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Tuesday, 21. october 2008 2 21 /10 /Okt. /2008 12:52

HommertshausenHommertshausen-56.jpg
liegt an den Ausläufern des Rothaargebirges klein und fein eingepackt in Hügelketten. Geboren bin ich hier. Ich stieg im Jahre 1963 in einen Zug, wie man in einen Traum gerät. Die Hauptsache war, wegzukommen (bei Josef Conrad geklaut weils so schön passt). 19 Jahre dörflicher Indoktrination hatten nachhaltige Wirkung gezeitigt. Fleißig, sauber, sparsam, treu, brav, angepasst und Samstag muss die Straße gekehrt werden. Heute ist es immer noch so. Sicher, alles ist moderner geworden, die Arbeitsethik aber dominiert noch immer. Meine Bücher musste ich auf dem Klo oder nachts unter der Decke lesen. Heute lese ich auch tagsüber - und habe prompt ein schlechtes Gewissen. Um mich herum arbeitsame Männer und Frauen, Motoren kreischen, Werkzeuge scheppern, Menschen eilen - ja sie rennen von einer Arbeit zur anderen. Nach Afrika fällt das besonders auf. Da geht man mit Würde. Und Arbeit ist eine Notwendigkeit.

Manchmal werde ich noch als Senior Experte eingesetzt. Zuletzt in Mosambik. Kamerun ist vorgesehen. Vor den Einsätzen habe ich Respekt. Die Anforderung, in 3 Monaten Strukturen zu ändern, belastet. Doch, ich will ich weitere Abenteuer, Erfahrungen, von hier verschwinden, abtauchen, dann wieder auftauchen mit neuen Geschichten.

Ich will aufschreiben. Nun, da mein Leben einigermassen zum Stillstand gekommen ist. Da waren die Jahre in Afrika und Lateinamerika, der Sex, die Liebe, die Freunde, die Arbeit, das Feiern, immer wenn es ging aus dem Vollen. Da waren diese Menschen, menschlicher oft als bekannt, manchmal auch nicht. Der Kreis hat sich geschlossen, ich bin wieder in Hommertshausen gelandet, dem Dorf, dem ich vor über 40 Jahren entflohen bin. Enge und Kleinheit, Regeln um Regeln sollten mein Leben nicht bestimmen. Nun bin ich wieder da und die Bedrückung kehrt zurück. Positiv ist die Sicherheit der Familie und die soziale Ausrichtung des Dorfs. Da ist ein Spagat von Gefühlen, Gedanken, Erinnerungen zu einem ganz anderen Leben.

Schreiben und studieren: Biografien, Verhaltenssoziologie, Wirtschaftswissenschaft, Ethnologie, Paläontologie. Mein großes Themenfeld ist der Mensch, wo er herkommt, wie er tickt, sich über Wasser hält. Es ist viel, ich komme nur langsam voran. In die Zeit am Schreibtisch und über den Tag verteilt werden kleine Inseln eingeschobe mit Sport, Garten-, Hausarbeit.

Was will ich noch? Lernen, M lieben, Sport machen, lesen, lesen, lesen. Menschen einladen und kennen lernen, Konflikte schlichten, H rauchen und feiern. Und abends: kochen und trinken mit M, zärtlich sein, spielen, Fern sehen und Sex.

Mir ist kalt wenn es Winter wird. Trotz Heizung werde ich kaum warm. Als ob diese verdammte Kälte alles durchdringt. Oder kommt es vom extensiven Leben? Leben in vollen Zügen, präsent sein, menschlich sein und dem Untergang mir Würde begegnen, das will ich lernen von den Großen Vorbildern.   


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