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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(112) Als Seniorexperten in Mosambik 2008: M erzählt IV

4. Februar 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

(PS: Das Bild ist nicht von den Pastorellas)

M-mit-Bischof-unterwegs---17.jpgUnd dann waren wir bei den „Pastorellas“, 5 Schwestern einer italienischen Kongregation, die uns eingeladen hatten, ihr Projekt kennen zu lernen. Sie kümmern sich um Erziehung und Gesundheit und haben auch einen Buchladen, wo ich ein paar Bücher kaufen konnte. Auf dem Hof, bzw. in dem Garten des Anwesens im Schatten saßen und lagen ca. 80 Frauen mit Kindern, die darauf warteten, ein paar Nahrungsmittel zu bekommen, Reis, Bohnen, Öl, Salz. Sie haben alle Aids oder sind Aids-Waisen oder Aids-Großmütter, die sich um die Kinder ihrer verstorbenen Kinder kümmern. Alleinstehende Frauen und Mädchen. Schicksale, die auch dem am härtesten Gesottenen die Tränen in die Augen treiben: eine 14-jährige, deren Eltern und 5 Geschwister an Aids gestorben sind und die sich nun um die Waisenkinder ihrer Geschwister kümmert und selbst auch schon ein Kind hat. Sie hat Angst, einen Aidstest zu machen, weil sie die Anderen hat sterben sehen und nicht so sterben will. Ein niedliches Kindergesicht aber so elend und voller Trauer. Der Schwester, die seit 8 Jahren dort arbeitet, kommen die Tränen, wenn sie darüber spricht. Im letzten Monat sind 6 kleine Kinder an Aids gestorben.

Sie haben sehr gute Verbindungen zu Italien und Kontakte zu Spezialisten, die jedes Jahr in ihrem Urlaub her kommen, wenn sie gebraucht werden. Einer gibt Computerkurse, ein Architekt, ein Vermessungsingenieur, ein Elektriker, ein Installateur. Im Büro sieht es ordentlich aus, die Gemeinschaftsräume sind aufgeräumt, alles funktioniert.....und sie kochen italienisch! Was für liebe Menschen, was für eine nette, effiziente Gruppe! Und der Bischof ist dagegen weil sie ihn nicht um Erlaubnis fragen. Dabei arbeiteten sie schon seit 5 Jahren, als er kam.

Insgesamt betreuen sie 230 Aids-Familien und jetzt haben sie 845 Kinder in den Schulen angemeldet, sie mit Schuluniformen und Unterrichtsmaterial, sowie mit Personalausweisen versorgt. Nachmittags kommen ca. 300 Kinder zum Spielen und Hausaufgaben machen zu ihnen. Sie fangen jetzt mit Handarbeitskursen und Gemüseanbau an, damit die Frauen sich wenigstens teilweise selbst versorgen können. Beim Mittagessen heute war irgend so ein höherer Kirchenmann aus Portugal da und er und der Bischof unterhielten sich über Politik und gemeinsame Bekannte in der Kirchenhierarchie. Wir anderen, die beiden Pater und wir, hatten keinen Anteil an der Unterhaltung. Als das Essen vorbei war und sie immer noch redeten, kam ich mir vor wie früher als Kind, wenn die Großen redeten und ich nicht verstand, worum es ging und ich gerne aufstehen wollte aber sitzen bleiben musste, bis die Erwachsenen fertig waren.

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Katharina vom Tanneneck 02/05/2012 22:07


Traurig, dass so viele Menschen an Aids gestorben sind. Dabei hätte man ihnen doch helfen können.


Das viele Geld, dass wir in Pleitebanken stecken, könnte wesentlich sinnvoller verwendet werden. Allein die Vorstellung, was man damit anfangen könnte, macht mich wütend. Ich kann Euch sehr gut
verstehen.


Fangt die Woche gut an!


Liebe Grüße, Katharina 

R.Einloft 02/06/2012 11:35



Meine Güte ja, Pleitebanken, Rüstungswettlauf, Verschwendung - und dann die ganze Not auf der anderen Seite. Genau darf man da nicht hinschauen, kann einem schön übel werden von.


Dir auch einen schönen Wochenanfang. Bestens RE