Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(106) Mosambik 2008 Seniorexperten: von Undingern

10. Dezember 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

R: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser
Misereor-Projekt-Buro---8.jpgWirtschaftsprüfer aus Deutschland waren da. Misereor hatte vor 1 Jahr zugesagt, ein Projekt zur nachhaltigen landwirtschaftlichen Entwicklung zu finanzieren. Raum, Büroausrüstung und zwei Personen stehen rum, der Arbeitsplan liegt fest, ein Dienstwagen wurde verschickt (liegt im Zoll nach wie vor), das Geld zur Projektfinanzierung aber ist noch nicht da. Das hält Misereor nicht davon ab, eine Prüferin zu schicken, die zwei Mal im Jahr nachschaut, ob auch alles richtig abgerechnet und auf der Reihe ist. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser hat Lenin gesagt.

Das scheinen viele entwicklungspolitische Organisation verinnerlicht zu haben. Kein Problem für mich, mit den Prüfern zu verhandeln. War ja mein Geschäft, Verträge zu interpretieren und die wichtigsten Paragrafen herauszufinden, um die Finanziers zufrieden zu stellen. Wissen die eigentlich, dass man nur wissen muss wie es geht um vieles machen zu können was sie nicht zu wissen brauchen? Die Praxis verlangt flexibles Vorgehen, Verträge sehen das nicht vor.

Benigna, die Gutartige heißt die junge Leiterin des Misereor-Projektes. Mir fällt ihr Name partout nur als Beringela, Aubergine ein. Hoffentlich rutscht mir das nicht mal raus.

M soll die Schule evaluieren. 

R: Undinger
Seit April stehen die Projektmittel aus. Ein Unding. MISEREOR hatte Nachfragen und Anforderungen. Sie lagen in den Akten, wurden nicht beantwortet. Auch ein Unding. Die Geldgeber müssen befriedigt werden. Das ist eine eiserne Regel. Hab die langsamen, zäh arbeitenden Projektleute zum Antworten gebracht. Nächste Woche kommt die erste Rate von 20 000 Euro.

R: Tagespensum Freitag:
Projekt-Diozese-Pemba-Farmacia---4.jpg7:30 Betriebsversammlung in der Apotheke. Wir sollen die neue Direktorin, eine junge, schöne Nonne, bei der Leitung und bei der Bestell- und Ergebniskontrolle unterstützen. Bisher gibt es keine Gewinn und Verlustrechnung. Insgesamt sind 9 Leute in den kleinen Laden, 2 Nonnen und 7 Angestellte (darunter 2 Wächter). Die 3 Apotheker (nun ja, Farmaceuticos heißen sie, sind aber nicht mehr als Gehilfen) arbeiten nur 4 Stunden pro Tag. Neue Öffnungszeiten und gerechter verteilte Arbeitsschichten sollen eingeführt werden.

10:00 Büro, 12 Emails eingegangen, Geschäftsverkehr wie in meiner besten Zeit. Misereor bedankt sich für unsere Unterstützung und schickt ein Formular für die Abrechnung, das ich nicht verstehe. Und das soll ich jetzt denen vermitteln. Für die Entzollung des Autos arbeiten nun der Verkäufer in D, der Importeur in Maputo und der Verschiffer für uns. Keiner will Schuld sein, wenn der Wagen versteigert wird (nach 3 Monaten ist das die Regel im Zoll). Die Zeit läuft. Mit dem Bischof die erste Auseinandersetzung. M stoppt mich, ich darf einen Afrikaner nicht vor seinen Untergebenen bloß stellen. Mit internationalen Agenturen aber muss schneller reagiert werden. Jaja, sie hat ja Recht.

Nach der Mittagsruhe Portugiesisch, dann kümmert M sich um die Büroorganisation. Wir beantragen einen SES-Experten (Schreiner). Der SES ist sehr zufrieden. Wir haben einen Repräsentanten für Mosambik vermittelt und die nette Dame aus der Zentrale plant ihre nächste Dienstreise nach Maputo. Sie möchte unsere Kontakte nutzen. Ich versuche einen Drucker zu installieren, es klappt nicht. Irgendjemand hat denen einen hochwertigen Grafikdrucker angedreht. Das Set mit neuen Druckerpatronen kostet 150 Euro. Schwarz ist aus, wir drucken in blau. Nach dem Abendessen Emails, Tagebuch, dann spielen wir und hören das 2. Hörbuch fertig. Jetzt bin ich aufgedreht.

Gar nicht so einfach, Berater zu sein. Ist wie in den Wind rufen.

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post

Joachim 12/14/2011 19:02


Und - wie heißt es so weise? "Weniger ist manchmal mehr".

R.Einloft 12/19/2011 11:26



Au weia, da sagst du ein wahres Wort. Warum ich so in den Aktionismus reingelaufen bin, ist mir bis heute nicht klar. Vielleicht wollte ich beweisen, wie gut ich bin - und hab das Gegenteil
erreicht. OK, ging schlussendlich gut aus. Habs noch geschafft.


Beste Grüße und stressfreie Weihnachten wünscht


RE



Joachim 12/12/2011 09:20


Hallo RE! Das ist wieder spannend zu lesen. Kann mir gut vorstellen, wie in dir die ungeduld hochstieg, wenn da einiges nicht so lief, wie du wolltest. Im nachhinein lässt es sich aber gerade
darüber besonders gut schreiben. Ihr habt viel getan.


LG Joachim

R.Einloft 12/12/2011 10:29



Und das Lustige da dran war, ich wusste es doch besser und als es wieder ans Funktionieren ging, zack bin ich in meine alten hinein gerasselt. Schaffe, schaffe liegt uns halt. Du hast Recht,
schreiben lässt es sich besonders gut darüber mit etwas Abstand. Viel haben wir nicht erreicht, ein wenig nur.


Beste Grüße RE