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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(104) Von einem der auszog...war’s das??

15. November 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

(2007)
So hatte der Blog begonnen:
Hommertshausen-56.jpgMein Dorf liegt an den Ausläufern des Rothaargebirges klein und fein eingepackt in Hügelketten. Geboren bin ich hier. Ich stieg im Jahre 1963 in einen Zug, wie man in einen Traum gerät. Die Hauptsache war, wegzukommen (bei Josef Conrad geklaut weil’s so schön passt). Der Kreis hat sich geschlossen, ich bin wieder in Hommertshausen gelandet, dem Dorf, dem ich vor über 50 Jahren entflohen bin. Doch diesmal mit M zusammen. War’s das?

Sicher nicht, es musste anders sein, es wurde anders. An die Stelle der anderen Welten, der Erfahrungen mit neuem, interessanten Kulturen und Verhaltensweisen, an die Stelle des ausufernden Lebens, der interessanten Arbeit, der Reisen, Begegnungen, neuen Freunden, der Menschen, menschlicher oft als bekannt (manchmal auch nicht) sollte erst mal Ruhe und Reflexion treten. Ein Sabbatjahr wollte ich mir gönnen, eine Auszeit zum Überlegen, was demnächst kommen solle.

Die erste Zeit in Hommertshausen hatte uns in der Schwebe gelassen, weder hier noch da zu sein. Unser Haus war noch bewohnt, wir zogen in unser Wohnmobil und lebten als Urlauber im grünen Weg oberhalb. Von Bruder, Schwägerin und Mutter einen Fußsteig entfernt und dem Cousin nebenan. Allen Nachbarn schauten wir in Ruhe zu, die Füße auf den Campingtisch gelegt, wie sie ihre Heimstatt ordentlich hielten. Manchmal kamen kleinen Mädchen und schauten neugierig in das Wohnmobil, wollten auch mal darin sitzen und halfen beim Abwasch.

Das Kümmern kam später. Das Haus wurde frei, die Möbel kamen an, mussten eingeräumt werden. Schwer der Gedanke für uns Wanderer, dass wir nun Wurzeln fassten bis zum Lebensende. Noch schwerer für mich, dass Haus und Garten immerzu nach Behandlung riefen. Irrsinn der Geschichte, dass unser Grundstück genau auf dem großen Garten des Opas lag. Zwar aufgeschüttet, aber der Ort war derselbe. Es war mir immer schwer gefallen als Junge, im Boden herum wühlen zu müssen. Viel lieber hätte ich gelesen oder auch mal gespielt mit den anderen Jungen.

Rs-Arbeitszimmer.jpgIch begann, morgens zu studieren, meine Geschichten auf zu schreiben, meinem großen Thema „was ist der Mensch“ intensiver nach zu gehen, wo er herkommt, wie er tickt, sich über Wasser hält. Endlich konnte ich mich ausführlich mit Biografien befassen, Verhaltenssoziologie, Wirtschaftswissenschaft, Ethnologie, Paläontologie, Geschichte. Und in den Tag wurden Inseln eingeschoben mit Sport, Kultur, Garten, Haus, der Großfamilie (von Mutter bis Enkelkindern) . Und abends zusammen kochen mit der lieben M, fernsehen, feiern, spielen, Freunde einladen, reisen, Romane lesen. Von wegen Ruhe und Sabbat.

Ein halbes Jahr später waren wir wieder auf dem Weg gen Süden! Nach Mozambik. Wir hatten uns beide beim Senior Experten Service angemeldet, einer Stiftung der Deutschen Wirtschaft, gefördert vom BMZ, die Menschen im Ruhestand die Möglichkeit bietet, ihre Kenntnisse und ihr Wissen an andere im Ausland und in Deutschland weiterzugeben. Als ehrenamtlich tätige Senior Experten. In einem Einsatz von 3 Monaten sollten wir in Pemba, ganz im Norden des Landes, fast an der Grenze zu Tansania die Organisationsstruktur einer Bischofsdiözese untersuchen und optimieren helfen und praktische Probleme lösen wie Projektanträge, -beschreibungen und –finanzierungen in Deutsch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch erstellen.

Das ergab die nächsten Geschichten aus den anderen Welten.

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Joachim 11/17/2011 09:40



Hallo RE! Sehr schön, wie Du Deinen Lebenskreis mit Worten umfasst hast. Aber - Ihr seid ja aus der bisher letzten Phase noch einmal ausgebrochen nach Mozambik. Man sieht, so schnell schließt
sich der Kreis nicht. Vielleicht kommen wieder neue, erlebnisreiche Einschnitte. Wenn es die Gesundheit erlaubt, warum nicht?


Dann gibt es wieder was Neues zum schreiben!


LG Joachim



R.Einloft 11/28/2011 12:47



Jep, es gibt wieder Neues - altes (schon mehr als 3 Jahre her). Ansonsten begnügen wir uns mit kürzeren Fahrten :). Schön ist es in der Tat, die Erinnerungen noch mal aufleben zu lassen.


Machs gut, hab schöne Zeiten und Geschichten


Bis bald, RE



Katharina vom Tanneneck 11/15/2011 23:24



Ihr werdet wohl immer wieder reisen und trotzdem ein Zuhause haben. Es ist gut, dass man nicht weiß, was das Leben noch bereit hält. Ich denke Ihr macht das Beste aus allem! Einen Partner zu
haben, Familie und Freunde ist doch schon mehr als manch ein anderer hat. Hier liegt der Reichtum im Leben! Einfach das Glück genießen! 


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 11/28/2011 12:44



Genau so ist es, Reisen, Abenteuer möglichst, aber auch Freunde besuchen (wie die letzten 10 Tage) und Familie um sich rum haben, das ist was Wert! Danke für deine schönen Kommentare


Liebe Grüße aus dem vernebelten, herbstlichen Hommertshausen


RE