Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(115) Als Seniorexperten in Mosambik 2008: letzte Tage Teil IV

24. Februar 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Bischof der Belesene

Heute haben wir am Abendbrottisch – abends Brot scheint auch eine typisch deutsche Sitte, denn hier gab es Suppe, Nudeln und Fisch – über Goethe, Hesse und Thomas Mann geredet. Der Bischof hat geredet, er hatte sie gelesen. In Italienisch. Wir haben nur (erstaunt) kommentiert um zu bekunden, dass wir auch was wissen. Enorm, was der Mann alles kennt.

Biestige Priester
Immer dachte ich, ein Bischof ist eine Persönlichkeit zu der alle Untergebenen ehrfurchtsvoll aufblicken. Hier ist das anders. Das scheint so weit zu gehen, dass sie ihn, unseren Bischof, auflaufen lassen. Heute war schlechte Stimmung bei Tisch. Einer hatte ihn einfach sitzen lassen obwohl er doch gesagt habe, er warte auf den Bischof, sagt der Bischof. Und ist stocksauer. Das wird Konsequenzen haben, sagt er. Und tritt gleich dem nächsten auf den Fuß. Unter seiner Schafherde sind einige sture Böcke.

Friedhof mit Deutschen GraebernDeutsche Gräber

Auf dem großen Friedhof haben wir eine Reihe Gräber mit deutschen Namen gefunden. Die Grabstellen verrottet, schief und krumm, halb im Boden eingesunken. Wer sie wohl waren, was sie wohl gemacht haben, diese Abenteurer, die sich vor hundert Jahren hier ansiedelten und gestorben sind? Seit Menschengedenken gibt es keine deutsche Kolonie mehr in Pemba.

 

 

Küche

 

 

 

Die Küche
des Bischofhauses ist in einem Nebengebäude, ziemlich verfallen alles. Doch der Koch zaubert, wenn er will, ganz vortreffliche Mahlzeiten auf seinem alten Herd. Der wäre in Deutschland schon vor Jahrzehnten beim Sperrmüll gelandet. Er lacht immer, wenn wir ihn sehen, seine Kollegen auch. Und freut sich wie ein Schneekönig, wenn wir ihn loben. Scheint er nicht zu kennen.

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post

Katharina vom Tanneneck 02/24/2012 23:27


Es ist schon eine Schande, was wir alles wegwerfen. Viele arme Menschen könnten das gut gebrauchen und wären glücklich. Nur, wie bekommt man das dorthin? 


Für uns ist es eigentlich normal, wenn das Essen gut war, dann lobt man den Koch. Schön, dass Ihr dem Koch damit eine Freude gemacht habt.


Liebe Grüße, Katharina

R.Einloft 02/25/2012 13:13



Jetzt ist er weg, mein Kommentar. Also nochmals:
Ja, wir haben zu viel und viele Menschen auf der Welt haben zu wenig. Das ist, denke ich, auch eine Frage der Gerechtigkeit. Eigentlich müssten wir mehr dazu beitragen, dass diese Länder sich
entwickeln können, das aber würde bedeuten, dass wir z.B. mehr für Rohstoffe zahlen und das die da unten nicht nur Roh- sondern auch Fertigprodukte exportieren können. Eine lange Liste das, was
zu tun wäre. Unser Reichtum gründet auch auf der Armut der Mehrheit der Menschen auf der Welt.


Ja, dem Koch, dem haben wir ab und an Freude bereitet, was hat der sich gefreut.


Beste Grüße aus dem frühlingshaften Tal, RE