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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(111) Mosambik 2008 Seniorexperten: Geschwindigkeit ist relativ

25. Januar 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Schimmel
Julio, der manchmal sauber macht, hat ihn entdeckt. Die Ledertasche, schwarze Schuhe, der Lederkoffer, ja sogar mein Sakko und die Wollpullover sind dick mit grünen Flecken bedeckt. Der Schimmel aus Dar es Salaam hat uns eingeholt.

Die endlose Geschichte der Fahrzeug - Entzollung
Ich hatte eine Fantasie: Mit unserem Herumwirbeln haben wir das Wasser wild aufgewühlt, Kanäle geöffnet, neue Rinnen gesucht, auch gefunden, das Ganze als Lösung präsentiert und nun, nun ist die See ist wieder ruhig geworden. Der Fluss daraus fließt seinen gewohnten, trägen Gang, ein Wassertropfen fällt noch, alles bleibt beim alten und das Fahrzeug steht weiter im Hafen. Herausgekommen ist einzig, dass das wichtigste Papier nun auch noch verloren gegangen ist.  Wir gewöhnen uns dran und fließen auch ruhiger dahin.

Geschwindigkeit ist relativ oder: wie ich Einstein verstand.
Es fiel mir schwer, den Sinn der eigenen Tätigkeit zu erkennen. Aber vielleicht lag das an meiner Geschwindigkeitsvorstellung? Schon reduziert auf die Schnelligkeit eines Goggomobils war ich angereist. Das aber war immer noch zu schnell. Jetzt hab ich runter geschaltet und siehe da, im Schneckengang gibt’s auch noch Veränderungen, man sieht sie nur nicht wenn man Goggo fährt. Geschwindigkeit ist relativ.
Mir geht es seit einer Woche wieder besser, nachdem ich mal die Geduld verloren hatte. Jetzt hab ich sie wieder gefunden.

Bischof MaguengueUnser Bispo
Er redet gerne. Seit Tagen tagelang. Mit wechselnden Leuten. Manchmal vergisst er Mittag- und Abendessen. Bei Tisch präsidiert er mit Charme und oft witzig. Seine Augen blitzen schelmisch, wenn er Witze erzählt, durchaus auch selbstkritische, die Kirche betreffend. Oder er erzählt Geschichten die er erlebt hat voller lustiger Einfälle. Er bestimmt gerne. Lächeln bescheidet er dem malariakranken Padre, Er, der Bischof, habe ihm dazu keine Erlaubnis gegeben. Als wir ihm mitteilen, in der Apotheke sei ein Personalproblem gelöst worden, kriegt er fast einen Anfall. Ohne seine Entscheidung ist nichts gelöst. Die Italienischen Schwestern haben ein sehr gutes Projekt aufgebaut. Es ist sozial ausgerichtet, betreut und unterstützt Aids-Kranke und ihre Familien, hilft nicht nur durch Lebensmittel-Spenden sondern auch durch Kleinprojekte, die Einkommen schaffen. Das Projekt hat mir sehr imponiert. Ich hätte gerne gewechselt. Da wird was Sinnvolles gemacht. Kurzum, der Bischof könnte stolz sein. Und was macht er? Er macht es wie der König im Märchen. Der hatte eine große Schatzkammer. Das schönste Stück war eine goldene Flöte. Wenn man da rein schaute, konnte man das ganze Königreich sehen. Berge und Wiesen und Wälder und die fleißigen Menschen all überall. Und was machte der König mit der Flöte? Er pfiff drauf.
Dass er das Projekt und die Oberin schneidet, ist wohl eine disziplinarische Maßnahem, die er vonnöten hält. Er wurde nicht gefragt und bei Entscheidungen übergangen. Es ist ihm wichtig, dass wir verstehen. Dann lächelt er sein Bubenlächeln und sagt, unseren Appell, bei solchen Maßnahmen die Menschlichkeit voran zu stellen, müsse er sich wohl noch mal überlegen. Er ist sehr gescheit. Ich habe einen 60-seitigen Hirtenbrief von ihm gelesen Da ist alles drin von der Geschichte der Provinz und der Diözese bis zu theologischen Problemen. Die Unterhaltungen mit ihm über philosophische Fragen sind sehr lehrreich. Er ist halt noch sehr jung. Und muss noch aus Fehlern lernen.

Bei Dalai Lama gelesen:
„Der christliche Klerus ist besonders dem Dienst am Nächsten auf dem Gebiet der Erziehung, Gesundheit und Sozialhilfe verpflichtet“
(und ruft den Buddhismus auf, davon zu lernen). Ich schreibe das auf, weil genau diese Hilfen von den Nonnen, die wir kennen gelernt haben, geleistet wird. Das nennen sie „Mission“.

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