Artikel teilen! (108) Mosambik 2008 Seniorexperten: Geschichten aus Pemba Teil IV: M: Unser Tagesablauf Wir joggen morgens kurz nach sieben (ab acht Uhr ist ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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M: Unser Tagesablauf
Wir joggen morgens kurz nach sieben (ab
acht Uhr ist es zu heiß) und frühstücken Pulverkaffee mit Milchpulver und Weißbrot mit Marmelade. Wir haben eingeführt, dass es immer etwas Obst gibt, meist Papaya oder
Mango.
Ab 9 Uhr haben wir
Interviewtermine mit den Leuten, die hier arbeiten oder außerhalb in den Projekten oder wir arbeiten in dem Projektbüro für „Nachhaltige ländliche Entwicklung“, wo zwei Fachleute ihre Zeit
absitzen, denn das Projekt kann nicht losgehen, ehe das Geld von „Misereor“ ankommt. Dort habe ich gestern neue Ordner angelegt und sämtlichen Papierwust, der sich schon angesammelt hatte und
teilweise in Briefumschlägen aufgehoben wurde, einsortiert.
Mittags um halb eins gibt’s Essen, danach, je nach Arbeitsanfall arbeiten wir noch eine Stunde oder wir gehen gleich in unsere Zimmer und halten
Siesta. Es ist so heiß, dass man kaum was anderes machen kann. Die Geschäfte sind um diese Zeit alle geschlossen. Und gegen 16:30 Uhr berichten wir dem Bischof, beraten uns, schreiben Briefe und
Anträge oder gehen mal in die Stadt, um was zu besorgen (Moskitospray!). Ansonsten werden wir ja versorgt und brauchen nichts.
Abends um 19 Uhr gibt es Abendessen und dann ist
meistens Schluss. Wir beide spielen und hören Hörbücher und später schleicht R mit Taschenlampe und Kopfkissen über den Flur in mein Zimmer. So gegen 22 Uhr schlafe ich. Heute muss ich unbedingt
noch in die Stadt in die Bücherei und mir was zu lesen besorgen, denn es ist alles ausgelesen. (R. hat noch ein Krimi, aber da ist er selber dran)
R: Lesen ist Götterspeise
Das 2. Hörbuch ist: Ian McEwan, Saturday. Wenn wir
so weitermachen, reicht der Vorrat nicht! Gestern Abend auf dem Dach gehört. Es ist etwas kühler da.
In der Ferne blitzten Gewitter. Lesen wird zum Sondergenuss bei den paar Büchern, die wir mithaben. Lesen ist Götterspeise! Abends um 8:00, nach dem Abendessen, ist
der Tag vorbei, alle ziehen sich zurück, das Haus wird verschlossen und wir haben Zeit zum Schreiben, Spielen und für die Literatur.
R: Heureka!
Wir haben einen Schnapsladen gefunden. Bloß: jetzt
schmeckt der Cognac nicht mehr. Liegt das am Fusel oder bin ich schon entwöhnt? So was wie Whisky mit Kakao haben wir für das Speisezimmer gekauft. Amarula heißt die Frucht, aus der das
Getränk gemacht wird. Die reife, schon gärende Frucht wird von Elefanten geliebt. Sie berauschen sich daran und schwanken herum. Jährlich einmal machen sie das, habe ich
gelesen.
R: Über den Flur in mein Zimmer.
Hab mich wieder über den Flur, Kopfkissen unter dem
Arm, zurück geschlichen in mein Zimmer. Kann nicht schlafen. Freitagnacht. Draußen Trommeln und laute Musik die ab- und anschwillt. M muss morgen früh aufstehen. Um 6:00 will der Bischof mit ihr
und den drei Nonnen ins Innere fahren, eine Schule besuchen. Eine leichte Brise kommt auf, ganz angenehm. Heute war es wieder drückend heiß.