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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(109) Mosambik 2008 Seniorexperten: Afrika & Logik Teil II

17. Januar 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Der erste Teil ist hier zu finden: Afrika & Logik

  (Blitzlicht: Viele afrikanische Kritiker glauben nicht, dass unsere demokratischen Modelle in Afrika funktionieren. Sie wollen den Geist der afrikanischen Ubuntu - Philosophie wieder institutionalisieren. Danach ist jedes Mitglied einer Gemeinschaft für das Wohl dieser Gemeinschaft mit verantwortlich. Palaver ist die althergebrachte Methode. Damit ausnahmslos alle Mitglieder der Gemeinschaft – ohne Ansehen von Rang und Namen – ihre Sicht der Dinge in einer Entscheidung am Ende berücksichtigt sehen, muss das Oberhaupt zunächst alle anderen sprechen lassen. Solange, bis ein Kompromiss sichtbar ist. Um dann im Sinne aller zu entscheiden).

Pemba GroßfamilieAfrikanisch ist auch die endlose Familienverbundenheit. Ein Afrikaner, der Einkommen hat, muss für alle in seiner Großfamilie sorgen. Sonst verliert er den Kontakt und damit sein ursprüngliches Leben. Land bedarf keines Titels, es gehört den Ahnen. Altes afrikanisches Denken ist, dass das Individuums eingebettet ist in einen ewige Kreislauf des Lebens. Und dieser Kreislauf muss  in einem harmonischen Gleichgewicht bleiben. Diese Harmonie muss bei Störungen, zum Beispiel bei Konflikten oder nach einem Verbrechen, im Palaver wieder hergestellt werden. Zeit ist dabei kein Maß sondern Grundlage der Gespräche. Endlose Zeit. Traditionelle afrikanische Herrscher waren und sind eingebettet in die Erfüllung dieser Maxime.

(Blitzlicht: Dass in Afrika grausame Herrscher die eigenen Landsleute umbringen (lassen) ist bis heute auch wahr. Viele herrschenden Eliten und ihre Anführer sind für Stagnation oder Staatsverfall in vielen afrikanischen Ländern verantwortlich. Afrikanische Kritiker geben dem Kolonialismus die Schuld. Der Aufteilung der Länder mit dem Lineal und nach europäischen Interessen. Der grausamen Behandlung durch Kolonialherren und der Ausbeutung durch die modernen Wirtschaftsmethoden. Und viele afrikanische Eliten sind in Europa und Amerika aufgewachsen und dort gebildet worden. Denkansätze vermischen sich, Egoismus und Warenberge sind anziehend. Da ist was dran. Aber es ist nicht alles. Auch vorher schon haben afrikanische Herrscher die eigenen Landsleute an Sklavenhändler verkauft und Kriege geführt. Trotzdem bleibt eine der Grundlagen afrikanischer Kulturen die Suche nach Harmonie und Ausgleich. Mehr und mehr setzt sich in Afrika wieder eine Rückbesinnung auf die alten Werte durch.)

Das und noch viel mehr haben unsere afrikanischen Gesprächspartner als eigenen Hintergrund, der eine mehr, der andere weniger. Ich finde es falsch, diese Denk- und Handlungsstrukturen als rückständig abzulehnen. Es nutzt ja auch nichts. Bisher sind alle Versuche fehlgeschlagen, „modernes“ Denken aufzupfropfen. Und das genau ist der Widerspruch, in dem wir hier in Mosambik wieder mal stecken. Wir sollen zwar was machen, damit die Projekte und die Verwaltung besser funktionieren, sind aber nur begrenzt in der Lage, überhaupt zu erkennen, wo und wie das möglich ist.

Oder sollen wir ihnen sagen, nach rationalem Muster müssten mindestens 4 Leute der Apotheke entlassen werden, damit der Gewinn steigt? Wo sie doch eingestellt wurden, damit sie ein Einkommen haben? Gelle, siehste. Wenn wir das unserem Bischof vorschlagen sieht er uns an und sagt: Ihr müsst euch noch ein wenig eingewöhnen.

Tschüss

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