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Monday, 28. november 2011 1 28 /11 /Nov. /2011 12:21

Landkarte-Mosambi.png 23. Jan 2008
Nicht lange hat es uns in Hommertshausen gehalten. Seit letztem Mittwoch sind wir in Maputo, der Hauptstadt von Mocambique. Montag geht es weiter 2500 km in den Norden nach Pemba. Als Senior Experten des Senior Experten Service, kurz SES genannt. Viel wissen wir nicht über das Projekt. Die letzte Beschreibung kam von den Leuten, die das Projekt beantragt haben, deutschen Missionaren, die im Süden von Tansania arbeiten. Da hieß es:

„Ihr Einsatzort wird Pemba selbst sein - eine aufstrebende kleine Stadt mit internationalem Flughafen, reizvoll auf einer Halbinsel direkt am Meer gelegen. Pemba, in der nördlichen Provinz Cabo Delgado,dient als  Ausgangspunkt für Luxus-Urlaube auf den Inseln des vorgelagerten Quirimba-Archipels.Bekannt und beliebt am Ort selbst ist die Praia de Wimbe. Die Stadt bietet viele Geschäfte und Supermärkte für den täglichen Bedarf . ...Die Unterbringung wird im Haus des Bischofs selbst erfolgen, wo Sie auch die Mahlzeiten einnehmen können. Wahrscheinlich werden Ihnen nur Einzelzimmer zur Verfügung gestellt werden können.

Der Bischof hat zumindest einen funktionierenden Desktop-Computer inkl. Drucker. Word und Excel sind ebenso vorhanden wie ein Internet Anschluss. Da qualifiziertes Personal rar ist, übernimmt der Bischof fast alle Aufgaben im Büro selbst. Er wird jedoch 1 -2 Personen auswählen, die Sie für tägliche Routine-Arbeiten im Büro anleiten können.
Viele kleinere Einzelspender als auch größere Organisationen wie Caritas Spanien unterstützen momentan die Diözese. Bischof Ernesto plant ein Spirituelles Zentrum für Ausbildungszwecke zu bauen. Hierfür Spender zu finden, stellt sich als sehr schwierig heraus. Zusätzlich gibt es kleinere Bau- und Renovierungsvorhaben für Kindergärten oder Berufsschulen. Für solche Projekte Spender zu motivieren wäre eine sinnvolle Aufgabe.“

Ankunft
Das Gewimmel von Menschen am Flughafen, die Hitze, Enge, das Durcheinander empfing uns wohlig. Bekannt war es, kann auch auf die Nerven gehen. Gepäckwagen verkeilt, keine Ahnung, auf welchem Band die Koffer ankommen, gezuppel am Arm: Mistä, Mistä, ja doch, fahr unseren Wagen. Endlich draußen durch die Taxifahreransammlung, der Bus vom Hotel wartet schon. Erlösung. Taxifahrer hauen dich immer übers Ohr. (Wir kriegten später einen, der tat es nicht, aber das Vorurteil bleibt). Unerwartet: sie fahren links. Wie das? Es waren die Portugiesen hier, nicht die Engländer. Die Erklärung: weil in allen Ländern drum herum links gefahren wird. Wir fühlen uns fast wie zu Hause in Tansania. Das Hotel liegt in der Nähe vom Fischmarkt an der Karl Marx Avenida. Der Mangosaft ist dick, sämig und köstlich und die Menschen sind freundlich und schön braun.

Die alte Stadt
ragt wie eine Nase mit Höckern in die Bucht. Die Strassen sind wie ein Schachbrett darüber  gelegt und fallen ab zum Meer. Bäume säumen die breiten Avenidas, Parks und Grünanlagen gibt es und die Kolonialgebäude dazwischen schimmern manchmal wie die Perlen. Portugal wollte aus der Hauptstadt ein Schmuckkästchen machen. Heute sehen viele Häuser und Straßen heruntergekommen aus. Das Land ist sehr arm.

Maputo---Bahnhof.jpgDer Bahnhof
Der Platz ist rund und groß. An der einen Seite steht ein Mordsweib aus Stein. Es ist das Kriegerdenkmal zu Ehren der Gefallenen Portugiesen und schwarzen Soldaten im ersten WK. Auf der anderen Seite steht der Bahnhof im Kolonialstil mit seinen Türmen, Säulen, Balkonen und Ornamenten. Die Stahlkonstruktion ist nach Eiffel gebaut. Er ist überraschend sauber und gepflegt. Eine Drehtür ist in der Mitte. Die aber ist nicht so alt wie sie aussieht. Sie wurde vor kurzem eingebaut vom Filmteam für "Blutdiamanten".

Mosambik_3755.jpgSchöne Menschen
Was für eine Ansammlung hübscher Männer und Frauen! Alleine ihre Schokoladenfarbe lässt uns Weiße blass aussehen. Maputo kommt in der Hinsicht nach Rio. Wer hat eigentlich diesen Rassisten in Südafrika und Amerika und anderswo erzählt, schweinchenweiß-rosa sei Herrentum?

