Artikel teilen! (105) Mosambik 2008 Seniorexperten: Erste Eindrücke aus Pemba: Komisch, was man sich so vorstellt.Ich hatte als Sitz des armen Bischofs eher ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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Komisch, was man sich so vorstellt.
Ich
hatte als Sitz des armen Bischofs eher eine lang gestreckte Hütte Stil Albert Schweizer vermutet. Der erste Bischof war Portugiese und der lies ein solides repräsentatives Gebäude mit vielen
Zimmern errichten, oben auf dem Hügel. Unsere Herberge ist umgeben von Palmen, Mangobäumen, Flammenbäumen, sie verschönern den morbiden Eindruck. Hinter dem Anwesen den Abhang runter das Meer,
aber ohne Zugang. Wir werden getrennt, jeder von uns hat seine eigene Zelle, es herrscht das Zölibat. Die Zimmer sind geräumig, haben Licht und einen kleinen Balkon, Holzfußboden, Bett und Bad.
Gut, an der Wand sind Stockflecken, der Schrank fällt bald auseinander, die Dusche tröpfelt und ein Spiegel fehlt im nicht nach deutschen Normen ausgestatteten Bad aber das sind wir gewohnt. Ms
Bett ist etwas größer, ich schleich abends mit meinem Kopfkissen und der Taschenlampe rüber. (Wie vermehren sich Mönche und Nonnen? Durch Zellteilung!).
Der Bischof ist jung
und bemüht, mich zu
verstehen. Die beiden Padres sehen eher wie Büroangestellte aus. Und die drei weiß gekleideten Schwestern sind seit drei Tagen hier und kommen aus Mexiko und Mittelamerika. Mit ihnen können wir
lachen und spanisch sprechen. Portugiesisch müssen sie erst noch lernen. Prompt kamen sie zum Abendessen zu spät, sie hatten die Zeit falsch verstanden. Für mich ist das nicht gut. Spanisch ist
wie ein alter Handschuh, in den ich reinschlüpfen und mich wohl fühlen kann. Portugiesisch eine Anstrengung. Von den insgesamt 20 Jahren im Ausland waren es eben 10 im spanischen Lateinamerika
und nur 5 in portugiesischsprachigen Rio (damit die Rechung stimmt: die letzten Jahre waren wir im englischsprachigen Tansania). Und prompt rede ich den Bischof weiterhin mit Du und Ernesto an.
In Brasilien wird sogar der Präsident mit Du und dem Vornamen angesprochen. Die Portugiesen sind als Formalisten bekannt, ich muss mir Don Ernesto und Seine Eminenz angewöhnen.
Der erste Eindruck von Pemba
ist positiv. Kleiner Flughafen, schüchterne Taxifahrer, viele
Menschen auf der Straße die langsam dahin wandeln.
Den Hügel hinab zieht sich eine Hauptstraße bis zum
Meer, auf der Hälfte geteilt von der Querverbindung gen Süden Richtung Flughafen und Ausfallstraße, gen Norden Richtung Altstadt und Hafen. In dem liegen Dhaus, altertümliche Fischerboote mit
Dreieckssegeln, seit über 1000 Jahren typische Silhouette der ostafrikanischen Küste, und ab und an ein kleiner Frachter. Das afrikanische Viertel besteht überwiegend aus traditionellen
Holzhütten umgeben von Baobab-Bäumen. Die Neustadt ist teils kolonial, teils afrikanisch einfach aus Beton. Portugiesisch-rustikale Bauart mit mehrstöckigen, meist heruntergekommenen Häusern dominieren das Zentrum. Besonders
die Frauen mit ihren Umhängen erinnern an Tansania. Im Süden, sagt man uns, sind die Menschen mehr südafrikanisch.
No Alk
Das hatten wir uns schön vorgestellt. Nach des Tages Müh und Lasten in der warmen Tropennacht auf dem Balkon sitzen und ein Gläschen Brandy trinken.
Wein geht ja nicht, wird warm. Aber alles Suchen heute war ergebnislos. Der Handel ist fest in der Hand von muslimischen Indern und Pakistanis und die verkaufen keinen Alk. Nix. So lassen wir uns
ohne Alk von den Moskitos stechen. Ist mir doch egal. Später finden wir ein Geschäft.
Ich nehme zu!
Morgens gibt es
Brötchen (nur sehr entfernt verwandt mit ihren knackigen deutschen Artgenossen), Weißbrot (mit der Konsistenz von nassen Schwämmen) Nescafé, Trockenmilch, heißes Wasser, Marmelade und
Käsescheiben, mittags Bohnensuppe, Reis, das aus Tansania bekannte Ugali (die Sättigungsbeilage hier ist eine Pampe aus Mais und Wasser und heißt Sima) und kleine Fisch- oder Fleischstücke,
Bohnenblättern als Gemüse, als Nachtisch Wackelpudding aus Chemie mit Bananen heute und abends das selbe ohne Ugali und mit Nudelsuppe. Nachmittags zum Nescafe gibt’s Erdnüsse. Außer Ugali
schmeckt es ganz gut. Wir haben mehr Obst bestellt.
