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Thursday, 15. december 2011 4 15 /12 /Dez. /2011 08:40

M: 2.2.08: Der fortschrittliche Bischof
Bischof-Maguengue.jpgGestern beim Abendessen waren wir allein mit dem Bischof. Es ist unglaublich, was für fortschrittliche Ansichten er hat, wie wir über Themen sprechen, über die wir nur mit ganz wenigen ausgewählten Personen reden können. Über Politik, Erziehung, Philosophie. Er verehrt dieselben Menschen wie wir: Nelson Mandela, Julius Nyerere, Michael Gorbatschow (Willy Brandt kannte er nicht, hätte ihn aber sicher auch verehrt wie wir). Nur bei den Päpsten waren wir anderer Meinung. Und er erzählte uns, wie unangenehm ihm das ist, wenn Leute vor ihm niederknien. Dass er anfangs immer versucht hat, sie daran zu hindern, dass das aber auch nicht gut war, weil die das so wollten.
Ja, und dann hat mir R. etwas eingebrockt: als der Bischof sagte, er würde gerne Deutsch lernen, bot ihm R. an, ich könnte ihm Unterricht geben. Ich wehrte ab, hier gäbe es kein Material, aber der Bischof meinte, er hätte ein deutsches Buch, das wir für den Unterricht gut nehmen könnten: die Bibel! Jetzt hab ich den Salat!

R: Ein Medikament gegen Zahnfleischentzündung
war nicht zu kriegen – aber die Geschwister in Deutschland hatten schnell auf die Anfrage reagiert: Zahnärztin gefragt, nein, es kann eigentlich kein neuer nach dem eben erst entfernten Eiterherd im Kiefer sein, kühlen sei angebracht, aber wie? Eis gibt es nicht, es würde auch sofort schmelzen. Salz- und Kamillespülung seien Alternativen, Kamille gibt es auch nicht, aber Salz. M hatte ihre medizinische Zahnpasta mit, die war auch gut. Jetzt geht es weg. M war sehr besorgt wegen der Entzündung oberhalb der Oberlippe.

Pemba-afrikanisches-Viertel.jpgR: Afrika ist nicht weit
Afrikanisch-muselmanisch ist der Stadtteil unten um die Spitze der Halbinsel herum. Rundhütten mit Spitzdächern aus Palmblättern, die kleinen Höfe eingezäumt mit Bastmatten, Dorfstraßen aus Sand, Menschen die sitzen, reden, gehen, feiern, viele Kinder, die mit selbst gebastelten Spielzeugen spielen. Abends schallen die Trommeln herauf. Dahinter, den Berg hoch, fangen die festen Häuser an. Oben auf dem Rücken des Höhenzuges, der sich vom Flughafen die Halbinsel entlang bis zur Spitze am Hafen zieht, wohnen die wohlhabenden Pembaner (oder wie sie heißen) mit dem Bischofsitz und dem Gouverneurspalast nebeneinander. Hinter uns fällt der Rain steil zum Meer ab.

R: Wir erlaufen uns die Stadt.
Afrika pur im Viertel am Strand mit Rundhütten und Menschen, die auf Matten sitzen. Armut. Wir werden angesprochen zu helfen und können nicht. Wie denn. Wir sind die einzigen Gringos und auffallend wie bunte Hunde.
Gestern den ersten Teil des Tagbuches versandt. Wir sind gespannt auf die Reaktionen von zu Hause. Es kommt nichts, das Internet ist ausgefallen.

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