Artikel teilen! (106) Mosambik 2008 Seniorexperten: von Undingern: R: Vertrauen ist gut, Kontrolle besserWirtschaftsprüfer aus Deutschland waren da. Misereo ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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R: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser
Wirtschaftsprüfer aus
Deutschland waren da. Misereor hatte vor 1 Jahr zugesagt, ein Projekt zur nachhaltigen landwirtschaftlichen Entwicklung zu finanzieren. Raum, Büroausrüstung und zwei Personen stehen rum, der
Arbeitsplan liegt fest, ein Dienstwagen wurde verschickt (liegt im Zoll nach wie vor), das Geld zur Projektfinanzierung aber ist noch nicht da. Das hält Misereor nicht davon ab, eine Prüferin zu
schicken, die zwei Mal im Jahr nachschaut, ob auch alles richtig abgerechnet und auf der Reihe ist. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser hat Lenin gesagt.
Das scheinen viele entwicklungspolitische Organisation verinnerlicht zu haben. Kein Problem für mich, mit den Prüfern zu
verhandeln. War ja mein Geschäft, Verträge zu interpretieren und die wichtigsten Paragrafen herauszufinden, um die Finanziers zufrieden zu stellen. Wissen die eigentlich, dass man nur wissen muss
wie es geht um vieles machen zu können was sie nicht zu wissen brauchen? Die Praxis verlangt flexibles Vorgehen, Verträge sehen das nicht vor.
Benigna, die Gutartige heißt die junge Leiterin des Misereor-Projektes. Mir fällt ihr Name partout nur als
Beringela, Aubergine ein. Hoffentlich rutscht mir das nicht mal raus.
M soll die Schule evaluieren.
R: Undinger
Seit April stehen die Projektmittel aus. Ein Unding. MISEREOR hatte Nachfragen und
Anforderungen. Sie lagen in den Akten, wurden nicht beantwortet. Auch ein Unding. Die Geldgeber müssen befriedigt werden. Das ist eine eiserne Regel. Hab die langsamen, zäh arbeitenden
Projektleute zum Antworten gebracht. Nächste Woche kommt die erste Rate von 20 000 Euro.
R: Tagespensum Freitag:
7:30 Betriebsversammlung in der Apotheke. Wir sollen die neue Direktorin, eine junge, schöne Nonne, bei
der Leitung und bei der Bestell- und Ergebniskontrolle unterstützen. Bisher gibt es keine Gewinn und Verlustrechnung. Insgesamt sind 9 Leute in den kleinen Laden, 2 Nonnen und 7 Angestellte
(darunter 2 Wächter). Die 3 Apotheker (nun ja, Farmaceuticos heißen sie, sind aber nicht mehr als Gehilfen) arbeiten nur 4 Stunden pro Tag. Neue Öffnungszeiten und gerechter verteilte
Arbeitsschichten sollen eingeführt werden.
10:00 Büro, 12 Emails eingegangen,
Geschäftsverkehr wie in meiner besten Zeit. Misereor bedankt sich für unsere Unterstützung und schickt ein Formular für die Abrechnung, das ich nicht verstehe. Und das soll ich jetzt denen
vermitteln. Für die Entzollung des Autos arbeiten nun der Verkäufer in D, der Importeur in Maputo und der Verschiffer für uns. Keiner will Schuld sein, wenn der Wagen versteigert wird (nach 3
Monaten ist das die Regel im Zoll). Die Zeit läuft. Mit dem Bischof die erste Auseinandersetzung. M stoppt mich, ich darf einen Afrikaner nicht vor seinen Untergebenen bloß stellen. Mit
internationalen Agenturen aber muss schneller reagiert werden. Jaja, sie hat ja Recht.
Nach der Mittagsruhe Portugiesisch, dann kümmert M sich um die Büroorganisation. Wir beantragen einen SES-Experten (Schreiner). Der SES ist sehr
zufrieden. Wir haben einen Repräsentanten für Mosambik vermittelt und die nette Dame aus der Zentrale plant ihre nächste Dienstreise nach Maputo. Sie möchte unsere Kontakte nutzen. Ich versuche
einen Drucker zu installieren, es klappt nicht. Irgendjemand hat denen einen hochwertigen Grafikdrucker angedreht. Das Set mit neuen Druckerpatronen kostet 150 Euro. Schwarz ist aus, wir drucken
in blau. Nach dem Abendessen Emails, Tagebuch, dann spielen wir und hören das 2. Hörbuch fertig. Jetzt bin ich aufgedreht.
Gar nicht so einfach, Berater zu sein. Ist wie in den Wind rufen.