihre Eltern mitgebracht hatten. M ist gefahren wie eine Göttin, hat jedem Polizisten, der uns anhalten wollte zugewinkt und
stehen lassen und um 4.00 waren wir zu Hause. War noch alles da.
Mehr Bilder hier: http://www.andere-welten.net/album-1969206.html
Sehr idyllisch Müllers Mountain Lodge! Mit Angestellten kann man das natürlich alles gut in Schuß halten auch einen großen und schönen Garten. Ich könnte mir gut vorstellen so zu leben.
Das fehlt uns hier noch zu unserem Glück.
Die Araukarien gefallen mir auch sehr gut!
Liebe Grüße, Katharina
Liebe Katharina, ja, so ein paar Angestellte, die könntet ihr sicher gut brauchen. Das ist der Vorteil von Afrika.
Liebe Grüße, RE
Da waren wir leider nicht -sind nur vorbeigefahren. -Als wir dabei erwähnten, dass es dort sehr schön sein solle, bekamen wir von Euch zur Antwort, dass das uninterssant sei, da führen die ganzen Europäer hin, ergo wir nicht. - Na ja, man wird sich auch mal täuschen dürfen - und wir haben genug andere spektakuläre Gegenden mit Euch erkunden dürfen!
Bestens, Dein Bruder R