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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(109) Mosambik 2008 Seniorexperten: Afrika & Logik

15. Januar 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Zwischen den Welten

Ist das nun afrikanisches Verhalten oder Schludern, ist es mangelndes Zeitmanagement oder Palaver? Ist das Faulheit oder hat er Malaria? Oder was? Pallaver.jpgVerschiedene Welten treffen aufeinander dort wo wir sind. Denn die vom Norden finanzierten Entwicklungsprojekte machen zur Bedingung, sich der  buchhalterischen Ordnung zu unterwerfen, Berichtswesen, Aktenordnung  und Planung nach rationalen Vorgaben auszurichten. Da ist nicht nach der Denkweise von Afrika zu fragen sondern nach der Logik der Geber. Sonst gibt es kein Geld. Das können wir verstehen, das können wir vermitteln. Und stellen oft fest, dass es nicht umgehend akzeptiert wird. Dann geraten wir ins Schwimmen. Denn die afrikanische Weise zu denken und zu handeln ist anders.

Wir kommen aus einer rationalen Welt, haben sie verinnerlicht. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass ich diese Welt nicht als non plus ultra, einzig selig machende Form des Denkens und Handelns verkaufen darf. Die Rationalität und Logik der Aufklärung hat uns Nordländer zu dem Reichtum gebracht, den wir heute genießen. Hat uns befreit vom dumpfem Verhangensein in vorgegebene Strukturen und Obrigkeiten, hat Technik und Wissenschaft in ungeahnte Höhen geführt, hat den einzelnen Menschen verantwortlich vor sich selbst und der Gesellschaft gemacht.

(Blitzlicht: Noch Giordano Bruno hatte die Kirche auf den Scheiterhaufen geschickt als er wagte, selbständig zu denken und der Kirche das Recht auf allseitiges Wissen abzusprechen. Und Galilei, der die Erde als Mittelpunkt des Weltalls entthronte, musste widerrufen und wurde zu Hause lebenslang eingesperrt. Luther schaffte es, den Menschen als eigenverantwortlich vor Gott zu auszurufen. Und die Aufklärung definierte den Menschen als Mittelpunkt des Seins, verantwortlich nur seinem Gewissen und der Gesellschaft gegenüber. Seither wird gedacht, geforscht, gehandelt nach eigenem Gutdünken. Im Kapitalismus hat das System der Eigenverantwortung seine wirtschaftliche Hoch-Zeit entwickelt. Jeder Unternehmer gegen jeden heißt die Devise, die Konkurrenz zu besiegen ist der Schlüssel des Erfolges. Warenberge, Wohlstand, demokratische Systeme, Gesundheit, längere Alterszeit, Bildung, Entwicklungshilfe und die UNO – um nur einiges zu nennen - sind Ausflüsse der modernen Denkweise).

Aber systemimmanent, eingebettet in dieser Logik und Rationalität steckt auch viel Negatives. Destruktive Kräfte können gleichsam auf ungeahnte Höhen schießen. WK I & WK II, der Holocaust, Vietnam- und Irakkrieg hätte ohne moderne Technik und Logistik (Logik! siehe da) in dem Ausmaß nicht stattfinden, die Atombombe nicht gebaut, das ungeheure Arsenal modernster Waffen nicht angehäuft werden können. Und ob die Globalisierung mit der Verschiebung von ungeheuren Geld- und Warenmengen ein Segen ist, muss sich erst noch zeigen. Beide Seiten von Logik und Rationalität sind mir bewusst. Es ist nicht möglich, nur die Segnungen unserer Kultur anzubieten.

Dagegen steht die afrikanische Denk- und Handlungsart, wenig kompatibel mit unserem rationalen, kopfgesteuerten Handeln. Die afrikanische Art demokratische Entscheidungen zu finden, ist noch immer das Palaver. Es muss so lange diskutiert werden, bis ein gemeinsamer Kompromiss gefunden ist.

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