Artikel teilen! (109) Mosambik 2008 Seniorexperten: Chinesen in Afrika: China kommt „Überall zwischen Daressalam und Dakar denken die politischen un ...
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China kommt
„Überall zwischen Daressalam und Dakar denken die politischen und wirtschaftlichen Eliten um. Sie fühlen sich von den Chinesen als gleichwertige Partner behandelt, nicht mehr als bloße Almosenempfänger“ schreibt Bartolomäus Grill (Der lesenswerte Artikel ist zu finden unter: http://www.zeit.de/2008/03/China-Afrika?page=all Danke Adda). Er beschreibt, wie die Wirtschaftsoffensive Chinas in Afrika um die Jahrtausendwende begonnen hat. Grund ist, die Chinesen brauchen den Zugriff auf die reichen Rohstoffvorkommen des Erdteils. Es geht um Öl, Erdgas, Eisenerz, Kupfer, Bauxit, Uran und andere Bodenschätze. Den staatlichen chinesischen Rohstoffkonzernen, die in Afrika investieren, folgen immer schneller chinesische Privatunternehmen aus unterschiedlichsten Industriebranchen. Gleichzeitig geht es um langfristige Handelsabkommen, Aufbauhilfe und gewaltige Infrastrukturprojekte.
Rund 750.000 Chinesen sind in Afrika schon im Einsatz (2008). Manager, Ärzte, Agronomen, fliegende Händler, Importeure, Kleinstunternehmer und ein Heer von Kontraktarbeitern auf zahllosen Großbaustellen. Überall in Afrika findet man sie. In Dar es Salaam wird das Fußballstadion von Chinesen gebaut, auch ein Teil der Fernstraße nach Moçambique. In Maputo konnte ich das neue Wirtschaftsministerium bewundern. Sie hinterlassen Militärkasernen, Textilienmärkte, Präsidentenpaläste. Ihre Methode, die Preise zu drücken und die Aufträge zu bekommen, ist konkurrenzlos. Sie bringen ihre eigenen Arbeitsbrigaden mit, halten sie bei Reis und Soße in Containern und einfachen Wohnungen abgeschlossen vor der einheimischen Bevölkerung und lassen billigst und mit Präzision und Schnelligkeit arbeiten. Für hohe Qualität sind sie auch nicht gerade bekannt und so schauen die anderen internationalen Anbieter oft in die Röhre. Wenn das so weitergeht – und alles sieht danach aus – werden die Chinesen die USA als ersten Handelspartner überholen.
Es wundert mich nicht, dass die Chinesen hofiert werden. Der Westen hat sich in Afrika nicht gut benommen. Erst haben sie den Kontinent mit dem Lineal unter sich aufgeteilt und als Kolonien ausgebeutet, dann wurden die Befreiungsbewegungen als Kommunisten bekämpft und dubiose Diktatoren unterstützt, dann kamen die Besserwisser mit neuen Entwicklungsideen die die Afrikaner bitteschön morgen umsetzen sollten und nun setzen sie Demokratieformen, Wirtschaftsliberalismus und Antikorruptionskampagnen als Bedingung für Entwicklungshilfe. Der Kommando-Ton der Kolonialherren ist zwar abgelöst worden von einer mehr diplomatischen Diktion, aber Besserwisser werden auch in Afrika nicht geschätzt. Vor allem, wenn dahinter Geschäftemacherei steht. Entwicklungshilfe ist humane Hilfe, das möchte ich betonen. Aber gleichzeitig soll sie auch den Boden für Investitionen bereiten. Das ist nicht falsch, nur wird darüber nicht geredet. Chinesen tun das. Sie akzeptieren Afrika wie es ist und sagen offen, dass sie Rohstoffe brauchen und Geschäfte machen wollen. Das gefällt zumindest den afrikanischen Eliten.
Im einfachen Volk sieht man nur die Händler und Baubrigaden. Sie sind nicht beliebt, gelten als Wühler und Ausbeuter.
Überall bis ins innerste Afrika dringen sie vor, diese Billigstprodukte, dieser schillernde, kurzlebige Schrott und Tand, der auch noch Batterien braucht. „Ramschwaren, die keiner braucht und
jeder will“ bezeichnet Grill sie sehr schön. Gerüchte laufen um. Ein Priester erzählt mir, dass auf den Baustellen chinesische Verbrecher eingesetzt werden. China drückt die Löhne einheimischer
Arbeiter, verkauft den Diktatoren Waffen, erhält Kriege am Leben, hat im Volk keine Freunde. Kann diese Art Afrika helfen? Das ist offen. An der westlichen Art ist der Kontinent nicht genesen. Im
Gegenteil. Grill schließt mit einem schönen afrikanischen Sprichwort: „Wer ertrinkt, klammert sich auch an ein Krokodil“. Hoffen wir, dass das chinesische Krokodil ziemlich satt ist.
PS: Wer sich weiter informieren will, hier noch ein detaillierter Artikel aus 2009: http://www.wsws.org/de/2009/nov2009/chin-n18.shtml
und der Zeit 2011: http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-08/china-afrika-entwicklungshilfe