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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(112) Als Seniorexperten in Mosambik 2008: M erzählt

1. Februar 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Als wir neulich in der Apotheke waren und ich mir gerade eine Anti- Mückencreme kaufte, stand neben mir ein Mann an der Theke und der Apotheker zählte ihm zwei Tabletten in ein Tütchen, schrieb die Rechnung und schickte ihn zum Bezahlen an die Kasse. Als er zurück kam, wollte ihm der Apotheker erklären, wie man die Tabletten einnimmt (viele Leute können nicht lesen und die Beipackzettel sind alle auf Englisch). Er fragte: “Wie alt ist denn das Kind?“ Der Mann antwortete: „Kein Kind, die sind für mich.“ Da sagte der Apotheker: „Das reicht aber nicht,  Erwachsene müssen drei Tabletten einnehmen damit es wirkt!“ Der Mann war ganz unglücklich und verlegen, er suchte in all seinen Taschen nach Geld, zählte, zählte wieder und ging dann endlich noch mal zur Kasse um noch eine Tablette zu zahlen. Dann bekam er die letzte Tablette und ging.

Und als wir heute vom Strand zurück kamen, war das Haus des Bischofs abgeschlossen, und der Wächter, der immer da ist, hatte keinen Schlüssel. Also mussten wir mal wieder warten bis der Koch kam, der den Schlüssel besitzt. Marianne-im-Bischofsgarten.jpgSo guckten wir uns im Garten um, wo viel Mais und Bohnen und ein paar Kürbisse und Erdnüsse gezogen werden. Der Rest ist Brachland. Es gibt auch Schweineställe und Hühnerställe mit Auslauf – aber alles gammelt vor sich hin. Es könnte soviel gemacht werden......Ich fragte später den Koch, warum sie keine Tomaten im Garten hätten. „Weil keine gepflanzt worden sind“. „Aber die wachsen doch hier so gut und so schnell?“ Er meinte, dafür reiche die Regenzeit nicht aus und am Schluss müsste man sie dann gießen. Ich erzählte ihm, dass wir selbstverständlich unsere Tomaten gießen. Da schüttelte er den Kopf: „Gießen, was für ein Aufwand!“

Ich ging noch für eine halbe Stunde auf den Dachgarten und als ich wieder runter wollte, war die Tür zugeschlossen. Keiner hörte mich und so blieb nichts übrig als wieder zu warten. So kriegt man seine Zeit auch rum!

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Katharina vom Tanneneck 02/02/2012 00:27


Tomaten würden dort sehr gut wachsen aber sie brauchen tatsächlich viel Wasser. Allerdings könnten sie auch viel länger ernten als hier bei uns. Die Mentalität ist doch eine ganz andere!


Das Warten ist hier bei uns ja auch weit verbreitet. Man wartet beim Arzt, obwohl man einen Termin hat. Man wartet eigentlich überall!


Mir fällt das hier nicht mehr so auf, weil man hier nicht soviel warten muß. Das Leben ist stressfreier und man hat mehr Lebensqualität.


Liebe Grüße, Katharina

R.Einloft 02/02/2012 13:32



Ja, Warten will gelernt sein. In unserer sehr oft hektischen Gesellschaft fällt es manchem schwer. In anderen Gesellschaften wird Warten oft mit Kontakten oder Nichtstun ausgefüllt. Auch ne Art.
Sich viel Arbeit machen, das ist wirklich nicht weit verbreitet. Auch wenn man dann keine Tomaten hat.


Beste Grüße RE