Artikel teilen! (105) Mosambik 2008 Seniorexperten: von Nonnen, Mönche & Makonde: M will übertreten Dutzende Frauen mit und ohne Tracht stehen im Innen ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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M will übertreten
Dutzende Frauen mit und ohne Tracht stehen im Innenhof, wir mittenmang dazwischen und werden begrüßt wie alte, lange vermisste Freunde. Es sind die Nonnen der verschiedensten Kongregationen auf
ihrem jährlichen Treffen, sie arbeiten alle in der Region. Ein paar Priester sind auch dabei. Was für ein interessanter, lustiger Haufen! Sie kommen aus Italien, Spanien, Brasilien,
Mittelamerika, Tansania, wenige nur aus Mocambique (das liegt an der Vergangenheit der Kirche, die es mit den portugiesischen Kolonialherren hielt. Danach kam der Sozialismus und der hatte nichts
am Hut mit der Kirche). Die Frauen sind alt, jung, hübsch durchweg (ich kriege meine Augen nicht von einer bildhübschen Italienerin, die genau so gut in Rom in einem Kaffee sitzen könnte). Sie
strahlen das gewisse Etwas von in sich selbst ruhender Freundlichkeit und Herzlichkeit aus. Alle sind fröhlich. Wir sind aufgenommen und müssen uns mit den neu angekommenen vorstellen. Von den
Brasilianerinnen werden wir sofort in Beschlag gelegt. Sie haben unseren Dialekt erkannt.
Missionare werden hier alle aus dem Ausland kommenden Priester aber auch die Nonnen genannt. Es sind etwa 3 Dutzend, die in der
Diözeseregion arbeiten und entsprechend der Spezialisierung ihrer Kongregationen eingesetzt und finanziert werden. Sie sind Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen, Krankenschwestern,
Projektleiterinnen. Einige arbeiten auch in der Mission.
Wir hören Vorträge und Diskussionen über kulturelle Differenzen der verschiedenen Stämme und der
wirtschaftlichen Probleme. Es gibt 4 große Völker in der Provinz. Es sind Bantus, die zum Teil vor 3000 Jahren aus der Mitte Afrikas eingewandert sind. Sie errichteten Königreiche und
Feudalsysteme, immer selbständig und unabhängig. Auch das Kolonialsystem der Portugiesen konnte diese Stämme nicht zerstören. Und die tief verwurzelten Traditionen wirken bis heute. Erst langsam
penetriert die Globalisierung mit Radio, Fernsehen und den Verlockungen der Warenwelt und fängt an, alte Strukturen aufzulösen. (Ich denke, die traditionellen Gebräuche sind nicht pauschal als
gut einzustufen. Da gibt es viel Inhumanes. Die Alternativen der modernen Gesellschaft allerdings sind für die wenigsten ein Fortschritt).
Die Menschen sind Selbstversorger, bearbeiten zumeist einen Hektar mit der Hacke und bauen Maniok, Hirse, Mais, Reis, Bohnen an.
Cashewbäume haben sie auch. Industrie gibt es kaum. Der Handel ist in der Hand von Indern und Pakistani und die Preise sind höher als in Maputo. Viehwirtschaft gibt es nicht obwohl Weiden
vorhanden wären. Fehlende Tradition und in bestimmten Gegenden die Tse Tse Fliege sind die Ursachen. Auch Wässern der Felder ist nicht bekannt. Man wartet auf den Regen. Fischfang wird zur
Selbstversorgung betrieben. Aber der Fang nimmt ab da große Fischkutter der Industrieländer die Küsten leer fischen.
Mit den Makonde haben sie ihre Schwierigkeiten.
Der Stamm wird zwar den Christen zugerechnet, aber sie pfeifen auf die Feinheiten der Religion. Traditionelle Initiationsrituale sind ihnen allemal
wichtiger als die katholische Kommunion. (Der vortragende Priester kriegt seinen Blick nicht von M). Noch schlimmer für die Missionare: sie heiraten nicht! Das ist in deren Tradition nicht
vorgesehen. Männer und Frauen leben locker zusammen, es gibt Polygamie und Frauenraub (es werden auch welche gekauft) und das ist ihnen nicht auszutreiben „Wir reden und reden, sie sagen ja, ja,
aber heiraten – nicht dran zu denken.“ In diesem Kontext macht es Sinn, dass bei der Kindererziehung die Familie der Mutter wichtiger ist als der Vater und der Bestimmende der Onkel der Frau ist.
Auch die Namensgebung ist matrilinear, d.h. alle Nachkommen erben den Namen der Mutter, denn von der weiß man, dass sie es ist, vom Vater nicht.
Die Makonde sind anscheinend aus dem Süden zugewandert. Um sich von den anderen Stämmen zu unterscheiden,
feilen sie sich die Zähne spitz zu und haben Tätowierungen, außerdem bemalen sie ihre Körper.