Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(105) Mosambik 2008 Seniorexperten: von Nonnen, Mönche & Makonde

4. Dezember 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Diözese Pemba Tagung der Missionar(innen) - 2M will übertreten
Dutzende Frauen mit und ohne Tracht stehen im Innenhof, wir mittenmang dazwischen und werden begrüßt wie alte, lange vermisste Freunde. Es sind die Nonnen der verschiedensten Kongregationen auf ihrem jährlichen Treffen, sie arbeiten alle in der Region. Ein paar Priester sind auch dabei. Was für ein interessanter, lustiger Haufen! Sie kommen aus Italien, Spanien, Brasilien, Mittelamerika, Tansania, wenige nur aus Mocambique (das liegt an der Vergangenheit der Kirche, die es mit den portugiesischen Kolonialherren hielt. Danach kam der Sozialismus und der hatte nichts am Hut mit der Kirche). Die Frauen sind alt, jung, hübsch durchweg (ich kriege meine Augen nicht von einer bildhübschen Italienerin, die genau so gut in Rom in einem Kaffee sitzen könnte). Sie strahlen das gewisse Etwas von in sich selbst ruhender Freundlichkeit und Herzlichkeit aus. Alle sind fröhlich. Wir sind aufgenommen und müssen uns mit den neu angekommenen vorstellen. Von den Brasilianerinnen werden wir sofort in Beschlag gelegt. Sie haben unseren Dialekt erkannt.


Missionare werden hier alle aus dem Ausland kommenden Priester aber auch die Nonnen genannt. Es sind etwa 3 Dutzend, die in der Diözeseregion arbeiten und entsprechend der Spezialisierung ihrer Kongregationen eingesetzt und finanziert werden. Sie sind Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen, Krankenschwestern, Projektleiterinnen. Einige arbeiten auch in der Mission.
 
Wir hören Vorträge und Diskussionen über kulturelle Differenzen der verschiedenen Stämme und der wirtschaftlichen Probleme. Es gibt 4 große Völker in der Provinz. Es sind Bantus, die zum Teil vor 3000 Jahren aus der Mitte Afrikas eingewandert sind. Sie errichteten Königreiche und Feudalsysteme, immer selbständig und unabhängig. Auch das Kolonialsystem der Portugiesen konnte diese Stämme nicht zerstören. Und die tief verwurzelten Traditionen wirken bis heute. Erst langsam penetriert die Globalisierung mit Radio, Fernsehen und den Verlockungen der Warenwelt und fängt an, alte Strukturen aufzulösen. (Ich denke, die traditionellen Gebräuche sind nicht pauschal als gut einzustufen. Da gibt es viel Inhumanes. Die Alternativen der modernen Gesellschaft allerdings sind für die wenigsten ein Fortschritt).

Projekt-Diozese-Pemba---61.jpgDie Menschen sind Selbstversorger, bearbeiten zumeist einen Hektar mit der Hacke und bauen Maniok, Hirse, Mais, Reis, Bohnen an. Cashewbäume haben sie auch. Industrie gibt es kaum. Der Handel ist in der Hand von Indern und Pakistani und die Preise sind höher als in Maputo. Viehwirtschaft gibt es nicht obwohl Weiden vorhanden wären. Fehlende Tradition und in bestimmten Gegenden die Tse Tse Fliege sind die Ursachen. Auch Wässern der Felder ist nicht bekannt. Man wartet auf den Regen. Fischfang wird zur Selbstversorgung betrieben. Aber der Fang nimmt ab da große Fischkutter der Industrieländer die Küsten leer fischen.

Mit den Makonde haben sie ihre Schwierigkeiten.
Der Stamm wird zwar den Christen zugerechnet, aber sie pfeifen auf die Feinheiten der Religion. Traditionelle Initiationsrituale sind ihnen allemal wichtiger als die katholische Kommunion. (Der vortragende Priester kriegt seinen Blick nicht von M). Noch schlimmer für die Missionare: sie heiraten nicht! Das ist in deren Tradition nicht vorgesehen. Männer und Frauen leben locker zusammen, es gibt Polygamie und Frauenraub (es werden auch welche gekauft) und das ist ihnen nicht auszutreiben „Wir reden und reden, sie sagen ja, ja, aber heiraten – nicht dran zu denken.“ In diesem Kontext macht es Sinn, dass bei der Kindererziehung die Familie der Mutter wichtiger ist als der Vater und der Bestimmende der Onkel der Frau ist. Auch die Namensgebung ist matrilinear, d.h. alle Nachkommen erben den Namen der Mutter, denn von der weiß man, dass sie es ist, vom Vater nicht.
Die Makonde sind anscheinend aus dem Süden zugewandert. Um sich von den anderen Stämmen zu unterscheiden, feilen sie sich die Zähne spitz zu und haben Tätowierungen, außerdem bemalen sie ihre Körper.


Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post

Katharina vom Tanneneck 12/04/2011 23:31


Da sind diese Stämme ja teilweise fortschrittler als wir. Ich meine den Namen der Kinder den sie von der Mutter bekommen. Das ist auf jeden Fall ehrlicher! Es gibt ja schließlich auch bei uns
Kinder, die ihren Vater nicht kennen oder kennen sollen.


Ich wünsche Dir einen guten Start in die neue Woche und grüße aus dem verregneten MV.


Katharina

R.Einloft 12/05/2011 10:43



Ja, sicherer ist das Verfahren schon, die Kinder nach der Mutter zu nennen. Hab mal gelesen, dass nach den neuesten Gentests 15% der Männer glauben, sie wären die Väter, sind es aber nicht. Siehe
da, afrikanische Verhältnisse auch hier. Kein Wunder, kommen wir doch alle irgendwie aus Afrika.


Auch dir eine schöne Woche. Hier regnet es mit Graupel dazwischen. Und kalt ist es auch


Grüße aus Hommertshausen


RE