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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(101) TANSANIA Jan 2007. Rassentheorie

3. November 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Noch ne Geschichte. Ich habe ein Buch von dem Kolonialbeamten Rochus Schmidt. Der schreibt interessant und fachkundig über seine Erlebnisse in Deutsch Ostafrika (das bekanntlich von 1884-1918 als Kolonie existierte und Tanganjika, Uganda, Ruanda umfasste). Seine Begründung, warum das kulturell hoch stehende Deutsche Vaterland über die Neger herrschen darf, die „mit herzlich wenig Arbeit auskommen und hauptsächlich Freunde von Essen, Rauchen und Spazierengehen“ sind („man sieht dann den Neger in seiner Haupteigenschaft, der Faulheit, mit Kind und Kegel oder Freunden auf der kitanda (dem Bett vor dem Haus RE) herumlungern“, noch ne Kostprobe: „bequemes Leben, leichten Erwerb, viele Pombefeste (Pombe ist selbst gemachtes Bier aus Getreide und Bananen RE), Weiber und was sonst das Herz des Negers erfreut“, die Begründung für die Herrschaft der Deutschen ist, dass diese Kultur keine Staaten bilden kann. (Ich will dem Rochus nicht übel, er hat viel beobachtet und eine Menge Informationen über Land und Leute gesammelt, von denen ich noch heute lernen kann. Sogar seine Landsleute, die es schlimm trieben, hat er ermahnt: „Nicht genug kann davor gewarnt werden, wenn die Beamten sich einbilden, es ausschließlich mit wilden Leuten zu thun zu haben, denen man bei vorkommenden Vergehen von oben herab die Strafe zudiktiert“. Und lobend äußert er sich „wie anstellig in praktischen Dingen der Neger“ sei).  Es gab für Rochus und Seinesgleichen auch andere Begründungen, um zu herrschen wie z.B. mit der Erfindung des Begriffs der "untergeordneten Rasse"*. Doch Rochus hebt hervor, die Fähigkeit, Staaten zu bilden sei „dem Neger“ nicht möglich. Da hat sich mein Rochus aber in den Finger geschnitten und nicht genau hingeschaut. Mitte des 19. Jhdts. herrschte der König der Usambara Berge über ein Reich, das sich vom Kilimandscharo bis Tanga erstreckte. Das sind so 600 Km in der Ausdehnung. Sein Staat war hierarchisch organisiert über Minister und Militär und nach unten geordnet durch Distriktchefs, Landräte, Dorfälteste. Seine Befehle kamen an, dort wo sie ankommen sollten. Und an der Küste hat er sich angelegt mit dem Sultan von Sansibar, der Tanga für sich beanspruchte. Der Konflikt wurde diplomatisch gelöst. Dann kam Peters mit der Peitsche und den Gewehren und hat den Nachkommen des Königs das Land abgeschwatzt. Mit leichter Hilfe seiner Waffen und Geschenke. Kupferdraht als Tauschgeschäft für Ländereien war sehr beliebt. Reichskanzler Bismarck hat die Peterschen Errungenschaften später anerkannt und Deutsche herrschten in Ostafrika. Seltsam, seltsam (für uns), aber die Tansanier sehen nur das Gute, auch in der Deutschen Kolonialzeit. In den Usambara Bergen sieht man die deutsche Zeit heute noch.

*Rassentheorien ...sind Theorien welche die Menschheit in verschiedene Rassen einteilen. Die Rassen werden primär aufgrund physischer Merkmale wie der Hautfarbe und der Behaarung unterschieden, zumeist werden jedoch auch Unterschiede im Charakter und bei Fähigkeiten angenommen. Diese Theorien gelten heute als überholt, weil die vermeintlichen Rassen fließend ineinander übergehen und die genetische Variabilität zwischen diesen Populationen wesentlich geringer ist als die Variabilität innerhalb der Populationen. Die stark ins Auge fallenden äußerlichen Unterschiede zwischen Menschen, die aus verschiedenen Klimazonen stammen, lassen sich als Anpassungen an das jeweilige Klima erklären und sind nicht mit entsprechend bedeutenden Unterschieden anderer Art verbunden (Wikipedia)

 

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