Ich brauche ein Medikament
Die Kieferentzündung fängt wieder an. Die erste Apotheke ist klein, sparsam ausgestattet und hat kein Mittel dagegen. Ja, bestellen können sie was, das
dauert aber mindestens eine Woche. Die 2. Apotheke sei am Hafen. Wir laufen und laufen durch die Mittagshitze. Ich will eine Frau nach dem Weg fragen. Sie grüßt freundlich, gibt aber einem Mann
keine Antwort. Endlich haben wir sie gefunden. Und müssen lernen, dass hier alles bis halb drei Uhr Mittagspause hat. So erlaufen wir uns nach Gringo Art die Stadt – immer wenn’s zu heiß ist.
Mein Hemd ist danach wie aus dem Wasser gezogen.
Der Bischof erzählt einen Witz
Kommt ein Schwarzer au dem Inneren nach Maputo und will essen, kennt
sich aber nicht aus. In einem Lokal setzt er sich an den Nachbartisch von einem Mann, der gerade bestellt. „Ein Steak bitte“ sagt der erste Mann. Sagt der schwarze Mann: „mir dasselbe“. Danach
bestellt der erste Mann Nachtisch. Sagt der schwarze Mann „mir dasselbe“. Bestellt der erste Mann Kaffee. Sagt der schwarze Mann: „mir auch“. Danach bestellt der erste Mann einen Schuhputzer.
Sagt der schwarze Mann: mir auch. Sagt der erste Mann: wir können uns den doch teilen. Sagt der Mann aus dem Inneren: „kommt nicht in Frage. Du isst deinen und ich meinen“.
M hat auch einen: Sagt ein Mann zu seiner Frau: Mit der neuen Brille
siehst du Scheiße aus. Sagt die Frau: Ich hab doch gar keine neue Brille. Sagt der Mann: Nee, aber ich. Hahaha
Bin Laden
Die Leute erzählen, sagt der Bischof beim Essen, dass das größte Hotel am Ort mit Geld von Bin Laden gebaut worden sei. Und genau auf der anderen Seite
sei das Gebäude einer amerikanischen Sekte eingerichtet worden von der man wisse, dass sie zum CIA gehöre. Rumores, sagt er, Gerüchte. Und nach einer Schweigeminute ergänzt er: Aber wo Rauch ist
ist auch Feuer. Ich glaube eher an Phobien.
Wir verändern unseren Rhythmus
Morgens um 6.00 ist die Stadt wach. Autos fahren, Leute lachen,
Radios spielen, Mopeds knattern, es wuselt um uns herum. Um 8.00 abends ist Ruhe eingekehrt. Nur noch selten sind Menschen zu hören, manchmal Musik in der Ferne. Grillen höre ich, manchmal andere
Tierchen. Auch wir fangen an, früh aufzuwachen und früher ins Bett zu gehen. Ausgehen können wir nicht. Wohin auch. Außerdem ist das Haus zu. Abends sitzen wir auf dem Balkon und hören Bücher.
Richtige Bücher mitzunehmen war bei 20 Kg Fluggepäck zu schwer. Es ist immer noch brütend heiß, erst spät in der Nacht kühlt es ab. Es regnet zu wenig, sagen die Leute. Die Ernte wird
leiden.
Wer von diesem Land und seinen großartigen
Leuten, ihrem Schmerz, ihrem Kampf und ihrer Freude mehr wissen will, dem ist Henning Mankel: „Das Geheimnis des Feuers“ zu empfehlen.
Mangotime
Sie haben mitgekriegt dass Mangos unsere Lieblingsfrüchte sind. Don Ernesto hat einen Korb voll gekauft. Und schickt seine Leute auf den Baum im Garten,
der hätte die geschmackvollsten Früchte. Wir müssen essen bis wir nicht mehr können. Abends schenkt uns einer der Priester eine besonders schöne. Ich kann nicht mehr.
Neugierig wie wir Mädels nun mal sind, musste ich nun etwas Weltenbummler feeling zu mir nehmen und bin sehr erfreut, solch tolle Bilder & zusätzlich eine Brise Humor zu finden. Durch diese nette Weise der Schilderung kann ich mich nun hier in Deutschland auch mit gewissem "Wissen" profilieren
Da ich zwar ein eher anderer Typ bin, was Inhalt & Design betrifft, kann ich trotzdem ehrlich sagen, dass die Menschen ja von Vielfalt & Persönlichkeit leben (sollte) Somit habe ich mich mal für den Newsletter eingetragen, um das neueste von Dir hier zu erfahren. DENN Dein Blog ist wirklich nett ! Liebe Grüße aus dem kalten Baden Württemberg
Wow, was für ein nettes Lob. Ich fühl mich recht gebauchpinselt. Und dass wir unterschiedlich in Design und Inhalt sind und das trotzdem gut finden, unterstreicht nur meine These von den unterschiedlichen Welten auch im eigenen Land. Gerade diese Unterschiede machen die Spannung für mich aus. Weiter so mit deinem Blog, du hast ja enormen Erfolg. Bin gespannt auf den Umbau.
Deinen Blog nehme ich in meine Blogrol auf, kannste ja auch mit meinem machen. Zwengs der Unterschiede.
Beste Grüße aus dem Hinterland
RE
Schöne Eindrücke und eine gute Erzählung! Sogar zwei Witze sind dabei und das alles ohne Alkohol!
Was ist eigentlich aus Deinem Medikament geworden? Hast Du es in der anderen Apotheke bekommen?
Liebe Grüße, Katharina
Ja, und sogar ein Witz, den nur ein Bischof erzählen darf. Das mit dem Medikament weiß ich gar nicht mehr. Zumindest hab ich es auskuriert. Und den Alkohol, den haben wir später noch gefunden.
Liebe Grüße RE