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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(115) Als Seniorexperten in Mosambik 2008: letzte Tage Teil II

22. Februar 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Schloss Camelot
Was für Welten! Der Strom ist weg, wir liegen auf unserem Bett in Afrika, warm wogende Luft streicht über uns. Und in den Kopfhörern geistern König Arthus und die Ritter der Tafelrunde. Mittelalter, winterliche Landschaften, verzauberte Schwerter, Magier und ein wunderschöner König, der allen seinen Untertanen nur Gutes tut. Hier in Afrika gibt es auch Zauberer. Aber der gute König der allen Wohlstand bringt, der fehlt noch.

Kunst
Auf der Insel Ibo gibt es 2 Autos. Das von der Gouverneurin und das vom Hotelbesitzer. Beide Autos hatten einen Unfall. Sie sind zusammengestoßen. Mittenmang. Das bringt auch nicht jeder fertig.

Reklame
„Weil Schmutz Spaß macht: OMO“ wirbt die Reklame. Freut mich zu hören. Ob das auch für Rotweinflecken gilt?

Jetzt ist es passiert
Gleich 2 Zähne raus. War nur eine Brücke. Und das Knie will nicht mehr laufen. Jetzt lispele und humple ich. Mal sehn wie sich das entwickelt. Der einzig gute Zahnarzt hier, ein Italiener, ist anscheinend nicht mehr da. Pater João will sich darum kümmern. Wenn alle Stricke reißen, fliege ich nach Dar es Salaam zu meinem Zahnarzt. Ist ja nicht mehr wie bei Livingstone. Der hätte ein halbes Jahr zu Fuß bis nach Dar es Salaam gebraucht und immer noch keinen Zahnarzt gefunden.

Freundlichkeit
„Seien sie nicht enttäuscht, Mosambikaner grüßen nicht“ stand im schlauen Buch. Es fällt mir immer noch schwer, ruhig zu bleiben, wenn Angestellte am Morgen rein kommen und mich mit keinem Blick beachten, dazu noch ein Gesicht wie 3 Tage Regenwetter. Beim den ersten Malen dachte ich an schlechte Kinderstube. Um festzustellen, dass der Charme von DDR-Zöllnern besonders bei jungen Frauen Landessitte ist.  Mein Vergleich mit DDR Bürokraten ist gewollt. In der Tat haben diese Genossen nach der Unabhängigkeit fleißig geholfen, die durch den Kolonialkrieg und den Abzug der Portugiesen ruinierte Wirtschaft des Landes vollends gegen die Wand zu fahren. Sieht so aus, als hätten sie Bürokraten-Verhalten bis heute (mit) geprägt. Unlust bis Verweigerung, irgend etwas zu tun ist noch immer Tagesordnung in den Verwaltungen. Dass die DDR Einfluss auf das Verhalten junger Menschen in Afrika hatte, wage ich dann doch nicht zu behaupten. Wäre zu viel der Ehre in so kurzer Zeit.
Projekt Diözese Pemba Farmacia - 4PS: Es gibt viele freundliche Mosambikaner!

 

 

 

LAM-Pemba.jpg

 

Ein Erlebnis aus der ersten Welt
Wir waren bei LAM, der Fluggesellschaft, unsere Flüge bestätigen. Ich hatte mich auf ein längeres Palaver mit hohen Geldforderungen wegen Umbuchung eingerichtet. Sogar die Möglichkeit, dass sie uns ablehnen hatten wir diskutiert. In dem Fall, wir waren uns einig, fahren wir mit dem Bus. Am 11. sind wir in Maputo, komme was da wolle. Das Gebäude der Fluggesellschaft ist ein neuer Flachbau, seine saubere blau-rot-weiße Erscheinung sticht heraus zwischen all den grau-weißlichen Gebäuden drum herum. Und dann waren wir in einer anderen Welt. Kühles Klima, schönes Interior, geschwungene Tresen, nette Bedienung. Und kompetent! Sie studiert unseren Flugplan, tippt auf ihrem Computer, sagt, einen Moment, kommt nach Sekunden mit einem Ausdruck zurück, heftet ihn an, überreicht ihn mit einem Lächeln: alles erledigt. M sagt: es war wie auf einem anderen Stern.

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Katharina vom Tanneneck 02/23/2012 00:15


Es gibt doch doch manchmal angenehme Überraschungen im Leben! Eigentlich ist das alles erst vier Jahre her. Da hast Du wirklich viel erlebt in unterschiedlichen Welten. Wie Du auf die DDR
gekommen bist, verstehe ich nicht ganz. Die gab es damals doch gar nicht mehr. 


Liebe Grüße, Katharina

R.Einloft 02/23/2012 12:05



Nee, die DDR gab es zu der Zeit nicht mehr. Aber als sie existierte, haben nicht nur eine Menge Mozambikaner in der DDR studiert, sie haben auch ihre kommunistischen Brüder und Schwestern in
Mozambik tatkräftig unterstützt. Und im Verhalten der Mozambikaner habe ich Analogien entdeckt wie sie besonders bei Zöllnern unseres anderen Deutschlands bekannt waren. Ich will allerdings nicht
sagen, dass die das den Mosambikanern beigebracht hätten. Wäre zu viel der Ehre.


Einen schönen Tag noch (hier alles grau und diesig)


Grüße RE