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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(110) Als Seniorexperten in Mosambik 2008: Beim Bischof

18. Januar 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Kamillentee
Ich hab ihn gefunden! Der Inder oder Pakistani mit dem voll gepackten Ramschladen, der hat offenbar alles. Jetzt kann ich die restlich Entzündung am Zahn und Montezumas Rache behandeln. Sollte Kamille gegen den Durchfall nicht wirken, muss ich mal auf das alte Buschläuferrezept zurückgreifen. Eine halbe Flasche Rum. Entweder es wirkt oder es ist dir egal.

Südtour 1 nach Tunduru - 48Knie durchgedrückt
Heute hab ich einen Mann in der Hocke sitzend arbeiten sehen. Das ist selten. Afrikanische Frauen und Männer arbeiten zumeist stehend vornüber gebeugt mit gespreizten, durchgedrückten Knien. Die Frauen sitzen auch so. Beine als V auseinander, lang gestreckt und flach auf der Matte. Kann ich nicht.

Esstisch-Bischofshaus.jpgSonntagessen

Mittags gekochte Kartoffeln mit Soße und Hähnchenteilen, davor Suppe, als Nachtisch Obstsalat. Abend Reis, Fisch, gekochte Bohnenblätter. Suppe davor und 1 kl. Banane danach. Frühstück: Waschlappen – Weißbrot, Marmelade, Mar­garine, Instant- Kaffee, Instant- Milch, Zucker, heißes Wasser.

Der Bischof lernt Deutsch
M: 11.02.: Um halb zehn war die 1.Deutschstunde für meinen Schüler Dom Ernesto angesetzt. Jetzt ist es halb zwölf, und er konferiert immer noch mit Schwester  Pilar, der Generalsekretärin von Caritas. Die beiden sind sich nicht besonders grün, habe ich den Eindruck, sie ist eine energische Spanierin und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Da es bei uns nicht weiter geht (keine Druckerfarbe für die Briefe, die wir ausdrucken wollen, der Bischof hat keine Zeit), sucht sich R. was zu tun. Jetzt stellt er die Emails der Mitarbeiter um, damit sie einen POP Account für Outlook haben und nicht immer übers Internet ihre Mails lesen und schicken müssen.

Gringos
M: Seit gestern sind zwei „Neue“ da, ein Priester aus Sri Lanka, der aber in den USA lebt und dieses grauenhafte asiatische Englisch spricht. Gott-sei-Dank kann er auch etwas Spanisch, sodass eine Verständigung mit dem Bischof und den Schwestern möglich ist. Der Andere spricht kein Wort von irgendwas, nur Englisch. Als ich ihn fragte, warum er hier sei, meinte er, er habe das Maul zu weit aufgerissen und hinterher nicht mehr nein sagen können. Sie bleiben einen Monat und wollen in der Zeit in drei oder vier Dörfern Brunnen bohren, außerdem eine Schule und ein Hospital bauen und der Priester will neue Früchte und Anbaumethoden einführen. Wir haben sehr gestaunt wie sie das in der kurzen Zeit hinkriegen wollen, aber wir lassen uns gerne überraschen.

R: Der Nichtpriester-Gringo ist aus New York und spricht auch so. Er war 20 Jahre bei den Marines in aller Welt und ist sehr katholisch. Vor und nach dem Essen stehen wir hinter den Stühlen, Kreuze werden geschlagen und Ave Marias gebetet. Der Ex-Mariner sticht heraus mit seinen nach Dürer gefalteten Händen und langem Kreuzschlagen. Die Padres, wenn sie alleine sind, machen das schnell, schnell. Beide Amis halten Bush Jr. nicht für christlich. Seine Bekehrungsdarstellung sei Schaulaufen um Stimmen und Geld anzuziehen, sagen sie. Die katholische Konkurrenz ist gnadenlos, wenn es um „Sekten“ geht. Aber in dem Fall rührt sich in mir Zustimmung.

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