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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(112) Als Seniorexperten in Mosambik 2008: M erzählt von der Geburtstagsfeier

9. Februar 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

24.3. Zur Nachfeier von Rs Geburtstag und unseren Hochzeitstag haben wir Sekt gekauft, dem Koch Geld für 5 Pfund Krabben gegeben und Pater Aristides hat eine Torte bei seinen Nonnen bestellt. Es fing schon mittags an: R. erzählte dem Bischof, dass seine Schwester Geburtstag und letzten Woche gemeinsam mit uns Hochzeitstag gehabt hätte, da ließ Dom Ernesto eine Flasche Sekt kommen (eine Flasche Wein stand schon auf dem Tisch, wo wir doch normalerweise nur Wasser trinken). Geburtstagstoast-auf-Hanneli.jpgWir sollten auch ein Foto machen, das beweist, dass man im tiefen Afrika auf Hanneli angestoßen habe.
Den ganzen Nachmittags waren zwei tansanische Schwester draußen in der Küche (sie ist wirklich draußen) und es herrschte rege Betriebsamkeit. Ich hatte mich vorher im Garten mit Dom Ernesto eine Stunde über Erich Fromm und seine „Kunst des Liebens“ unterhalten. Zum Abendessen kamen unsere drei Latina-Nonnen mit umwerfend guter Laune, wie immer, aber diesmal steckten sie alle an. Die Verständnis- und Verhaltensprobleme in anderen Kulturen waren wieder ein Quell der Heiterkeit: der Bischof erzählte, wie übertrieben und fremd ihm anfangs die Begrüßungsriten in Italien vorgekommen seien (er hat dort studiert), das Umarmen, Schulterklopfen, Küssen. Als er sich damit angefreundet hatte, musste er nach England, wo man ihm schnell und sehr von oben herab bedeutet habe, doch bitte mit diesen
exaltierten Überschwänglichkeiten aufzuhören. Er kann das dann auch immer so schön vormachen, dass man sich vor Lachen biegt.
Beim Essen fehlten die Tansanierinnen. Dom Ernesto holte sie mit sanfter Gewalt aus der Küche. Sie wollten lieber draußen essen und kicherten vor Verlegenheit. Dabei sind sie schon ältere, gestandene Matronen. Projekt Diözese Pemba - FestEine Speisefolge vom allerfeinsten hatten sie hingezaubert: nach der Suppe kam Gemüsereis, Kartoffelgemüse, Spaghetti mit Krabbensoße, Bohnengemüse, Spinat, Fritten, frittierte Krabben und Kaninchenbraten – ich weiß nicht, vielleicht habe ich auch noch was vergessen. Alles schmeckte einfach wundervoll. Dazu gab es Wein, Säfte, Sodas und zum Nachtisch brachte man neben dem Obstsalat unsere Torte und den Sekt. Aber zuerst bekamen wir Geschenke. Von Pater Joao eine sehr schöne Makonde-Schnitzerei einer Cocospalme (wie sollen wir die bloß nach Deutschland kriegen) und eine Batik, und von den lateinamerikanischen Schwestern ein mexikanisches Holzkästchen. Wir konnten gar nichts mehr sagen vor lauter Rührung (hier kriegt sonst nie jemand Geschenke zum Geburtstag). Alle waren so lieb. Und R ist einfach umwerfend: der Bischof macht sich manchmal gerne über die Tansanierinnen lustig, weil sie immer noch kaum Portugiesisch sprechen. Er forderte die eine auf, eine kurze Geburtstagsrede zu halten und sie war so verlegen und stammelte „Parabens“ (Herzlichen Glückwunsch), und alle sahen sie an und warteten, ob noch was käme. Da ging R schnell zu ihr und nahm sie in den Arm und dankte ihr für die schöne Rede.
Mit wem wir auch sprachen, wem wir auch in die Augen blickten, wir sahen nur Liebe und Güte. Sie mögen uns wirklich! Was für ein Abend! Ich muss dauernd daran denken, dass wir jetzt schon wieder einen Ort auf der Welt haben, wo wir liebe Freunde zurück lassen müssen

Jetzt steht die Ebenholz- Cocospalme auf meinem Schreibtisch und das Nashorn, das ich
R zum Hochzeitstag geschenkt hatte, steht darunter im Schatten – wie im richtigen Leben!
Palme-Nashorn.jpg

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Katharina vom Tanneneck 02/10/2012 01:38


Hmm, da können einem ja fast die Tränen kommen. Es war sicher ein sehr schönes Fest, dass Ihr nie vergessen werdet. Die Palme und das Nilpferd sind wunderschön!


Liebe Grüße, Katharina

R.Einloft 02/10/2012 11:35



Wunderschöne Geschenke, sie stehen heute an prominenter Stelle in unserer Wohnung und erinnern an die wunderschönen Seiten unseres Abenteuers.


Bestens, RE