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Friday, 2. december 2011 5 02 /12 /Dez. /2011 10:28

Der Bischof erzählt
Der Bischof erzählt und erzählt. Es gibt mehr Probleme als Projekte. Die Diözese ist mit ihren 81 000 qkm größer als Bayern und viersprachig. Außerhalb Pembas braucht er Dolmetscher. 23 einheimische Priester arbeiten in dem riesigen Gebiet. Der Bischof erhält 35 000 Dollar im Jahr aus Rom für alle seine Aufgaben. Das ist nix. Missionieren soll er damit, die Gebäude erhalten und ausbauen, die Verwaltung verwalfen und mit Sozialprojekten für die Solidarität sorgen. Die Konkurrenz ist groß, die Muslime bauen ihn mit Geld aus dem nahen Osten dauernd neue Moscheen und Zentren vor die Nase. Auch die Evangelen und besonders die amerikanischen Sekten sind nicht faul. Die größten Probleme sagt er seien Aids, Hunger, mangelnde Schulbildung (besonders ab der weiterführenden Schule), Wasserversorgung, Wohnung (Habitaçao) und schlechter werdende Umweltkonditionen.
Neben den pastoralen Aufgaben hat er Solidarprojekte. Es ist eine Liste quer durch den Gemüsegarten: Schreinerei, Schule, ein neues Projekt der integrierten ländlichen Entwicklung zusammen mit Misereor. Eine Entwicklungshelferin soll kommen, ein Auto steht im Zoll und wird nicht frei gegeben, das Geld für das Projekt kommt nicht an. Eine Ausbildungsstelle für Priester will er bauen, es gibt ein Internet Cafe von dem sie sich Einnahmen erhofften und das nicht funktioniert (in der Tat, mal geht was, mal nicht), sie haben ein Haus und ein Grundstück am Strand von dem niemand weiß was da zu machen ist, es muss aber genutzt werden, denn französische Tourismusspekulanten sind dahinter her und schmieren die Verwaltung. Er will ein Zentrum für angepasste Technologie und integrierter Entwicklung zur Demonstration bauen und da hören wir erst mal auf. Was wir tun sollen wird noch nicht deutlich. Ihm Ideen geben, wie er die vielfältigen Probleme in den Griff kriegen kann. Sagt er.
Dann fällt der Strom aus, wir kriegen eine Kerze mit dem Papst drauf und hören auf zu reden. Es ist sehr spät.

Die Arbeitsplatzbeschreibung hatte Ausbildung benannt, den Eindruck vermittelt, organisatorische Abläufe sollten optimiert werden, eben unsere Erfahrungen weitergeben aus 30 Jahre Leitung von Entwicklungsprojekten, Büros und in der Ausbildung. M hatte extra Kurse in Excel und Buchhaltung für kleine Büros gemacht, ich hatte Unterlagen über Verbesserung von Qualitätsprozessen in der Entwicklungspolitik und Öffentlichkeitsarbeit dabei, aber es scheint, Don Ernesto macht alles selber. Eine definierte Aufgabenstellung ist noch nicht in Sicht. Wir beginnen erst mal mit dem Auto im Zoll und Kontakt zu Misereor, damit das Geld kommt

Projekt-Pemba-Misereor---5.jpgDer große Spezialist.
Statt zu warten, wie wir uns das vorgenommen haben bin ich mitten rein mit vollem Aktionismus und schon habe ich in die Scheiße gegriffen. Emails wurden heute um die ganze Welt geschickt und Spediteure in Deutschland, Dänemark und Maputo aufgeschreckt weil angeblich ein Importpapier für ein geschenktes Auto fehlte. Heute Abend war es kein fehlendes Dokument mehr sondern fehlendes Geld um den Zoll zu bezahlen. Und ich dachte, Einloft kommt und regelt alles ruckizucki. Jetzt musste ich denen schreiben, dass Einloft  übereifrig war. Was für eine Pleite!

Pemba---Bisop-fahrt-selbst.jpgDer Bischof fährt selber
Er wollte uns die Stadt zeigen, aber erst am Abend hatte er Zeit. Es war dunkel, die Menschen in der Altstadt saßen mit Kerzen vor ihren Häusern. Den Strand konnten wir nur ahnen, schön muss es da sein denn überall wird gebaut. Zwei Grundstücke gehören der Kirche, sie müssen dringend erschlossen werden. 12 Km vor der Stadt biegt er ab. Ein Muslime Viertel. Dahinter ein Haus, dunkel alles, da soll ein lokales Zentrum entstehen. Bei Kerzenschein sitzen 3 Nonnen in einem Zimmer. Sie kommen aus Tansania, sind erst seit kurzem im Land, sprechen nur Swahili und ein wenig Englisch. Ein paar Brocken portugiesisch haben sie aufgeschnappt, kein Wunder, die Leute um sie herum reden eine einheimische Sprache. Es wird lustig als M sie in Kisuaheli anredet. Sie freuen sich von Tansania zu hören. Bei der Begrüßung knicksen sie tief und küssen die Hand des Bischofs. Beim Abschied wollen sie gesegnet werden und kichern dabei wie die Schulmädchen. Zwei Stunden später sind wir zurück. Es gibt Spaghetti mit kross gebratenem Fisch.
Mein erster ernster Rat ist: er braucht einen Fahrer.


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Kommentare

Ohjeee, das sind ja Probleme über Probleme, die mit dem bißchen Geld kaum zu lösen sind. Die Kirche hat doch genug Geld, da soll sie mal etwas mehr abgeben. Wenn man bedenkt, das es im Jahr 2008 immer noch so etwas gibt, stimmt mich das schon sehr nachdenklich. Sicher hast Du mit einigen Deiner Ideen etwas geholfen. Ausreichend war es sicher nicht.

Liebe Grüße, Katharina 

 

Kommentarnr1 gepostet von Katharina vom Tanneneck am 3.12.2011 um 00h08

Ja, hab ich auch gedacht, die Kirche könnte das leicht lösen. Aber von Rom wird er äußerst knapp gehalten und sonstige Quellen hat er kaum. Afrika hat auch beim Papst keine gute Lobby, scheint mir. Wie überall war die eigene Leistung knapp und die Erfahrung groß.

Hier regnet es und kalt ist es obendrein. Mistwetter um zu Hause zu bleiben.

Trotzdem sind wir nicht geknickt, ein schönes Wochenend kriegen wir allemal hin, gelle. Wünsch ich dir jedenfalls.

Grüße aus dem Hinterland

RE

Antwort von R.Einloft am 3.12.2011 um 10h43
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