Artikel teilen! (108) Mosambik 2008 Seniorexperten: Geschichten aus Pemba Teil II: M 4.2. Die Trompete von JerichoGestern, am Sonntag Morgen, wurde die Weihe ...
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M 4.2. Die Trompete von Jericho
Gestern, am Sonntag Morgen, wurde die
Weihe von vier Missionarinnen gefeiert. Die Kirche war proppenvoll, ca 400 bis 450 Menschen. Der Bischof zog mit seiner Entourage, 12 Priester vorneweg, seine Cheerleaders hinterher (junge
Mädchen und Frauen, barfuss in Capulanas, T-Shirts und Blume im Haar), tanzend und singend, und den vier Novizinnen, unsichtbar unter Capulanas verborgen in die Kirche ein. Capulanas werden hier
die Kangas* genannt.
Wer die Kirche betrat und nicht anständig genug
gekleidet war, bekam ebenfalls ein Tuch überreicht, um sich zu verhüllen. Das Programm war lang und der Höhepunkt war das Gelübde der vier Mädels und ihre Weihe. Dann wurden ihnen die Capulanas
abgenommen, sie standen da in ihrer Schwesterntracht und waren fertig. Das wurde untermauert von lautem Jubel und dem typischen Freudentriller der Frauen. Die Stimmung kippt bei so einer Messe
innerhalb von Sekunden: eben noch feierlich und mucksmäuschen-still, im nächsten Augenblick Trommeln, Tamburine, ein Antilopenhorn, das sich anhört wie die Trompeten zu Jericho, das Harmonium und
Gesang, Klatschen und Tanzen der 400 Besucher. So werden auch die Stunden nicht langweilig. Aber heiß. Der Bischof sitzt vorne in seiner üppigen Verkleidung und wischt sich bei jeder freien
Minute mit einem großen Taschentuch das Gesicht.
Das verteilte Textheft zum Mitsingen hatte 30 Seiten. Viereinhalb Stunden dauert der Zinnober. R sitzt auf der Treppe und übt sich im
Warten
*(Wikipedia: Eine Kanga ist ein typisches afrikanisches Kleidungsstück,
das etwa einen Meter breit und 1,5 Meter lang ist. Sie kann als Rock, Kleid oder zum Tragen der Kinder verwendet werden. Obwohl eine Kanga nur ein einfaches Rechteck ist, gibt es
verschiedene Möglichkeiten, sie zu falten und zu verwenden.)
R: Hatte keine Lust mehr auf Kirche. Da wurde noch gefeiert und gegessen. Wollte lieber das kleine Lokal die Strasse runter mal ausprobieren. Aber es
war zu. Das nächste auch. Alles zu. Alles. Nur eine Bäckerei offen. Da hab ich mir ein Brötchen gekauft und Salzkekse. Ess eh zuviel.
Heute war Gedenktag für die Helden des Kolonialkrieges aber da heute eh schon Sonntag und Feiertag ist, wurde der Heldenfeiertag
auf morgen verlegt
R: Königinnen
Gewitter, schwül. Morgens um 8.00 schon brütend heiß. Ich laufe morgens. Am Gouverneurpalast vorbei bis zum Friedhof, dann die Strasse runter bis zum
Sandweg und den zurück, ein Stück an Feldern mit arbeitenden Frauen vorbei und komme beim Geheimdienst wieder hier an der Ecke raus. Überall Menschen die arbeiten, sitzen, Gruppen von Frauen
holen Wasser. Sie schreiten wie Königinnen mit ihrem vollen Kanister auf dem Kopf. Wasserknappheit zwingt sie weit zu laufen. Auch Männer müssen helfen.