Gespräche
Wir waren in der Botschaft, haben Experten getroffen und Informationen gesammelt. Abends mit dem Beauftragten des DED und seiner Frau Freundin in einem kleinen Lokal. Sultan Mussa von der Konrad Adenauer-Stiftung erzählt von seinem Land des Leidens und der nach-sozialistischen, Politik einer verbliebenen autokratischen Kaste und führt uns Sonntag am Strand spazieren und in ein Lokal zum Fischessen. Er schwärmt von seiner Zeit in Deutschland und den Spaziergängen. Seine Frau ist Christin, er Muslim (gemäßigt sagt er) und geheiratet haben sie nach beiden Konfessionen. Das sei nicht selten im Land. Schade, dass wir am Montag weiter müssen.

Maputo---13.jpgStraßennamen
sind vom Sozialismus geblieben. Sie heißen Karl Marx, Friedrich Engels, Guerra Popular (Volkskrieg), W. Lenin, Mao Tse Tung, die ganze Galerie der vergessenen und verehrten Größen aus einer Zeit der Kämpfe gegen den Kolonialismus und der sozialistischen Experimente danach. Aber auch Kim il Sung ist da und Robert Mugabe. Gefreut hat uns, dass eine der schönsten Straßen nach Julius Nyerere, dem freundlichen und friedfertigen ersten Präsidenten Tansanias benannt ist. Ich liebe ihn nach wie vor..

Sonne
Heute Nachmittag knallt die Sonne gnadenlos. Gefühlte 45 Grad sind es. Morgens auf dem Kunsthandwerker-Markt schüttet es plötzlich wie aus Kübeln. Alles durchnässt und die Straße dampft. Nach fünf Minuten ist es vorbei. Meist aber ist die Luft seidig und die Temperaturen sind mit 28 Grad angenehm. Es regnet kaum. Auch im Norden nicht. Die Überschwemmungen sind im Zentrum des Landes, am Sambesi.

Nicht schön
Gestern 5 Emails erhalten. Vier davon haben von Toten berichtet. Auch Uta ist gestorben, meine erste Geliebte.
 
Rauchverbot
Seit letztem Jahr gilt Rauchverbot in Lokalen. Wie schön draußen zu rauchen. Drinnen arbeiten die Klimaanlagen und produzieren deutsche Temperaturen.

Brasilianisch
Das Rodizio war uns gleich aufgefallen. Es ist die brasilianische Art, verschiedene Sorten gut schmeckendes gegrilltes Fleisch zu servieren. Die Ober kommen solange mit den Spiesen vorbei bis man nicht mehr kann. Und solch ein Lokal gibt es in Maputo. Am selben Abend waren wir dort. Es gab CaipiriMaputo----19.jpgnha, Reis, Feijao  (schwarze Bohnen), Couve (ist grün, schmeckt wie Brokkoliblätter) - alles echt. Und dann hat ein Ober gefragt, ob M.  Brasilianerin wäre! Was für ein traumhaftes  Kompliment! Wir haben anscheinend einen eindeutigen Akzent.

Innenleben
Enorm, wie viel neue Eindrücke auf uns niederprasseln. Nachts wache ich auf und der Kopf hat sich selbständig gemacht. Das Karussell der Gedanken dreht sich und jedes Mal wenn der Anfang vorbeikommen will, haben sich neue Gedanken breit gemacht.

Land und Leute
Unser Bild gewinnt an Konturen je mehr Leute wir kennen lernen. Die junge Frau heute Abend arbeitet in einem Hilfsprogramm Überschwemmungen. Gut zu hören, dass die Jahrhundertflut von 2000 sich nicht wiederholen wird. Betroffen von der aktuellen Überflutung ist die Zentralregion, nicht die Gegend um Maputo, auch nicht Pemba. Hier regnet es wenig. Nani beklagt die Resistenz der Leute, die nach der Flut immer wieder zu ihren angestammten Plätzen zurückkehren. Und sie sagt, dass immer wieder dieselben Leute gerettet werden müssen.

Der nationale Programmkoordinator einer Deutschen Stiftung ist gegen die Regierungspartei Frelimo und unterstützt die Opposition. Er beklagt die Bildung einer neuen sehr reichen Oberschicht und Herrschaftsclique aus Regierungspartei und Wirtschaft, die sich den Reichtum des Landes unter sich aufteilen. Trotz enormer Wachstumsraten bleibt die Mehrheit der Bevölkerung arm. Das Problem der mangelnden Umverteilung kennen wir.

Minen
Ein großes Problem sind die Landminen aus dem Krieg, der 30 Jahre gedauert hat. Die Fundstellen werden markiert. Aber bei Überschwemmungen werden die Minen weggeschwemmt.

Das gibt es nicht
Am letzten Abend treffen wir sie zufällig. Tami und Jörg waren unsere Nachbarn in Dar es Salaam. Wir wussten, dass sie nach Mozambique umgezogen waren, die Speditionsfirma, für die er arbeitete, hatte ihn versetzt. Und dann sind sie im selben Restaurant und trauen ihren Augen nicht. Wir auch nicht. Es war ein schöner Abend.
 

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